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Bremen aus der Luft Foto Jochen Knobloch Bremer Touristik Zentrale 101891
Das ist meine Hafenstadt – Bremen.
Foto: Jochen Knobloch, Bremer Touristik Zentrale

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Klar Schiff in Bremerhaven

Die „Boatfit”, Wassersportmesse für Bootseigner und Leute, die gern an Booten arbeiten, wurde in Bremen gegründet, nach Hamburg verkauft und kehrt jetzt nach Bremerhaven zurück. Mit dem neuen Namen „Klar Schiff” findet sie vom 16. bis 18. Februar in der Stadthalle in Bremerhaven statt. Wenn sich die Freunde des Wassersports dort treffen, wird es einige Neuheiten geben vor allem an Seminaren und Kursen, darunter ein Gezeitenseminar. Navigation in der Nordsee und ihren Gezeitenzonen ist um einiges schwieriger als die Planung in Ostsee oder Mittelmeer. Viel erhofft sich die Messeleitung auch vom Nautischen Flohmarkt auf der Zuschauertribüne, zu dem sich einige ambitionierte Hobbyhändler angesagt haben. Weitere Details stehen auf der eigenen Internetseite www.klarschiff-bremerhaven.de

18219 Riffgat EWE WEA UW d1 08 Foto EWE OldenburgWindpark Riffgat – deutsches Recht auf niederländischem Gebiet? Foto: EWE, Oldenburg

Wo liegt die Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland?
Ein Unikum in Europa ist der unklare Grenzverlauf zwischen den Niederlanden und Deutschland in der Emsmündung. Deutschland bezieht sich bei seiner Definition auf einen Lehnsbrief aus dem Jahre 1558. Nach ihm ist alles bis zur Niedrigwasserlinie auf niederländischer Seite deutsches Hoheitsgebiet. Die Niederlande gehen bis heute von einer Grenze in der Flussmitte aus. Seit 1960 und dem „Ems-Dollart-Vertrag” arbeiten beide Länder im Geiste guter Nachbarschaft pragmatisch zusammen. Praktische Fragen wie etwa die Zufahrt zu den Seehäfen oder die Suche nach Bodenschätzen und ihre Ausbeute werden in Zusatzabkommen geregelt. Doch einige Kuriositäten bestehen weiterhin. Der Offshore Windpark Riffgat liegt nach niederländischer Definition zum Teil auf niederländischem, zum Teil auf deutschem Gebiet. Zwar gilt dort das deutsche Planungsrecht, aber die Niederländer verzichten nicht auf ihren Gebietsanspruch.

MECKLENBURG-VORPOMMERN zurück in Wilhelmshaven
Fünf Monate dauerte ihr Einsatz, 29.000 Seemeilen wurden zurückgelegt: die MECKLENBURG-VORPOMMERN, Fregatte der Bundesmarine, kehrte Ende Januar in ihren Heimathafen Wilhelmshaven zurück. Weihnachten und Jahreswechsel wurden im Einsatz im Mittelmeer verbracht. In der „Operation Sophia” sollte ein Verband der Europäischen Union die Netzwerke von Schleusern aufklären, die vor der libyschen Küste Menschenschmuggel in kleinen Booten organisieren. Es war bereits der zweite Einsatz der Fregatte unter Fregattenkapitän Christian Schulze. Unvergesslich: nach einer Seenotrettung Anfang November brachte eine geflüchtete Mutter an Bord einen Jungen zur Welt.

tmas Foto Bundesverkehrsministerium

 

 

 

 

 

 


Das Zeichen der Helfer, die von Cuxhaven aus rund um die Welt ärztlich beraten.

Foto: Bundesverkehrsministerium

Ärztliche Hilfe rund um die Welt
Fünfzehn eigens geschulte Ärzte arbeiten rund um die Uhr bei der TMAS in Cuxhaven. Das Kürzel steht für Telemedical Maritime Assistance Service. Die funkärztliche Beratung wird vom Notrufdienst Medico der Helios Klinik im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums und der BG Verkehr betrieben und steht kostenfrei allen Schiffen rund um die Welt zur Verfügung. Wer auf See einen schweren Unfall erleidet, wird an Bord meist von Offizieren behandelt, bis ein Hafen erreicht ist. Doch bis dahin kann wertvolle Zeit verstreichen. Die Ärzte der TMAS stehen für Live-Unterstützung durch Telefon und Mails per Satellit zur Verfügung. Man hofft, demnächst auch Videostreams einzusetzen. Vergleichbare Dienste bieten weltweit rund drei Dutzend Staaten an. Der deutsche Dienst, 1931 gegründet, stand ursprünglich nur deutschen Schiffen zur Verfügung. Im letzten Jahr beriet das deutsche Team über 900 Seeleute auf allen Weltmeeren.

 

18219 2013 05 03 Fotoflug Leer Papenburg DSCF7493 Foto fuer Wremer HeimatkreisDer Leuchtturm „Kleiner Preuße” im Nordseebad Wremen dient nicht mehr als Seezeichen. Zehn ehrenamtliche Leuchtturmwärter teilen sich in den Dienstplan und betreuen Besucher. Foto: Fotoflug Leer Papenburg für Wremer Heimatkreis

Leuchtturm mit zehn Wärtern
In Betrieb genommen wurde der Leuchtturm in Wremen im Land Wursten 1902 als Quermarkenfeuer, das Schiffen die Ansteuerung in der Wesermündung erleichterte. Der Turm erhielt seinen Namen aufgrund seiner geringen Höhe von 10 Metern und wegen seines schwarz-weißen Anstriches in den preußischen Farben. Der heutige Nachbau des „Kleinen Preußen” dient nicht mehr als Seezeichen, sondern als Touristenattraktion, in deren Inneren man einen Einblick in das Leben eines Leuchtfeuerwärters bekommen kann. Der Posten ist heute ein Ehrenamt, für das das kleine Nordseebad dringend Kandidaten suchte. 120 Bewerbungen bekam der Wremer Heimatkreis schließlich, darunter eine aus Australien. 15 wurden eingeladen, zehn blieben übrig, die nun nach einem Plan Dienst tun. Sie mussten Interesse an der Seefahrt haben und Ebbe und Flut und Wind und Wetter erklären können. Von der Galerie aus hat der Besucher einen wundervollen Blick auf den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer” mit all seiner Flora und Fauna, auf den Kutterhafen Wremens und auf das Landesinnere.

18219 Pazifische Austern tPICT0228 Foto DBFeinschmecker mögen jubeln, pazifische Austern, einst von weither eingeflogen, siedeln jetzt auch in der Nordsee.
Foto: Dieter Bromund, Bremen

Kommen und Gehen im Wattenmeer
Im Wattenmeer der Nordseeküste ändert sich die Zusammensetzung der Artengemeinschaft, neun Tier- und Pflanzenarten konnten sich zwischen 2010 und 2015 neu etablieren. 100 Wissenschaftler aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden werteten alle verfügbaren Studien aus und legten jetzt auf Englisch und online einen Report über den aktuellen Status vor. Der letzte entstand im Jahre 2009. Im Marsdiep zwischen Den Helder und Texel stieg die durchschnittliche Wassertemperatur zwischen 1980 und 2015 um 1,5 Grad Celsius. 2014 war mit 12,5 Grad Durchschnittstemperatur das wärmste Jahr. Die Wissenschaftler begründen diese signifikante Erwärmung mit dem fortschreitenden Klimawandel. Er führt zu deutlichen Rückgängen bei Plattfischen, vor allem von Kliesche und Eisflunder am Wattboden. Auch Schollen und Seezunge werden weniger. Der Kabeljau scheint in die kühleren Teile der Nordsee abzuwandern. Zahlreicher werden dagegen Knurrhahn und Wolfsbarsch, die wärmeres Wasser vorziehen. Für Vögel ist das Wattenmeer ein beliebter Rastplatz, der zunehmend für Überwinterungen genutzt wird, vor allem von Gänsen. Auch die pazifische Auster fühlt in der Nordsee wohl und konkurriert mit der hiesigen Miesmuschel um Lebensraum und Nahrung.

18219 Wuemme P1010452 Foto DBFür dieses Gewässer ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen, Außenbezirk Farge zuständig. Der kleine Fluss
Wümme ist ein Tidengewässer mit Ebbe und Flut.
Foto: Dieter Bromund, Bremen

Reisig für den Flusslauf
Die Wümme ist ein Hauptquellfluss der Lesum, die als rechter Nebenfluss bei Vegesack in die Weser mündet. Die Wümme ist damit ein Tidengewässer, Ebbe und Flut wirken sich mit einem Hub bis zu 2,6 Meter weit ins Binnenland aus. Für die Sicherheit auf dem kleinen Fluss, im Sommer ein beliebtes Freizeitrevier, ist das WSA Bremen-Außenbezirk Farge zuständig, dass vor allem den Abschnitt der Unterweser von Lemwerder bis Brake betreut. Techniken, die sich auf der Unterweser bewährt haben, werden ebenfalls auf der Wümme eingesetzt, wenn zum Beispiel im Sturm entwurzelte Bäume ins Wasser ragen oder Uferbefestigungen unterspült wurden und abzusacken drohen. Auch wenn die Wümme sich einen neuen eigenen Weg suchen will, greifen die Männer ein. Holzpfähle werden ins Wasser gerammt, an denen Reisigbündel befestigt werden, die das Wasser in die gewünschten Bahnen lenken. Rund 5.000 Kubikmeter Reisig verarbeiten die Fachleute pro Jahr in ihrem Einsatzgebiet.

9. Februar: Das berühmteste deutsche Mahl in Zahlen
Die Zahlen sind beachtlich. Die 300 Teilnehmer der Schaffermahlzeit wurden von 238 Helfern betreut. 85 Liter Bremer Hühnersuppe (mit Einlagen), 85 Kilo gewässerter Stockfisch mit 50 Kilo Senfsoße und rund 83 Kilo Kartoffeln und Lauchgemüse wurden serviert. Es folgten 125 Kilo Bremer Kohl mit knapp 100 Kilo Kassler, 60 Kilo Kochwurst, 50 Kilo Bremer Pinkel und weiteren 63 Kilo Kartoffeln. Vom anschließenden Kalbsbraten mit Soße gab es 65 Kilo und jeweils 20 Kilo Sellerie-Salat, gedämpfte Äpfel und Katharinenpflaumen. 35 Kilo Rigaer Butt (geräucherte Schollen) folgten, 50 Kilo frisches Obst und 20 kleine Camembert Laibe bildeten den Abschluss. Geleert werden bei diesem ältesten fortbestehenden Brudermahl der Welt bis zu 250 Flaschen Rotwein aus dem Bordeaux und rund 100 Flaschen Weißwein aus Deutschland oder dem Elsass. Fünf Stunden dauerte die Mahlzeit, elf Reden wurden gehalten. Die Spenden der Gäste dienen dem Unterhalt des Hauses Seefahrt. Über ihre Höhe ist nichts bekannt.

18219 P1160723Traditionsschiffe Foto Dieter BromundTraditionsschiffe, die den Charme vieler Häfen ausmachen, bleiben uns dank einer neuen Verordnung erhalten. Für Repliken, die neu gebaut werden, gelten andere Vorschriften. Foto: Dieter Bromund, Bremen

Traditionsschiffe jetzt mit Bestandsschutz
Ein Schiff, das bislang als Traditionsschiff klassifiziert war, behält seinen Status und muss ihn nicht alle paar Jahre wieder aufwendig nachweisen. Neu entstehende Repliken fallen nicht unter diese Regelungen, sondern müssen nach anderen Sicherheitskriterien gebaut werden. Mit diesem Beschluss und weiteren tragfähigen Kompromissen sei die Zukunft der Traditionsschiffe gesichert, hieß es dazu aus der großen Verhandlungsrunde im Berliner Verkehrsministerium. Die neu getextete Verordnung wird auch mit den Küstenländern verabschiedet. Falls nicht neuerliche Proteste laut werden, kann die Saison 2018 mit der neuen Verordnung beginnen.

12.000 Container in 15 Überseeländer
Ab 2019 werden am JadeWeserPort in Wilhelmshaven Autoteile von Audi, Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge für den Konzern verpackt und auf den Transport in alle Welt vorbereitet. Rund 7.000 verschiedene Fahrzeugteile werden künftig nach Wilhelmshaven geliefert und jede Woche in 250 Container verpackt. Pro Jahr werden so mehr als 12.000 Container in 15 Übersee-Länder transportiert, vor allem nach Mexiko, China und die USA. Das neue Verpackungszentrum wird auf einem 100.000 m² großen Grundstück im Güterverkehrszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zum Container Terminal entstehen und vier Hallen umfassen. Die haben insgesamt eine Fläche von mehr als 40.000 m². Den Bau des neuen Verpackungszentrums übernimmt ein privater Investor, Baustart ist noch in diesem Jahr. Der Verpackungsbetrieb soll 2019 beginnen und wird von einem Logistik-Dienstleister übernommen.


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18219 Das Meer 9783803136480

 

Das besondere Buch
Das Meer
Geschichte der ältesten Landschaft

Rezension von Dieter Bromund

Das Titelbild des Buches ist ein verkleinerter Ausschnitt eines gewaltigen Bildes, das der englische Maler Walter Crane 1892 malte. 85,6 cm hoch und 215 cm breit sind „Die Rosse des Neptun”. Es zeigt eine Brandungszone als daher stürmende weiße Pferde, gelenkt vom Meeresgott. Das Bild hängt in München in der Pinakothek – weit weg von jedem Meer. Wer sich auf ein derartiges Buch einlässt, ist ein Salzwasserfreund oder wird es. Dieter Richter, Jahrgang 1938, Autor nicht nur dieses Buches, erklärt im ersten Satz, was er beabsichtigt: „Wenn Landschaft die vom Menschen in Besitz genommene, gestaltete und veränderte Natur ist, dann ist das Meer die älteste Landschaft der Erde. Ihre Geschichte erzählt dieses Buch.” Auf 210 Seiten, denen Fußnoten, ein Literaturverzeichnis, ein Bildnachweis und ein Register folgen: solide, handwerkliche Arbeit in 13 Kapiteln, lesenswerten, die Illustrationen sind in den Text eingebaut. Kein Fotobuch, keine Glanzbilder – und dennoch ein großer Genuss. Das Buch wiegt ganze 558 Gramm und sollte auf jeder Reise auf, über und an Salzwasser mitgenommen werden.
Der Autor fängt weit vor Adam und Eva an, der Weg aus dem Hadaikum ist eine geowissenschaftliche Erzählung vom Meer. Warum die Urmaterie Wasser entstand, wissen wir immer noch nicht. Erst drei Milliarden Jahre später entwickelt sich im Meer marines Leben, doch fast alle Arten starben vor 250 Millionen Jahren wieder aus. Aus dem Urmeer ragte ein einziger Superkontinent. Auf dem Land entwickelte sich die Evolution weiter, im Meer retardierte sie.
Mythen erklären, wie es weiterging, Religion und Philosophie nutzen die Bildkraft des Meeres für ihre Zwecke. Das Kapitel „Leviathan” handelt vom Meer und vom Tod, danach beginnt eine Reise durch Poseidons Reich bis in die Tiefsee und weiter in die Gegenwart bis zu den „meerlosen Deutschen”.
Man stutzt und teilt danach dann doch die Meinung des Autors: Im Erfahrungsschatz und in der Literatur der Deutschen „hinterließ das Meer geringere Spuren als bei Italienern, Portugiesen, Spaniern, Franzosen, Briten und Amerikanern.” Als einzige deutsche marine Abenteuer-Autoren nennt Richter Friedrich Gerstäcker und B. Traven. „All die anderen – und mit ihnen die Mehrzahl der Deutschen – haben „ihr” Meer anderswo gefunden, beschrieben, bedichtet, gezeichnet, in Töne gesetzt oder einfach nur genossen: in der Ferne. Oder segelnd im Ozean der Gedanken und der Phantasie.” Und damit geht es dann ab Seite 81 weiter in die „wirkliche” Wirklichkeit. Ab wann und warum wurde im Meer gebadet oder davor gewarnt? Wie entwickelte sich das Kurleben in Deutschland? Wie die Erforschung der See? Und was folgt heute und in Zukunft aus dem Abschmelzen der Polkappen und dem Steigen des Meeresspiegels?
Dieter Richter ist sich sicher: „In jedem Fall wird das Meer den Menschen überleben. Dann freilich wird es auch keine Landschaft mehr sein.” Doch ehe es so weit kommt, sollte man das Buch gelesen haben. Die Freude wird bleiben.

Dieter Richter
Das Meer
Geschichte der ältesten Landschaft
Verlag Klaus Wagenbach Berlin, ISBN 978-3-8031-3648-0, € 24,90