SeereisenMagazin Logo klein 347 65OSTSEEMAGAZIN · AUSGABE 5/2019hr

18121 Hafeneinfahrt Warnemuende RP17 062 kl Foto Rostock Port
Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde.
Foto: Nordlicht für Rostock Port

hr

19521 Prof Wehner vor Baustelle 2 P1020574 Foto Reiner FrankDas Foto zeigt Prof. Karsten Wehner, Leiter des Warnemünder Fachbereichs der Hochschule Wismar, vor der Baustelle des Lehrtrakts auf dem Warnemünder Campus. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

50 Jahre seemännische Ausbildung in Warnemünde
Am kommenden Montag (16. September) beginnt im Hochschulbereich wieder der Studienbetrieb · Eröffnung im Zeichen des Jubiläums · Campus-Ausbau läuft weiter · Kooperation mit Indonesien
Rostock, 11. September 2019 – Der Campus der Seefahrtsschule am Ortseingang von Warnemünde erwacht. Bereits in dieser Woche beginnen die Vorkurse für die Neulinge, damit sie sich auf die Anforderungen in den „Scharfrichterfächern” wie Mathematik und Physik gut einstellen können. Am 16. September erfolgt in der Aula die offizielle Eröffnung des Studienjahrs. Prof. Karsten Wehner (62), der Leiter des Bereichs Seefahrt der Hochschule Wismar, ist bereits am Sonntag nach Indonesien gereist, wo am Standort in Surabaya gestern der Studienauftakt erfolgte. 54 Neue konnte er hier am Institut Teknology (ITS) auf Ostjava begrüßen und 48 Absolventen verabschieden. Für die Bachelor-Ausbildung in Warnemünde haben sich bislang 26 für das Nautik- und 15 für das Technik-Studium angemeldet. Vier und mit Leuten von AIDA Cruises neun Bewerber gibt es für die Fachrichtung Elektrotechnik. Das ist insgesamt etwas weniger als im Vorjahr.
Noch sind die Zahlen vorläufig, denn bis Freitag läuft noch die Einschreibefrist. Und wer sich nach dem Bachelor- mit dem darauf aufbauenden Master-Marine-Engeneering-Studium weiter qualifizieren will, hat sogar bis Mitte Oktober noch Zeit. In Warnemünde wird damit gerechnet, dass sich ein Großteil der Studenten dafür entscheiden wird. In Indonesien ist ein Master-Abschluss allerdings weniger gefragt, wird eine Überqualifizierung aus Sicht der Praxis befürchtet. So haben sich bislang auch nur vier bis sechs Interessenten dafür gefunden. Das Bachelor-Studium aber ist ein Magnet. Aus etwa 1.000 Bewerbungen kann hier ausgewählt werden.
Die Eröffnung des neuen Studienjahres in Warnemünde wird im Zeichen eines Meilensteins in der Geschichte der Seefahrtausbildung in Rostock stehen. Vor 50 Jahren wurde sie durch den Zusammenschluss der 1846 gegründeten Seefahrtsschule Wustrow und der Ingenieurschule für Schiffstechnik Warnemünde am Standort konzentriert. Am 12. September 1969 war die Ingenieurschule für Seefahrt Warnemünde / Wustrow (IHS) in einem Festakt im Volkstheater Rostock die Gründungsurkunde überreicht worden. Auch etliche der Professoren des gegenwärtigen Lehrkörpers haben ihr Studium hier (zwischenzeitlich ja universitäre Ausbildung bis hin zum Promotions- und Habilitationrecht) absolviert, erinnert Karsten Wehner, der auch selbst hier 1987 das Studium abschloss und 1991 promovierte. Nach der Auflösung der IHS 1990 über die „Zwischenlösung” Universität Rostock ist die Bildungsstätte seit 1992 als Warnemünder Bereich Seefahrt an die Hochschule in Wismar angegliedert. Am kommenden Sonnabend findet ein Absolvententreffen statt.
Auf dem Campus ist der weitere Ausbau des Komplexes in vollem Gange. Nach der Modernisierung des Turmgebäudes erfolgt seit April die grundlegende Sanierung des daran anschließenden Lehrtrakts. Und Wehner hofft, dass im nächsten Jahr auch die vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung eines neuen Techniklabors beginnen. Das 1998 errichtete Maritime Simulationszentrum wird gegenwärtig mit Up-dates für drei bis vier Millionen Euro weiter auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Hier und in den Laboren werden sich demnächst auch wieder Partner aus Indonesien qualifizieren.
Die Hochschule Wismar verbindet sowohl mit dem ITS in Surabaya (praktisch eine Außenstelle) als auch mit der Seefahrtsschule Polimarin in Semerang eine kooperative Zusammenarbeit. Warnemünder Hochschullehrer halten hier Vorlesungen und vor Ort koordiniert ein Warnemünder die Aufgaben.
Etwa 450 Studenten und Fachschüler beleben den Campus in Warnemünde. Ihnen stehen gegenwärtig elf Professoren sowie 49 Mitarbeiter (davon 16 durch Drittmittel in der Forschung) zur Seite. Die Bemühungen um die Besetzung zwei noch vakanter Professuren laufen.
Neben der Lehre ist die Forschung ein wichtiger Aktivposten des Fachbereichs. An der Hochschule wird in diesem Sinne das Schifffahrtsinstitut und das Institut für Innovative Schiffs-Simulation und Maritime System wirksam. Immerhin liegen die Drittmittel-Einnahmen zwischen 100.000 bis 120.000 Euro pro Professor und Jahr, das liegt im Vergleich zu anderen Fachbereichen deutlich über dem Durchschnitt, betont Wehner. Er selbst betreut unter anderem Forschungsprojekte zur Diagnostik sowie zur Vermeidung von Abgas-Emissionen.
Anzumerken ist, dass an der angegliederten Fachschule bereits der Schulbetrieb in dieser Woche begann. Hier starteten neun Schüler die nautische und acht die schiffsbetriebstechnische Ausbildung. Hinzu kommen zwölf Schüler für das Befähigungszeugnis in der küstennahen Fahrt für Schiffe mit einer Bruttoraumzahl weniger als 500 BRZ. Reiner Frank

 

19521 Hafenkapitaen Gisbert Ruhnke P1020543 Foto Reiner FrankIm Rostocker Hafen- und Seemannsamt steht ein Wachwechsel bevor. Hafenkapitän Gisbert Ruhnke (66) geht dem Ruhestand entgegen. Am 29. August wird er im Seehafen verabschiedet. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Hafenkapitän geht von Bord
Wachwechsel im Rostocker Hafen- und Seemannsamt: Gisbert Ruhnke wird nach 50 Jahren im Dienst für Schifffahrt und Hafen verabschiedet / Staffkapitän von der EUROPA 2 wird Nachfolger
Rostock – Im Rostocker Hafen- und Seemannsamt steht ein Wachwechsel bevor. Hafenkapitän Gisbert Ruhnke (66) geht dem Ruhestand entgegen. Am 29. August wird er im Seehafen verabschiedet, um Ende September nach mehr als 50 Jahren im Dienst für Schifffahrt und Hafen das Ruder aus der Hand zu geben.
Am 5. August 1969 hatte er seine Lehre bei der Deutschen Seereederei (DSR) begonnen, eine Woche später ging er mit dem Lehr- und Ausbildungsschiff GEORG BÜCHNER bereits auf große Fahrt nach Kuba und Mexiko. Weitere Reisen nach Fernost folgten. Dem an der Peene bei Anklam aufgewachsenen „Landei” wuchsen die sprichwörtlichen Seebeine und er qualifizierte sich an der Seefahrtsschule in Warnemünde-Wustrow zum Nautiker, wurde 3., 2. und 1. Offizier. Später widmete er sich als Lehrer der Ausbildung des seemännischen Nachwuchses, fuhr zwischendurch aber immer wieder auch zur See. Nach der Wende blieben Schiffe sein zweites Zuhause. Er qualifizierte sich weiter, erwarb 1996 das große Patent, ging in der Spezialschifffahrt insbesondere auf Ro/Ro-Schiffen bis 2001 als Chief-mate und vertretungsweise als Kapitän für die DSR und Laeisz auf große Fahrt, so zuletzt mit der KAHLEBERG. Der Diplomingenieur, der 1992 sein Maschinenpatent erwarb, wurde auch Diplom-Ingenieurpädagoge. Als der Seemann schließlich an Land fest vor Anker ging, trat er 2001 seinen Dienst beim Hafen- und Seemannsamt an – zunächst als Hafenmeister, dann als Stellvertreter und 2007 schließlich bis heute als Hafenkapitän.
Seit 1991 nimmt das Hafen- und Seemannsamt Rostock die öffentlich-rechtlichen und hoheitlichen Befugnisse als Ordnungsbehörde in den Rostocker Häfen und die eines Seemannsamtes wahr. Seit zwei Jahren ist auch der Hafenbau hier wieder integriert. Insgesamt 35 Mitarbeiter unterstehen dem Hafenkapitän. Ob als Leitstelle des Verkehrs, den Aufgaben für Hafensicherheit und Umweltschutz bis hin zur Ausgabe von Fischereischeinen und der Überreichung der Seemannspatente ist ein vielfältiges Aufgabenspektrum zu bewältigen. Aktuelle Belange wie die Ballastwasserabgabe, die Vorbereitung auf umweltfreundliche Treibstoffe wie LNG und die Nutzung von Landstrom gehören dazu.
Dabei blickt Gisbert Ruhnke als Präsident des Verbandes Deutscher Hafenkapitäne seit 2010 auch über die heimischen Gewässergrenzen hinaus. 21 Häfen gehören dieser Vereinigung an. Einige Vertreter wie die Amtskollegen aus Hamburg, Bremen, Stralsund und Sassnitz werden so sicher bei seiner Verabschiedung dabei sein. Im November bei der nächsten Zusammenkunft des Verbandes wird hier sein Nachfolger bestimmt werden.
Zunächst muss er seine Dienstzeit noch um einen Monat weiter verlängern, damit sich sein Nachfolger an seiner Seite noch einige Wochen einarbeiten kann. Das wird nach einer Ausschreibung der Rostocker Nautiker Falk Zachau sein, der zuletzt als Staff-Kapitän auf der EUROPA 2 für Hapag-Lloyd im Einsatz war. Reiner Frank

 

194021 Sigandor Baby P1020493 Reiner FrankDie jüngste Teilnehmerin bei der diesjährigen Hanse Sail in Rostock dürfte die gerade erst vier Monate alte Tara sein. 
Foto: Reiner Frank, Rostock

Tara ist die jüngste Sail-Teilnehmerin
Vier Monate altes Baby an Bord der SIGANDOR · Ketsch ist bereits 110 Jahre alt · 20. Sail für den Eigner
Rostock, 9. August – Die jüngste Teilnehmerin bei der diesjährigen Hanse Sail dürfte die gerade erst vier Monate alte Tara sein. Lotte und Rieke Boomgaarden, die Eltern des Babys, sind mit ihr auf der Ketsch SIGANDOR von Flensburg nach Rostock gekommen. Nach einem 10-Tagestörn mit an Diabetes erkrankten Kindern hatten sie bereits am Wochenende im Stadthafen festgemacht. „Wir waren mit Tara bereits zuvor bei der Kieler Woche, dem Hamburger Hafengeburtstag und der Flensburger Rum-Regatta”, berichtet der Skipper, dessen Nachwuchs also schon früh die sprichwörtlichen „Seebeine” wachsen.
Rieke Boomgaarden erlebt in diesem Jahr bereits die 20. Hanse-Sail. Seit dem Jahr 2000 ist er Eigner der schmucken Ketsch, die 1909 für einen Hamburger Reeder in Hogesand gebaut worden war. In diesem Jahr kann er also auf das 110jährige Jubiläum des 36 Meter langen, 5,50 Meter breiten Traditionsschiffes mit einer Segelfläche von 400 Quadratmetern zurückblicken, das sich bis auf die ein wenig versetzte Kajüte noch im Originalzustand befindet. Für Mitfahrten an Bord der SIGANDOR, die bei den Clement-Bootstegen ihren Liegeplatz hat, kann der Skipper auch noch einige freie Plätze bieten. Und dann werden er und Ehefrau Lotta sicher auch ihr Baby vorstellen.

19421 Heiko Schliek P1020476 Foto Reiner Frank RostockNunmehr ist für Heiko Schliek seit wenigen Wochen die AIDAmar sein zweites Zuhause. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Ganz in weiß zu Weißen Nächten
Vom Bodensee auf Nordlandtörn: der Hotelmanager Heiko Schliek von der AIDAmar / Nachhaltigkeit gehört zu seinen Aufgaben / Mit seiner Kamera Vorgeschmack auf neues Fahrtgebiet
Rostock, 7. August – An Bord der AIDAmar herrscht geschäftiges Treiben. Der Kreuzliner war am frühen Morgen nach Warnemünde gekommen und wird hier am Terminal für den nächsten 10-Tage-Törn zu den Metropolen der Ostsee vorbereitet. Zehn Trucks sind angerollt, um den Cruiser mit Proviant und Ausrüstungsteilen zu beliefern. Abreisende und Neuankömmlinge begegnen sich am Kai des Neuen Stroms – die einen voller Eindrücke, die anderen voller Erwartungen. Auf dem Sonnendeck drehen einige noch eine Abschiedsrunde. „Es war eine unserer herrlichsten Reisen”, schwärmt ein Ehepaar aus Wernigerode und bedankt sich beim Hotelmanager für die schönen Tage, die sie an Bord und bei den Ausflügen erlebt wurden. Die Reise führte die Gäste über Tallinn nach St. Petersburg, wo sie allein zwei Tage Station machten, und weiter über Helsinki, Stockholm und Kopenhagen zurück nach Warnemünde. Bleibende Eindrücke hinterließ allein die Ausfahrt auf der Newa im Zeichen der Weißen Nächte. „Unser Hinweis, sich dafür – wenn möglich – auch entsprechende Kleidung einzupacken, hatte Widerhall gefunden und 70 bis 80 Prozent der Gäste erschien ganz in weiß”, berichtet Heiko Schliek (46), der Anfang Juli seinen Dienst als Hoteldirektor an Bord dieses Aida-Cruisers begann.
Sein Verantwortungsbereich sei alles, was nicht mit Technik verbunden ist, bringt er seine Aufgaben auf einen kurzen Nenner. Dazu gehört das Entertainment, der Hotelbereich von der Rezeption bis zu den Kabinen, von der Küche bis zu den Restaurants und Bars, von Spa und Wellness bis zur Wäscherei. Nach dem Kapitän ist der Hotelmanager praktisch der zweite Chef an Bord. Etwa 510 Leute aus etwa 20 Nationen gehören zu seinem Team. Mit sieben Restaurants, elf Bars und 1.097 Kabinen entspricht das einem großen Hotel an Land. Da heißt es, für eine Reise gut vorbereitet zu sein. Bei einem 10-Tage-Törn werden allein 5.000 Kilo Fleisch verzehrt und 8.000 Liter Bier getrunken, um nur zwei kulinarische Beispiele zu nennen.
In der Ferienzeit, wo wiederholt allein 500 Kinder an Bord sind, ist die Zahl der Betreuer nicht nur im Kids Club zu verstärken, sind spezielle Unterhaltungsprogramme gefragt. Großen Anklang finden beispielsweise Kopfhörer-Partys, so genannte Silent-Discos, wo die Beteiligten nach verschiedener Musik singen und tanzen, was für viel Gaudi sorgt. Heiko Schliek berichtet von weiteren Shows und Programmen, in die sich zum Teil auch die Crew mit einbringt. Er selbst stellt sich den Reisenden mit seinem Hobby – dem Fotografieren – vor. Mit seiner Kamera vermittelt er Eindrücke von fernen Kontinenten, gibt so von seinen Privatreisen auch einen Vorgeschmack auf ein neues Fahrtgebiet von AIDA Cruises, die mit dem Neuzugang AIDAmira von Costa ab Ende November auch Südafrika ansteuern wird.
Bei einem Meeting am Morgen werden die Aufgaben des Tages an Bord durch die Bereichsleiter besprochen und am Abend dann kontrolliert, wie alles gelaufen ist. Zweimal in der Woche tagt auch der Schiffsrat. Nachhaltigkeit ist an Bord ein wichtiges Thema. Bis hin zur Vermeidung von Plastik- und Einweg-Produkten wurde bei AIDA dafür der Kurs abgesteckt. An Bord gibt es so nur noch Trinkhalme, die aus biologisch abbaubarerer Stärke produziert werden. Kaffee „to go” wird nur noch in Mehrwegbechern und Beigaben wie Kekse werden unverpackt angeboten. Aus dem Shop kommen nur noch Papiertragetaschen. Die Wäschebeutel in den Kabinen werden aus kompostierbarer Stärke produziert und die frische Wäsche ohne Plastikfolie geliefert. Da man in der Küche auf Convenience-Produkten verzichtet, wird Verpackungsmüll vermieden. Neben umweltfreundlichen Schiffsbetrieb zählt auch all das, betont der Manager.
Heiko Schliek ist bei Konstanz am Bodensee heimisch. Sein Vater, ein Norddeutscher, war damals nach einer Dienstreise in Überlingen sesshaft geworden. Heiko wuchs hier auf, ging hier zur Schule, lernte in Konstanz Koch und qualifizierte sich weiter zum Hotelkaufmann. Von einem renommierten Hotel in der Schweiz zog es ihn hinaus in alle Welt. Nach Arosa in Graubünden wurden Dresden, Irland, Österreich und England sowie Griechenland weitere Tätigkeitsfelder.
Seit 2008 fährt er auf AIDA-Schiffen als Hotelmanager zur See. Auf der AIDAdiva fing er an, inzwischen hat er schon mehrere Schiffe der Flotte kennengelernt. Für die letzten zwei Jahre wurde die AIDAvita sein Stammschiff. Nunmehr ist für Heiko Schliek seit wenigen Wochen die AIDAmar sein zweites Zuhause. Sie wird es voraussichtlich auch über den Sommer hinaus bleiben und wieder im kommenden Winterhalbjahr sein, wenn das Schiff planmäßig auf Mittelmeerkurs geht. In Warnemünde ist der Cruiser am Sonntag wieder am Kai und wird dann noch sechsmal in diesem Jahr am Terminal festmachen. Reiner Frank

 

194021 03 cuauhtemoc stadthafen sail c lutz zimmermannHoch oben in den Rahen der CUAUHTEMOC begrüßten die Matrosen beim Einlaufen in den Stadthafen die Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Foto: Hanse Sail C. Lutz Zimmermann, Rostock

Besondere Gäste der 29. Hanse Sail erreichten am Mittwochnachmittag Rostock
Die Segelschulschiffe aus Italien und Mexiko, AMERIGO VESPUCCI und CUAUHTEMOC, liefen ein. Das 1931 gebaute Segelschulschiff AMERIGO VESPUCCI nimmt zum ersten Mal Kurs auf die Hanse Sail in Rostock und liegt in Warnemünde am Passagierkai. Dort bietet die italienische Marine Open-Ship an. Am Donnerstag können Interessierte das Schiff von 15 bis 17 Uhr besichtigen sowie am Freitag und Samstag von 10 bis 12.30 Uhr und 16.30 bis 21 Uhr. „Schon seit vielen Jahren laden wir die AMERIGO VESPUCCI zur Hanse Sail ein. Umso glücklicher sind wir, sie heute in Rostock willkommen zu heißen”, freut sich Holger Bellgardt, Leiter des Büro Hanse Sail, über die Ankunft.
Die mexikanische Bark CUAUHTEMOC steuert Rostock zum dritten Mal an. In einem eindrucksvollen Bild passierte das Schiff die Molenfeuer in Warnemünde. Hoch oben in den Rahen des Schiffes begrüßten die Matrosen beim Einlaufen in den Stadthafen die Hanse- und Universitätsstadt. Insgesamt haben sich 171 Schiffe zum maritimen Spektakel in Rostock angemeldet. rfra

 

19421Jens Kaekenmeister Denis Oswald P1020409Links der Terminalleiter Warnemünde, Jens Käkenmeister mit seinem Stellvertreter Denis Oswald vor dem Kreuzliner CELEBRITY SILHOUETTE und der Baustelle des entstehenden neuen Servicegebäudes. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Ein „Fünfer” als Spitze der Saison
Logistische Herausforderungen an den Kreuzfahrt-Terminals in Warnemünde und im Rostocker Seehafen · Mit Verstärkung auch Mehrfach-Anläufe gut zu meistern · Beeinträchtigungen des Wohnumfelds weiter minimieren
Rostock, 17. Juli 2019 – Als jüngst gleich fünf Kreuzliner das Rostocker Hafenrevier ansteuerten (drei nach Warnemünde und zwei zum Seehafen), war das eine Herausforderung an die Logistik, an den Einsatz etlicher Mitarbeiter und Dienstleister des Rostocker Hafens. „Die Schiffe konnten sicher und planmäßig fest- und wieder losmachen”, freute sich nach dem einzigen Fünffach-Anlauf der Saison Terminalleiter Jens Käkenmeister (52). Nicht nur sein kleines Team – mit ihm sechs Mann – hatte an diesem Tage zur Krönung der Saison alle Hände voll zu tun. Für tatkräftige Unterstützung sorgten Kollegen aus dem Überseehafen.
So waren zusätzlich 25 Festmacher allein für die Kreuzfahrtschiffe im Einsatz. Über 80 Sicherheitskräfte standen zur Kontrolle und Lenkung der über 10.000 Passagiere bereit. Die für den Hafen tätige Sicherheitsfirma war eigens mit Kollegen aus anderen Standorten der Unternehmensgruppe verstärkt worden. Zudem waren zwei Stauereien gefordert, um 44 Proviant-Lkw an den fünf Liegeplätzen zu entladen. Gleich sieben Mal musste der Rettungsdienst zu den Schiffen gerufen werden. „Sicherheitsdienste, Stauereien, Landausflugsagenturen, ja alle Dienstleister waren am Ende des Tages geschafft, aber auch glücklich und stolz diese logistische Herausforderung ohne größere Probleme gemeistert zu haben”, konstatierte der Terminalchef.
Solche Anlaufspitzen mögen für manchen Betrachter ja ein Highlight sein, eine Streckung der Zuläufe über die Woche verteilt wäre sicher vielen Dienstleistern lieber, offenbart Käkenmeister, der mit 180 bis 200 Anläufen für Rostock im Jahr die Kapazitätsgrenzen sieht. Als wir ihn besuchten, lag mit der CELEBRITY SILHOUETTE nur ein großer Kreuzliner am Warnemünder Kai. Die Kontrollen durch Bundespolizei und Zoll des aus St. Petersburg kommenden Cruisers waren längst geschehen, das Gros der Passagiere mit dem Zug nach Berlin oder mit Bussen zu Erkundungen im Umfeld unterwegs. Am Terminal war Ruhe eingekehrt. Das Wohnumfeld soll ohnehin nicht zu sehr beeinträchtigt werden. So wurden die Kühltrucks mit ihren laufenden Motoren inzwischen zu Stellplätzen im Werftareal umgeleitet. Die Beladezeiten wurden begrenzt. Die Schiffe sind auch angewiesen, ihre Lautstärken – sei es von Musik oder anderen Veranstaltungen an Deck – herunterzufahren. Die Ausnahme ist das akustische Signal für die vorgeschriebene Sicherheitsübung der Besatzungen im Hafen.
Für eine reibungslose Abfertigung hält Jens Käkenmeister mit seinem Team die Fäden zusammen. Da sind die Abläufe zu koordinieren, für Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit am Terminal zu sorgen. „Der erste Eindruck ist da schon wichtig”, lautet sein Credo. Nahezu 35 Jahre ist der gelernte Elektriker im Hafen bereits tätig, wurde hier Dispatcher, Leiter Hafensicherheit und Terminalchef, hat somit auch die Kreuzfahrer-Liegeplätze im Seehafen und die Warnemünder Anleger im Blick.
Das Warnemünder Terminal ist gegenwärtig Baustelle. Auf 280 Bohrpfählen wurde das Areal am Liegeplatz P 8 für den Bau eines weiteren Terminalgebäudes mit Stellflächen vorbereitet und vorübergehend für den laufenden Betrieb mit einer Bitumen-Schutzschicht abgedeckt. Der Rohbau des Servicegebäudes ist bereits aus den Kinderschuhen gewachsen und die Bauleute sind je nach Betrieb am angrenzenden Zelt mehr oder weniger weiter am Werk. Wenn am 12. Oktober mit der NORWEGIAN GETAWAY hier der letzte Anlauf erfolgt, geht es richtig los. Zur nächsten Saison soll das neue Terminalgebäude einsatzklar sein. Sämtliche Zuführungen bis hin zu den Rohren für die Kabel sind bereits verlegt. 2020 soll dann ein Schiff in Warnemünde auch mit Landstrom versorgt werden können.
Der Terminalchef freut sich, dass auch in Rostock die Bedingungen weiter verbessert werden. Abfertigung und Neubau dafür miteinander in Einklang zu bringen - darauf hat sich sein Team in enger Abstimmung mit der Bauabteilung von Rostock Port eingestellt. Reiner Frank