HamburgMagazin.eu
Verantwortlich: HerbertFricke@aol.com 
  AUSGABE 1/2013
hr

Herbert Fricke

Herbert Fricke · Ressortleiter HamburgMagazin

hr

 

Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Stralsund  

Ramona Calvetti wechselt das Schiff

Hamburg. Der frühere Opern- und Musical-Star Romana Calvetti war aus dem Rampenlicht ins Management gewechselt und Kreuzfahrtdirektorin auf der ASTOR geworden. Sie folgte damit dem Beispiel des Sängers Wolfgang Frank, der erfolgreicher Kreuzfahrtdirektor auf der DEUTSCHLAND geworden ist. Jetzt wechselte Romana Calvetti als Kreuzfahrtdirektorin von der ASTOR auf die FTI BERLIN.

 

Passat Kreuzfahrten – Inder feuern Hey junior

Hamburg. Geschäftsführer Andreas Hey, Sohn des früheren Reeders Heinz-Herbert Hey, hat die neue Reederei „Passat Kreuzfahrten mit Sitz in Hamburg überraschend kurzfristig verlassen. Die Geschäftsführung hat jetzt der Inder Yogesh Gupta allein übernommen. Das bisher einzige Schiff der jungen Reederei ist die alte DELPHIN.  2010 hatte der Reeder Hey senior mit dem Schiff  Insolvenz angemeldet. Die DELPHIN wurde an die Kette gelegt. Einige Monate später übernahm der indische Investor Pradeep Agrawal das traditionsreiche Schiff, ließ es auf der Lenac-Werft in Rijeka (Kroatien) komplett renovieren und stellte es im April 2012 wieder in Dienst. Die DELPHIN ist wegen ihrer relativ kleinen Ausmaße (400 Passagiere) bei vielen Individualisten ein sehr gefragtes Schiff. Rund 70 Prozent aller Gäste sind sogenannte „Repeater, die das gemütliche Schiff schon von früheren Reisen her kennen. Der indische Geldgeber Pradeep Agrawal berichtet von einer wachsenden Nachfrage. Die DELPHIN sei sehr gut gebucht. Er trage sich mit dem Gedanken, im kommenden Jahr ein weiteres renommiertes Kreuzfahrtschiff zu übernehmen.

 

Foto: A-Rosa Flussschiff, Rostock  

A-Rosa ohne Clasen

A-Rosa Flussschiff in Rostock, einer der bekanntesten Anbieter von Flusskreuzfahrten, hat sich von  Geschäftsführer Lars M. Clasen getrennt.

Es habe unüberbrückbare Auffassungs-Unterschiede über die Zukunft des Unternehmens gegeben. Nachfolgerin wurde zunächst Daniela Sandmann, die den Job kommissarisch übernommen hat. Die Geschäfte von A-Rosa laufen so gut, dass das Unternehmen im März während der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin ein neues Schiff vorstellen will.

 

Urteil gegen Elbvertiefung: Chinesen fühlen sich düpiert

Der deutsche und europäische China-Handel wird zu über 60 Prozent über den Hamburger Hafen abgewickelt. Mit immer größeren Schiffen läuft die Großreederei China Shipping den Hamburger Hafen an. Die Container-Umschlagsanlagen wurden mit hohem Aufwand entsprechend ausgebaut. China hat – gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg – mit hohem finanziellen Aufwand in den Ausbau modernster Hafenanlagen und Containerbrücken investiert. Zugrunde gelegt wurde

 

dabei die Zusage Hamburgs, die Fahrrinne der Elbe entsprechend zu vertiefen.  Schon ab kommendem Jahr sollten rund 500 Groß-Containerschiffe mit jeweils über 100.000 BRZ den Hamburger Hafen anlaufen. All diese Pläne sind nun durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig gegen eine weitere Elbvertiefung in Frage gestellt.

In Peking und Shanghai zeigt man sich darüber in hohem Maße irritiert. Erste Abwanderungspläne nach Rotterdam oder Antwerpen werden laut. Auch der neue Tiefwasserhafen JadeWeserPort ist im Gespräch. In Hamburg hat Bürgermeister Scholz die dramatische Situation zur Chefsache erklärt. Rund 6.000 Hafenarbeiter, deren Existenz ebenfalls von der Elbvertiefung abhängt, haben mit Unterstützung ihrer Gewerkschaften heftig gegen das „weltfremde Leipziger Urteil protestiert. Die Landesregierungen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein unterstützen nachdrücklich die Position des Hamburger Senats. Allen Umweltbedenken sei im Vorfeld entsprochen worden. Auch die Hamburger Cruise-Terminals, an denen immer größere Passagierschiffe anlegen, unterstützen nachdrücklich die Elbvertiefung und wenden sich gegen das Leipziger Urteil.

 

Spitzen-Manager als Konkurrenten im gleichen Konzern

Dramatische Entwicklung auf dem Kreuzfahrtmarkt. Beim aufsehenerregenden Wechsel an der Spitze von AIDA Cruises und Costa war vielen Beobachtern gar nicht bewusst, dass beide Konkurrenten eigentlich für den gleichen Mutterkonzern arbeiten. Denn sowohl AIDA Cruises als auch Costa gehören zum amerikanischen Kreuzfahrt-Unternehmen Carnival Cruise Lines. Michael M. Ungerer löste Michael Thamm an der Spitze von AIDA Cruises ab. Ungerer war früher Hoteldirektor auf der legendären NORWAY der Norwegian Cruise Line, bevor er in die Ritz-Carlton Hotelkette wechselte. Seit 2004 gehört er der AIDA-Geschäftsleitung in  Rostock an.  Jetzt ist er „President of AIDA Cruises. Sein Vorgänger, der in der Kreuzfahrtbranche hoch angesehene Michael Thamm, wechselte als CEO zur angeschlagenen Costa-Gruppe, die er nach der denkwürdigen Havarie der COSTA CONCORDIA wieder auf Kurs bringen soll. Gegen beide konkurriert Richard M. Vogel an der Spitze von TUI Cruises. Wer Hapag-Lloyd Kreuzfahrten mit der neuen EUROPA 2 durch die schwere See in der Kreuzfahrtbranche steuern soll, steht nach dem Rauswurf des glücklosen Managers Ahrens noch nicht fest. Allen im Nacken sitzen die neuen amerikanischen Konkurrenten auf dem europäischen Kreuzfahrtmarkt, die modernste Schiffe mit höchstem Komfort ins Rennen schicken, wie zum Beispiel die SEVEN SEAS VOYAGER, die RIVIERA oder die MARINA. Die Karibik-Routen von Miami aus sind übersättigt, die Anlaufhäfen am Golf, wie Dubai oder Abu Dhabi, nicht mehr gefragt. Also heißen die begehrtesten Fahrtgebiete jetzt Mittelmeer, Schwarzes Meer und Ostsee. Auf dem internationalen Kreuzfahrtmarkt zeichnet sich jedenfalls ein gnadenloser Konkurrenzkampf ab.

  

Neuer „Traumschiff”-Kapitän

Hamburg. Der Schauspieler Sascha Hehn (58) übernimmt ab 2013 die Rolle des Kapitäns Paulsen auf MS DEUTSCHLAND in der ZDF-Serie „Das Traumschiff.  Er löst damit den langjährigen Fernseh-Kapitän Siegfried Rauch ab, der in den Ruhestand geht. Vor 22 Jahren hat Hehn in der TV –Serie „Das Traumschiff den Chefsteward Victor gespielt. Eine „Karriere also vom Steward zum Kapitän –  Glaubwürdigkeit scheint im bunten Fernsehmärchen keine Rolle zu spielen. Eine andere Frage ist, wie lange die DEUTSCHLAND unter diesem Namen noch über die Meere schippert. Wegen des sehr negativen Medien-Echos nach der Auseinandersetzung zwischen Besatzung und Reederei über die geplante Ausflaggung des Schiffes nach Malta liegt das Thema zunächst auf Eis, wird demnächst aber gewiss wieder aktuell. Auch ein Verkauf des Schiffes scheint nicht mehr ausgeschlossen. 

 

Hamburg ja, Dubai nein

Hamburg. Im Hamburger Hafen wurde mit der Ankunft der AIDAblu die 150. Ankunft eines Kreuzfahrtschiffes in diesem Jahr gefeiert. Anläßlich dieses „Jubiläums überreichte die Marketing-Managerin des Hamburg Cruise Centers, Nadine Palatz, eine Ehrenplakette an AIDA-Kapitän Dr. Friedhold Hoppert. AIDA Cruises haben Hamburg zu ihrem Haupt-Anlaufpunkt für Nordeuropa-Kreuzfahrten gemacht. Fünf AIDA-Kreuzfahrtschiffe haben in der Sommersaison 2012 insgesamt 48 mal in Hamburg festgemacht. Im Winter soll Dubai der Hauptanlaufhafen für die AIDA-Flotte werden. Andere Reedereien wie RCI und MSC sind allerdings gerade dabei, ihre Engagement in Dubai wieder zurückzufahren, da die Nachfrage nach Schiffsreisen in der Golfregion stark zurückgeht. Die drohende militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran, die mögliche Sperrung der Straße von Hormus sowie die aktuellen Ereignisse in Syrien und Afghanistan schrecken vor allem potentielle amerikanische Kreuzfahrtgäste von einer Buchung in Nah- und Mittelost ab.

 

Hamburg

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) sieht infolge mangelnder staatlicher Unterstützung und restriktiver Kreditpolitik vieler Banken die wirtschaftliche Entwicklung für deutsche Schifffahrts-Unternehmen negativ. Schon jetzt zeichne sich ein weiterer Rückgang der Transportaufträge weltweit ab, der Neubau von Handelsschiffen werde fast zum Erliegen kommen, auch wenn die Neubaupreise der Werften in den letzten Jahren um rund 50 Prozent gefallen seien. Chinesische Werften würden inzwischen mit 70-prozentigen Neubauhilfen locken.

Auch der Markt für Kreuzfahrtschiffe sei übersättigt, die Tonnage beginne, die Nachfrage zu überflügeln. Die finanzielle Investitionsbereitschaft der Anleger gehe gegen Null, weil die meisten Schifffahrtsfonds erhebliche Verluste melden.  

 

Hamburg

Die Deutsche Schiffsbank in Hamburg, eine hundertprozentige Tochter der Commerzbank, bisher einer der weltweit größten Schiffsfinanzierer, hat dieses Geschäftsfeld gegen den massiven Widerstand der gesamten Schifffahrtsbranche komplett aufgegeben. Dieser überraschende Schritt macht es den deutschen Reedereien, vor allem kleineren Schifffahrtsunternehmen, nahezu unmöglich, neue Schiffe in Auftrag zu geben. Zumal auch die HSH Nordbank mit Sitz in Hamburg, früher größter Schiffsfinanzierer der Welt, ihr Engagement weitgehend zurückgefahren hat. Die Bundesregierung hat diesen Schritt der Banken kritisiert. „Ein Signal zur Unzeit nannte der für die Schifffahrt zuständige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hans Joachim Otto, die Entscheidung der Banken.

 

Bremen / Hamburg / Rostock

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) übernommen. Gauck stammt aus der Hafenstadt Rostock, sein Vater war zu Zeiten der DDR Kapitän bei der Deutschen Seereederei Rostock (DSR). Als evangelischer Pfarrer hat Gauck früher auch viele Seeleute seelsorgerisch betreut.

hr

Kreuzfahrtdirektor Wolfgang Frank verlässt die DEUTSCHLAND

Diese Nachricht wird viele treue Passagiere des Traumschiffs DEUTSCHLAND erschrecken. Denn gewiss nicht wenige „Repeater sind gerade seinetwegen immer wieder an Bord gekommen. Kreuzfahrtdirektor Wolfgang Frank (57), einst noch angeheuert vom legendären Reeder Peter Deilmann persönlich, seit 24 Jahren bei der Neustädter Traditionsreederei, zunächst auf der BERLIN, dann auf der DEUTSCHLAND, verlässt das Schiff. Er ist von Bord gegangen, um mit seiner bildschönen Lebensgefährtin Laura Frühauf (34) die Posada de Lluc auf Mallorca zu übernehmen. Dieses kleine Hotel im Nordosten der Insel ist ein uraltes Gebäude mit einem unvergleichlichen Charme, mit dicken Mauern und großer Geschichte. Es wird gerade ausgestattet mit vielen Erinnerungsstücken aus Wolfgang Franks langer Seefahrer-Zeit.

Eigentlich ist Wolfgang Frank zunächst als Sänger an Bord gekommen. Mit seiner sonoren weichen Baritonstimme eroberte er damals die Herzen der Kreuzfahrtgäste, vor allem der weiblichen. Sie waren begeistert und ausgesprochen angetan, nicht nur von seinem Gesang, sondern auch von seiner verbindlichen, freundlichen Art im Umgang mit den Passagieren. Sein Repertoire umfasst Hits und Klassiker und auch viele selbstgeschriebene Songs, die er zu Schlagern machte. Die See, der Abschied, das Fernweh, das Heimweh – seine eigenen Texte und Melodien gehen seinem Publikum sichtbar zu Herzen. Weil er echte Gefühle nicht zu Schnulzen degradiert.

Aber Wolfgang Frank kann nicht nur wunderschön singen, sondern moderiert auch klug und charmant die Unterhaltungsprogramme an Bord. Dies fällt ihm immer umso leichter, als er ja aus dem sogenannten „Showbiz an Land viele der Sänger, Tänzer, Zauberer, Künstler, Entertainer ganz persönlich kennt. So holte er ungezählte prominente Kollegen und Kolleginnen an Bord, Musiker, Schauspieler, Comedians,

 

Artisten und Lektoren, stets zu beiderseits kollegialen Bedingungen und damit sehr zur Freude seines damaligen Reeders Peter Deilmann. Der erkannte das Multitalent seines singenden Conferenciers und trug ihm das Amt des Kreuzfahrtdirektors an, die zweithöchste Position an Bord nach dem Kapitän.

Fortan war Wolfgang Frank für die gesamte Unterhaltung auf der DEUTSCHLAND zuständig. Dieses vielfältige und spannende Unterhaltungsprogramm war stets ein Markenzeichen der Deilmann-Schiffe. Es lebte von den Persönlichkeiten, die dort auftraten. Nicht von glitzernden LED-Wänden und Bühnen-Nebel, nicht von Playback und Schicki-Micki. Wer bei Wolfgang Frank auftrat, in welcher Funktion auch immer, musste ein Könner sein in seinem Fach. Da wurde nur live gesungen! Und es waren die besten Autoren und Schauspieler, die unter Wolfgang Franks Regie aus ihren Werken lasen und literarische Szenen lebendig werden ließen. In mancher Fernseh-Sequenz spielte er übrigens selber mit, besonders gern als Bordpastor.

Wolfgang Frank ist ein guter Freund des langjährigen DEUTSCHLAND-Kapitäns Andreas Jungblut (60), der wegen angeblicher Illoyalität in Zusammenhang mit der geplant gewesenen Ausflaggung des Schiffes unter die Flagge von Malta entlassen wurde (s.u.). Der Kapitän hat sein Ziel, die deutsche Flagge zu behalten, mit Hilfe seiner Besatzung schließlich auch erreicht. Aber die neuen Eigentümer der DEUTSCHLAND haben ihn entlassen. Inwieweit ein Zusammenhang mit dieser (rechtlich noch nicht ausgefochtenen) Entlassung besteht, mag Wolfgang Frank nicht weiter erklären. Er sagt nur, dass er auch künftig die eine oder andere Verpflichtung als Kreuzfahrtdirektor, auch auf anderen Schiffen, annehmen werde. Sein neues Standbein aber ist die Posada de Lluc im Herzen von Polenca auf Mallorca. Herbert Fricke

hr

Ein Kapitän, ein Schiff und zwei Flaggen

Erster Gütetermin des DEUTSCHLAND-Kapitäns vor dem Lübecker Arbeitsgericht

Kapitän Andreas Jungblut (60) wohnt in einem der malerischen, direkt am Elbufer gelegenen Lotsenhäuser in Hamburg-Oevelgönne. Nur drei Meilen sind es von hier bis zu den bekannten Hamburger Landungsbrücken. Jeden Tag sieht er die Schiffe in den Hamburger Hafen ein- und auslaufen, aber seit einem halben Jahr steht er nicht mehr selbst auf der Brücke.

27 Jahre lang war Jungblut Angestellter der Neustädter Reederei Deilmann. Zunächst als Nautischer Offizier, dann als Kapitän, davon allein 13 Jahre lang auf der Brücke der DEUTSCHLAND. Andreas Jungblut war also der echte Kapitän des ZDF-„Traumschiffs”. Für viele der Passagiere wurde er zum Gesicht dieses Schiffes. Eingestellt hatte den damals 32jährigen Nautiker noch der legendäre Reeder Peter Deilmann persönlich. Zunächst fuhr Jungblut auf kleineren Frachtschiffen der Reederei. Sie brachten vor allem Baumaterial zur Baustelle der Fehmarnsundbrücke und zur riesigen Baustelle für die Fähranleger in Puttgarden. Später ließ Deilmann auf der Howaldtswerke/Deutsche Werft (HDW) in Kiel das Passagierschiff  BERLIN bauen und betraute seinen bewährten Kapitän Jungblut mit dem Kommando.

Die Passagiere auf der BERLIN und später auf der DEUTSCHLAND schätzten Kapitän Jungblut wegen seines Humors und seiner Aufgeschlossenheit. Bei Ein- und Auslaufmanövern, bei besonderen Passagen (wie z.B. durch den Milford-Sound in Neuseeland, der Durchfahrt durch den Panama- oder Suezkanal, die Einfahrt nach New York, Rio de Janeiro oder Venedig) informierte der Kapitän launig und kenntnisreich seine Kreuzfahrtgäste. Er verfügt über ein außergewöhnliches Wissen und hat seinen Gästen Land und Leute und geografische Besonderheiten stets besonders anschaulich nähergebracht.

 

Foto: Ina Kurz, www.maegdeundknechte.com

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Stets gutgelaunter Kapitän Jungbluth.

Foto: Ina Kurz, www.maegdeundknechte.com

 

Er war an Bord (siehe Foto) stets ein „Gutgelaunter Deutscher”, der sich mit seinem Optimismus viele Freunde machte. An seinen „Captains Table” mitten im großen Speisesaal lud er nicht nur die prominenten unter den Gästen, sondern auch gern Menschen ohne bekannte Namen und Funktionen. So brachte er immer wieder die verschiedensten Charaktere und Berufe im wahren Sinn des Wortes „an einen Tisch”.  Die geistreichen Konversationen am Kapitänstisch auf der DEUTSCHLAND sind Legende.

Kapitän Jungblut war immer stolz darauf, das letzte deutsche Passagierschiff unter

 

deutscher Flagge zu führen. Er folgte damit einem Vermächtnis des Firmengründers und Reeders Peter Deilmann, und auch der Devise der damaligen Taufpatin, der Gattin des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker – sie hatte diesen Stolz auf die deutsche Flagge ebenfalls unterstrichen, bevor sie in Kiel die Champagnerflasche gegen den Bug der DEUTSCHLAND schleuderte.

Dann aber kamen schlechtere Zeiten. Es begann mit dem Absturz der Air France-Concorde in Paris – fast hundert Passagiere der DEUTSCHLAND kamen damals ums Leben. Sie wollten in New York an Bord gehen und hatten als besondere Attraktion für den Hinflug das legendäre Überschall-Flugzeug gebucht. Dieses Unglück, diesen Schicksalsschlag hat Peter Deilmann nie verwunden, er starb auch an den psychischen Spätfolgen als gebrochener Mann. Seine im Schifffahrtsgeschäft relativ unerfahrenen Zwillingstöchter Hedda und Gisa übernahmen das Ruder in der Reederei in Neustadt in Holstein. Aber sie waren den schwierigen unternehmerischen Anforderungen offenbar nicht gewachsen und scheiterten. Auch der als „Retter in der Not” aus dem Ruhestand zurückgeholte frühere Geschäftsführer Jochen Birkholtz, ehemals Bürgermeister von Neustadt, konnte das auf Grund gesetzte Familien-Unternehmen nicht mehr retten.

Dann meldete sich als Investor die Münchner Finanzholding Aurelius. Sie ging das Risiko ein und hielt die mehrfach renovierte DEUTSCHLAND in Fahrt. Allerdings planten diese finanziellen Retter, das Schiff aus Kostengründen unter die Flagge von Malta zu stellen und die traditionsreiche deutsche Flagge am Heck einzuholen.  Dieses Vorhaben konnten die Münchner mit den tiefroten Zahlen der Reederei logisch begründen. Nur ein Flaggenwechsel, so die Finanziers, könne die laufenden Kosten des Schiffes spürbar senken und so ein Weiterbestehen der Reederei ermöglichen.

Nun standen also Tradition gegen wirtschaftliche Notwendigkeit, Gefühl gegen Geschäft, Schwarzrotgold gegen das Malteserkreuz. Kapitän Andreas Jungblut stellte sich auf die Seite der Traditionalisten. Er machte sich lautstark zum Befürworter des Flaggenerhalts. Und wusste damit viele der überwiegend konservativ gesonnenen DEUTSCHLAND-Passagiere auf seiner Seite. Auch der ZDF-„Traumschiff”-Produzent Wolfgang  Rademann  legt Wert auf die deutsche Flagge. „Solange ick hier drehe”, erklärte der Berliner, „weht hier die deutsche Flagge am Heck und sonst jarnischt!Offenbar geben ihm die Verträge zwischen Deilmann und dem ZDF Recht.

Im Spätsommer 2012 wurde die DEUTSCHLAND als Hotelschiff während der Olympischen Spiele nach London verchartert. Dort eskalierte die Situation. Kapitän Jungblut unterbrach eigens seinen Urlaub und ging zornig auf „sein” Schiff, das aber in Wirklichkeit nur noch zu fünf Prozent „seiner” Reederei gehörte. Aurelius hatte das Sagen übernommen. „Wer zahlt, bestimmt” lautet ja schon das alte Sprichwort. Der neue Eigentümer nahm dem Kapitän übel, dass er seinen Protest lautstark über die Medien verkündet hatte, vor allem über die BILD-Zeitung. Dieses Verhalten sei „illoyal”. Der langjährige Kapitän wurde gefeuert. Zwar führt die DEUTSCHLAND noch immer die deutsche Flagge, aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Kapitän Andreas Jungblut klagte gegen seine Entlassung. Jetzt fand vor dem – für den Heimathafen Neustadt zuständigen – Arbeitsgericht Lübeck ein erster „Gütetermin” statt. Der vorsitzende Arbeitsrichter schlug als Kompromiss vor, dem geschassten Kapitän für jedes seiner 27 Berufsjahre bei Deilmann ein Monatsgehalt zu zahlen, also überschlägig rund 200.000 Euro. Darauf ließen sich die Anwälte des Arbeitgebers nicht ein. Auch der Kapitän will ja lieber seine  Wiedereinstellung. Ihm geht es nicht nur ums Geld, sondern um seine Ehre als einer der bekanntesten Kapitäne Deutschlands. Er würde gern noch zehn Jahre weitere Jahre auf der Brücke der DEUTSCHLAND stehen. Auch seine Uniform hänge ja immer noch im Schrank der Kapitänskabine, sagte er verbittert.

Wobei allerdings die Frage ist, ob es die DEUTSCHLAND – so oder so – überhaupt noch zehn Jahre geben wird. Die Besatzung der DEUTSCHLAND steht zum überwiegenden Teil hinter Kapitän Jungblut. Kein Wunder, denn die deutsche Flagge garantiert den rund 400 Seeleuten, Stewards und Stewardessen, Schiffsingenieuren und Schiffsköchen erhebliche soziale, finanzielle und arbeitsrechtliche Vorteile gegenüber Kollegen auf ausgeflaggten Schiffen. Der nächste „Gütetermin” wurde für den 5. April anberaumt. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten. Herbert Fricke

hr

Maritime Besorgnis um Ägypten Kreuzfahrten rund ums Pulverfass Ein Kommentar von Herbert Fricke

Die jüngsten Ereignisse in Ägypten, die Verfassungsänderung im Sinne der „Moslembrüder”, die Rückkehr zur religiösen Rechtsprechung Sharia, erste Bikini-Verbote an den Stränden, Kopftücher statt Couture, nur 32 Prozent Wahlbeteiligung aus Angst vor Repressalien, all das erinnert fatal an Persien vor fast 40 Jahren, an das Land, das jetzt Iran heißt und nur zwei Flugstunden von Kairo entfernt am „Persischen Golf” liegt. Damals haben vor allem religiöse Eiferer den Schah gestürzt und außer Landes getrieben, dann kehrte der Ayatollah Khomeini aus dem Pariser Exil nach Teheran zurück, und der Iran wurde zu einem „Gottesstaat”.

Es scheint, als drohe jetzt Ägypten eine ähnliche Rückkehr ins weltanschauliche Vorvorgestern. Der „Arabische Frühling”, auf den die Welt so große Hoffnungen gesetzt hatte, droht sich nun ins Gegenteil zu wandeln, in einen tiefen mittelalterlichen Winter. Wie haben alle aufgeatmet, als in Tunesien, in Libyen, in Ägypten die alten Diktatoren und Diktaturen vom Volkszorn hinweggefegt wurden, als im Irak der Hussein-Clan aus seinen goldenen Sesseln gebombt wurde, als sie Saddam in Bagdad hängten, Ghadafi in Tripolis aus seinen Palästen trieben und in Kairo den verhassten Mubarak vor Gericht stellten. All das ist nun in Frage gestellt. Assad in Damaskus wackelt, aber fällt noch nicht. Es scheint, als würden all die Millionen Araber, die für ihre Freiheit auf die Straßen gingen, jetzt mit religiöser Restriktion „belohnt”. War ihr Aufstand tatsächlich von Teheran gesteuert? Haben die überwiegend aus China stammenden Öl-Milliarden der Ayatollahs den „Arabischen Frühling” angeheizt? Vieles deutet genau auf diese Hintergründe hin!

 

Tahirplatz und Tourismus passen nicht zusammen

Dies alles hat – neben der weltpolitischen – auch eine touristische Bedeutung. Denn die Länder des Nahen und des Mittleren Ostens waren gerade dabei, erhebliche Teile des westlichen Tourismus für sich zu gewinnen. In Sharm-el-Sheik, Hurgada, Alexandria, an der libyschen Mittelmeerküste, an den ägyptischen und jordanischen Stränden des Roten Meeres, in den Emiraten am Persischen Golf, in Dubai, Abu Dhabi, Sharja – überall sind riesige Touristen-Komplexe entstanden, einträglich für die Gastgeber, angenehm für die Gäste, in akzeptabler Entfernung gelegen, nur fünf Flugstunden von Rhein-Main entfernt.

Und – für unsere Betrachtung besonders wichtig – das Östliche Mittelmeer, das Rote Meer, die Golfregion, der Nil – das alles ist in den letzten rund zehn Jahren zu einem Magneten für Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt geworden! Mehrere Schifffahrtsgesellschaften haben Dubai zu ihrem neuen Dreh- und Angelpunkt

gemacht, die Scheichs haben Milliarden in den Ausbau ihrer Häfen gesteckt, in Katar soll die nächste Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden. Und: der internationale Kreuzfahrtboom hat Ägypten in die Erste Liga des maritimen Tourismus gespült.

All das steht nun in Frage. Denn Tahirplatz und Tourismus passen nicht zusammen. Blutige Demonstrationen, Kugelhagel, moslembrüderliche Geheimdienstkolonnen passen nicht zu Bikinis, Sonnenhüten, Wasserrutschen.  Argwöhnisch über den politischen Lauf der Dinge haben sich bereits die ersten amerikanischen Kreuzfahrt-Reedereien wieder aus ihrem Terminal Dubai verabschiedet, deutsche Reedereien prüfen ihr Engagement in dieser nicht nur klimatisch heißen Region der Welt, auch die Briten werden skeptisch, Italiener und Franzosen warten ab, wie sich das erwartete Eingreifen der NATO in Syrien entwickelt, die Amerikaner halten einen Angriff der israelischen Luftwaffe auf den Iran nicht mehr für ausgeschlossen, die Deutschen stationieren Patriot-Raketen an der türkisch-syrischen Grenze.

Ägypten fällt zurück hinter den Schleier längst überwunden geglaubter Traditionen – die Wiedergeburt von Gebetsteppichen und Verschleierung in der Epoche des Internet, das macht nachdenklich und skeptisch. Das i-Pad in Richtung Mekka gedreht, im i-Phon die Stimme des Muezzin vom Minarett?

Natürlich spielt der Suezkanal die größte Rolle bei allen schifffahrtspolitischen Überlegungen. Der Suez ist die Achillesferse der Welt-Schifffahrt. Ägypten beherrscht den Suezkanal, diese wichtigste Wasserstraße zwischen Okzident und Orient, zwischen Ost und West, zwischen Asien und Europa. Für viele der blindwütigen Fanatisten – (ich sage das absichtlich so, denn „Fanatiker”, also Fans, das sind u.a. die Anhänger von Dynamo Dresden) – für viele muslimische Fanatisten also ist der Suezkanal ein Werk des Teufels. Denn er hat den Ungläubigen die Eroberung Asiens und Afrikas strategisch erst ermöglicht. Er hat es den Juden erleichtert, den Sinai und Palästina zu „besetzen”. Ein gesperrter Suezkanal, so predigen manche Korangelehrte, schadet dem ungläubigen Westen und nützt der (möglichst abgeschotteten) Heiligen Welt der Muslime. Dass das ökonomischer Unsinn ist, kann solch ein ungeistiger Geistlicher nicht verstehen.

Manager aller amerikanischen und europäischen Kreuzfahrt-Reedereien, Tourismus-Experten, Routen-Planer – sie alle verfolgen die Geschehnisse in Ägypten in diesen Wochen und Monaten mit Argwohn und Sorge. Ein Milliardengeschäft – für alle Seiten! – steht auf dem Spiel. Kreuzfahrt-Kataloge werden mindestens ein Jahr im Voraus gedruckt. Da kann man sich angesichts der Lage durchaus leichter verdrucken als verdrücken.

hr

Norwegian Cruises revidiert Fahrpläne

Miami / Wiesbaden, 23. Januar 2013 – Soeben haben Norwegian Cruise Line die Routen ihrer Kreuzfahrtschiffe NORWEGIAN JADE und NORWEGIAN SPIRIT aus aktuellem Anlass geändert. Alle geplant gewesenen Hafenstops in Israel und Ägypten wurden gestrichen.

  Die meisten Fahrten wurden ins westliche Mittelmeer verlegt. Ursache für diese Fahrplan-Änderungen sollen starke Buchungs-Rückgänge infolge der unsicheren Situation im Mittleren und Nahen Osten sein. Damit bestätigt die Reederei unseren obigen Kommentar. Herbert Fricke
hr

Foto: Donat Verlag, Bremen

Uwe Lammers

Der Seemann

Erschienen im

Donat Verlag, Bremen. ISBN 978-3-943425-16-1,

Roman, 252 Seiten, Format 12 x 22,6 cm, Hardcover, 16,00 €.

Uwe Lammers

Der Seemann

Jan zieht es in die Welt hinaus. Wie sein Vater fährt er zur See und liebt das Meer. In Bremen lernt er Benny kennen. Er weiß nicht, dass sie die Tochter seines Reeders ist. Sie verlieben sich ineinander. Bennys Vater, Conrad Reiman, greift Jans Idee von einem optimierten Schiffstyp auf und holt den jungen Offizier an seine Seite.

Fieberhaft arbeiten sie und Reimans Sohn Julius an dem neuen Modell. Zwischen Jan und Conrad entsteht eine Freundschaft, Julius aber fühlt sich unbeachtet. Als er erfährt, dass Jan mit seiner Schwester liiert ist, wirft er ihm vor, auf die Reederei aus zu sein, obwohl Jan doch gar nichts von Bennys Familie wusste. Julius heuert zwei Typen an, die Jan krankenhausreif schlagen. Danach verschwindet Julius spurlos. Der „verlorene Sohn” hängt fortan wie ein dunkler Schatten über der Familie.

Jans Fahrt auf dem neuen Schiff ist von Erfolg gekrönt. Aber die REIMAN HAMBURG sinkt, von einem anderen Frachter gerammt, vor der Küste Sardiniens. Wieder in Bremen, meldet sich Julius Arzt und bittet ihn, Julius im Kloster zu besuchen. Nur zögernd und aus Rücksicht auf die Familie macht Jan sich auf den Weg. Wird es einen neuen Anfang geben?

Uwe Lammers, selbst einmal zur See gefahren, ist mit seinem Erstlingswerk ein großer Wurf gelungen. Manch einer dürfte erstaunt sein. Der Mann ist offenbar nicht nur als Geschäftsführer und Manager im Getränkegroßhandel erfolgreich. Sein Roman, der in der Zeit von 1945 bis Ende der 1980er Jahre spielt, ist fesselnd und spannend geschrieben. Ein Abenteuer folgt dem nächsten, wobei „Abenteuer” die menschlichen Konflikte mit einschließt. Der Autor hat ein dramatisches Erzähltalent.

Es ist alles vorhanden: Unwetter auf See, Strandung, Seeräuberüberfall, Besäufnisse mit Konsequenzen, Prügeleien, politische Korruption, Eifersucht, Liebe und Sex, Intrige, Bombenächte, Nazitypen, der Tod, schließlich der Aufbau der Reederei in der Nachkriegszeit, das Rekrutengelöbnis im Bremer Weser-Stadion und vieles mehr. Alle Hintergrundgeschehnisse und Orte sind historisch leicht festzumachen, vor allem Bremen und in Bremen, aber auch die anderen Städte und Hafenstädte, so dass sich fast der Eindruck aufdrängt, es handele sich um eine authentische Geschichte.

Die Figuren – „gemischte Charaktere” – sind lebensprall und glaubwürdig gezeichnet, auch durch die treffenden Sprachebenen. Die Geschichte ist bei aller farbigen Erzählung des vordergründig Faktischen nie oberflächlich, sondern psychologisch differenziert. Auch das lässt bei dem Leser keine Langeweile aufkommen. Ob in Cuxhaven, Bremen oder Passau – wer das Buch erwirbt, darf sich nicht nur auf ein Lesevergnügen freuen, er unterstützt damit auch die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger”, die von jedem verkauftem Exemplar eine Spende erhält.

 

Der Autor

Uwe Lammers, geboren 1962 in Bremen, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen, fuhr von 1978 bis 1988 als Nautiker zur See. Mit seinem Bruder gründete und betrieb er ein Bistro und legte damit den Grundstein für seine Tätigkeit in der Getränkebranche. Seit 1990 ist er Geschäftsführer im Getränkegroßhandel. Anfang 2000 gründete er mit Partnern ein Unternehmen, das sich speziell mit Vertriebstraining und der Ausbildung von Führungskräften befasst.

hr
Vorige Seite Inhaltseite Seite 20 Vorschau/Impressum Nächste Seite