SeereisenMagazin Logo klein 347 65HAMBURGMAGAZIN · AUSGABE 6/2019hr

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Das ist meine Hafenstadt – Hamburg – beim Blue Port zu den Cruise Days.
Foto: Hafen Hamburg Marketing Glaubitt

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Noch boomt die Kreuzfahrtbranche
Hamburg. Nachdem die vier Hamburger Cruise-Terminals im Spätsommer einen leichten Rückgang der Passagierzahlen gemeldet haben, betont die CLIA (Cruise Lines International Association) als Zusammenschluss aller Kreuzfahrt-Reedereien zum Jahreswechsel einen weltweit weiteren Anstieg von Schiffsreisen. Zur Zeit gibt es 278 große Kreuzfahrtschiffe mit einer Länge von über 300 Metern, im Jahr 2020 werden 19 weitere hinzukommen. Die größten Einheiten werden in Mecklenburg-Vorpommern für den asiatischen Markt gebaut, sie bieten jeweils 9.000 Passagieren und 3.000 Besatzungsmitgliedern Platz. Das entspricht der Einwohnerzahl einer Kleinstadt. Die Nachfrage sei ungebrochen, berichtet der internationale Branchenverband. Hauptfahrtgebiete sind in Amerika die Karibik, in Europa das Mittelmeer und in Asien das Südchinesische Meer. Der Verband weist auch auf die intensiven Bemühungen der Branche hin, den Schadstoff-Ausstoß der Schiffe weiter zu verringern. Die AIDAnova sei das erste erfolgreich mit LNG (Flüssigerdgas) betriebene Kreuzfahrtschiff, weitere würden 2020 in Fahrt gehen.

Koffer-Diebstahl in Chile
Santiago de Chile. Die norwegische Reederei Hurtigruten hatte zum Jahresende 200 Passagiere für eine Reise auf ihrem neuen Expeditionsschiff ROALD AMUNDSEN von Chile aus in die Antarktis eingebucht. Vor Antritt der Schiffsreise übernachteten diese Passagiere in guten Hotels der chilenischen Hauptstadt. Am nächsten Morgen sollten die insgesamt 320 Koffer der Gäste in deren Hotels von einem Lastwagen abgeholt und direkt ans Schiff gebracht werden. Die Koffer wurden auch vereinbarungsgemäß abgeholt und vor den Augen des Hotelpersonals aufgeladen. Sie kamen dann aber nie im Hafen an. Vielmehr wurden die Koffer an einem bisher nicht bekannten Punkt des Weges aus dem Laster geholt, umgeladen und gestohlen. Der Laster wurde später leer aufgefunden. Der Gesamtwert dieses Gepäcks ist beträchtlich. Fünfzehn der Passagiere brachen daraufhin die Reise ab und flogen zurück nach Europa. 185 Passagiere traten die Schiffsreise ohne Gepäck an und wurden von der Reederei mit den nötigsten Utensilien und Kleidungsstücken versorgt. Erst am 7. November 2019 war das Schiff auf seiner ersten Antarktisreise feierlich getauft worden, und zwar mit einem gegen den Bug geschleuderten Eisbrocken anstelle der sonst üblichen Champagnerflasche.

Taufe im Februar
Miami. Am 21. Februar 2020 wird in Miami der Neubau SEVEN SEAS SPLENDOR der Reederei Regent Seven Seas feierlich getauft, und zwar von der Schauspielerin und Entertainerin Christie Brinkley. Das besondere Merkmal dieses Schiffes ist seine Exklusivität. Für nur 750 Passagiere steht eine 572köpfige Besatzung zur Verfügung. Das Schiff wird von der italienischen Kapitänin Serena Milani geführt.

Kreuzfahrt-Terminal in Doha
Doha/Qatar. Rechtzeitig zur Fussball-WM in zwei Jahren lässt der Scheich von Qatar seinen Hafen Doha zum Internationalen Kreuzfahrt-Terminal ausbauen. Immer mehr Kreuzfahrt-Gesellschaften wählen das Scheichtum am Persischen Golf als Zielhafen (Destination Point) aus. Als erste sind MSC Cruises auf diesen Zug aufgesprungen und schicken bereits jetzt zwei ihrer Kreuzfahrtschiffe regelmäßig in den oel- und erdgasreichen Wüstenstaat. Qatar gehört zur mehrheitlich sunnitischen VAR (Vereinigte Arabische Republik), befindet sich aber in einem Spannungszustand zum benachbarten Saudi-Arabien, da der Scheich von Qatar auch gute Beziehungen zum schiitisch geprägten Iran unterhält. Weitere bedeutende Kreuzfahrt-Stationen am Persischen Golf sind die Scheichtümer Abu Dhabi und Dubai. Auch der Oman baut seine maritimen Faszilitäten gegenwärtig aus. Mit diesen Bauten sollen die Ausfälle in Syrien und die immer wieder aufflammenden Spannungen in Ägypten ausgeglichen werden.

Spende für Venedig
Venedig. Die in der internationalen Dachorganisation CLIA zusammengeschlossenen Kreuzfahrtreedereien repräsentieren mehr als drei Viertel der weltweiten Kreuzfahrt-Tonnage. Dieser Verband hat jetzt eine Spende von einer Million Euro an die Stadt Venedig überwiesen, um wenigstens einige der akuten Hochwasserschäden zu reparieren. Venedig plant mittelfristig eine spürbare Einschränkung des Kreuzfahrtverkehrs auf seinen Kanälen. Die Lagunenstadt ist eins der meistfrequentierten Anlaufziele von Cruiselinern aus aller Welt. Währenddessen wird nicht nur in Italien diskutiert, wann und in welcher Form endlich die seit Jahrzehnten geforderte Schleusenzufahrt in die Lagune verwirklicht wird. Eine solche Groß-Schleuse könnte die Wasserstände regulieren, den Schiffsverkehr ordnen und den historischen Bauten mehr Sicherheit bringen.

GPS gestört
Hamburg. In der Handelsschifffahrt wie auch bei der Marine klagen Nautiker und Navigationsoffiziere immer häufiger über eklatante Störungen des weltweiten GPS-Systems. Experten vermuten chinesische Dienste hinter diesen Signal-Veränderungen, denn diese Störungen der Funk-Ortung treten vor allem in asiatischen Fahrtgebieten auf. Ein mögliches Motiv könnte der Tankerverkehr vom Iran nach China sein, dessen Transportrouten verschleiert werden sollen, so vermuten die militärischen Abschirmdienste. Auch die Nautiker auf Kreuzfahrtschiffen sind zu besonderer Vorsicht aufgerufen.

Kreuzfahrtwelt Hamburg 2020
Eine der größten Fachmessen für Schiffsreisen findet unter dem Motto „Kreuzfahrtwelt Hamburg” vom 5. bis 9. Februar 2020 auf dem Hamburger Messegelände statt. Nahezu alle namhaften Reedereien und Reiseveranstalter präsentieren auf über 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre aktuellen Angebote für Schiffsreisen aller Art. Diese Messe soll nicht nur interessierten See-Touristen die neuesten Trends näherbringen, sondern bietet auch Fachvorträge und Podiumsdiskussionen für das Fachpersonal der Reisebüros, der Online-Agenturen und Seereisen-Veranstalter. Immer deutlicher wird ja unterschieden zwischen dem „Cruising-Fun” auf den großen „Musikdampfern” und den Erlebnisreisen auf kleineren Expeditionsschiffen.

Wunder lässt auf sich warten
Hamburg/Rostock/Palma. Zum ersten Mal in der Reedereigeschichte hat das Rostocker Unternehmen AIDA Cruises nicht in einen eigenen Neubau investiert, sondern von der italienischen Costa Line ein gebrauchtes Schiff gekauft, um es aufzuhübschen und unter dem neuen Namen AIDAmira in Fahrt zu bringen. „Mira” heißt „Wunder” – aber Wunder dauern eben etwas länger, wie es schon literarisch heißt. Zwei Premierenreisen, eine kurze ins Mittelmeer und eine lange von Palma nach Kapstadt, wurden abgesagt, weil die komplizierten Umbau-Arbeiten nicht termingemäß erledigt werden konnten. AIDA Cruises haben vor allem die großzügigen Freiräume auf dem Schiff „verdichtet“ – also anstelle von Bars, Restaurants und Lounges rund 90 weitere Passagier-Kabinen eingebaut. Ob diese Verkleinerung der ursprünglichen Freiflächen von den Passagieren angenommen wird, bleibt abzuwarten. Mit dem neuen alten Schiff werden AIDA Cruises dem neuen Trend nach „Slow Cruising“ folgen, also endlich längere Liegezeiten in weniger Häfen anbieten.

Hamburg baut den China-Handel aus
Hamburg. Der Hamburger Hafen rüstet auf. In den letzten Wochen sind mehrere große neue Containerkräne aus China angekommen, so dass künftig erheblich mehr Liegeplätze für den Container-Umschlag zur Verfügung stehen werden. Hamburg wird zum Drehkreuz für den nordeuropäischen China-Handel. Voraussetzung für diese Entwicklung ist die Elbvertiefung, die jetzt voll in Gang gekommen ist. Die HHLA (Hamburger Hafen- und Lagerhaus Aktiengesellschaft) investiert eine Milliarde Euro in den Ausbau, die großen Container-Reedereien finanzieren die Erweiterung ihrer Umschlag-Kapazitäten mit vielen hundert weiteren Millionenbeträgen.

hr

18520 Ozeanopaedie Foto Terra Mater BooksSo kommt das Salz ins Meer und andere meerkwürdige Geschichten

Tom Hird
OZEANOPÄDIE
291 unglaubliche Geschichten vom Meer
Die Meere bedecken drei Viertel der Oberfläche unseres Planeten. Strände sind schön, Tsunamis schrecklich, die Seefahrt gefährlich, die Tierwelt unter Wasser atemberaubend. So weit, so bekannt. Aber wer weiß schon, dass die Weißen Klippen von Dover ein Werk von Mikroalgen sind? Oder dass Algen nicht Pflanzen sind, sondern einfach Algen und ökologisch betrachtet eine der erfolgreichsten Organismen auf dem Planeten, geschweige denn, wie der Tiefseefisch das Licht anmacht?
Denken wir an einen Strand, tauchen Sandburgen, Sonnenschirme, Limonadenverkäufer und bis zum Halse eingegrabene Väter und Mütter vor dem geistigen Auge auf. Tatsächlich tobt unter der sauberen, hellen, kleinkörnigen Oberfläche das pralle Leben. Viele kleine und kleinste Geschöpfe verbringen hier ihr ganzes Leben und haben es recht bequem: Geschützt vor der Sonne, bei annähernd gleichbleibender Feuchtigkeit und gleichem Salzgehalt lässt es sich gut aushalten. Oder nehmen wir die Seepocke, der landauf, meerab wenig Beachtung zuteil wird. Wer hätte gedacht, dass das Krustentier in der Lage ist, auf jeder Welle zu den unwahrscheinlichsten Orten des Meeres zu surfen, sich anzusiedeln und zu überleben? Der Adaptionskönig treibt die evolutionäre Kompetenz auf die Spitze, indem das zwei Zentimeter lange Tier mit seinem sieben Zentimeter langen Penis mit all seinen Mit-Seepocken für die nächste Generation sorgen kann, da sie samt und sonders Hermaphroditen sind. Kein Wunder also, dass die Seepocke zu den favorisierten Studienobjekten von Charles Darwin gehörte. Denn: Mehr Survival of the Fittest geht nicht.

Der Autor
Tom Hird, geboren 1984 in Halifax, Meeresbiologe, Taucher, Autor, Wissenschaftskommunikator, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seinen Lesern und seinem Fernsehpublikum die Natur unter dem Meeresspiegel nahezubringen. Seine Leidenschaft für Wildtiere und seine Erfahrungen in freier Wildbahn verarbeitet er unterhaltsam und gewitzt im Fernsehen in seiner Rolle als Starmoderator der BBC, in Glossen und Büchern. Wenn er nicht gerade unter Wasser ist, lebt er in London.

Tom Hird
OZEANOPÄDIE
(aus dem Englischen von Nadine Lipp), erscheint bei
Terra Mater Books, A-5061 Elsbethen, Hardcover mit
Schutzumschlag und Lesebändchen, etwa 280 Seiten,
24,- € [D] │33,90 CHF, ISBN 978-3-99055-004-5,
Erscheinungstermin: 11. Oktober 2018.
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