SeereisenMagazin Logo klein 347 65OSTSEEMAGAZIN · AUSGABE 6/2019hr

18121 Hafeneinfahrt Warnemuende RP17 062 kl Foto Rostock Port
Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde.
Foto: Nordlicht für Rostock Port

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19621 Balmoral in Wmde 04122019 P1020863 Foto Reiner FrankGegen 8 Uhr am 4. Dezember begrüßte Rostock Port das Kreuzfahrtschiff BALMORAL der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines als letztes Kreuzfahrtschiff des Jahres 2019. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Englischer Kreuzliner als Nachhut der Saison
Mit der BALMORAL auf vorweihnachtliche Reise · Von Kopenhagen kommend Stippvisite in Warnemünde und weiter nach Hamburg
Rostock, 4. Dezember – Am Warnemünder Kreuzfahrt-Terminal machte heute eine Nachhut der Saison fest. Gegen 8 Uhr begrüßt Rostock Port das Kreuzfahrtschiff BALMORAL der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines als letztes Kreuzfahrtschiff des Jahres 2019 am Liegeplatz P7, während nebenan der Ausbau des Terminals läuft und auch der Bahnhof modernisiert wird. An Bord des 218 Meter langen Kreuzfahrtschiffs, das von Kopenhagen kommend und nach dem Besuch in Warnemünde Kurs auf Hamburg nimmt, befinden sich rund 1.100 Passagiere, vornehmlich Briten. Sie besuchten in Rostock unter anderem den großen Weihnachtsmarkt.
Anno 2019 gingen in Rostock und Warnemünde insgesamt 906.000 Seereisende bei 196 Schiffsanläufen an und von Bord der 40 Kreuzfahrtschiffe. „Dank aller an der Kreuzschifffahrt beteiligten Unternehmen, Behörden und Partner verlief die diesjährige Kreuzfahrtsaison erfolgreich und reibungslos, konstatiert Rostock-Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner. Erwartungsvoll blicke man nun auf die Fertigstellung der Landstromanlage im kommenden Jahr, die Eröffnung des zweiten Passagierterminals und die Inbetriebnahme des umgebauten Warnemünder Bahnhofs. rfra

 

19621 Dr Immo Nasko Hamina Kotka P1020840Chairman der Baltic Port Organisation (BPO), der etwa 50 Ostseehäfen angehören, ist seit eineinhalb Jahren der Finne
Dr. Kimmo Naski (60), Geschäftsführer des Hafens Hamina-Kotka. 
Foto: Reiner Frank, Rostock

Rekordjahr am Finnischen Meerbusen
Über den Hafen Kotka-Hamina und seine Verbindungen nach Rostock · Riesige Module gehen bis nach Kasachstan · Forstprodukte bestimmen die Güterpalette · Als Containerhafen die Nr. 4 an der Ostsee · Kreuzfahrt ist nur eine Nische · Hafenchef ist Chairman der Baltic Port Organisation
Rostock , 3. Dezember 2019 – Chairman der Baltic Port Organisation (BPO), der etwa 50 Ostseehäfen angehören, ist seit eineinhalb Jahren der Finne Dr. Kimmo Naski (60), Geschäftsführer des Hafens Hamina-Kotka. Registriert ist die 1991 in Kopenhagen gegründete Vereinigung in Tallinn, ihren Sitz hat das Sekretariat in Gdynia. Von den etwa 800 Millionen Tonnen Gütern im Ostseeverkehr haben die verschiedenen Hafenplätze differenziert Anteil, erklärt Naski. Während vor allem die polnischen Häfen weiter wachsen, stagniere in anderen die Entwicklung, oder sei gar rückläufig. Sein Hafen könne auf eine erfolgreiche Entwicklung verweisen, berichtet uns der Finne, den wir bei einem Rostock-Besuch trafen, wo er sich unter anderem über den Ausbau der Infrastruktur des Hafens an der Warnow informierte und mit seinem Amtskollegen Dr. Gernot Tesch so auch den neuen Schwerlast-Kranriesen bei Liebherr besichtigte.
2011 hatten sich die Häfen Kotka und Hamina am Finnischen Meerbusen als Port of Hamina-Kotka zusammengeschlossen. „Etwa 18 Millionen Tonnen Güter (netto) haben wir aktuell umgeschlagen, allein 700.000 Standardcontainer (TEU) gingen über die Kais – ein Rekordjahr steht zu Buche”, berichtet der Chef des finnischen Universalhafens. Die Gutartenpalette wird hier zu 40 Prozent durch Forstprodukte bestimmt, aber auch Metalle, Flüssiggüter, Chemikalien und Container werden umgeschlagen. Dabei spielt die Funktion als Transithafen für Russland und Kasachstan eine wichtige Rolle. Über 170 Firmen mit etwa 7.000 Beschäftigten haben in den Hafenarealen ihr Tätigkeitsfeld. Allein zehn Stauereien arbeiten in den acht Hafenteilen. Nach Rostock wird im Ro/Ro-Verkehr insbesondere Papier und Zellulose verschifft. Frachtfähren von Finnlines und Transfennica verbinden die Hafenplätze.
In Rostock ist Dr. Kimmo Naski ein alter Bekannter. An der Rostocker Universität hat der Finne während seiner Tätigkeit bei der Viking Line Finnlandverkehr GmbH studiert und dann auch bei Prof. Karl-Heinz Breitzmann promoviert. Seine beiden Töchter wurden in Lübeck geboren, wo er zuvor bei der dortigen Hafengesellschaft wirkte. Als sie ins Schulalter kamen, ging Naski in sein Heimatland zurück, wurde Geschäftsführer des Hafens Pori, wechselte 2002 nach Kotka, wo er dann maßgeblich die Hafenfusion vorantrieb. „Das war ein langer, aber erfolgreicher Weg”, sagt er heute rückblickend. Der Hafen wurde international konkurrenzfähiger, Verkehre können optimiert, Investitionen koordiniert und effektiver finanziert werden. So konnte der Hafen sich auch für ein Projekt in Kasachstan empfehlen, das Logistikaufgaben für den Aufbau einer großen Ölmühle vorsieht. 70 Meter lange und bis zu 2.000 Tonnen schwere Riesenmodule werden über die Flüsse bis nach Kasachstan verschifft. Beim Bau der Nordstream-Röhren gab der Hafen bereits seine Visitenkarte ab. Vom hier angesiedelten Wasco-Werk wurde die Hälfte der Rohre mit Beton ummantelt und zwischengelagert. Weitere Projekte werden auch als Dienstleister für Forstprodukte erwartet. Insbesondere Zellulose habe bei den Investitionsvorhaben einen hohen Stellenwert.
Die Entwicklung der hafenverbundenen Industrie sei auch nach dem Beispiel Rostocks erfolgt, offenbart der finnische Hafenmanager. Sein Doktorvater Prof. Breitzmann aus Rostock habe mit einer Studie dafür einen wichtigen Beitrag geleistet. Der Passagierverkehr hat für Hamina-Kotka im Vergleich zu Rostock nur eine Nischenfunktion, Anlaufpunkt für Kreuzfahrten sei in Finnland vor allem Helsinki, erklärt Naski. Von fünf in diesem Jahr bedienten Kreuzlinern wird allerdings in den nächsten Jahren eine Steigerung auf etwa 30 angesteuert. Alle großen Container-Reedereien wie MSC, Maersk und CMA aber steuern Hamina-Kotka an, von wo die Blechkisten weiter verteilt werden. Als Containerhafen ist Hamina-Kotka inzwischen die Nr. 4 an der Ostsee.
Als Chairman der Baltic Port Organisation blickt Naski natürlich weit über die eigenen Hafengrenzen hinaus und hat alle Ostseehäfen im Blick. Eines der nächsten Treffen der Organisation wird voraussichtlich im März 2020 ein Erfahrungsaustausch beim Europäischen Parlament und bei der EU-Kommission sein. Reiner Frank

 

19621 FRITZ HECKERT am Warnemuender Passagierkai P1020832Eine alte Postkarte zeigt die FRITZ HECKERT am Warnemünder Passagierkai.

 

Eine Goldmedaille für ein besonderes Schiff
Eine Ausstellung in Wismar erinnert an die Kiellegung der FRITZ HECKERT vor 60 Jahren · Der Warnemünder Hajo Adrian gehörte zur Besatzung
Wismar / Rostock, 27. November – Im Technikmuseum Wismar ist gerade eine Ausstellung eröffnet worden, die sich dem einzigen in und für die DDR gebauten Kreuzfahrtschiff widmet. Anlass ist die Kiellegung des Gasturbinenmotorschiffs FRITZ HECKERT vor nunmehr 60 Jahren auf der damaligen Mathias-Thesen-Werft (MTW) in Wismar. Die Sonderausstellung im phanTECHNICUM wird bis zum 3. Mai 2020 zu sehen sein und sicher so manchen Liebhaber der deutschen Kreuzschifffahrts-Geschichte zu einem Besuch Wismars animieren. Der Warnemünder Hans-Joachim Adrian will auf alle Fälle dabei sein. Er gehörte einst zur Besatzung des Schiffes und kennt dessen Werdegang aus eigenem Erleben. Das Bauprojekt löste damals von Sachsen bis Rügen ähnlich wie der Bau des Rostocker Überseehafens eine Welle der Begeisterung und Solidarität aus. Die Beschäftigten vieler Betriebe ermöglichten mit einer beispiellosen Spendenaktion (30 Millionen Mark kamen zusammen) den außerplanmäßigen Bau dieses „Traumschiffes” der DDR.
Der junge Hans-Joachim (Hajo) Adrian, der in dieser Zeit seine dreijährige Lehre als Schiffselektriker auf der Warnemünder Werft machte, wurde von der Euphorie angesteckt, wünschte sich, einmal selbst die technischen Anlagen dieses besonderen Schiffes zu bedienen, mit ihm zur See zu fahren. Die Konstrukteure beschritten mit diesem Projekt nämlich völlig neue Wege bei der Wahl der Antriebsanlage. Das Zwei-Schraubenschiff wurde neben zwei 2300 PS starken Dieselmotoren vom Rostocker Dieselmotorenwerk mit zwei Gasturbinen (je 2700 PS) von der Turbinenfabrik Dresden ausgerüstet. Mit dem Betrieb der Diesel war eine Geschwindigkeit von 14 Knoten, beim Zuschalten der Turbine sogar von 19 Knoten möglich. Ihre Entwicklung war aber noch nicht ausgereift, der Neubau wurde so praktisch zum Erprobungsträger, erwies sich dann auch als störanfällig.
Am 28. November 1959 wurde die erste Bodensektion auf Kiel gelegt und bereits am 25. Juni erfolgte mit dem Stapellauf die Taufe auf den Namen des einstigen Gewerkschafters. Am 1. Mai 1961 ging das GTSM FRITZ HECKERT unter Führung von Kapitän Willi Leidig auf Jungfernfahrt über Helsinki nach Leningrad und Riga. Seitdem führten vom Warnemünder Passagierkai die Reisen des Kreuzfahrt-Schiffes in 24 Länder und 59 Häfen der Welt. Dabei war es bis zur Außerdienststellung mit 63.000 Passagieren über 494.345 Seemeilen unterwegs. Der Schiffselektriker, der sich zwischenzeitlich an der Seefahrtsschule Warnemünde weiter zum Elektroingenieur qualifizierte, lernte auf den Reisen Land und Leute vieler Länder kennen, wie in seinen Alben die Kartengrüße aus den verschiedensten Ländern veranschaulichen.
Adrian war von der geschmackvollen Ausstattung des Schiffes beeindruckt und belegt das heute mit Fotos vom Innenleben des Schiffes, das zwar nicht Luxus, aber den Reisenden durchaus Komfort bot. Neben rund 160 Kabinen für die Fahrgäste gab es einen Speisesaal, ein Tagescafe mit Milchbar und ein Tanzcafe. Ein Hallen- und ein Freideck-Schwimmbad, zahlreiche Klubräume, eine Bibliothek, eine Tontaubenschießanlage, Sportgeräte und ein Kino boten jenen vielfältige Möglichkeiten für jene, die das Glück hatten, hier eine Reise zu buchen. Die günstigen Preise waren stark subventioniert. Die Schere zwischen Kosten und Einnahmen ging so bei weitem nicht auf. Nach dem Bau der Mauer und spektakulären Fluchten von Bord wurden westliche Häfen deshalb fast nur noch bei Devisen bringenden Charterreisen angelaufen.
Auch das Seeverhalten des Schiffes bescherte der Crew immer wieder Probleme. „Bei starker See kamen wir manchmal nicht von der Stelle, was bei einer Island-Reise zu vier Tagen Verspätung führte”, berichtet Adrian. Das Schiff rollte sehr stark, der Rumpf war zu weich konstruiert, „es war luvgierig, ein reines Schaukelpferd”, wie Nautiker berichteten. Schließlich wurde es – inzwischen vom FDGB zur Bereederung an die DSR übergeben – am 9. März 1971 offenbar vor allem aus Kostengründen außer Dienst gestellt. Das Schiff sollte zunächst der Berufsausbildung der DSR dienen, wurde dann aber in Stralsund bis 1989 als Wohnschiff für Schiffbauer der Volkswerft und Bauarbeiter des Kernkraftwerks Nord in Greifswald genutzt. Die Treuhand verkaufte das Schiff, es kam als GULF FANTASY nach Dubai und wurde 1999 in Mumbai verschrottet.
Hajo Adrian verfolgte die letzten Kapitel des Schiffes längst von Land, wo er 1969 als Elektrotechniker in der Getreidewirtschaft und Landtechnik seine berufliche Tätigkeit fortsetzte. Die Erinnerungen an die Fahrenszeit mit der FRITZ HECKERT aber wirken nachhaltig bis heute bei ihm und weiteren ehemaligen Crewmitgliedern, die miteinander vernetzt sind und auch die Ausstellung in Wismar gemeinsam besuchen wollen. Der Warnemünder erinnert daran, dass das Schiff, das im Ostseebad Warnemünde seinen Heimathafen hatte, zwar viel kleiner war, als das kürzlich nach Wismar verholte Mittschiff-Segment der künftigen GLOBAL DREAM. Es war aber allein wegen seiner Technik denkwürdig. Briefmarken und Gedenk-Medaillen wurden dem FDGB-Urlauberschiff schon zu DDR-Zeiten gewidmet. Anlässlich des 30jährigen Jubiläumstags der deutschen Einheit erhielt es nun eine der zwölf Goldmedaillen, die Innovationen und Besonderheiten im Osten Deutschlands veranschaulichen. Reiner Frank

 

19521 Global Ausdockung P1020807 Foto Reiner FrankVon Hohe Düne aus konnte man seit den Vormittagsstunden des 22. November das Ausdocken des 216 Meter langen und 57 Meter hohen Mittschiff-Segments der künftigen GLOBAL DREAM beobachten. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Mittschiff der GLOBAL DREAM nahm Kurs auf Wismar
Rostocker beobachteten von Hohe Düne das Ausdocken des Stahlkolosses in Warnemünde · Es dunkelte bereits, als der Schleppzug die Überführung begann
Rostock, 22. November – Ein Highlight besonderer Art hatte am Freitag Hunderte Rostocker auf die Hohe Düne gelockt. Von hier beobachteten sie seit den Vormittagsstunden das Ausdocken des 216 Meter langen und 57 Meter hohen Mittschiff-Segments der künftigen GLOBAL DREAM, die in Wismar mit Bug und Heck zum größten bislang in Deutschland gebauten Kreuzfahrtriesen wachsen soll. Sie mussten Geduld aufbringen, denn der Stahlkoloss musste mit Winden und mit Schlepperhilfe aus dem Dock gezogen werden. Das war Neuland, ging langsamer als gedacht voran. Am Nachmittag hatte ein Drittel das Dock verlassen und es wurde bereits dunkel, als gegen 17 Uhr der Schleppverband im Rostocker Seekanal von sechs Schleppern in die richtige Position gebracht wurde und von hier Kurs auf Wismar nahm, wo er morgen am Nachmittag erwartet wird. Der Transport zwischen beiden Standorten dauert knapp einen Tag. Dabei legt der einem Hochhaus gleichende Kasko eine Strecke von 43 Seemeilen, fast 80 Kilometer, zurück.
Etwa gegen 15 Uhr soll das Mittschiff in der Werfthalle eindocken. Schlepper, Spezialschiffe, Boote der Wasserschutzpolizei und des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Stralsund überwachen und begleiten den Transport, der für alle Beteiligten eine große Herausforderung darstelle, wie ein Werftsprecher erklärte. Man lag in Warnemünde aber trotz Verspätung noch halbwegs im Zeitplan.
Die GLOBAL DREAM ist das erste Schiff der in Mecklenburg-Vorpommern gebauten Global Class. Die Kreuzfahrtschiffe werden für den asiatischen Markt gebaut und können bis zu 9.500 Passagiere aufnehmen. Die nach Fertigstellung 342 Meter lange GLOBAL DREAM gilt als größtes jemals in Deutschland gebautes Schiff. Das Flaggschiff der Global-Serie soll die MV Werften 2021 verlassen. Seit dem September wird auf dem Werftgelände in Warnemünde bereits am baugleichen Schwesterschiff gearbeitet. Am 9. Dezember soll für GLOBAL 2 die Kiellegung erfolgen. Reiner Frank

 

Für den Notfall vorbereitet sein
Hafenärztliche Dienste tauschten in Rostock und auf der Fähre ihre Erfahrungen aus · Ein Fazit: Koordiniertes Zusammenwirken üben
Rostock, 20. November – Wenn sich auf einem Kreuzfahrtschiff Infektionen häufen, besteht rasch Handlungsbedarf. Die Erkrankten sind zu isolieren, um an Bord ein weiteres Ausbreiten der Erreger einzudämmen und eine Übertragung an Land zu verhindern, beziehungsweise hier auch Möglichkeiten für weitere Behandlungen zu gewährleisten. In einem Hafen wie Rostock, den jährlich etwa 200 Kreuzliner mit Tausenden Passagieren anlaufen, ist das koordinierte Zusammenwirken der verschiedensten Ämter, Behörden und Einrichtungen dafür zu testen, sind Notfallpläne und Sicherheitskonzepte entsprechend praktikabel auszurichten.
19621 Hafenarzt Dr Schwarz Szenarien dieser Art müssen geübt werden, erklärt der Rostocker Hafenarzt Dr. Markus Schwarz und gibt damit eine Anregung des 7. Tages der Hafenärztlichen Dienste in MV weiter. Rund 40 Teilnehmer hatten sich zum diesjährigen Treffen kürzlich versammelt. Neben den Diensten aus Wismar, Rostock, Stralsund, Anklam und Wolgast waren auch Fachkollegen aus Kiel, Lübeck und Hamburg vertreten. Die Beratungen begannen bei der Seemannsmission im Rostocker Hafen und wurden auf der Scandlines-Hybridfähre BERLIN bei der Überfahrt nach Gedser und zurück fortgesetzt.
Die Themenpalette, über die sich die Hafenärztlichen Dienste austauschten, fasst Dr. Schwarz mit den Stichworten „Krankheit und Tod an Bord” inhaltlich zusammen. Dabei ging es vom Massenanfall von Patienten und dem entsprechenden notwendigen Handling bis zur Leichenschau aus rechtsmedizinischer Sicht, von Abwasserkontrollen, Auswirkungen von Alkoholkonsum bis hin zur Umsetzung internationaler Gesundheitsvorschriften in Deutschland. Die interessanten Fachthemen sorgten für eine kurzweilige Überfahrt, die raue See gab den maritimen Rahmen.
Der gebürtige Potsdamer Dr. Markus Schwarz (60), der für Hilfsorganisationen auch in Indien, Bangladesh, Kenia und Uganda im Einsatz war, ist seit 2005 im Gesundheitsamt Rostock tätig. Foto: Privat
Seit 2009 ist der Dermatologe dessen Leiter und – praktisch als Teilaufgabe – auch der Rostocker Hafenarzt. Ihm zur Seite stehen dafür eine Fachärztin für Hygiene und Infektionsschutz sowie zwei Hygiene-Inspektoren. Der eigentliche Posten eines Hafenarztes ist seit Jahren in Rostock nicht besetzt, dürfte ob der gebotenen Konditionen offenbar nicht lukrativ genug sein. Da allein wegen der vielen Kreuzliner-Anläufe neben den Fähren und Frachtern die Kapazität für eine hafenärztliche Betreuung in Rostock aber nicht ausreicht, helfen vier Ärzte der Rostocker Südstadt-Klinik, das umfangreiche Pensum auszufüllen.
Schon beim Einlaufen eines Schiffes steht neben weiteren Behörden auch der Hafenärztliche Dienst bereit. Da ist die Ausstattung der Bordapotheke, sind die hygienischen Zustände an Bord und die Qualität des Trinkwassers zu überprüfen. Jedes Schiff hat dafür durch den Kapitän die entsprechenden Nachweise zu liefern. Beim Kreuzliner ist in der Regel der Umweltoffizier die Kontaktperson, bei Bedarf wird der Schiffsarzt hinzugezogen. Auf Frachtern und Fähren sorgt in der Regel im Rahmen seiner Möglichkeiten der 2. Nautische Offizier für die medizinische Betreuung. Funkärztliche Beratung gibt die Medico-Assistance-Stelle in Cuxhaven.
Die diesjährige Kreuzfahrt-Saison verlief für die Hafenärzte in Rostock relativ ruhig, bis auf eine Ausnahme gab es keine außergewöhnlichen Ereignisse, kann Dr. Schwarz konstatieren. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Um sich auf die logistischen Anforderungen bei größeren Vorfällen einzustellen, bedarf es der Vorsorge und dafür auch die Hilfe des Landes, mahnt der Hafenarzt an.
Der Hafenärztliche Tag hat in Rostock bereits gute Tradition. Dass sich das so gut entwickelt hat, darüber freut sich auch Prof. Heinz Ebert, der in den 1990er-Jahren die „Ost-Hafenärzte” an den Arbeitskreis der Küstenländer herangeführt hatte. Ebert war einst Leiter des Medizinischen Dienstes des Verkehrswesens in Rostock und nach der Wende langjähriger Hafenarzt in Hamburg. Auch das Programm der jüngsten Veranstaltung der Hafenärzte ließ er sich nicht entgehen. Reiner Frank

 

19621 Kollision P1020754 002 Reiner FrankDie Kollision von einem Frachter mit einem Fahrgastschiff unmittelbar erlebt und fotografiert. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Frachter rammt Scandlines-Fähre
Fährverkehr nach Gedser durch den Ausfall der BERLIN beeinträchtigt · Dänischer Küstenfrachter lief am Freitag im Rostocker Seekanal aus dem Ruder
Rostock, 2. November – Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich vergangenen Freitagnachmittag im Rostocker Seekanal den Küstenfrachter DANICA VIOLET direkt auf die vom Hafen gerade ausgelaufene Scandlines-Fähre BERLIN zulaufen sah. Und er lenkte nicht ein, sondern rammte mit dem Vordersteven den Bug des Fährschiffs. Die Fähre trug beim Zusammenprall mit einem einen drei Meter langen Riss in der Außenhaut oberhalb der Wasserlinie davon. Auch der einlaufende Frachter wurde beschädigt, er will im Hafen Windkraftanlagen für Frankreich laden.
Es sei ein Schaden in Höhe von rund 200.000 Euro entstanden, hieß es von der Wasserschutzpolizei. Ursache sei möglicherweise ein technisches Problem auf dem Frachter gewesen. Verletzt wurde niemand. Scandlines traf es härter. Die BERLIN musste mit über 300 Passagieren zurück in den Hafen, um den Schaden zu begutachten. Und weitere Abfahrten mussten abgesagt werden. Das Schwesternschiff COPENHAGEN ist zur planmäßigen Werftinspektion, fällt somit auch für den planmäßigen Verkehr zwischen Rostock und Gedser aus und die notwendige Reparatur der BERLIN ist aufwendiger als gedacht. Vorgeshen war ursprünglich, den Verkehr am Samstagnachmittag wieder aufzunehmen. Der in der Regel zwischen Rødby und Puttgarden als Frachtfähre eingesetzte Oldtimer KRONPRINS FREDERIK muss nun die Lücke halbwegs schließen. Als alternative Route empfiehlt Scandlines die Überfahrt von Puttgarden nach Rødby. Dort fahren die Fähren laut Reederei planmäßig im 30-Minuten-Takt. Reiner Frank

 

19621 Aida Cruiser P1020468 Reiner FrankDie AIDAmar am Warnemünder Kreuzfahrt-Terminal. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Was nicht nur Händler und Gastwirte erfreut –
Kreuzschifffahrt sorgt auch für Wertschöpfung
Kieler Studie veranschaulicht ökonomische Effekte · Etwa 43,3 Millionen Euro blieben 2019 in der Rostocker Region · Ausbau des Warnemünder Terminals und der Infrastruktur wird Attraktivität weiter erhöhen
Rostock, 28. Oktober – Von den Warnemünder Einkaufsmärkten kommen Seeleute mit großen Tüten ihrer Einkäufe. Passagiere beleben Gaststätten und erfreuen die Händler mit ihren Umsätzen. „Die Kreuzschifffahrt im Rostocker Hafen ist nicht nur ein nationales und internationales Markenzeichen für die Hansestadt und Mecklenburg-Vorpommern, sondern sorgt auch für eine beträchtliche Wertschöpfung. Die aus der Kreuzschifffahrt in Rostock-Warnemünde und Mecklenburg-Vorpommern generierten Umsätze betrugen 45,9 Millionen Euro im Jahr 2018. Das ergab eine Studie des Kieler Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa, für die im vergangenen Jahr neben Passagieren und Besatzungsmitgliedern auch verschiedene Branchenvertreter interviewt wurden. Im vorigen Jahr verzeichnete der Kreuzfahrthafen Rostock-Warnemünde 206 und in diesem Jahr 196 Anläufe von Passagierschiffen. Hochgerechnet ergab, dass Einnahmen in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern für das Jahr 2019 von 43,3 Millionen Euro.
Die Befragung ergab folgendes Ausgabeverhalten der Passagiere mit Aufenthalt in Rostock-Warnemünde: Die Landausflügler bzw. Transitpassagiere geben pro Kopf etwa 43 Euro, Reisewechselpassagiere rund 58 Euro und die Besatzungsmitglieder auf Landgang etwa 55 Euro aus. Bei den Reisewechselpassagieren kommen anteilig noch Ausgaben für Unterkünfte und Parkgebühren hinzu. So lassen Kreuzfahrtpassagiere und Besatzung pro Saison knapp 29 Millionen Euro in der Stadt und Region. Indirekte Kosten des Schiffsbetriebs für unter anderem Proviant, Treibstoff, Lotsen, Makler und Hafengebühren summieren sich auf rund 17 Millionen Euro im Jahr.
In dieser Saison verzeichnete der Kreuzfahrthafen an der Warnow rund 272.000 Transitpassagiere (2018: 268.000), von denen 86.000 einen Tagesausflug per Bahn, Bus oder Pkw nach Berlin unternahmen und 186.000 Passagiere als Tagesgäste Warnemünde, Rostock oder Mecklenburg-Vorpommern entdeckten. Etwa 181.000 Seereisende bzw. Reisewechselpassagiere (2018: 194.000) begannen und/oder beendeten ihre Kreuzfahrt im Hafen an der Warnow.
Hohe Zufriedenheitswerte erzielte der Hafen Rostock-Warnemünde sowohl bei den Reisewechsel- als auch Transitpassagieren. Auf einer Skala von eins bis fünf (von sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) bewerteten beide Passagiergruppen den Hafen mit einer Durchschnittsnote von 1,7. Im Vergleich zu früheren Befragungen bewerteten die Reisewechselpassagiere den Hafen etwas besser und die Transitpassagiere etwas schlechter.
Die laufenden Infrastrukturprojekte, wie der Bau eines weiteren Passagierterminals, einer Landstromanlage zur Versorgung von Schiffen an den Liegeplätzen P7 und P8 sowie der Umbau des Warnemünder Bahnhofs samt ebenerdigem Gehweg, werden dazu beitragen, die Verkehrsabläufe zu verbessern und die Attraktivität des Kreuzfahrthafens Rostock-Warnemünde weiter zu erhöhen”, erklärt Jens A. Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port. Reiner Frank

 

Erfolgreiches Fazit nach 174 Anläufen in Kiel
AIDAprima schloss Kreuzfahrtsaison ab · 800.000 Passagiere abgefertigt · Landstromanlage am Ostseekai geht im kommenden Jahr in Betrieb
Kiel, 16. Oktober – „Die Kreuzfahrtsaison 2019 ist im Kieler Hafen sehr gut gelaufen. Reedereien und Hafen haben erstklassig zusammengearbeitet.” Dieses Fazit zog Hafen-Geschäftsführer Dr. Dirk Klaus zum Abschluss der Saison, die in Kiel mit dem Anlauf der AIDAprima am 12. Oktober endete. Insgesamt wurde der Hafen in diesem Jahr 174mal (2018: 169) von 32 verschiedenen Schiffen mit einer Gesamttonnage von 15 Millionen BRZ (2018: 11,5) angelaufen. Erstmals gingen über die Terminalanlagen gut 800.000 Kreuzfahrtpassagiere (+ 33,6 %) an oder von Bord, sodass die Erwartungen des Hafens übertroffen wurden. Zumal der Neubau des zweiten Terminalgebäudes sowie die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit eine vorübergehende Anpassung der Abfertigungsprozesse am nördlichen Schiffsliegeplatz des Ostseekais erforderten. Bestens bewährt habe sich auch das im April eröffnete erweiterte Kreuzfahrtterminal im Ostuferhafen, das die Kapazität und Flexibilität des Hafens weiter erhöht. Dirk Claus: „Am Terminal des Ostuferhafens können sehr große Schiffe mit mehr als 4.000 Passagieren reibungslos abgefertigt werden. Die Kundenzufriedenheit bestätigt die hohe Qualität und Effizienz der Anlage.”
Gleich zu Jahresbeginn präsentierte sich der jüngste Neubau von TUI Cruises, MEIN SCHIFF 2 am Ostseekai. Das größte Schiff der Saison, die MSC MERAVIGLIA (171.600 BRZ), zeigte sich Ende April erstmals auf der Förde. Häufigste Gäste waren die AIDA-Schiffe, von denen die AIDAprima ihre Kiel-Premiere gab.
Mit dem Bau der Landstromanlage am Ostseekai geht Kiel in puncto Nachhaltigkeit voran. Die Bauarbeiten haben begonnen, sodass im kommenden Jahr nicht nur das zweite Terminalgebäude, sondern auch die dann nach Hafenaussagen leistungsstärkste Landstromanlage eines deutschen Hafens am Ostseekai in Betrieb gehen wird. Im ersten vollen Betriebsjahr sollen bereits 60 bis 70 Kreuzfahrtanläufe sowie die Fähren der Stena Line mit Landstrom versorgt werden. rfra

 

19521 AIDAprima Erstanlauf Warnemuende 1 Foto AIDA Cruises RostockEinen wetterbedingten Überraschungsbesuch gab es von AIDAprima am 4. Oktober. Foto: AIDA Cruises, Rostock

 

AIDAaura beendet Hauptsaison der Kreuzschifffahrt in Warnemünde
184 Schiffsanläufe im Kreuzfahrthafen Warnemünde und zwölf im Überseehafen
Gegen 8 Uhr wird das Kreuzfahrtschiff AIDAaura am 17. Oktober am Liegeplatz P7 in Warnemünde festgemacht und die diesjährige Hauptsaison der Kreuzschifffahrt beschlossen. Ein weiterer und damit letzter planmäßiger Anlauf in diesem Jahr wird in Warnemünde noch am 4. Dezember vom Kreuzfahrtschiff BALMORAL der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines erwartet.
Insgesamt werden dann 906.000 Seereisende bei 196 Schiffsanläufen an und von Bord der 40 Kreuzfahrtschiffe gegangen sein. „Warnemünde bleibt der beliebteste deutsche Hafen für internationale Seereisende. Zudem ist der Passagierhafen an der Warnowmündung auch ein bedeutender Start- und Zielhafen für deutschsprachige Kreuzfahrtouristen. Dank der Warnemünder und aller an der Kreuzschifffahrt beteiligten Unternehmen und Behörden verlief die diesjährige Kreuzfahrtsaison erfolgreich und reibungslos. Erwartungsvoll blicken wir alle gemeinsam auf den im kommenden Jahr geplanten Testbetrieb der Landstromanlage, die Eröffnung des zweiten Passagierterminals und die Inbetriebnahme des umgebauten Warnemünder Bahnhofs”, sagt Jens A. Scharner, Geschäftsführer der ROSTOCK PORT GmbH.
Von den 196 Schiffsanläufen dieses Jahres wurden 184 in Warnemünde und zwölf im Überseehafen bedient. Das größte Schiff in dieser Saison war NORWEGIAN BREAKAWAY mit einer Bruttoraumzahl von 145.655 und einer Kapazität von rund 4.800 Passagieren. Bei 92 Anläufen fanden Voll- bzw. Teilreisewechsel statt. So schickte die Rostocker Reederei AIDA Cruises erstmals mit AIDAaura, AIDAdiva und AIDAmar drei Schiffe vom Basishafen Warnemünde 45 Mal auf Ostseekreuzfahrt. Einen Überraschungsbesuch gab es von AIDAprima am 4. Oktober. Damit verzeichnet erstmals ein Schiff dieser Bauklasse einen Anlauf im Rostocker Hafen. Grund für den unplanmäßigen Aufenthalt in Warnemünde war die Wetterlage über der Ostsee mit Starkwinden, die an jenen Tagen zur Schließung des schwedischen Hafens Nynäshamn bei Stockholm geführt haben. Mit Warnemünde wurde den Gästen eine attraktive Alternative geboten.
In diesem Jahr hatten 22 internationale Reedereien den Ostseehafen an der Warnow in ihre Reiseplanungen aufgenommen. Zu den Höhepunkten in dieser Saison zählten die acht Erstanaläufe der Kreuzfahrtschiffe NIEUW STATENDAM von Holland America Line, VIKING JUPITER von Viking Cruise Line, NORWEGIAN PEARL von Norwegian Cruise Line, Celebrity REFLECTION von Celebrity Cruises, SILVER SPIRIT von Silver Sea Cruises, SEABOURN OVATION von Seabourn Cruise Line und AIDAprima von AIDA Cruises.

Internationale Besucher entdecken Rostock und Mecklenburg-Vorpommern
In diesem Jahr stellten die Deutschen mit 137.000 Passagieren erneut die größte Anzahl aller Kreuzfahrttouristen, gefolgt von 98.000 US-Amerikanern, 44.000 Briten, 23.000 Spaniern, 22.000 Kanadiern, 20.000 Italienern, 12.000 Australiern und 97.000 Touristen aus 149 weiteren Nationen.
Rund 86.000 internationale Gäste unternahmen per Bahn, Bus oder Pkw einen Tagesausflug nach Berlin. Etwa 186.000 Passagiere aus aller Welt entdeckten als Tagesgäste Warnemünde, Rostock oder Mecklenburg-Vorpommern und 181.000 Seereisende begannen und/oder beendeten ihre Kreuzfahrt im Passagierhafen an der Warnowmündung.
27 Kreuzfahrtschiffe nutzten in diesem Jahr bei 108 Anläufen die direkte Schiffsabwasserentsorgung in das öffentliche Abwassernetz. Insgesamt wurden 25.400 Kubikmeter Schiffsabwässer umweltfreundlich entsorgt.
Seit Mai dieses Jahres öffnete die Seafarers’ Lounge der Seemannsmission das erste Mal kontinuierlich ihre Tür für die Besatzungsmitglieder der Kreuzfahrtschiffe in Warnemünde. Die Lounge befindet sich in unmittelbarer Nähe des Kreuzfahrthafens und wurde in dieser Saison von weit mehr als 1.000 Crewmitgliedern aus aller Welt besucht. Weitere Informationen: www.rostock-port.de · Reiner Frank

 

19504 Marco Polo in Wismar 130809 Foto Reiner FrankDie MARCO POLO war 1965 als ALEXANDER PUSCHKIN auf der MTW in Wismar gebaut worden. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Zum Saisonabschluss am Geburtsort
MARCO POLO machte am Tag der Einheit in Wismar fest · Im nächsten Jahr 14 Kreuzlineranläufe, in diesem Jahr waren es nur neun
Wismar, 3. Oktober – Zum Abschluss der Kreuzfahrtsaison in Wismar machte am Tag der Einheit im dortigen Alten Hafen mit der MARCO POLO eine alte Bekannte fest. Der in die Jahre gekommene Kreuzliner war 1965 als ALEXANDER PUSCHKIN auf der MTW in Wismar gebaut worden. Er gehörte wie seine fünf Schwesterschiffe zur Ivan-Franko-Klasse, die nahezu baugleich waren und Namen der georgischen, ukrainischen und russischen Schriftsteller IVAN FRANKO, SHOTA RUSTAVELI, TARA SHEVCENKO, MICHAEL LERMANTOW und eben ALEXANDER PUSCHKIN trugen. Drei der Schiffe sind inzwischen verschrottet und eins gesunken. Die 54-jährige MARCO POLO, die wiederholt auch schon Rostock anlief, ist aber unverwüstlich. Das Schiff ist 176 Meter lang, 23 Meter breit, geht 8,2 Meter tief und bietet auf acht Decks bis zu 800 Passagieren Platz. Die Zufahrt zum und das Anlegen im Alten Hafen von Wismar wurde durch den Rostocker Schlepper BUGSIER 16 unterstützt.
Der Hafen Wismar verzeichnete in diesem Jahr insgesamt nur neun Anläufe von Kreuzfahrtschiffen. Die Saison war hier am 25. April mit der ASTORIA, einer ebenfalls alten Bekannten (der 1946 als STOCKHOLOM gebauten späteren VÖLKERFREUNSCHAFT, des ersten Urlauberschiffs der DDR),
eröffnet worden. Zudem kamen ALBATROS, AMADEA (zweimal), DEUTSCHLAND, HEBRYDIAN SKY und AMERA – letztere erst am 2. Oktober. Im kommenden Jahr sind 14 Schiffsanläufe gemeldet. Dann soll auch die Erweiterung des Kreuzfahrtanlegers abgeschlossen sein. Geplant ist unter anderem ein Abfertigungsgebäude für Zoll und Polizei. Die MARCO POLO wiederum hat im nächsten Jahr unter anderem eine Weltreise geplant. Reiner Frank

 

19504 Polarstern 20150924 PS94 Arktis 101 Foto AWI MHoppmannZiel der vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven initiierten und geleiteten POLARSTERN-Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Foto: Alfred-Wegener-Institut, M. Hoppmann

 

Die Eisdrift in der Arktis beginnt
Wissenschaftler aus 19 Nationen sind mit der Expedition MOSAiC ein ganzes Jahr dem Klimawandel im Polargebiet auf der Spur · Rostocker Seeleute sind dabei und sorgen mit vielfältigen Dienstleistungen für die Logistik · Das Forschungsschiff POLARSTERN bildet die Basis für das Forschungscamp auf der Eisscholle
Rostock, 2. Oktober – Die wohl größte Arktis-Expedition aller Zeiten läuft und auch Rostocker Seeleute sind dabei. Vom norwegischen Tromsø nahm das Forschungsschiff POLARSTERN der Reederei F. Laeisz Kurs auf die zentrale Arktis. Am vergangenen Montag war die Position 85°05,9‘ Nord und 137°23,7’ Ost erreicht. „Wir liegen in der Nähe einer Scholle, die näher untersucht und vermessen wird”, teilt Kapitän Stefan Schwarze der Reederei mit. Sollte sie geeignet sein, werden die Wissenschaftler hier ihr Forschungscamp aufschlagen und mit einem kilometerweiten Netz verbinden können. Die Eisdrift mit der POLARSTERN als Basis kann dann beginnen. „Die Zeit drängt, in spätestens zehn Tagen wird es dunkel”, berichtet der erfahrene Kapitän, der das Schiff im Wechsel mit seinem Kollegen Thomas Wunderlich führt.
Neben 62 Wissenschaftlern wollen auch 38 Seeleute der in Rostock, Hamburg und Bremerhaven ansässigen Reederei zum Gelingen der Expedition beitragen. Sie wechseln – wie die Wissenschaftler – zumeist jeweils nach etwa drei Monaten, die Kapitäne nach einem halben Jahr. Für alle sei das eine große Herausforderung. Sie wären aber motiviert, die Arbeiten bei klirrender Kälte und während der dunklen Polarnacht zu meistern. Schließlich sei die Expedition unter dem Kürzel MOSAiC auch für die beteiligten Rostocker Seeleute ein einzigartiges Erlebnis, erklärt uns Laeisz-Geschäftsführer Roland Pallutz.
Wissenschaftler aus 19 Nationen wollen die Arktis im Jahresverlauf untersuchen. Ziel der vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven initiierten und geleiteten Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Eine internationale Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen versorgt das Team auf dieser extremen Route. Koordinator der Expedition ist der Polarforscher Markus Rex.
Schon einige Tage vor der Verabschiedung der POLARSTERN in Tromsø war Michael Thurmann, der Niederlassungsleiter der Laeisz-Forschungsbasis in Bremerhaven, bei den letzten organisatorischen Vorkehrungen vor Ort mit eingebunden. Da waren Container mit diversen Ausrüstungen an Bord zu laden, ausreichend Treibstoff zu bunkern, hieß es sich mit Proviantvorräten einzudecken und das Schiff als wohnliche Basis auszustatten. In den Weiten der Arktis muss das driftende Schiff für einige Wochen autark sein.
Es sind vor allem logistische Aufgaben, die die Seeleute für die Forscher zu leisten haben, berichtet der gebürtige Rostocker. Da ist durch die Techniker um die Chiefs Jens Grafe und Henning Westphal die Energieversorgung zu sichern, muss die Daten-Übermittlung gewährleistet sein, ist der Wachbetrieb auch auf dem treibenden Schiff aufrecht zu erhalten. Vielfältige Dienstleistungen für die Forscher – sei es als Pistenbulli-Fahrer oder auch Eisbären-Wächter – sind zudem gefragt. Schließlich muss auch der Magenfahrplan stimmen, wofür die Köche Sven Schmieder und Jörg-Reiner Meissner in bewährter Weise Sorge tragen werden. Neben drei Stewardessen ist auch eine Bäckerin an Bord. Und mit Dr. Wolf-Dietrich Miersch steht ein Schiffsarzt im Dienst der Gesundheit bereit.
Weihnachten wird nach dem Crew-Wechsel am 5. Dezember wahrscheinlich an Bord zu feiern sein – die Neuankömmlinge auf der POLARSTERN, die Abgelösten vielleicht noch auf der Heimreise mit einem der Versorgungsschiffe. Im Vorfeld wurden die Transporte vertraglich abgesichert.
Die POLARSTERN wird wegen der großen Mission in der Arktis in diesem Jahr die Neumayer-Station in der Antarktis nicht versorgen. Das werde in diesem Jahr ein Charterschiff aus Südafrika übernehmen, berichtet Roland Pallutz. Die Station wird durch vier Leute der Reederei aber wieder besetzt. Mehr über die Arktis-Expedition im Internet unter www.mosaic-expedition.org · Reiner Frank