SeereisenMagazin Logo klein 347 65OSTSEEMAGAZIN · AUSGABE 6/2019hr

18121 Hafeneinfahrt Warnemuende RP17 062 kl Foto Rostock Port
Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde.
Foto: Nordlicht für Rostock Port

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19621 Kollision P1020754 002 Reiner FrankDie Kollision von einem Frachter mit einem Fahrgastschiff unmittelbar erlebt und fotografiert. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Frachter rammt Scandlines-Fähre
Fährverkehr nach Gedser durch den Ausfall der BERLIN beeinträchtigt · Dänischer Küstenfrachter lief am Freitag im Rostocker Seekanal aus dem Ruder
Rostock, 2. November – Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich vergangenen Freitagnachmittag im Rostocker Seekanal den Küstenfrachter DANICA VIOLET direkt auf die vom Hafen gerade ausgelaufene Scandlines-Fähre BERLIN zulaufen sah. Und er lenkte nicht ein, sondern rammte mit dem Vordersteven den Bug des Fährschiffs. Die Fähre trug beim Zusammenprall mit einem einen drei Meter langen Riss in der Außenhaut oberhalb der Wasserlinie davon. Auch der einlaufende Frachter wurde beschädigt, er will im Hafen Windkraftanlagen für Frankreich laden.
Es sei ein Schaden in Höhe von rund 200.000 Euro entstanden, hieß es von der Wasserschutzpolizei. Ursache sei möglicherweise ein technisches Problem auf dem Frachter gewesen. Verletzt wurde niemand. Scandlines traf es härter. Die BERLIN musste mit über 300 Passagieren zurück in den Hafen, um den Schaden zu begutachten. Und weitere Abfahrten mussten abgesagt werden. Das Schwesternschiff COPENHAGEN ist zur planmäßigen Werftinspektion, fällt somit auch für den planmäßigen Verkehr zwischen Rostock und Gedser aus und die notwendige Reparatur der BERLIN ist aufwendiger als gedacht. Vorgeshen war ursprünglich, den Verkehr am Samstagnachmittag wieder aufzunehmen. Der in der Regel zwischen Rødby und Puttgarden als Frachtfähre eingesetzte Oldtimer KRONPRINS FREDERIK muss nun die Lücke halbwegs schließen. Als alternative Route empfiehlt Scandlines die Überfahrt von Puttgarden nach Rødby. Dort fahren die Fähren laut Reederei planmäßig im 30-Minuten-Takt. Reiner Frank

 

19621 Aida Cruiser P1020468 Reiner FrankDie AIDAmar am Warnemünder Kreuzfahrt-Terminal. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Was nicht nur Händler und Gastwirte erfreut –
Kreuzschifffahrt sorgt auch für Wertschöpfung
Kieler Studie veranschaulicht ökonomische Effekte · Etwa 43,3 Millionen Euro blieben 2019 in der Rostocker Region · Ausbau des Warnemünder Terminals und der Infrastruktur wird Attraktivität weiter erhöhen
Rostock, 28. Oktober – Von den Warnemünder Einkaufsmärkten kommen Seeleute mit großen Tüten ihrer Einkäufe. Passagiere beleben Gaststätten und erfreuen die Händler mit ihren Umsätzen. „Die Kreuzschifffahrt im Rostocker Hafen ist nicht nur ein nationales und internationales Markenzeichen für die Hansestadt und Mecklenburg-Vorpommern, sondern sorgt auch für eine beträchtliche Wertschöpfung. Die aus der Kreuzschifffahrt in Rostock-Warnemünde und Mecklenburg-Vorpommern generierten Umsätze betrugen 45,9 Millionen Euro im Jahr 2018. Das ergab eine Studie des Kieler Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa, für die im vergangenen Jahr neben Passagieren und Besatzungsmitgliedern auch verschiedene Branchenvertreter interviewt wurden. Im vorigen Jahr verzeichnete der Kreuzfahrthafen Rostock-Warnemünde 206 und in diesem Jahr 196 Anläufe von Passagierschiffen. Hochgerechnet ergab, dass Einnahmen in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern für das Jahr 2019 von 43,3 Millionen Euro.
Die Befragung ergab folgendes Ausgabeverhalten der Passagiere mit Aufenthalt in Rostock-Warnemünde: Die Landausflügler bzw. Transitpassagiere geben pro Kopf etwa 43 Euro, Reisewechselpassagiere rund 58 Euro und die Besatzungsmitglieder auf Landgang etwa 55 Euro aus. Bei den Reisewechselpassagieren kommen anteilig noch Ausgaben für Unterkünfte und Parkgebühren hinzu. So lassen Kreuzfahrtpassagiere und Besatzung pro Saison knapp 29 Millionen Euro in der Stadt und Region. Indirekte Kosten des Schiffsbetriebs für unter anderem Proviant, Treibstoff, Lotsen, Makler und Hafengebühren summieren sich auf rund 17 Millionen Euro im Jahr.
In dieser Saison verzeichnete der Kreuzfahrthafen an der Warnow rund 272.000 Transitpassagiere (2018: 268.000), von denen 86.000 einen Tagesausflug per Bahn, Bus oder Pkw nach Berlin unternahmen und 186.000 Passagiere als Tagesgäste Warnemünde, Rostock oder Mecklenburg-Vorpommern entdeckten. Etwa 181.000 Seereisende bzw. Reisewechselpassagiere (2018: 194.000) begannen und/oder beendeten ihre Kreuzfahrt im Hafen an der Warnow.
Hohe Zufriedenheitswerte erzielte der Hafen Rostock-Warnemünde sowohl bei den Reisewechsel- als auch Transitpassagieren. Auf einer Skala von eins bis fünf (von sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) bewerteten beide Passagiergruppen den Hafen mit einer Durchschnittsnote von 1,7. Im Vergleich zu früheren Befragungen bewerteten die Reisewechselpassagiere den Hafen etwas besser und die Transitpassagiere etwas schlechter.
Die laufenden Infrastrukturprojekte, wie der Bau eines weiteren Passagierterminals, einer Landstromanlage zur Versorgung von Schiffen an den Liegeplätzen P7 und P8 sowie der Umbau des Warnemünder Bahnhofs samt ebenerdigem Gehweg, werden dazu beitragen, die Verkehrsabläufe zu verbessern und die Attraktivität des Kreuzfahrthafens Rostock-Warnemünde weiter zu erhöhen”, erklärt Jens A. Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port. Reiner Frank

 

Erfolgreiches Fazit nach 174 Anläufen in Kiel
AIDAprima schloss Kreuzfahrtsaison ab · 800.000 Passagiere abgefertigt · Landstromanlage am Ostseekai geht im kommenden Jahr in Betrieb
Kiel, 16. Oktober – „Die Kreuzfahrtsaison 2019 ist im Kieler Hafen sehr gut gelaufen. Reedereien und Hafen haben erstklassig zusammengearbeitet.” Dieses Fazit zog Hafen-Geschäftsführer Dr. Dirk Klaus zum Abschluss der Saison, die in Kiel mit dem Anlauf der AIDAprima am 12. Oktober endete. Insgesamt wurde der Hafen in diesem Jahr 174mal (2018: 169) von 32 verschiedenen Schiffen mit einer Gesamttonnage von 15 Millionen BRZ (2018: 11,5) angelaufen. Erstmals gingen über die Terminalanlagen gut 800.000 Kreuzfahrtpassagiere (+ 33,6 %) an oder von Bord, sodass die Erwartungen des Hafens übertroffen wurden. Zumal der Neubau des zweiten Terminalgebäudes sowie die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit eine vorübergehende Anpassung der Abfertigungsprozesse am nördlichen Schiffsliegeplatz des Ostseekais erforderten. Bestens bewährt habe sich auch das im April eröffnete erweiterte Kreuzfahrtterminal im Ostuferhafen, das die Kapazität und Flexibilität des Hafens weiter erhöht. Dirk Claus: „Am Terminal des Ostuferhafens können sehr große Schiffe mit mehr als 4.000 Passagieren reibungslos abgefertigt werden. Die Kundenzufriedenheit bestätigt die hohe Qualität und Effizienz der Anlage.”
Gleich zu Jahresbeginn präsentierte sich der jüngste Neubau von TUI Cruises, MEIN SCHIFF 2 am Ostseekai. Das größte Schiff der Saison, die MSC MERAVIGLIA (171.600 BRZ), zeigte sich Ende April erstmals auf der Förde. Häufigste Gäste waren die AIDA-Schiffe, von denen die AIDAprima ihre Kiel-Premiere gab.
Mit dem Bau der Landstromanlage am Ostseekai geht Kiel in puncto Nachhaltigkeit voran. Die Bauarbeiten haben begonnen, sodass im kommenden Jahr nicht nur das zweite Terminalgebäude, sondern auch die dann nach Hafenaussagen leistungsstärkste Landstromanlage eines deutschen Hafens am Ostseekai in Betrieb gehen wird. Im ersten vollen Betriebsjahr sollen bereits 60 bis 70 Kreuzfahrtanläufe sowie die Fähren der Stena Line mit Landstrom versorgt werden. rfra

 

19521 AIDAprima Erstanlauf Warnemuende 1 Foto AIDA Cruises RostockEinen wetterbedingten Überraschungsbesuch gab es von AIDAprima am 4. Oktober. Foto: AIDA Cruises, Rostock

 

AIDAaura beendet Hauptsaison der Kreuzschifffahrt in Warnemünde
184 Schiffsanläufe im Kreuzfahrthafen Warnemünde und zwölf im Überseehafen
Gegen 8 Uhr wird das Kreuzfahrtschiff AIDAaura am 17. Oktober am Liegeplatz P7 in Warnemünde festgemacht und die diesjährige Hauptsaison der Kreuzschifffahrt beschlossen. Ein weiterer und damit letzter planmäßiger Anlauf in diesem Jahr wird in Warnemünde noch am 4. Dezember vom Kreuzfahrtschiff BALMORAL der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines erwartet.
Insgesamt werden dann 906.000 Seereisende bei 196 Schiffsanläufen an und von Bord der 40 Kreuzfahrtschiffe gegangen sein. „Warnemünde bleibt der beliebteste deutsche Hafen für internationale Seereisende. Zudem ist der Passagierhafen an der Warnowmündung auch ein bedeutender Start- und Zielhafen für deutschsprachige Kreuzfahrtouristen. Dank der Warnemünder und aller an der Kreuzschifffahrt beteiligten Unternehmen und Behörden verlief die diesjährige Kreuzfahrtsaison erfolgreich und reibungslos. Erwartungsvoll blicken wir alle gemeinsam auf den im kommenden Jahr geplanten Testbetrieb der Landstromanlage, die Eröffnung des zweiten Passagierterminals und die Inbetriebnahme des umgebauten Warnemünder Bahnhofs”, sagt Jens A. Scharner, Geschäftsführer der ROSTOCK PORT GmbH.
Von den 196 Schiffsanläufen dieses Jahres wurden 184 in Warnemünde und zwölf im Überseehafen bedient. Das größte Schiff in dieser Saison war NORWEGIAN BREAKAWAY mit einer Bruttoraumzahl von 145.655 und einer Kapazität von rund 4.800 Passagieren. Bei 92 Anläufen fanden Voll- bzw. Teilreisewechsel statt. So schickte die Rostocker Reederei AIDA Cruises erstmals mit AIDAaura, AIDAdiva und AIDAmar drei Schiffe vom Basishafen Warnemünde 45 Mal auf Ostseekreuzfahrt. Einen Überraschungsbesuch gab es von AIDAprima am 4. Oktober. Damit verzeichnet erstmals ein Schiff dieser Bauklasse einen Anlauf im Rostocker Hafen. Grund für den unplanmäßigen Aufenthalt in Warnemünde war die Wetterlage über der Ostsee mit Starkwinden, die an jenen Tagen zur Schließung des schwedischen Hafens Nynäshamn bei Stockholm geführt haben. Mit Warnemünde wurde den Gästen eine attraktive Alternative geboten.
In diesem Jahr hatten 22 internationale Reedereien den Ostseehafen an der Warnow in ihre Reiseplanungen aufgenommen. Zu den Höhepunkten in dieser Saison zählten die acht Erstanaläufe der Kreuzfahrtschiffe NIEUW STATENDAM von Holland America Line, VIKING JUPITER von Viking Cruise Line, NORWEGIAN PEARL von Norwegian Cruise Line, Celebrity REFLECTION von Celebrity Cruises, SILVER SPIRIT von Silver Sea Cruises, SEABOURN OVATION von Seabourn Cruise Line und AIDAprima von AIDA Cruises.

Internationale Besucher entdecken Rostock und Mecklenburg-Vorpommern
In diesem Jahr stellten die Deutschen mit 137.000 Passagieren erneut die größte Anzahl aller Kreuzfahrttouristen, gefolgt von 98.000 US-Amerikanern, 44.000 Briten, 23.000 Spaniern, 22.000 Kanadiern, 20.000 Italienern, 12.000 Australiern und 97.000 Touristen aus 149 weiteren Nationen.
Rund 86.000 internationale Gäste unternahmen per Bahn, Bus oder Pkw einen Tagesausflug nach Berlin. Etwa 186.000 Passagiere aus aller Welt entdeckten als Tagesgäste Warnemünde, Rostock oder Mecklenburg-Vorpommern und 181.000 Seereisende begannen und/oder beendeten ihre Kreuzfahrt im Passagierhafen an der Warnowmündung.
27 Kreuzfahrtschiffe nutzten in diesem Jahr bei 108 Anläufen die direkte Schiffsabwasserentsorgung in das öffentliche Abwassernetz. Insgesamt wurden 25.400 Kubikmeter Schiffsabwässer umweltfreundlich entsorgt.
Seit Mai dieses Jahres öffnete die Seafarers’ Lounge der Seemannsmission das erste Mal kontinuierlich ihre Tür für die Besatzungsmitglieder der Kreuzfahrtschiffe in Warnemünde. Die Lounge befindet sich in unmittelbarer Nähe des Kreuzfahrthafens und wurde in dieser Saison von weit mehr als 1.000 Crewmitgliedern aus aller Welt besucht. Weitere Informationen: www.rostock-port.de · Reiner Frank

 

19504 Marco Polo in Wismar 130809 Foto Reiner FrankDie MARCO POLO war 1965 als ALEXANDER PUSCHKIN auf der MTW in Wismar gebaut worden. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Zum Saisonabschluss am Geburtsort
MARCO POLO machte am Tag der Einheit in Wismar fest · Im nächsten Jahr 14 Kreuzlineranläufe, in diesem Jahr waren es nur neun
Wismar, 3. Oktober – Zum Abschluss der Kreuzfahrtsaison in Wismar machte am Tag der Einheit im dortigen Alten Hafen mit der MARCO POLO eine alte Bekannte fest. Der in die Jahre gekommene Kreuzliner war 1965 als ALEXANDER PUSCHKIN auf der MTW in Wismar gebaut worden. Er gehörte wie seine fünf Schwesterschiffe zur Ivan-Franko-Klasse, die nahezu baugleich waren und Namen der georgischen, ukrainischen und russischen Schriftsteller IVAN FRANKO, SHOTA RUSTAVELI, TARA SHEVCENKO, MICHAEL LERMANTOW und eben ALEXANDER PUSCHKIN trugen. Drei der Schiffe sind inzwischen verschrottet und eins gesunken. Die 54-jährige MARCO POLO, die wiederholt auch schon Rostock anlief, ist aber unverwüstlich. Das Schiff ist 176 Meter lang, 23 Meter breit, geht 8,2 Meter tief und bietet auf acht Decks bis zu 800 Passagieren Platz. Die Zufahrt zum und das Anlegen im Alten Hafen von Wismar wurde durch den Rostocker Schlepper BUGSIER 16 unterstützt.
Der Hafen Wismar verzeichnete in diesem Jahr insgesamt nur neun Anläufe von Kreuzfahrtschiffen. Die Saison war hier am 25. April mit der ASTORIA, einer ebenfalls alten Bekannten (der 1946 als STOCKHOLOM gebauten späteren VÖLKERFREUNSCHAFT, des ersten Urlauberschiffs der DDR),
eröffnet worden. Zudem kamen ALBATROS, AMADEA (zweimal), DEUTSCHLAND, HEBRYDIAN SKY und AMERA – letztere erst am 2. Oktober. Im kommenden Jahr sind 14 Schiffsanläufe gemeldet. Dann soll auch die Erweiterung des Kreuzfahrtanlegers abgeschlossen sein. Geplant ist unter anderem ein Abfertigungsgebäude für Zoll und Polizei. Die MARCO POLO wiederum hat im nächsten Jahr unter anderem eine Weltreise geplant. Reiner Frank

 

19504 Polarstern 20150924 PS94 Arktis 101 Foto AWI MHoppmannZiel der vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven initiierten und geleiteten POLARSTERN-Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Foto: Alfred-Wegener-Institut, M. Hoppmann

 

Die Eisdrift in der Arktis beginnt
Wissenschaftler aus 19 Nationen sind mit der Expedition MOSAiC ein ganzes Jahr dem Klimawandel im Polargebiet auf der Spur · Rostocker Seeleute sind dabei und sorgen mit vielfältigen Dienstleistungen für die Logistik · Das Forschungsschiff POLARSTERN bildet die Basis für das Forschungscamp auf der Eisscholle
Rostock, 2. Oktober – Die wohl größte Arktis-Expedition aller Zeiten läuft und auch Rostocker Seeleute sind dabei. Vom norwegischen Tromsø nahm das Forschungsschiff POLARSTERN der Reederei F. Laeisz Kurs auf die zentrale Arktis. Am vergangenen Montag war die Position 85°05,9‘ Nord und 137°23,7’ Ost erreicht. „Wir liegen in der Nähe einer Scholle, die näher untersucht und vermessen wird”, teilt Kapitän Stefan Schwarze der Reederei mit. Sollte sie geeignet sein, werden die Wissenschaftler hier ihr Forschungscamp aufschlagen und mit einem kilometerweiten Netz verbinden können. Die Eisdrift mit der POLARSTERN als Basis kann dann beginnen. „Die Zeit drängt, in spätestens zehn Tagen wird es dunkel”, berichtet der erfahrene Kapitän, der das Schiff im Wechsel mit seinem Kollegen Thomas Wunderlich führt.
Neben 62 Wissenschaftlern wollen auch 38 Seeleute der in Rostock, Hamburg und Bremerhaven ansässigen Reederei zum Gelingen der Expedition beitragen. Sie wechseln – wie die Wissenschaftler – zumeist jeweils nach etwa drei Monaten, die Kapitäne nach einem halben Jahr. Für alle sei das eine große Herausforderung. Sie wären aber motiviert, die Arbeiten bei klirrender Kälte und während der dunklen Polarnacht zu meistern. Schließlich sei die Expedition unter dem Kürzel MOSAiC auch für die beteiligten Rostocker Seeleute ein einzigartiges Erlebnis, erklärt uns Laeisz-Geschäftsführer Roland Pallutz.
Wissenschaftler aus 19 Nationen wollen die Arktis im Jahresverlauf untersuchen. Ziel der vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven initiierten und geleiteten Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Eine internationale Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen versorgt das Team auf dieser extremen Route. Koordinator der Expedition ist der Polarforscher Markus Rex.
Schon einige Tage vor der Verabschiedung der POLARSTERN in Tromsø war Michael Thurmann, der Niederlassungsleiter der Laeisz-Forschungsbasis in Bremerhaven, bei den letzten organisatorischen Vorkehrungen vor Ort mit eingebunden. Da waren Container mit diversen Ausrüstungen an Bord zu laden, ausreichend Treibstoff zu bunkern, hieß es sich mit Proviantvorräten einzudecken und das Schiff als wohnliche Basis auszustatten. In den Weiten der Arktis muss das driftende Schiff für einige Wochen autark sein.
Es sind vor allem logistische Aufgaben, die die Seeleute für die Forscher zu leisten haben, berichtet der gebürtige Rostocker. Da ist durch die Techniker um die Chiefs Jens Grafe und Henning Westphal die Energieversorgung zu sichern, muss die Daten-Übermittlung gewährleistet sein, ist der Wachbetrieb auch auf dem treibenden Schiff aufrecht zu erhalten. Vielfältige Dienstleistungen für die Forscher – sei es als Pistenbulli-Fahrer oder auch Eisbären-Wächter – sind zudem gefragt. Schließlich muss auch der Magenfahrplan stimmen, wofür die Köche Sven Schmieder und Jörg-Reiner Meissner in bewährter Weise Sorge tragen werden. Neben drei Stewardessen ist auch eine Bäckerin an Bord. Und mit Dr. Wolf-Dietrich Miersch steht ein Schiffsarzt im Dienst der Gesundheit bereit.
Weihnachten wird nach dem Crew-Wechsel am 5. Dezember wahrscheinlich an Bord zu feiern sein – die Neuankömmlinge auf der POLARSTERN, die Abgelösten vielleicht noch auf der Heimreise mit einem der Versorgungsschiffe. Im Vorfeld wurden die Transporte vertraglich abgesichert.
Die POLARSTERN wird wegen der großen Mission in der Arktis in diesem Jahr die Neumayer-Station in der Antarktis nicht versorgen. Das werde in diesem Jahr ein Charterschiff aus Südafrika übernehmen, berichtet Roland Pallutz. Die Station wird durch vier Leute der Reederei aber wieder besetzt. Mehr über die Arktis-Expedition im Internet unter www.mosaic-expedition.org · Reiner Frank