Veus-Log

VEUS-LOG-Schriftzug

Offizielles Organ der Vereinigung Europäischer Schifffahrtsjournalisten

Dipl.-Ing. Peter Pospiech

1. Vorsitzender der VEUS und

Ressortleiter VEUS-LOG im SeereisenMagazin

Telefon +49-49 52-82 69 087

Mobil +49-1 71-62 90 729

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Foto: Peter Pospiech, Rhauderfehn 

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Die schwimmende Energie-Plattform kommt im Marsdiep, ganz in der Nähe des Fährenanlegers der Insel Texel, zum Einsatz.Die schwimmende Energie-Plattform kommt im Marsdiep, ganz in der Nähe des Fährenanlegers der Insel Texel, zum Einsatz. Animation: Bluewater Energy Services BV

Elektrische Energie aus Ebbe und Flut

BlueTEC Texel Plattform durch Bürgermeisterin von Texel eingeweiht

Die weltweit erste Gezeitenenergieplattform wurde durch Texels Bürgermeisterin, Francine Giskes, im Hafen von Den Helder, Niederlande, offiziell auf den Namen BlueTEC Texel getauft. Die schwimmende Energie-Plattform kommt im Marsdiep, ganz in der Nähe des Fährenanlegers der Insel Texel, zum Einsatz.

„Gezeitenenergie ist eine der weltweit größten unerschlossenen Quellen von erneuerbaren Energien. Als eine Form der Meeresenergie stellen die durch Tidenhub erzeugten Gezeitenströmungen eine veränderliche, aber durch die Sonnen- und Mondbewegungen nahezu exakte und zuverlässige vorhersagbare Energiequelle dar. Man weiß also im Voraus, wieviel Elektrizität ein Gezeitenkraftwerk erzeugen wird. Außerdem arbeitet so ein Kraftwerk auch wenn es windstill ist und die Sonne nicht scheint. Darüberhinaus erzeugen unsere Energieplattformen absolut keine, die Umwelt schädigende Abgase”, sagt Bluewater’s Head of New Energy, Allard van Hoeken, während seiner Ansprache anlässlich der Taufe.

Die technische Leistungsfähigkeit der weltweiten möglichen Gezeitenenergien wird auf cirka 3 TW (3.000.000 MW) geschätzt (aus: IEA-OES Jahresreport 2009). Mit der heute verfügbaren Technik kann davon ausgegangen werden, dass mindestens 60.000 MW der vorhandenen Ressourcen technisch ausgenutzt werden können.

Die Weltbevölkerung wächst kontinuierlich und benötigt mehr und mehr Energie. Es gilt diesen Energiebedarf so sauber wie möglich zu erzeugen. Mit dem BlueTEC Gezeitenkraftwerk wird saubere Elektrizität durch die Wasserströmung erzeugt. Gezeitenenergie ist sauber, lokal und unendlich. Turbinen werden in die Wasserströmung platziert, drehen sich und erzeugen elektrische Energie.

Die „Tiden-Industrie” ist noch am Anfang ihrer Entwicklungen. Geeignete Standorte für die Installierung von Gezeitenkraftwerken sind auf dem gesamten Globus zu finden. Bluewater’s Tidal Energy Converter (BlueTEC) ist eine schwimmende Plattform mit Turbine. Die BlueTEC Plattform ist vor allem für Orte geeignet, die keine gesicherte Stromversorgung aufweisen, oder bei denen derzeit elektrischer Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt wird. Zum Beispiel vor den Ufern entlegener Inseln installiert, kann die Kombination aus schwimmender Plattform und Turbine hier zukünftig eine zuverlässige Energieversorgung garantieren.

Bluewater arbeitet zurzeit an der Entwicklung einer so genannten High-Tech Plattform, die eine Leistung von 2 bis 3 MW erzeugen wird. Bluewater’s Zielsetzung ist die Entwicklung, der Bau und das Betreiben in eigener Regie von Gezeitenkraftwerken mit Leistungen zwischen 50 bis 500 MW mit ihren BlueTEC 2 MW Einheiten. Die eingesetzte Turbinenanzahl hängt je nach Projekt von der benötigten Energiemenge, dem Plattformtyp und der Installationsumgebung ab. Wenn sie in größerer Anzahl in einer Reihe installiert werden, reduzieren sich die Energiekosten ganz erheblich (z.B. durch die Mitbenutzung der Plattformverankerungen). Die Plattformen haben normale Containermaße und erlauben damit kostengünstige, reguläre Seeverfrachtungen.

Die schwimmende Plattform beinhaltet alle anfälligen elektronischen Einrichtungen, geschützt und trocken, trotzdem gut erreichbar für Kontrollen, Wartungen und Reparaturen. Im Falle einer größeren Reparatur kann die Plattform abgekoppelt und in einen Hafen geschleppt werden.

Die Texel-Plattform ist eine kleine, einfache und robuste Version von BlueTEC. Sie besteht aus Standardmodulen, kann lokal zusammengebaut und installiert werden. Spezielle Ausrüstungen und Werkzeuge sind dazu nicht erforderlich. Die BlueTEC Texel Plattform ist mit einer 200 kW Turbine ausgerüstet. Der generierte Strom wird in das Versorgungsnetz der Insel eingespeist und versorgt etwa 200 niederländische Haushalte.

Bluewater bietet die Plattform, Turbine, Netzkabel und das Verankerungssystem als ein komplettes Paket. Die Plattformen können entweder mit Turbinen von Tocardo oder Schottel ausgerüstet werden. Allan van Hoeken: „Das Projekt BlueTEC Texel

wurde vor 2 Jahren mit der Kooperation zwischen Bluewater, Damen/Niron Staal, Van Oord/Acta Marine, Vryhof Anchors, TKF, Tocardo, Schottel Hydro, NIOZ, Tidal Testing Centre, Nylacast und dem Port of Den Helder gestartet. Die Projektführung übernimmt Bluewater. BlueTEC ist die Abkürzung für Bluewater’s Tidal Energy Converter”.

Van Hoeken: „Das Texel-Projekt ist unser erster Schritt. Unser Ziel ist es Plattformen mit Leistungen zwischen 2 bis 3 MW zu erstellen. Diese Plattformen können dann zu größeren ‚Gezeitenenergieparks’ zusammengestellt werden und leicht einige 100 Megawatt erzeugen. Die Abmessungen der BlueTEC Texel Plattform betragen L = 24 m und B = 2,40 m und entsprechen damit den Maßen von Standard-Containern (40‘ + 2 x 20‘ length by 8‘ x 8‘). Die Plattform ist ein Produkt der Damen Shipyard ‚Modular Barge Systems’”. Die Abmessungen der Turbinenflügel hängen von der Größe der verwendeten Turbine ab und variieren zwischen 4 und 10 Metern. Auf die Frage nach

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möglichen negativen Auswirkungen auf die Meeresfauna und -flora antwortet Allan van Hoeken: „Untersuchungen haben ergeben, dass Fische und Meeressäugetiere die Plattform erkennen und drumherum schwimmen. Und nicht zu vergessen: die Turbinen drehen sehr langsam mit ungefähr 20 Umdrehungen pro Minute, ganz im Gegensatz zu Schiffspropellern mit ihren wesentlich höheren Umdrehungen. Zusammen mit Forschungsanstalten und Umweltorganisationen werden wir aber weiterhin den Einfluss unserer Plattformen auf die Umwelt überwachen”.

Die schwimmende Plattform ragt etwa 2 Meter aus dem Wasser heraus – vergleichbare Offshore Windmühlen bis zu 150 Meter. Das bedeutet: die Plattform ist von weitem kaum sichtbar. Van Hoeken: „Die BlueTEC Plattform, mit einer 200 kW Turbine, Verankerungssystem, Elektronik, Netzanschlussleitung etc, kostet rund 1 Million €. Damit ergeben sich Stromkosten von 20 bis 30 Cents pro kWh – weit niedriger als die Stromkosten, die anfallen, wenn der elektrische Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt wird”.

Allan van Hoeken, Bluewater’s Head of New Energy, mit einem Modell und Francine Giskes, Texels Bürgermeisterin anlässlich der Tauffeierlichkeit.

Foto: Bluewater Energy Services BV

Texels Bürgermeisterin, Francine Giskes, tauft im Hafen von Den Helder die BlueTEC Texel.Texels Bürgermeisterin, Francine Giskes, tauft im Hafen von Den Helder die BlueTEC Texel.

Foto: Bluewater Energy Services BV

BlueTEC kann entweder mit Schottel- oder Tocarno-BlueTEC kann entweder mit Schottel- oder Tocarno-

Turbinen ausgerüstet werden.

Foto: Bluewater Energy-Services BV

BlueTEC auf vier Containern aufgebockt im niederländischen Hafen von Den Helder.

BlueTEC auf vier Containern aufgebockt im niederländischen Hafen von Den Helder. 

Foto: Bluewater Energy-Services BV

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Im Mast treibt ein Elektromotor den Rotor mit stufenlos regelbaren Drehzahlen an.

Im Mast treibt ein Elektromotor den Rotor mit stufenlos regelbaren Drehzahlen an. Zeichnung: Grafik Team Werbeagentur, Leer

ECO-Flettner: Eine neue Generation von Motorseglern

Leichtbau-Hochleistungssegelrotoren für die Küstenschifffahrt

Emissionen verringern und kostenlosen Vortrieb aus Wind ernten: Insbesondere für die Küstenschifffahrt wird im Rahmen des Projekts MariTIM eine neue Generation von Motorseglern entwickelt. 15 Partner aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines Windsegelsystems mit aerodynamisch arbeitenden Rotoren in sehr leichter Bauweise (Verbundwerkstoff) für kleinere Schiffseinheiten.

Das Projekt MariTIM wird im Rahmen des INTERREG IV A Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des niederländischen Wirtschaftsministeriums (Ministerie van Economische Zaken), des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen und der Provinzen Drenthe, Friesland, Gelderland, Groningen und Noord-Brabant kofinanziert.

 

Hintergrund

Klimaschutz und Ressourcenschonung sind Herausforderungen, mit denen sich die Schifffahrt in naher Zukunft noch sehr viel stärker befassen muss, als sie dieses gegenwärtig schon durchführt. Sowohl aus Wirtschaftlichkeitsgründen (effizientere Schiffe) als auch als Reaktion auf zunehmend schärfere Abgasemissionsgrenzwerte. Das Antriebssystem ist dabei der maßgebliche Faktor für die Umwelt- und Klimarelevanz eines Schiffes. Bisher reagierte die maritime Wirtschaft noch recht verhalten auf diese neuen ‒ unausweichlichen ‒ Herausforderungen. Heute ist das Augenmerk neben der Kostenexplosion für Kraftstoffe in zunehmendem Maß auf die Klimaveränderung gerichtet.

Die Schifffahrt ist gefragt, ihre Emissionen drastisch zu reduzieren und nach neuen kraftstoffsparenden Technologien zu schauen. Vor diesem Hintergrund sollen moderne Windantriebe gleichzeitig die Kraftstoffkosten reduzieren und die Umwelt entlasten.

„Es lassen sich 30 bis 40 Prozent des Schiffskraftstoffs einsparen, wenn man geeignete Windzusatzsysteme auf Handelsschiffen installiert”, behauptete Heinz Otto von der Deutschen Gesellschaft für Windenergie schon 1992.  Seinerzeit hatte das heute sehr teuer gewordene Öl verhindert, dass Reedereien in alternative Schiffsantriebe investiert hätten. Die Entwickler haben die Zeit seitdem jedoch genutzt, die technischen Probleme zahlreicher Antriebe zu lösen.

„Wer langsamer fährt, spart bis zu 50 Prozent Kraftstoff”, sagte Hans-Heinrich Nöll vom Verband Deutscher Reeder in 2007.

Die Projektpartner windbetriebener Schiffe denken nicht an schlanke Dreimaster unter vollen Segeln, sondern an ein röhrenförmiges Gebilde, den Flettner-Rotor. Diese technische Konstruktion, die in den 1930er Jahren schon einmal auf einem Schiff, BUCKAU, erfolgreich eingesetzt wurde, verspricht eine praktikable Handhabe an Bord und effiziente Ausbeute der Windenergie für die Schifffahrt.

2011 schlossen sich im erweiterten deutsch-niederländischen Grenzraum 35 Unternehmen und Wissenseinrichtungen aus dem maritimen Sektor im INTERREG-Projekt MariTIM (Maritime Technologien und Innovationen – Modellregion Deutschland/Niederlande) unter Koordination der MARIKO GmbH, Leer, zusammen, um „grünere Schiffen von morgen” zu entwickeln. In den intensiven Entwicklungsprozessen wurde deutlich, dass durch das deutsch-niederländische Projektkonsortium starke neue Ansätze auf europäischem Niveau entwickelt werden konnten. Dieses gilt insbesondere für die Küstenschifffahrt. Hier sind die Anforderungen an den Umweltschutz und die Notwendigkeit innovativer Transportlösungen am größten.

Die europäischen Küstengewässer beinhalten die weltweit am stärksten befahrenen Schifffahrtsrouten und sind überwiegend dicht bevölkert. Hieraus ergeben sich besondere Anforderungen an den Umweltschutz im küstennahen Schiffsverkehr. Dieses schlägt sich in den internationalen Regeln zur Begrenzung von Schiffsemissionen in die Luft (MARPOL, Annex VI) deutlich nieder. Die Bereiche der Nord- und Ostsee einschließlich des Englischen Kanals sowie Nordamerika und Kanada, gehören bisher zu den weltweit wenigen sogenannten „Sulphur Emission Control Areas” (SECA), in denen besonders strenge Grenzwerte für Luftemissionen einzuhalten sind. Seit dem 1. Januar 2015 ist der Grenzwert von bisher 1,0 % Schwefel im Schiffskraftstoff auf 0,1 % herabgesetzt worden.

 

Ziel ist die Entwicklung und Markteinführung eines neuen Schiffshybridantriebs, der die Windenergie als Unterstützung für den Vortrieb von Schiffen nutzt. Das soll mit Hilfe einer neuen Generation von Segelrotoren erfolgen, den ECO FLETTNER-Rotoren. Parallel wurde ein innovativer Motor-Rotor-Segler für die europäische Küstenschifffahrt entwickelt: der Wind Hybrid Coaster.

Ralf Oltmanns, Geschäftsführer der Firma Regenerative Antriebstechniken in Leer, erklärt es so: „Der Wind Hybrid Coaster erhält zwei Rotoren, leichte Hohlzylinder (aus Verbundwerkstoff) mit je zwei Endscheiben. Unsere ECO FLETTNER weisen eine Höhe von 18 Metern und einen Durchmesser von 3 Metern auf. Die beiden Endscheiben haben einen Durchmesser von 6 Metern.

Die Zylinder sind zweifach auf innen stehenden Tragmasten, „Pivots”, gelagert. Sie sollen auf dem Hauptdeck, jeweils Backbord und Steuerbord direkt hinter Aufbauten stehen, um vom Wind optimal angeströmt werden zu können. Im Mast treiben Elektromotoren die Rotoren mit stufenlos regelbaren Drehzahlen an. Die Zylinder stellen dem Wind lediglich die Fläche ‚Durchmesser mal Höhe mal Anzahl der Rotoren’ als Segelfläche entgegen und hätten, wenn sie sich nicht drehen würden, keinen Auftrieb mehr, sondern nur noch Widerstand”.

Grundsätzlich gilt: Durch Windantriebssysteme, ganz gleich ob rah- oder schratgetakelt, traditionelle Segel, aerodynamisch geformte Tragflächen oder Rotoren lässt sich Vortrieb erzeugen, Schadstoffe reduzieren und Treibstoff sparen. Die Rotoren haben die Wirkung von Segeln, verbunden mit den Vorteilen, dass sie nur etwa ein Zehntel der Fläche eines vergleichbaren Segelschiffes benötigen und dass zur Bedienung keine Mannschaft erforderlich ist. Sie bieten darüber hinaus Vorteile hinsichtlich der Stabilität des Schiffes und bilden bei Sturm keine Gefahr, da ihre projizierte Fläche kleiner ist als die einer entsprechenden Takelage.

 

Funktionsprinzip

An einem rotierenden und senkrecht zur Achse angeströmten Zylinder entsteht senkrecht zur Achse und zur Anströmrichtung eine Querkraft. Während so auf der einen Seite des rotierenden Zylinders ein Unterdruck entsteht, ergibt sich für die gegenüberliegende Seite ein Überdruck. Die sich daraus ergebende Differenz kann als motorische Kraft genutzt werden, da der Rotor versucht, sich in Richtung Unterdruck zu bewegen. Im rechten Winkel zum scheinbaren Wind entsteht am Rotor eine Kraft, die bei einem Halbwind-Kurs parallel zur Längsachse des Schiffes in Fahrtrichtung wirkt, also unmittelbar Vortrieb erzeugt.

 

Segeltechnik

Oltmanns: „Der Wind Hybrid Coaster hat einen nutzbaren Bereich von ca. 290°, d.h. 145° zu jeder Seite von voraus gezählt. Der Wendewinkel umfasst cirka 70°. Beim Wenden ist die Drehrichtung der Rotoren zu ändern. Aufgrund der kleinen Segelfläche und der schnellen Bremsmöglichkeit der Rotoren besteht für ein Rotorschiff bei hohen Windgeschwindigkeiten und Böen keine Gefahr, sich auf die Seite zu legen. Unter optimalen Wind-Bedingungen können die ECO FLETTNER den Antrieb des Schiffes zu 100 % übernehmen”.

 

Das Motoren-Antriebs-Konzept

Der modulare Motorantrieb des Wind Hybrid Coasters verfügt über fünf Stromerzeugungsaggregate. Der erzeugte Strom versorgt über Regel- und Steuerungstechnik zwei Elektromotoren mit einer maximalen Dauerleistung von je cirka 600 kW. Die Elektromotoren treiben über eine Welle die Schiffsschraube an. Dieser Antrieb zielt darauf ab, in unterschiedlichen Lastbereichen den Gesamtwirkungsgrad des Antriebes zu optimieren. Der durch die Rotoren gewonnene Vorschub ermöglicht eine Reduzierung des Schubs am Propeller.

Die Motoren verbrauchen dann bei gleichbleibender Schiffsgeschwindigkeit weniger Kraftstoff. Die stromerzeugenden Generatoren laufen mit konstanter Nenndrehzahl und damit im wirtschaftlichsten Bereich. Auch die Redundanz wird erhöht, da dieses Schiff mit fünf Stromerzeugern, zwei Elektromotoren und einem Segelantrieb ausgestattet ist, statt nur mit einem Dieselmotor als Hauptantrieb. Die Möglichkeit zur Kopplung von Fahr- und Bordnetz ergibt eine optimale Nutzung der installierten Primärmaschinen. Einheitliche Fahr- und Bordnetzstrukturen erlauben eine effektive Nutzung der installierten Leistung. PPM Pressedienst Pospiech Maritim

Der fertige ECO-Flettner Rotor im Hafen von Leer.Der fertige ECO-Flettner Rotor im Hafen von Leer.

Foto: PPM News Service, Rhauderfehn

Darstellung der Druckfelder um den Rotor.Darstellung der Druckfelder um den Rotor.

Grafik: Labor für Meerestechnik, Hochschule Emden

Der Flettner-Antrie: Im Mast treibt ein Elektromotor den Rotor ...

Der Flettner-Antrie: Im Mast treibt ein Elektromotor den Rotor ...

Foto: PPM News Service, Rhauderfehn

 

... mit stufenlos regelbaren Drehzahlen an.... mit stufenlos regelbaren Drehzahlen an.

Foto: PPM News Service, Rhauderfehn

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SAM Shipbuilding and Machinery in Komárno, Slowakei.

SAM Shipbuilding and Machinery in Komárno, Slowakei.

Foto: Thomas Jantzen, Maria Enzersdorf (A)

 

Ein SAM-Produkt fertig zur Auslieferung.

Ein SAM-Produkt fertig zur Auslieferung.

Foto: Thomas Jantzen, Maria Enzersdorf (A)

Spezialschiffe aus dem Herzen Europas

In Komárno bei Donaustromkilometer 1767 im Grenzgebiet zwischen Ungarn und der Slowakei werden seit 1898 Schiffe gebaut.

Im Mai diesen Jahres hat die LNG Hybrid Barge HUMMEL Ihren Dienst im Hamburger Hafen wie geplant aufgenommen. Das schwimmende Kraftwerk versorgt in Zukunft Kreuzfahrtschiffe mit elektrischer Energie, die durch emissionsarme, mit Erdgas betriebene Motoren, erzeugt wird und dadurch zur deutlichen Luftverbesserung im Hafen beitragen soll. 

Die Barge ist weltweit die einzige ihrer Art, wurde von Becker Marine Systems in Hamburg entwickelt und in der slowakischen Werft SAM Shipbuilding and Machinery a.s. in Komárno gebaut. Die Werft, die etwa 2 Autostunden östlich von Wien liegt, blickt auf eine 117-jährige Geschichte zurück. Inzwischen ist aus dem reinen Werftbetrieb in Komárno ein Unternehmen mit einem weiteren Standort in der slowakischen Hauptstadt Bartislava und einer breiten Produktpalette entstanden. Neben Schiffen werden im gesamten Unternehmen u.a. Druckbehälter, Untergestellrahmen für Baumaschinen, Lagertanks, Anlagen und Stahlkonstruktionen gefertigt.

Mit der Werft, mit der es 1898 im Donauseitenarm am linken Ufer in Komárno begann, hat das heutige Firmenareal nicht mehr viel zu tun. Die gesamte Produktionsstätte ‒ ihre volle Größe erreichte sie circa 1948 ‒ befindet sich in stetigem Umbruch. Neue Produktionshallen wurden errichtet, alte werden abgerissen. Im Innern arbeiten computergesteuerte Schneidemaschinen, moderne Schweißtechnik und Krananlagen mit bis zu 20 Tonnen Tragfähigkeit. 

Alleine die Halle für den Schiffsbau hat gigantische Ausmaße. Auf einer überdachten Fläche von 19.000 Quadratmetern können neun Schiffe gleichzeitig gebaut werden.  

Bis zu seiner Übernahme durch die Stroje a Mechanizmy a.s. im Jahre 2012 und seinem heutigen Namen SAM Shipbuilding and Machinery a.s. firmierte das Unternehmen unter SLK und später SLKB. Baute man zu Beginn nur Binnenschiffe, verlagerte sich über die Jahre der Schwerpunkt zu Mehrzweckschiffen, die sowohl für den Bereich Seeschifffahrt, als auch Binnenschifffahrt einsetzbar sind, sogenannte Küstenmotorschiffe und Spezialschiffe wie schwimmende Kräne, Schubschiffe, Klappschuten und Schiffe zur Fischfütterung in Aquakulturen. Gebaut wird bis zu einer Länge von 120 Metern, einer Breite von 12,50 Metern und einer Höhe von 11 Metern.

Diese Limitierung ist nicht etwa dem Vermögen bzw. Unvermögen der Schiffsbauer aus Komárno geschuldet. Alles was bei SAM Shipbuilding and Machinery a.s. im

Herzen Europas gebaut wird und schwimmt, muss über die Donau entweder nach Osten ins Schwarze Meer bzw. Westen über die europäischen Wasserstraßen an die Küste gefahren werden. Und da geben eben Wasserstraßen mit Ihrer nautischen Infrastruktur wie Schleusen und Brücken die Maße vor.

Ob nun in Komárno von Design über Detailplanung bis zur Erstellung des fertigen Schiffs alles aus einer Hand produziert wird, oder bereits bestehende Pläne verwirklicht werden, entscheidet der Auftraggeber. Mit seinen 80 bis 100 Mitarbeitern, die für den Schiffsbau eingesetzt werden – das gesamte Unternehmen beschäftigt 500 Mitarbeiter, die zu gleichen Teilen auf die Produktionsstätten Bratislava und Komárno aufgeteilt sind – wurde beachtliches geleistet. Zwischen 1980 und 2013 wurden insgesamt 333 Schiffe gebaut. Diese wurden u.a. nach Deutschland, Russland, Norwegen ‒ aber auch in Nachbarländer wie Österreich und Ungarn exportiert. Die Kernkompetenz liegt aber eindeutig beim Neubau; Umbau und Reparatur laufen mit 15 Prozent am Gesamtvolumen eher als Nebengeschäft.

Doch auch als Schiffsbauer im beschaulichen Komárno inmitten Europas ist man gleichermaßen dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Wie schafft es das Unternehmen, sich durchzusetzten und die Produktion aufrecht zu erhalten? Neben der fachlichen Kompetenz kommen der Produktion laut Dr. Lorant Šándor,  Kaufmännischer Direktor und Vorstandsmitglied bei SAM Shipbuilding and Machinery a.s., noch folgende Umstände zugute. Die Lohn- und Energiekosten sind im Vergleich zu anderen Produktionsstandorten niedrig und freie Kapazitäten können je nach Bedarf schnell genutzt werden.

Doch auch eine andere Entwicklung könnte für die Werft von entscheidender Bedeutung sein. Um ihr Vorhaben voranzutreiben, bis 2025 in allen Binnenhäfen des Kernnetzes des transeuropäischen Verkehrsnetzes Erdgas-Tankstellen zu installieren, bezuschusst die EU-Kommision das Projekt Erdgas Masterplan Rhein-Main-Donau mit 40 Millionen €. Bei diesem Vorhaben spielt Erdgas nicht nur als alternativer Treibstoff für Schiffsmotoren sondern, auch als Transportgut auf Binnenwasserstraßen eine große Rolle.

Mit der Erdgas Hybrid Barge HUMMEL könnte somit der Grundstein für zukünftige Schiffsbauprojekte im Bereich Erdgas Transport auf Binnenwasserstraßen gelegt worden sein, bei der SAM Shipbuilding and Machinery a.s. mit ihrer ganzen Expertise sowohl im Bereich Schiffsbau als auch im Bereich Anlagentechnik und Druckbehälterbau, vereint unter einem Dach in Komárno und Bratislava, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat. Foto + Text: www.thomasjantzen.com

Moderne-Brennmaschinen.

Moderne-Brennmaschinen.

Foto: Thomas Jantzen, Maria Enzersdorf (A)

 

SAM-Schweisser bei der Arbeit.

SAM-Schweisser bei der Arbeit.

Foto: Thomas Jantzen, Maria Enzersdorf (A)

Schiffszeichnung

Schiffszeichnung. Foto: Thomas Jantzen, Maria Enzersdorf (A)

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Der Stralsunder Kapitän Udo Wölms vor der Skyline von Shanghai.

Der Stralsunder Kapitän Udo Wölms vor der Skyline von Shanghai. Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Stralsund

Was ist geworden aus ...

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Kapitän Udo Wölms hat in China einen neuen Arbeitsplatz gefunden

Shanghai-Stralsund ‒ Am 15. Dezember letzten Jahres titelte die OSTSEE-ZEITUNG: „Stralsunder Kapitän rettet vier Fischer vor der Küste Perus”. Damals stand er auf der Brücke des 80.000-Tonnen-Containerfrachters CMA CGM BAUDELAIRE. 

Nun hat auch Udo Wölms Glück gehabt, als sich ihm eine neue Chance bot, die er ergriffen hat. Weil die französische Großreederei CMA CGM ‒ völlig entgegen dem deutschen Trend ‒ auf deutsche Führungskräfte setzt. Mit der Begründung, dass deren hochwertige Ausbildung zu einer Verbesserung des Qualitätsmanagements beitrage.

Junge Deutsche indes, die vor ein paar Jahren noch dem Lockruf des Verbandes Deutscher Reeder gefolgt sind und Nautik studiert haben, bekommen heutzutage nicht einmal mehr einen unbezahlten Praktikumsplatz. Dahinter steht die Globalisierung, sprich Internationalisierung der Seeschifffahrt, so dass eine deutsche Handelsflotte nicht mehr notwendig sei, wie es ein Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) jüngst formulierte. Woraus eine vermehrte Ausflaggung in Billigländer und der „Einkauf” von preiswertem Personal aus Osteuropa und Fernost folgen. Es gibt schon Schiffe deutscher Reedereien, die mit kompletter philippinischer oder osteuropäischer Crew fahren.

Der Stralsunder hat derzeit seinen Arbeitsplatz Brücke gegen einen Schreibtischjob im Bund Tower getauscht. Der steht mitten in der City der chinesischen Millionen-Metropole und Hafenstadt Shanghai. Im 35. Stock des 50-geschossigen Turms ist das „CMA CGM Fleet Navigation and Support Center” untergebracht. Zusammen mit dem Hauptquartier in Marseille ist es das größte der Welt.

Wölms unterstützt von dort aus die Kollegen auf reedereieigenen und Charterschiffen mit Wetterinformationen zur Vermeidung von Schlechtwetter, Resonanzschwingungen und zur Brennstoffeinsparung. Dadurch werden die Fahrtrouten optimiert im Interesse von Crew, Schiff, Ladung, Fahrplaneinhaltung und Betriebskosten. Seine Frau Barbara hält derweil in der Sarnowstraße die Stellung, während Udo Wölms in ein Shaghaier Hotel gezogen ist.

Zu seinen neuen Lebensverhältnissen hat er dieser Tage folgende Zeilen nach Stralsund gemailt: „Mein Appartment hat mehr oder weniger eine europäische Ausstattung. Es sind zwei Räume (Wohn- und Schlafraum) eine Küche und ein Bad. Die Küche ist sehr klein, dort gibt es einen zweiflammigen Gaskocher, eine Mikrowelle und eine Kaffee-Maschine. Im Bad steht eine Waschmaschine älterer Bauart.

Karate kann ich hier auch trainieren. Das geht im Zimmer oder im Park. Einen festen Verein habe ich mir hier nicht gesucht. Das ist etwas kompliziert. Ich komme mit der Situation aber gut zurecht. Im Park jogge ich und mache dann meine Übungen ganz langsam, dann sieht es fast aus wie Tai Chi. Es kommt dadurch nicht zu Menschenaufläufen.

Selbstversorgung gehört zu Apartments. Mittags esse ich meistens im Bund Tower. Die haben dort einen eigenen Speiseraum für Angestellte. Frühstück mach ich mir selber. Meistens esse ich Müsli oder Steinofenbrot, das ich bei Uiguren unweit vom Hotel kaufe. Abend gehe ich meistens essen. Irgendwas Passendes findet sich immer. Am Wochenende ist es dann das Gleiche, nur dass ich mich mittags auch kümmern muss.

Der Einsatz ist für 3 Monate geplant. Tatsächlich will ich zwischendurch mal nach Deutschland kommen. Das aber nur, um an der Hochzeit meiner Tochter teil zu nehmen”.

Seine Tätigkeit in Shanghai ist nur vorübergehend. Nach wie vor ist er Seemann und als solcher bei CMA CGM angestellt. Nach seinem dann wohlverdienten Urlaub geht es wieder zurück an Bord, natürlich auf ein Schiff der CMA CGM. Es gebe, schreibt er, so was wie ein rollendes System. Kapitäne, die geeignet und willens seien, vorübergehend im FNSC zu arbeiten, können dazu Gelegenheit bekommen. Es sei auch gut und wichtig, dass Kapitäne mit Kapitänen sprechen: „Dadurch hat man eine Ebne, die funktioniert. Eine Rückkehr in die Praxis ist deshalb genauso wichtig. Also kein beruflicher Wechsel, sondern eine Erweiterung oder Ergänzung”. PSW

MS CMA CGM BAUDELAIRE im Containerhafen von Durban.MS CMA CGM BAUDELAIRE im Containerhafen von Durban. Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Stralsund
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