Seereisenmagazin Die ganze Welt der Kreuzfahrt

 

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Kreuzfahrtdirektor Stephan Zimmermann (47), der, wie er selbst es formuliert, als „Gesicht und Stimme von MEIN SCHIFF 2” unterwegs ist.

Foto: Medienbüro Henrichmann, Rheine

 

Stephan Zimmermann

Kreuzfahrtdirektor der MEIN SCHIFF 2

 

Deutschland ist ‒ immer noch ‒ Reiseweltmeister. Wohl auch, weil in der Branche ein Bereich besonders stark wächst: Kreuzfahrten. Jahr für Jahr werden satte zweistellige Zuwachsraten verbucht. Zahllose schwimmende Hotels sind weltweit auf See unterwegs – und es werden immer neue Luxusliner gebaut. Mit dem MEIN SCHIFF-Konzept ist seit 2008 auch TUI Cruises (ein Joint Venture der TUI AG und des weltweit tätigen Kreuzfahrtunternehmens Royal Caribbean Ltd.) dabei im Wettbewerb um die Kunden, die gerne Wohlfühlurlaub auf dem Meer machen möchten. Was die Faszination einer Kreuzfahrt ausmacht, darüber haben wir im Interview gesprochen mit Kreuzfahrtdirektor Stephan Zimmermann (47), der, wie er selbst es formuliert, als „Gesicht und Stimme von MEIN SCHIFF 2” unterwegs ist.      

Peter Henrichmann-Roock (PHR): Kreuzfahrt  – die Zuwachsraten sind rasant, betragen zehn bis 15 Prozent pro Jahr. Wer ist der typische Kreuzfahrer?

Stephan Zimmermann: Den typischen Kreuzfahrer, auch den typischen MEIN SCHIFF-Fahrer, gibt es eigentlich gar nicht. Das ist auch das Schöne an diesem Produkt. Es ist eigentlich für Jeden etwas. Egal wie alt, welcher Herkunft, welcher Bildungsstand ‒ für jeden ist etwas dabei und das macht Kreuzfahrten auch so attraktiv. Denn egal, ob ich nun 20 Jahre alt bin oder 40 oder 70 – es findet sich für jeden Gast etwas an Bord und natürlich auch bei den Routen.

PHR: Gibt es ein Durchschnittsalter?

Zimmermann: Grundsätzlich ist es so, je teurer eine Reise ist, desto älter ist das Publikum. Dann gibt es noch ein paar andere Faktoren: Wenn man lange Anreisewege hat, wie zum Beispiel in die Karibik oder vielleicht nach Südostasien, schrecken ältere Gäste hier und da schon mal davor zurück, zehn oder elf Stunden im Flieger zu sitzen. Man merkt also schon, dass das Durchschnittsalter auf diesen

Reisen etwas jünger ist, als wenn man im Nordland fährt und in Kiel oder Hamburg an Bord gehen kann. Über den Daumen gerechnet liegen wir immer so zwischen Anfang und Mitte 50.

PHR: Woher kommen die Gäste?

Zimmermann: Über 95 Prozent an Bord bei MEIN SCHIFF sind deutschsprachige Gäste aus Deutschland, Österreich und aus der Schweiz.

PHR: Was unterscheidet das MEIN SCHIFF-Konzept von anderen Kreuzfahrt-Angeboten?

Zimmermann: Zum einen das Premium-All-Inclusive-Konzept, das heißt, wenn der Gast die Reise bucht, sind die Kosten von vorn herein überschaubar. Punkt zwei ist das Wohlfühlkonzept an sich. Es gibt hier nicht die klassische Animation, wir sind da eher zurückhaltend. Wir haben einfach mehr Platz pro Passagier, hier hat man wirklich Ruhe.

PHR: Das Angebot an Bord ist sehr vielfältig. Was lieben die Gäste ganz besonders?

Zimmermann: Die Kulinarik. An Bord von MEIN SCHIFF haben wir á-la-carte-Bedienrestaurants mit im Angebot. Dort gibt es klassische fünf Gänge-Menüs, die jeden Tag wechseln. Auf den neuen MEIN SCHIFF 3 und 4 haben Sie mit Mediterran, Eurasia und Klassik drei verschiedene Bereiche inklusive. Das ist ein Punkt, den die Gäste sehr mögen. Morgens zum Frühstück geht man vielleicht gerne zum Buffet, mittags oder abends lässt man sich bedienen. Das ist ja auch eine Form von Wohlfühlen. Essen ist absolut wichtig, das kann man schon sagen.

Wichtig sind sicherlich auch immer wiederkehrende Punkte wie zum Beispiel die Auslaufzeremonie, wenn das Schiff einen Hafen verlässt: Das Signal mit dem Horn, spezielle Musik ...

Ich glaube, es ist ganz wichtig, emotionale Knotenpunkte zu setzen. Das Entertainment an Bord eines Schiffes, das sind die Momente, die der Kreuzfahrtgast im besten Fall am Ende einer Reise in seinem Herzen mit nach Hause nimmt, an die er sich gerne und oft erinnert. Und wenn ich den Titel die „Große Freiheit” im Radio höre, dann denke ich mit Sicherheit zurück an ein schönes Auslaufen von MEIN SCHIFF in Santorin, Barcelona oder wo auch immer… 

PHR: Für alle Kreuzfahrt-Einsteiger, was ist ihr Tipp?

Zimmermann: Am Anfang rate ich dazu, maximal eine Woche auszuprobieren. Eine kurze Reise, bei der man als Gast schauen kann, ob einem das Konzept Kreuzfahrt an sich gefällt. Wichtig ist auch, zu erfahren, ob man das mit dem Schiff fahren verträgt. Es gibt eigentlich nur zwei Meinungen: Entweder man hasst es oder man liebt es. Aber die Zahl derer, die es lieben, ist wesentlich größer.

PHR: Und nun noch ein Tipp für Profis bitte.

Zimmermann: Die Kreuzfahrtschiffe heutiger Zeit sind sehr groß und sehr vielfältig. Ich wage mal zu behaupten, dass viele Gäste gar nicht jeden Ort an Bord kennen. Ich rate, sich mal Zeit zu nehmen. Mal übers Schiff zu gehen und zu schauen, neue Lieblingsplätze zu entdecken und das Schiff zu erkunden.

PHR: Haben Sie eine Lieblingsroute?

Zimmermann: Mein Herz hängt an der Karibik. Das ist ein ganz tolles Fahrtgebiet, die Inseln sind alle unterschiedlich. Das gefällt mir schon sehr, sehr gut.

PHR: Wird das MEIN SCHIFF-Konzept, mit dem sich TUI Cruises im Markt gegenüber den Wettbewerbern wie AIDA, MSC oder Costa deutlich positioniert hat, auch mit den neuen Schiffen ‒ MEIN SCHIFF 4 ist erst vor einigen Wochen getauft worden, MEIN SCHIFF 5 geht im Jahr 2016 auf See ‒ so bleiben, wie es sich derzeit präsentiert?

Zimmermann: Ich glaube, das Konzept, das TUI Cruises in den vergangenen Jahren etabliert hat, zeigt durch den Erfolg, dass es der richtige Weg ist. Daran muss man im Moment auch nicht großartig etwas ändern. Was mit Sicherheit kommen wird, ist, dass im Zulauf der neuesten Schiffe irgendwann die 1 und die 2 abgegeben werden und die Flotte verjüngt wird. Das ist sehr sinnvoll für das Produkt: Der Gast soll, egal auf welches Schiff er geht, immer den gleichen Service geboten bekommen. Wohlfühlen wird nach wie vor groß geschrieben. Und es werden im Zuge der Expansion sicherlich neue Routen aufgelegt. Wohin die gehen, vermag ich im Augenblick nicht zu sagen.

PHR: Danke für dieses Gespräch.

Das Interview führte Peter Henrichmann-Roock (PHR)

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Ferienkrimi

Rezension von Dieter Bromund

Es ist, so der Verlag, der erste Kriminalroman des Rainer Doh, den man als Verfasser von Fachbüchern und Aufsätzen zu IT-Themen kennen sollte. Er wohnt in Gräfelfing bei München und kennt „die Örtlichkeiten und Abläufe” an Bord der MIDNATSOL, einem der bekanntesten Schiffe der Hurtigruten, die in Norwegen die Küste zwischen Bergen und Kirkenes bedient, „aus eigener Anschauung”. Ob das für einen guten Krimi reicht?

„Am frühen Nachmittag hatte ein leichter Schneefall eingesetzt. Etwas später war Wind aus Nordost aufgekommen und im Lauf des Abends immer stärker geworden. Jetzt, eine Stunde vor Mitternacht, trieb ein Sturm den Schnee waagerecht durch die Bucht von Skervøy. Vom Hurtigrutenkai aus waren mittlerweile weder die Lichter der Hafeneinfahrt noch die der Häuser zu erkennen, die sich im Halbrund der Bucht den Hang hinaufzogen.”

So beginnt das erste Kapitel des ersten Teils der 254 Seiten mit der Überschrift „Nordgehend”. Skervøy liegt im nördlichsten Norwegen, die Grenzen zu Schweden, Finnland und Russland sind nicht weit. Eine Gegend und ein Ambiente wie geschaffen für einen Krimi. Ein Toter wird an Bord der MIDNATSOL gefunden und weil bei dem Sauwetter die zuständige Kripo nicht aufs Schiff kommen kann, muss Arne Jakobson, Polizist auf Skervøy, an Bord. Da das Schiff einen Fahrplan einzuhalten hat, fährt er mit und untersucht während der Fahrt, was da passiert ist. Das macht er nicht ungern, weil er von diesem Ende der Welt zur Kripo nach Tromsø wechseln möchte. Die Fähre ist das einzige Verkehrsmittel, das bei solchem Wetter noch unterwegs ist. Das Schnellboot nach Tromsø hat den Betrieb eingestellt, die kleinen Flugplätze sind geschlossen, manche Straßen gesperrt.

Der Leser lernt also Häfen kennen, bei Nacht und Schnee, bei Sturm und Seegang. Der Dorfpolizist erhält Anweisungen per Funk. Als die Leiche an Land gebracht wird, stellt sich raus – es war kein Selbstmord.

Und der Ort der Handlung verschiebt sich in einzelnen Kapiteln nach St. Petersburg, nach Berlin und in die Finnmarken. Man ahnt, dass der Vorfall auf der MIDNATSOL auf deutliches Interesse bestimmter Behörden stößt. Da die Zeiten des Kalten Krieges längst vorbei sind, kennt man sich und arbeitet zusammen.  

Doch Hauptschauplatz bleibt die MIDNATSOL der Hurtigruten. Der Autor hat sich eins der größten Schiffe der norwegischen Reederei ausgesucht mit einem traditionsreichen Namen, das aktuelle Schiff dieses Namens kann bis zu 1.000 Passagiere und 45 Autos befördern.

Doh erzählt seine Story unaufgeregt mit gutem Kalkül für Rhythmus und Spannung. Man spürt an den präzisen Beschreibungen, dass er Schiff und Gegend nicht nur kennt, sondern gern hat. In seinem Erstlingskrimi überrascht die gute Dialogführung. Ergebnis: Man ist schnell in der Geschichte und kommt dann nicht mehr raus.

Dass der Plot, vom Ende her betrachtet, eher einfach als kompliziert ist, hat er mit vielen Krimis gemein. Doch man freut sich über diese neue Erzählstimme und hofft auf weiteres.

Rainer Doh

Mordkap

Erschienen im März 2015 im Divan Verlag, Berlin,

ISBN 978-3-86327-026-1,

254 Seiten, Klappenbroschur

€ 16,90

Divan Verlag/Mordkap

 

 

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Seemannsgarn mit Käpt'n Hein Mück

►►► Tja, Hein hat aufgeräumt, er hat wahr gemacht, was ihm so viele Freunde empfohlen haben: sich von allem zu trennen, was er zwei Jahre lang nicht in die Hand genommen hat. Dazu gehörten auch DVD’s mit schönen Filmen und ein Stapel Schallplatten, LP’s, die er als Heranwachsender gesammelt hatte. Hein mochte sie nicht zur Müllkippe fahren, suchte und fand schließlich jemanden, der alte Schallplatten aufkaufte. Hein schleppte eine schwere Tasche mit den Tonträgern, und seine Herzallerliebste lächelte den Ladeninhaber freundlich an. Der reagierte genauso und nahm die Platten entgegen. Und dann kam die Haufenbildung in zwei Stapel. Der rechte wuchs sehr schnell sehr hoch, der linke blieb kümmerlich klein. Und am Ende verließen die beiden um 15 € reicher den Laden, eher betrübt als fröhlich. Nur der kleine Haufen hatte Geld gebracht. Ein paar Türen weiter kaufte jemand DVD’s und wieder gab’s die Haufenbildung. Ganze fünf Filme waren je einen Euro wert, für die restlichen Acht gab es drei Euro. Dem Käufer fielen die betrübten Gesichter seiner Besucher auf und er versuchte zu trösten. Sowas wie ihn würde es bald nicht mehr geben. Er habe früher mit alten Büchern gehandelt. Für die gäbe es heute keinen Markt mehr. Bei DVD’s zeige sich dieselbe Entwicklung wie einst beim Gedruckten, ein rapider Preisverfall. Das Ende sei absehbar. Wie es denn aussähe, wollte Hein wissen. Man kauft keine Filme mehr, sondern lädt sie sich herab und zahlt für einmal Sehen einen kleineren Obulus, einen höheren für eine Dauernutzung. Man braucht also keine Bibliothek mehr, denn auch Bücher sind so zu haben wie die Filme. Ein bisschen bedrückt zogen Hein und seine Herzallerliebste nach Hause. Was Hein an Büchern besaß, war nur noch eine Tapete, die einem Raum ein bestimmtes Flair gab.   

 

►►► Tja, Hein spricht manchmal Plattdeutsch, das in seiner Jugend in seinem Wohnort allgemein üblich war. Als später seine Töchter weit weg von Norddeutschland groß wurden, sprach Hein manchmal noch Platt und las etwa, um die Sprache nicht einrosten zu lassen, die Weihnachtsgeschichte oder Märchen wie das vom Fischer und seiner Frau, auf Platt vor – unter lautem Protest der Töchter. Er solle doch gefälligst Hochdeutsch mit ihnen reden. Hein tat das natürlich und so haben seine Töchter nie Platt sprechen gelernt. Er verstand damals nicht, warum die beiden so vehement gegen Plattdeutsch waren. Als Hein und seine Herzallerliebste kürzlich Südafrika besuchten, hörte er zum ersten Mal Afrikaans, eine der elf offiziellen Sprachen des Landes. Hein hörte gut zu, wenn Busfahrer und Reiseleiterin sich unterhielten. Und verstand plötzlich, nach so vielen Jahren, seine Töchter. Das Afrikaans erinnerte ihn an das Niederländische und an das Plattdeutsche, indem es manchmal so ähnlich klang. „Ähnlich” hieß, dass Hein ahnte, wovon gesprochen wurde, obwohl er nur wenige Worte verstand. Er hätte gern mehr mitbekommen aus den Gesprächen von Busfahrer und Reiseleiterin. Und spürte plötzlich so etwas wie Frust, etwas nur so ungefähr zu verstehen. Genau so müsste es seinen beiden Töchtern gegangen sein, als sie Geschichten auf Platt hörten. Und das bestätigten ihm beide nach seiner Rückkehr.

 

►►► Tja, wohin? Hein wollte mal wieder in die Ferne, Seeluft schnuppern, nachts Sterne sehen, morgens heißen Kaffee auf einem Achterdeck trinken – also Kataloge wälzen, im Internet recherchieren und Routen vergleichen. Eigentlich wäre um diese

Zeit die Ostsee noch attraktiv. Aber war er nicht schon überall gewesen – zwischen  Kiel und Helsinki, dem Belt und dem Bottnischen Meerbusen? Stockholm, Petersburg, Riga? Er blätterte, verglich Routen, Schiffe und Preise, sprach seine Herzallerliebste an und wollte gerade den Suchraum wechseln, anderes Meer, neues Glück. Die rührte in ihrem Morgentee, nickte lächelnd und fragte nur, ob er sich
beispielsweise in Stockholm wirklich auskenne? Na ja, meinte er und zählte auf, was er außer dem Vasamuseum zusammen mit ihr noch gesehen hatte. Sie hörte zu und fragte, ob er sich noch an das Straßencafé am Schloss erinnere, in Sichtweite des Postens in der dunkelblauen Uniform und der Pickelhaube. Und dann lag doch da die deutsche Kirche mit den beeindruckenden Fenstern. Und die Boutique, in der es so schönes Papier gab. Hein hatte das alles längst vergessen. Vielleicht, meinte die Herzallerliebste, sei Stockholm wieder mal einen Besuch wert. Denn sooo lange habe man auf Schiffsreisen nie Zeit für eine Stadt. Morgens an und abends weiter – man lernt viel zu wenig kennen, nur die bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Um das, was eine Stadt wirklich ausmacht, zu erkunden, bräuchte man sehr viel mehr Zeit. Und so fingen sie an, über die Städte an der Ostsee zu reden, die sie besucht hatten. Wie Stockholm weckten auch die andere Städte wieder Erinnerungen. Und aus Erinnerungen wurden Wünsche. Und die mündeten in einem Entschluss: Hein und die Herzallerliebste werden wieder die Ostsee bereisen.

►►► Tja, Hein liebt Inseln und entscheidet sich manchmal für Reisen, die abgelegene Eilande auf ihrer Route haben. Die Südsee hat er besonders gern. Die Robinson Insel, die Osterinsel und Pitcairn sollten auf einer Reise angefahren werden, später dann einige Atolle weit vor Tahiti. Und nun entdeckte Hein eine Reise, die von Westafrika nach Kapstadt führte. Zwei Inseln sollten angelaufen werden – St. Helena und Tristan da Cunha, einsame Flecken in den Weiten des Südatlantiks. Die eine war bekannt, immerhin war Napoleon als Verbannter auf ihr gestorben. Von der anderen wusste Hein nichts, bemühte also das Internet und machte sich kundig. Und stellte sich vor, wie die Inseln auf der Kimm auftauchen würden unter Wolken, die häufig über solchen Eilanden standen. Unter der Wolke bildete sich ein grauer Fleck, der sich ins Blaue verfärbte und feste Umrisse annahm und weiter wuchs. Und irgendwann füllt die Insel fast das ganze Blickfeld, der Anker fiel und das Ausbooten konnte beginnen. Denn natürlich gab es auf solchen einsamen Inseln keine Häfen, in denen Kreuzfahrtschiffe festmachen konnten. Also übersetzen, auch bei leichtem Seegang und dann in einem winzigen Hafen an Land klettern. Tja, dachte Hein, das könnte eine Reise sein, die ihn reizte. Entschieden hat er sich noch nicht. Denn eine andere Erinnerung meldete sich. Wenn die See zu grob läuft, wird’s mit dem Ausschiffen nichts. Und dann war die ganze Vorfreude umsonst.


►►► Tja, Hein braucht eigentlich nichts mehr, was immer zu Verlegenheit bei Anlässen führt, zu denen man sich etwas schenkt, also zu Weihnachten oder zu Geburtstagen. Da sind originelle Geschenke schwer zu finden. Doch Heins Töchter ließen sich nicht entmutigen, suchten und fanden einen elektronischen Bilderrahmen, etwa so groß wie ein Blatt Briefpapier. In den kann man unsichtbar einen Chip aus der eigenen Kamera oder einen USB Stick stecken, den man vorher mit bis zu zweitausend Fotos füttern kann. Hein hat sich diesen Rahmen über seinem Arbeitsplatz an die Wand gehängt und genießt nun 872 Fotos – von zahllosen Reisen, Feiern oder anderen Begebnissen. Jedes Bild steht etwa fünf Sekunden prachtvoll da, dann kommt das nächste. Hein mag diese Wechsel und genießt das Gerät. So bunt war sein Leben und ist es immer noch. Auf zwei Weisen kann Hein sich an den Bildern freuen. Entweder stellt er die Abfolge nach Zufall ein, dann erscheinen Wasserträger aus Marrakesch vor einer Südseeschönheit aus Bora Bora gefolgt von einem Seelöwen. Oder er wählt eine Abfolge, die er historisch nennt. Die Bilder erscheinen in der Reihenfolge, in der er sie fotografiert hat. Auf diese Weise kann er das Heranwachsen der Enkel verfolgen, von der Taufe bis zum ersten Ausritt.

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