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18121 Hafeneinfahrt Warnemuende RP17 062 kl Foto Rostock Port
Das ist meine Hafenstadt – Rostock-Warnemünde.
Foto: Nordlicht für Rostock Port

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20121 Rostock Port 19 076 Foto Rostock Port NordlichtBild vom Umschlaggeschehen im Rostocker Seehafen mit Blick auf Getreideterminal und Kranbauer Liebherr. 
Foto: Rostock Port / Nordlicht

 

Zum Hafenjubiläum gut auf Kurs
Neujahrsempfang bei Rostock Port / Leichte Zuwächse dank außergewöhnlicher Rohöl-Importe / Wachstumsträger Ro/Ro-Verkehr dagegen mit Einbußen / Umfangreiche Investitionen
Rostock – Beim Neujahrsempfang von Rostock Port zeigte sich die Geschäftsführung zufrieden. 2019 sind im Überseehafen Rostock insgesamt 25,7 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen worden. Das entspricht einem leichten Zuwachs von 100.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahresergebnis. Leichte Rückgänge im Fähr- und RoRo-Verkehr konnten durch gute Ergebnisse in anderen Bereichen ausgeglichen werden. Bei der Wertschöpfung, die nicht in Tonnen ihren Niederschlag findet, gab es Fortschritte. „Einmal mehr zeigt sich die Stärke des Universalhafens”, erklärte Dr. Gernot Tesch, einer der beiden Geschäftsführer der Rostock Port GmbH. Das Investitionsvolumen erreichte mit knapp 40 Millionen Euro im Jahr 2019 ein neues Zehnjahreshoch. Die anderen Rostocker Häfen wie der Fracht- und Fischereihafen sowie der Chemiehafen kamen im Jahr 2019 auf ein Umschlagsergebnis von zusammen 1,5 Millionen Tonnen. Damit wurden in Rostock im vergangenen Jahr insgesamt 27,2 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen.
Im Schüttgutumschlag gingen mit insgesamt 5,9 Millionen Tonnen 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr über die Kais. Insbesondere der Umschlag von Weizen und Gerste verzeichnete Zuwächse. Der Umschlag von Flüssiggütern lag mit 3 Millionen Tonnen etwa 700.000 Tonnen bzw. 30 Prozent über dem Vorjahresniveau. Insbesondere die Rohölimporte im ersten Halbjahr 2019 trugen zum außerordentlichen Ergebnis bei. Bei der rollenden Ladung, den Fähr- und RoRo-Gütern, bisher der Wachstumsträger, ging der Umschlag im Jahr 2019 allerdings leicht zurück. Etwa 30.000 Lkw wurden weniger befördert, der Trailerverkehr legte dagegen ein wenig zu. Die Anzahl der beförderten Pkw und Wohnmobile wuchs um drei Prozent, mit 2,5 Millionen beförderter Fährpassagiere auf den Linien nach Nordeuropa wurde in etwa das Vorjahresergebnis erreicht.
Der Eisenbahnfährverkehr nahm auf niedrigem Niveau zu: von 15.605 auf 18.388 (plus 18 Prozent). Die Stena Line und Green Cargo bieten so eine Alternative zu den Brücken, betonte Tesch. Der Umschlag intermodaler Ladeeinheiten im Kombinierten Ladungsverkehr (KV) stieg auf 87.000 Einheiten und damit um 11,5 Prozent. Derzeit verkehren wöchentlich 30 Kombiverkehrszüge. Neu ist eine Verbindung zwischen Wien und Trelleborg.
Zur Verbesserung von Qualität und Sicherheit der Kreuzschifffahrt in Warnemünde investieren das Land Mecklenburg-Vorpommern, die Hansestadt und ROSTOCK PORT in den Neubau eines weiteren Terminalgebäudes am Warnemünder Liegeplatz P8. Das Gebäude, 186 Meter lang und 30 Meter breit, soll zum Saisonstart der Kreuzschifffahrt im Frühjahr 2020 eröffnet werden. In diesem Jahr wird mit 206 bis 207 Anläufen gerechnet, berichtet Geschäftsführer Jens Scharner. Der Bau einer Landstromanlage in Warnemünde wird vorbereitet. Ziel ist eine Aufnahme des Testbetriebs im Sommer dieses Jahres. Auch das Kreuzfahrtterminal im Seehafen wird ertüchtigt und auch Kais für größere Ro/Ro-Schiffe werden ausgebaut.
Am 30. April 2020 wird der Überseehafen Rostock 60 Jahre alt und der Rostocker Fracht- und Fischereihafen kann sein 70jähriges Bestehen begehen. Das Jubiläum feiern beide am 1. Mai 2020 gemeinsam. Zwischen den Hafenbereichen wird ein Shuttle eingerichtet. Reiner Frank

 

20121 Aidadiva ausl mit Viking Star P5911 Foto Reiner Frank RostockDas Foto zeigt die auslaufende AIDAdiva und die VIKING STAR am Kai – beide Schiffe kommen auch 2020 wieder. 
Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Warnemünder Saisonstart am 24. März 2020
Rostock Port erwartet 206 Kreuzfahrer-Anläufe / Sechs Neulinge avisiert / Größtes Schiff wird die NORWEGIAN ESCAPE / Vom Seehafen mit der MONARCH / Infrastruktur ausgebaut
Rostock, 30. Dezember 2019 – Es sind nicht 202, wie jüngst durch uns avisiert, sondern sogar 206 Anläufe, die zur Kreuzfahrtsaison 2020 In Rostock erwartet werden. 187 Mal werden die Schiffe in Warnemünde und 19 Mal im Überseehafen anlegen. Die Saison beginnt am Warnemünder Terminal am 24. März mit der BOUDICCA der englischen Reederei Fred. Olsen Cruise Lines, wie Rostock Port zum Jahreswechsel berichtet. Sechs Schiffe nehmen erstmals Kurs auf die Warnowmündung. Die Rostocker Reederei AIDA Cruises wird mit AIDAdiva, AIDAmar und AIDAaura von ihrem Ostseebasishafen Warnemünde operieren. 46 von insgesamt 53 Passagierwechselanläufen wurden von AIDA Cruises für 2020 angemeldet. Auch die Spanier kommen wieder. Sieben Passagierwechselanläufe der MONARCH werden von der Kreuzfahrtreederei Pullmantur im Überseehafen durchgeführt. Zudem sind 46 so genannte Teilreisewechsel von den italienischen Reedereien Costa und MSC Cruises sowie der amerikanischen Reederei Princess Cruises geplant.
Im Fahrplan 2020 stehen 37 Anläufe von sehr großen Passagierschiffen mit Schiffslängen von 300 Metern und mehr: Mit einer Bruttoraumzahl von 164.600 BRT wird die NORWEGIAN ESCAPE das größte Schiff der kommenden Saison. Die Reederei Viking Ocean Cruises mit Sitz in der Schweiz wird 23 Mal Kurs auf Warnemünde nehmen. Mit der ALBATROS von Phoenix Reisen gibt es auch zwei vorweihnachtliche Anläufe am 12. Und 19. Dezember 2020. „Sowohl Hafen- als auch Bahninfrastruktur in Warnemünde werden gegenwärtig ausgebaut. Im Frühjahr soll das neue Terminalgebäude ‚Warnemünde Cruise Center 8’ betriebsbereit sein, im Mai der umgebaute Warnemünder Bahnhof eröffnet werden und im Sommer die Landstromanlage den Testbetrieb aufnehmen”, sagt Jens A. Scharner, Geschäftsführer von ROSTOCK PORT. www.rostock-port.de · rfra

 

19621 Lotsen Ralf Reimann u Andreas Krueger P1020913Lotsenältermann Andreas Krüger (rechts) mit dem Wachlotsen Ralf Reimann im mit neuer Technik ausgerüsteten Wachraum
in der Lotsenstation in Warnemünde.
Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Wachstum vergangener Jahre gebremst
Lotsenbilanz 2019 rückläufig / 6612 Lotsungen zwischen Wismar und Stralsund / Wegfall der Zusatzleistungen für Nordstream 2 schmälern das Ergebnis / Rückgänge auch am Haupttätigkeitsfeld der Brüderschaft
Rostock, 18. Dezember 2019 – Eine Übersicht auf einem der Monitore im Wachraum der Lotsen in der 4. Etage der Warnemünder Verkehrszentrale zeigt den Schiffszulauf zum Rostocker Hafen. Neue Technik bestimmt hier die Szenerie und wurde dieser Tage voll in Betrieb genommen. Auch ein zweiter Raum wird noch entsprechend ausgerüstet, damit in Spitzenzeiten zwei Berater der Kapitäne zugleich die Regie der Lotseneinsätze zwischen Wismar, Rostock und Stralsund vornehmen können, wie Lotsenältermann Andreas Krüger (58) berichtet. Der Wachlotse Ralf Reimann stellt uns die Anlagen vor, die im Zuge der Modernisierung des „Blauen Wunders” auch die Arbeit der Lotsenstation in der Verkehrszentrale noch effektiver machen dürfte.
Im Büro des Ältermanns zwei Etagen tiefer ziert eine Bildergalerie der bisherigen Älterleute an der Wand jetzt auch das Porträt von Christian Subklew, der Ende vorigen Jahres in den Ruhestand ging. Nach seinem Ausscheiden sind jetzt im Revier der Brüderschaft 34 Lotsen zwischen Wismar und Stralsund tätig. Und ihre Zahl wird sich voraussichtlich aktuell nicht erhöhen, denn das Wachstum vergangener Jahre ist gebremst. Die erbrachten Dienstleistungen für die Schifffahrt sind in diesem Jahr gegenüber 2018 rückläufig, wie die monatliche Statistik veranschaulicht.
Für das Jahr 2019 stehen im Revier zwischen Wismar und Stralsund insgesamt 6.612 Lotsungen zu Buche. Das sind deutlich weniger, als im Vorjahr, wo das Ergebnis allerdings wegen der Zusatzleistungen im Lotsenbezirk Stralsund (Baggerungen und Leistungen für Nordstream 2) weit über den Durchschnitt der vergangenen Jahre lag. Die Anzahl der Lotsungen sank hier 2019 nach deren Wegfall so fast um die Hälfte und schmälert das Gesamtergebnis. Auch in Mukran und Ueckermünde bekamen die Lotsen weniger zu tun.
Während Wismar nahezu konstant blieb, war selbst in Rostock die Lotsenhilfe weniger gefragt. Mit 3.999 Lotsungen ging das Aufkommen hier um fast 700 Schiffe zurück. Ursachen für den Leistungsabfall in ihrem Haupttätigkeitsfeld sieht der Ältermann unter anderem in weniger Holzschifffahrt, wo die Industrie ihren Bedarf verstärkt aus eigenen Wäldern deckte. Aber auch Gutarten wie Getreide und Kohle gingen zurück und bei den Ro/Ro-Schiffen gab es mehr Freifahrer. Rohölimporte nach Problemen mit der Pipeline und auch die Kreuzfahrt konnte Defizite so nicht voll kompensieren.
Die Kreuzfahrtsaison war aber auch für die Lotsen ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. 196 Kreuzliner waren zu bedienen. Größte Passagierschiffe waren wieder die 330 Meter lange und 44 Meter breite REGAL PRINCESS sowie die 325 Meter lange und 53 Meter breite NOWEGIAN BREAKEWAY. Bemerkenswert war auch die unplanmäßige Stippvisite der 300 Meter langen AIDAprima, die zeigte, dass auch ein Anlauf von Schiffen dieser Größe am Liegeplatz 7 möglich war. Für nächstes Jahr stellt man sich wieder auf die Bedienung von etwa 200 Schiffen ein. Offiziell steht die Anzahl noch aus, inoffiziellen Meldungen zufolge werden 202 Kreuzliner erwartet.
In der Frachtschifffahrt gehörten der 237 Meter lange Bulker HARVEST FROST, der 71.500 Tonnen Getreide lud, und der 250 Meter lange und 44 Meter breite Tanker DELTA SAILOR, der 87.500 Tonnen Rohöl brachte, zu den größten Schiffen. Bemerkenswert ist hier auch das zur weiteren Ausrüstung bei Kranbauer Liebherr gekommene 216,50 Meter lange Spezialschiff ORION 1, dessen Hubschrauberdeck immerhin eine Breite von 58,40 Meter einnimmt. Und natürlich war auch für die Lotsen die Verlegung des GLOBAL-Kaskos von Warnemünde nach Wismar eine besondere Herausforderung.
Mit den neuen „Taxis zu See” waren die Lotsen zufrieden. In den nächsten Wochen wird der dritte Neubau für den Lotsbetrieb erwartet, so dass in jedem Bezirk dann eines der neuen Versetzboote stationiert ist. Der Ältermann hofft, dass 2020 auch das neue Seelotsgesetz verabschiedet wird und damit auch die Ausbildungsverordnung, worüber gegenwärtig noch diskutiert wird. Reiner Frank

 

19621 DSM Janssen Zernikow P1020890 Reiner FrankIm Februar 2020 scheidet mit Folkert Janssen der langjährige Leiter aus, der maßgeblich die Geschicke der Station in Rostock von Beginn an bestimmte. An seiner Seite bereitet sich nun Stefanie Zernikow, die von Kiel nach Rostock wechselt, auf die verantwortungsvolle Aufgabe vor. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Ein Ankerplatz für die Seeleute
Seemannsmission dankte in Rostock mit einem Adventsfrühstück ihren Unterstützern · Soziale Arbeit ausgebaut · Stafettenwechsel in der Stationsleitung · Weichnachtpäckchen für die Bescherung gepackt
Rostock, 12. Dezember 2019 – Es ist bereits eine gute Tradition, dass die Deutsche Seemannsmission (DSM) in der Vorweihnachtszeit zum Adventsfrühstück in den Seemannsclub „Hollfast” im Hafen einlädt. Vorstand und Mitarbeiter bedanken sich damit bei den Unterstützern ihrer sozialen Arbeit im Dienst der Seeleute. Sie ermöglicht es ihnen, ihre Dienstleistungen weiter auszubauen. Angesprochen waren damit insbesondere die Vertreter der Nordkirche, der Hansestadt Rostock, des Hafens, dessen verschiedene Dienstleister und auch Repräsentanten der Politik. Der Dank richtete sich an Frauen, die den Seeleuten wärmende Sachen stricken ebenso wie an Abgeordnete für ihre Weichenstellungen, an langjährige Weggefährten und an die Mitarbeiter des Clubs selbst.
Dort steht ein Stafettenwechsel bevor. Zum Februar kommenden Jahres scheidet mit Folkert Janssen der langjährige Leiter aus, der maßgeblich die Geschicke der Station in Rostock von Beginn an bestimmte. An seiner Seite bereitet sich nun Stefanie Zernikow, die von Kiel nach Rostock wechselt, auf die verantwortungsvolle Aufgabe vor.
In diesem Jahr wurden durch das Team von Folkert Janssen allein im Club im Hafen über 5.500 Seeleute betreut, erfolgten über 1.550 Bordbesuche und wurden 655 Personen zu Ausflügen in die Stadt begleitet. Ein neues Gesicht war während der Kreuzfahrt-Saison mit Marie-Kristin Liebold auch in der Seafarers Longe am Warnemünder Kreuzfahrtterminal präsent, die auf Teilzeitbasis hier die Betreuung von Seeleuten bereicherte. Heiligabend wird es wieder zur Christvesper in den Club geladen. Die Weihnachtspäckchen für die Bescherung sind bereits gepackt, ein Teil ist mit Frachtern, die zu den Feiertagen unterwegs sind, bereits auf Reisen gegangen.
Förderhilfe durch das Land macht dies möglich, gewährleistet auch hier zunächst für die nächsten drei Jahre die Betreuung der Seeleute. Und der Bund gewährleistet Unterstützung darüber hinaus. Bundestagsabgeordneter Eckhardt Rehberg (CDU) kann berichten, dass der Haushaltsausschuss die Mittel zur Unterstützung der Deutschen Seemannsmission um eine Million auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt habe. So könne auch die Auslandsarbeit erfolgreich fortgesetzt werden.
Insgesamt stehen mehr als 700 Frauen und Männer in 32 Stationen weltweit im Dienst der Seemannsmission, geben den Seeleuten einen Ankerplatz, Geborgenheit, vermitteln ein Stück Heimat. Sitz des Dachverbandes ist gegenwärtig noch in Bremen, wird ab März aber in Hamburg sein, wo allein schon drei Vereine wirken. Seemannspastor Matthias Ristau, der das Seemannsheim in Hamburg-Altona leitet, ist regelmäßig im Netzwerk der Stationen unterwegs und war so auch in Rostock zu Gast. In Deutschland ist die Seemannsmission in 14 Häfen aktiv, in Mecklenburg-Vorpommern neben Rostock auch in Sassnitz.
Am 31. Januar 1991 war im Turm der Nikolaikirche die Deutsche Seemannsmission Rostock e. V. aus der Taufe gehoben worden. An der Gründungsstätte wird am 31. Januar 2020 nun Folkert Janssen verabschiedet. Reiner Frank

 

19621 Balmoral in Wmde 04122019 P1020863 Foto Reiner FrankGegen 8 Uhr am 4. Dezember begrüßte Rostock Port das Kreuzfahrtschiff BALMORAL der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines als letztes Kreuzfahrtschiff des Jahres 2019. Foto: Reiner Frank, Rostock

 

Englischer Kreuzliner als Nachhut der Saison
Mit der BALMORAL auf vorweihnachtliche Reise · Von Kopenhagen kommend Stippvisite in Warnemünde und weiter nach Hamburg
Rostock, 4. Dezember – Am Warnemünder Kreuzfahrt-Terminal machte heute eine Nachhut der Saison fest. Gegen 8 Uhr begrüßt Rostock Port das Kreuzfahrtschiff BALMORAL der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Lines als letztes Kreuzfahrtschiff des Jahres 2019 am Liegeplatz P7, während nebenan der Ausbau des Terminals läuft und auch der Bahnhof modernisiert wird. An Bord des 218 Meter langen Kreuzfahrtschiffs, das von Kopenhagen kommend und nach dem Besuch in Warnemünde Kurs auf Hamburg nimmt, befinden sich rund 1.100 Passagiere, vornehmlich Briten. Sie besuchten in Rostock unter anderem den großen Weihnachtsmarkt.
Anno 2019 gingen in Rostock und Warnemünde insgesamt 906.000 Seereisende bei 196 Schiffsanläufen an und von Bord der 40 Kreuzfahrtschiffe. „Dank aller an der Kreuzschifffahrt beteiligten Unternehmen, Behörden und Partner verlief die diesjährige Kreuzfahrtsaison erfolgreich und reibungslos, konstatiert Rostock-Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner. Erwartungsvoll blicke man nun auf die Fertigstellung der Landstromanlage im kommenden Jahr, die Eröffnung des zweiten Passagierterminals und die Inbetriebnahme des umgebauten Warnemünder Bahnhofs. rfra

 

19621 Dr Immo Nasko Hamina Kotka P1020840Chairman der Baltic Port Organisation (BPO), der etwa 50 Ostseehäfen angehören, ist seit eineinhalb Jahren der Finne
Dr. Kimmo Naski (60), Geschäftsführer des Hafens Hamina-Kotka. 
Foto: Reiner Frank, Rostock

Rekordjahr am Finnischen Meerbusen
Über den Hafen Kotka-Hamina und seine Verbindungen nach Rostock · Riesige Module gehen bis nach Kasachstan · Forstprodukte bestimmen die Güterpalette · Als Containerhafen die Nr. 4 an der Ostsee · Kreuzfahrt ist nur eine Nische · Hafenchef ist Chairman der Baltic Port Organisation
Rostock , 3. Dezember 2019 – Chairman der Baltic Port Organisation (BPO), der etwa 50 Ostseehäfen angehören, ist seit eineinhalb Jahren der Finne Dr. Kimmo Naski (60), Geschäftsführer des Hafens Hamina-Kotka. Registriert ist die 1991 in Kopenhagen gegründete Vereinigung in Tallinn, ihren Sitz hat das Sekretariat in Gdynia. Von den etwa 800 Millionen Tonnen Gütern im Ostseeverkehr haben die verschiedenen Hafenplätze differenziert Anteil, erklärt Naski. Während vor allem die polnischen Häfen weiter wachsen, stagniere in anderen die Entwicklung, oder sei gar rückläufig. Sein Hafen könne auf eine erfolgreiche Entwicklung verweisen, berichtet uns der Finne, den wir bei einem Rostock-Besuch trafen, wo er sich unter anderem über den Ausbau der Infrastruktur des Hafens an der Warnow informierte und mit seinem Amtskollegen Dr. Gernot Tesch so auch den neuen Schwerlast-Kranriesen bei Liebherr besichtigte.
2011 hatten sich die Häfen Kotka und Hamina am Finnischen Meerbusen als Port of Hamina-Kotka zusammengeschlossen. „Etwa 18 Millionen Tonnen Güter (netto) haben wir aktuell umgeschlagen, allein 700.000 Standardcontainer (TEU) gingen über die Kais – ein Rekordjahr steht zu Buche”, berichtet der Chef des finnischen Universalhafens. Die Gutartenpalette wird hier zu 40 Prozent durch Forstprodukte bestimmt, aber auch Metalle, Flüssiggüter, Chemikalien und Container werden umgeschlagen. Dabei spielt die Funktion als Transithafen für Russland und Kasachstan eine wichtige Rolle. Über 170 Firmen mit etwa 7.000 Beschäftigten haben in den Hafenarealen ihr Tätigkeitsfeld. Allein zehn Stauereien arbeiten in den acht Hafenteilen. Nach Rostock wird im Ro/Ro-Verkehr insbesondere Papier und Zellulose verschifft. Frachtfähren von Finnlines und Transfennica verbinden die Hafenplätze.
In Rostock ist Dr. Kimmo Naski ein alter Bekannter. An der Rostocker Universität hat der Finne während seiner Tätigkeit bei der Viking Line Finnlandverkehr GmbH studiert und dann auch bei Prof. Karl-Heinz Breitzmann promoviert. Seine beiden Töchter wurden in Lübeck geboren, wo er zuvor bei der dortigen Hafengesellschaft wirkte. Als sie ins Schulalter kamen, ging Naski in sein Heimatland zurück, wurde Geschäftsführer des Hafens Pori, wechselte 2002 nach Kotka, wo er dann maßgeblich die Hafenfusion vorantrieb. „Das war ein langer, aber erfolgreicher Weg”, sagt er heute rückblickend. Der Hafen wurde international konkurrenzfähiger, Verkehre können optimiert, Investitionen koordiniert und effektiver finanziert werden. So konnte der Hafen sich auch für ein Projekt in Kasachstan empfehlen, das Logistikaufgaben für den Aufbau einer großen Ölmühle vorsieht. 70 Meter lange und bis zu 2.000 Tonnen schwere Riesenmodule werden über die Flüsse bis nach Kasachstan verschifft. Beim Bau der Nordstream-Röhren gab der Hafen bereits seine Visitenkarte ab. Vom hier angesiedelten Wasco-Werk wurde die Hälfte der Rohre mit Beton ummantelt und zwischengelagert. Weitere Projekte werden auch als Dienstleister für Forstprodukte erwartet. Insbesondere Zellulose habe bei den Investitionsvorhaben einen hohen Stellenwert.
Die Entwicklung der hafenverbundenen Industrie sei auch nach dem Beispiel Rostocks erfolgt, offenbart der finnische Hafenmanager. Sein Doktorvater Prof. Breitzmann aus Rostock habe mit einer Studie dafür einen wichtigen Beitrag geleistet. Der Passagierverkehr hat für Hamina-Kotka im Vergleich zu Rostock nur eine Nischenfunktion, Anlaufpunkt für Kreuzfahrten sei in Finnland vor allem Helsinki, erklärt Naski. Von fünf in diesem Jahr bedienten Kreuzlinern wird allerdings in den nächsten Jahren eine Steigerung auf etwa 30 angesteuert. Alle großen Container-Reedereien wie MSC, Maersk und CMA aber steuern Hamina-Kotka an, von wo die Blechkisten weiter verteilt werden. Als Containerhafen ist Hamina-Kotka inzwischen die Nr. 4 an der Ostsee.
Als Chairman der Baltic Port Organisation blickt Naski natürlich weit über die eigenen Hafengrenzen hinaus und hat alle Ostseehäfen im Blick. Eines der nächsten Treffen der Organisation wird voraussichtlich im März 2020 ein Erfahrungsaustausch beim Europäischen Parlament und bei der EU-Kommission sein. Reiner Frank