Historie 

 

Ausgabe1/2014 

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Die berühmten Helgen von Harland & Wolff (im Bild der OLYMPIC Slipway) laden heute nach einer Umgestaltung zu einem Spaziergang ein. Die Laternenmasten markieren dabei die Ausmaße der Schiffsrümpfe von OLYMPIC und TITANIC.Die berühmten Helgen von Harland & Wolff (im Bild der OLYMPIC Slipway) laden heute nach einer Umgestaltung zu einem Spaziergang ein. Die Laternenmasten markieren dabei die Ausmaße der Schiffsrümpfe von OLYMPIC und TITANIC.

Kai Ortel

Das TITANIC Belfast Museum – Belfast und seine TITANIC

Im Jubiläumsjahr ihres Untergangs ist die TITANIC 2012 an ihren Geburtstort Belfast zurückgekehrt, wenn auch nur in Form eines Museums. Das allerdings ist einen Besuch wert, und mit ihm das auf dem alten Werftgelände neu entstehende Wohn- und Erlebnisviertel „TITANIC Quarter”.

Zugegeben: Mit offenen Armen empfängt einen Belfast nicht gerade, jedenfalls nicht, wenn man die Hauptstadt Nordirlands auf dem Seeweg erreicht. Die Fähren der Stena Line aus England (Birkenhead) und Schottland (Port Ryan) legen in einem Industriegebiet weit außerhalb des Stadtzentrums an, und auch an den Ufern des Flusses Lagan erweckt Belfast nicht gerade den Eindruck einer modernen Metropole. Am Westufer erstrecken sich fast ausnahmslos triste Gewerbegebiete sowie ein Gewirr an Schnellstraßen, und am Ostufer, tja, dort befindet sich das Werftgelände von Harland & Wolff. Oder sollte man sagen, befand sich? Denn dass die einstige Traditions- und Bauwerft der TITANIC im Jahr 2013 nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit ist, ist kein Geheimnis. Der letzte Schiffsneubau hat schon 2003 die Helgen von Harland & Wolff verlassen; die ANVIL POINT war eine Frachtfähre für das britische Verteidigungsministerium, gebaut mit Subventionen aus Whitehall. Seitdem hat sich die Werft auf die Schiffsreparatur spezialisiert und auf Aufträge aus der Windenergie- und Ölbohr-Industrie. Zu den größten Arbeitgebern des Landes gehört Harland & Wolff damit aber nicht mehr. Denn wo während des Zweiten Weltkrieges noch bis zu 35.000 Arbeiter angestellt waren, sind heute nur noch ein paar Hundert beschäftigt. Einzig Goliath und Samson, die beiden 96 und 106 Meter hohen Portalkräne, ragen weiterhin stolz in den Himmel, als würde jeden Tag ein neuer Morgen für ihre Besitzer anbrechen. Allein: Viel Arbeit haben die denkmalgeschützten Kräne nicht mehr.  

 

Das TITANIC Quarter

Der letzte Hoffnungsschimmer für die nordirische Werft war im Jahr 2000 die Ausschreibung zum Bau der QUEEN MARY 2 gewesen, doch auch dieser Auftrag wurde am Ende an die Konkurrenz vergeben, ausgerechnet an jene in Frankreich. Eine Schande sei dies gewesen, sagten damals jene, die sowohl der britischen Regierung als auch der (mittlerweile amerikanischen) Cunard Line fehlenden Nationalstolz vorwarfen. Recht so, meinten hingegen große Teile der katholischen Bevölkerung Belfasts, denen die Großwerft am protestantischen Ostufer schon immer verhasst gewesen ist. Andererseits war mit dem verlorenen Cunard-Auftrag der Weg frei für die Umgestaltung des inzwischen viel zu groß dimensionierten Werftgeländes, und so wurde das Areal 2001 zunächst in „TITANIC Quarter” umbenannt und dessen vorgesehene Umgestaltung öffentlich ausgeschrieben.  

2003 ging daraus eine Partnerschaft zwischen der Entwicklungsgesellschaft Harcourt Developments und der Belfast Harbour Commission hervor, die zwei Jahre später ihren ambitionierten Masterplan vorstellten, wie man die lange Zeit als „Queen’s Island” bekannte Gegend am Ostufer des Lagan sinnvoll umzubauen gedachte: Auf einen Zeitraum von 30 (!) Jahren angelegt, soll auf großen Teilen des ehemaligen Harland & Wolff-Geländes Schritt für Schritt eine „futuristische Mischung aus Wohn- und Geschäftsräumen, touristischen, Bildungs- und Gewerbeflächen” entstehen. Wohnräume und Arbeit für 50.000 Menschen soll das TITANIC Quarter dereinst bieten und darüber hinaus fünf Hotels beherbergen, die den zu erwartenden Touristenstrom auffangen sollen. Das ganze Viertel soll dann knapp 750 Quadratkilometer umfassen, von denen 372 bereits 2012 zur Umgestaltung genehmigt waren. Damit ist das TITANIC Quarter derzeit eines der größten und ambitioniertesten Stadtentwicklungsgebiete weltweit, und wer dabei denkt, dass dieses riesige Vorhaben allein mit privaten Geldern praktisch aus dem Boden schießt, dem wird schon auf der Homepage der Planungsgesellschaft versichert, dass „generous government support”, großzügige Unterstützung von Regierungsseite also, verfügbar sei.

Auch ein TITANIC-Museum war von Anfang an Bestandteil des Masterplans, doch bis dieses seine Pforten öffnen konnte, zogen erst noch ein paar Jahre ins Land. 2005 eröffneten zunächst der „Northern Ireland Science Park” und die „TITANIC Studios”, letztere ein Filmstudio, das in die ehemalige Malerei von Harland & Wolff einzog. Unweit der Queen’s Bridge war 2009 dann auch die „Belfast Harbour Marina” fertig, ein Anlegeplatz für 40 Segelyachten. Und Ende 2010 wurden auch das erste Hotel sowie der moderne Wohnkomplex „The Arc” (Abercorn Residential Complex) ihrer Bestimmung übergeben. Seitdem ist zumindest dieser der Innenstadt am nächsten gelegene Teil des TITANIC Quarters durchaus einen Spaziergang wert. Darüber hinaus zog im September 2011 auch das „Belfast Institute for Further and Higher Education” ins TITANIC Quarter um. Mittlerweile sind über 90 Firmen in dem Viertel ansässig und 5.000 Menschen, die hier dauerhaft Wohnraum bezogen haben. Der moderne Wohn- und Freizeitdistrikt am Ostufer des Lagan nimmt also Gestalt an, getreu dem Slogan seiner Macher: „Yesterday we built ships, today we build cities”.  

 

TITANIC Belfast

Herzstück des TITANIC Quarter sollte aber jener Ort werden, an dem die Legende geboren wurde, wo jenes Schiff entstand, dem das Viertel seinen Namen verdankt und das auf immer mit der Stadt Belfast verbunden sein wird. Am Kopfende der beiden großen Helgen, die Harland & Wolff 1909 extra für die OLYMPIC und TITANIC hatte bauen lassen, sollte das Museum seinen Platz finden, ziemlich genau an der Stelle, an der vor über 100 Jahren das Walzwerk der Werft gestanden hatte. 97 Millionen Pfund ließ man sich das futuristische Gebäude kosten, dessen zitadellenartige Form von oben einer Kompassrose ähnelt und dessen vier spitzwinklig hervorstehende Gebäudeteile an vier Schiffssteven erinnern sollen. Böse Zungen in Belfast nennen das Museum aber auch nur „The Iceberg”, weil es eine gewisse Ähnlichkeit auch mit jenem polaren Irrläufer nicht verleugnen kann, welcher der TITANIC am 14. April 1912 zum Verhängnis geworden ist. Finanziert zu 50 Prozent aus Landes- und zu 50 Prozent aus privaten Mitteln, sollte „TITANIC Belfast” eigentlich bereits am 100. Jahrestag des Stapellaufs des Liners seine Pforten öffnen, also am 31. Mai 2011. Damit hätte man vermieden, ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Untergangs in den Focus der Öffentlichkeit zu geraten, doch ließ sich genau dies am Ende nicht vermeiden. „TITANIC Belfast” wurde am 31. März 2012 eröffnet, exakt 100 Jahre nach der Ablieferung des Schiffes an die White Star Line.

Sechs Etagen und 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind dem Liner nun gewidmet, aber auch der Stadt und dem Hafen von Belfast, der Bauwerft und den vielen Mythen und Legenden, die sich seit dem Untergang der Titanic um das Schiff ranken. Aufgeteilt ist „TITANIC Belfast” dabei in die neun interaktive Galerien „Boomtown Belfast”, „The Shipyard”, „The Launch”, „The Fit-Out”, „The Maiden Voyage”, „The Sinking”, „The Aftermath”, „Myths & Legends” und „TITANIC Beneath”. Während die erste Galerie „Boomtown Belfast” noch am ehesten im Stil eines klassischen Museums daherkommt und den Bau der TITANIC in den historischen Kontext der Hauptstadt Nordirlands und deren Entwicklung rückt, wird man in „The Shipyard” unvermittelt Zeuge des Werftalltags. Denn eine Art Geisterbahn nimmt einen hier mit auf eine kurze Fahrt entlang eines Nachbaus des Hecks der TITANIC, deren Ruder allein mit 24 Metern Höhe fast furchteinflößend groß war. Nimmt man dazu die Geräusche der Hämmer, mit denen der Stahlrumpf des Schiffes vernietet wurde und die Rufe der Werftarbeiter, die sich am Flussufer mit den Schreien der Möwen vermischten, fühlt man sich für einen Moment ins Jahr 1911 zurückversetzt, als die TITANIC bei Harland & Wolff kurz vor ihrem Stapellauf stand. Ebenjener („The Launch”) ist dann Teil der dritten Galerie, die sich passenderweise in einem Teil des Gebäudes befindet, von dem aus man direkt auf den berühmten „TITANIC Slipway” hinunterblicken kann.

100.000 Menschen haben damals die Ufer des Lagan gesäumt, um den Moment mit zu verfolgen, in dem das Schiff in sein Element glitt. Einige davon waren für das Ereignis extra aus England oder Amerika angereist. Im Jahr 2013 dagegen liegt fast so etwas wie Totenstille über der Szenerie. Wo die OLYMPIC und TITANIC gebaut worden sind, markieren heute lediglich blaue Leuchtstreifen im Boden ihre Umrisse; Bänke stehen auf dem längst zubetonierten und mit Gras überwuchertem Helgen an derselben Stelle, wo sie auch auf dem Achterdeck der TITANIC gestanden haben. Und links und rechts davon markieren Laternen die Positionen, wo einst der große Arrol Gantry gestanden hat, jene gigantische Gerüstkonstruktion, über welche die einzelnen Bauteile in die Rümpfe der beiden White Star Liner gelangt sind.

„The Fit-Out” beschäftigt sich in der Folge mit der Inneneinrichtung und dem Layout der TITANIC. Nachbauten der Kabinen aller drei Klassen lassen auch hier die Vergangenheit lebendig werden, doch das Highlight dieser Galerie ist zweifellos die atemberaubende Videotour, die den Besucher mittels einer Großbildleinwand auf eine virtuelle Reise quer durch das Schiff mitnimmt – vom Maschinenraum bis zur Kommandobrücke. Weiter geht es durch den Bereich „The Maiden Voyage”, in dem der Besucher Details über die einzelnen Stationen der verhängnisvollen einzigen Fahrt der Titanic erfährt, ehe „The Sinking” auf den Untergang des Liners eingeht. Dieser Teil des Museums bleibt als einziger erstaunlich blass gegenüber den übrigen. Zwar veranschaulichen auch hier die Audio-Kommentare von Überlebenden und die abgebildeten Zeitungsberichte aus jener Zeit die Trauer und den Schrecken,

den der Untergang der TITANIC damals über die westliche Welt brachte. Aber Antworten auf letzte Fragen nach dem Unglückshergang bleibt „TITANIC Belfast” schuldig. Aus gutem Grund vielleicht, denn wo jeder aufrechte Einwohner Belfasts noch heute beteuert „She was alright when she left here”  („Sie war in Ordnung, als sie Belfast verließ”), ist dies wahrscheinlich nur die halbe Wahrheit. Forscher haben in den 1990er Jahren herausgefunden, dass Harland & Wolff beim Bau der TITANIC Eisen- und Stahlnieten von minderer Qualität verwendet hat, die bei der Kollision mit dem Eisberg nur so aus dem Rumpf herausgeplatzt sind und dadurch zum schnellen Untergang des Schiffes beigetragen haben. Darüber verliert die Ausstellung kein Wort und geht stattdessen schnell in „The Aftermath” über, wo die Verhandlung über den Unglückshergang in Wort, Bild und Ton rekapituliert wird und wo die Besucher in interaktiven Passagier- und Crew-Listen Einzelschicksale aufrufen können. „Myths & Legends” schließlich behandelt die Verarbeitung des Untergangs der TITANIC in Filmen, Theaterstücken, Büchern und Gedichten, während in „TITANIC Beneath” die Geschichte der Wiederentdeckung des Wracks im Jahr 1985 erzählt wird.

Keine Frage, „TITANIC Belfast” ist ein erstklassiges Museum mit vielen faszinierenden Fotos, Videos, Audio-Kommentaren und Artefakten, die die TITANIC im Geist lebendig werden lassen. Doch im Gegensatz zur formidablen Wanderausstellung „Exhibition TITANIC”, im Rahmen derer diverse vom Meeresboden geborgene Originalteile des Wracks nicht nur gezeigt, sondern auch geschickt in Szene gesetzt werden, will der Funke in dem neugebauten Belfaster Museum am Ende nicht so recht überspringen.

Inhaltlich bleibt die Ausstellung vielerorts erstaunlich oberflächlich, und selbst wenn man zwei oder drei Stunden in „TITANIC Belfast” verbringt, fühlt man sich nach dem Besuch nicht so „erschlagen” von Eindrücken, wie dies z. B. das Internationale Maritime Museum in Hamburg schafft. Doch vielleicht geht dies auch nur eingefleischten Schiffsliebhabern so, denn die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 425.000 Besucher hatte die Stadt für das erste Jahr prognostiziert, 807.000 sind es geworden – ein klarer Beleg dafür, dass das Konzept aufgegangen ist, die TITANIC 100 Jahre nach ihrem Bau in Form eines modernen Museums wiederauferstehen zu lassen. Am 30. Juli 2013 konnte man bereits den einmillionsten Besucher willkommen heißen.

Dabei muss sich der Interessierte nicht einmal auf das Museum alleine beschränken, wenn er seinen Wissensdurst in Sachen TITANIC stillen will. Gleich neben „TITANIC Belfast” bieten fachkundige Führer Touren durch die Backsteingebäude an, die früher die Verwaltungsgebäude von Harland & Wolff und die Konstruktionsbüros der Werft beherbergt haben. Und einen kurzen Fußmarsch weiter steht inzwischen auch das Thompson Graving Dock nebst Pumpenhaus zur Besichtigung offen. Auch dieses damals größte Trockendock der Welt hatte man 1910 speziell für die OLYMPIC und TITANIC errichtet, um die Schwesterschiffe ausrüsten zu können, nachdem sie vom Stapel gelaufen waren. Heute kann man auf den Boden des Docks hinuntersteigen und die Dimensionen erahnen, welche die „Old Reliable” (die OLYMPIC wurde erst 1935 verschrottet) und ihre berühmte Schwester vor 100 Jahren zu den größten Schiffen ihrer Zeit gemacht haben.

 

Die NOMADIC

Etwas kleiner als OLYMPIC und TITANIC, aber kaum weniger interessant, ist dagegen ein anderes Schiff, das ebenfalls auf -ic endet und das im Gegensatz zum berühmten Atlantikliner noch in toto zu bestaunen ist. Dabei handelt es sich um die NOMADIC, jenes 57 Meter lange Passagierschiff, das in Cherbourg die Passagiere der Ersten und Zweiten Klasse vom Hafen zur auf Reede liegenden TITANIC (und OLYMPIC) gebracht hat, da die Liner damals zu groß für den französischen Hafen waren. Die NOMADIC kann seit Juni 2013 besichtigt werden, doch bis es dazu kommen konnte, hatte es einer wahren Odyssey des Schiffes bedurft. Entstanden war sie (zusammen mit ihrem Schwesterschiff TRAFFIC) zur selben Zeit und auf derselben Werft wie OLYMPIC und TITANIC, praktisch nur einen Steinwurf entfernt von den beiden große White Star-Linern. Und während sie zur TITANIC aus bekannten Gründen nur ein einziges Mal Passagiere brachte, leistete sie der OLYMPIC treue Dienste und zählte u. a. Marie Curie und Charlie Chaplin zu ihren Passagieren.

Als nach einer Hafenerweiterung 1934 die großen Atlantikliner dann doch endlich im Hafen von Cherbourg selber Platz fanden, verkaufte die White Star Line den Tender. Allerdings musste man in dem französischen Hafen nach 1945 wieder zum altbewährten Prinzip des Tenderns zurückkehren, nachdem die Kaianlagen im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden erlitten hatten. So kehrte die zurückgekaufte NOMADIC kurzerhand in die Dienste ihres alten Arbeitgebers zurück und blieb bis 1968 in Cherbourg stationiert. In jenem Jahr wurde aus der stolzen NOMADIC ein Ausflugsdampfer auf der Seine, der im Jahr 2005 so heruntergekommen war, dass er in Paris kurz vor der Verschrottung stand. Glücklicherweise hatte man zu diesem Zeitpunkt große Pläne für das TITANIC Quarter in Belfast und dort nicht nur ein Herz, sondern auch die nötigen finanziellen Mittel, die NOMADIC zurück an ihren Geburtsort zu holen, was ein Jahr später dann auch geschah. 2008 in das „National Register of Historic Vessels” aufgenommen, konnte man nun daran gehen, den TITANIC-Tender wieder so instand zu setzen, dass man ihn 2012 zusammen mit dem neuen Museum der Öffentlichkeit präsentieren konnte. Und wer kam für diesen Job besser in Frage als die Bauwerft des Schiffes? Exakt 90 Jahre nachdem Harland & Wolff sie fertiggestellt hatte, nahm sich die Werft der NOMADIC also ein zweites Mal an, diesmal aber, um sie nach Jahren der Vernachlässigung so originalgetreu wie möglich wieder herzurichten. Pünktlich zur Einweihung von „TITANIC Belfast” wurde man damit zwar nicht fertig, aber seit dem 1. Juni 2013 steht auch dieses letzte erhaltene Schiff der White Star Line Besuchern im altehrwürdigen Hamilton Dock zur Besichtigung offen.  

 

Ein Schiff wird kommen

Doch während „TITANIC Belfast” zu einem Publikumsmagnet weit über die Stadt hinaus avanciert und das TITANIC Quarter langsam, aber stetig Gestalt annimmt, wirft bereits ein weiteres maritimes Ereignis seinen Schatten auf die Stadt. Und damit ist nicht einmal das nächste Tall Ship Race gemeint, das am 2. Juli 2015 in Belfast seinen Startpunkt haben wird und neben diversen Großseglern auch wieder Hunderttausende von Besuchern anziehen wird. Den Schatten wirft vielmehr ein Schiff, das es noch gar nicht gibt, dessen Baubeginn Ende 2013 aber kurz bevor stand. Das Schiff trägt den Namen TITANIC II und ist als Luxus-Kreuzfahrtschiff geplant, das in Abmessungen, Layout und Inneneinrichtung dem Original aus dem Jahr 1912 so nahe wie möglich kommen soll. Finanziert von dem australischen Milliardär Cllive Palmer und entworfen von der finnischen Firma Deltamarin, schloss Palmer 2012 über den Bau des Schiffes einen Vorvertrag mit der chinesischen Jinling Werft. Die Firma V-Ships Leisure wurde inzwischen als Management-Partner ernannt und Tillberg Design mit Entwürfen zu Details der Inneneinrichtung und -architektur beauftragt, während die Klassifikationsgesellschaft Lloyds Register die Oberaufsicht über alle technischen und Sicherheitsbelange beim Bau der TITANIC II zugesprochen bekam.

Im September 2013 fanden Modelltests für das Schiff in der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA) statt, nach deren Abschluss mit der endgültigen Vergabe des Bauauftrages für das Schiff gerechnet wird, das 2016 abgeliefert und in Dienst gestellt werden soll. Natürlich gibt es bis jetzt noch keine (veröffentlichten) Pläne für die Jungfernfahrt der TITANIC II und auch keine Termine, wann Ablieferung, Überführungsfahrt und Taufe des Schiffes erfolgen sollen. Eines ist jedoch sicher: Bei all der Leidenschaft, die Palmer bisher in sein Projekt gesteckt hat, darf man getrost annehmen, dass seine TITANIC II früher oder später auch Belfast einen Besuch abstatten wird. Und wenn die erste Reise des Liners genauso originalgetreu ausfällt wie das Schiff selber, wird es Belfast sogar als allerersten Hafen überhaupt anlaufen, noch vor dem Beginn der geplanten Jungfernfahrt von Southampton nach New York. Natürlich ist dies alles noch reine Spekulation. Aber eben auch ein Traum, den viele TITANIC-Fans hegen, nicht nur in Belfast. Ob er am Ende tatsächlich wahr wird, wird sich jedoch schon bald herausstellen, sobald die TITANIC II im fernen Nanjing Gestalt annimmt. Und wenn sie dann tatsächlich nach Belfast kommen sollte, wird es trotz des australischen Geldgebers, trotz der skandinavischen Designer und trotz der chinesischen Bauwerft auch an den Ufern des Lagan Tränen der Rührung geben. Warme Worte für all die Männer (und Frauen), die die erste TITANIC gebaut haben, und vielleicht wird es dann sogar auch wieder heißen: „Rule Britannia, Britannia rule the Waves”. Zumindest im pro-britischen Ostteil der Stadt.

 

Weiterführende Links:

Belfast: www.visit-belfast.com

TITANIC Quarter: www.titanic-quarter.com

TITANIC Belfast: www.titanicbelfast.com

SS NOMADIC: www.nomadicbelfast.com

TITANIC II: www.bluestarline.com.au

 

Praktisch zu Füßen des Museums „TITANIC Belfast” ist mit der NOMADIC das letzte erhaltene Schiff der White Star Line in einem alten Werftdock zu besichtigen.Praktisch zu Füßen des Museums „TITANIC Belfast ist mit der NOMADIC das letzte erhaltene Schiff der White Star Line in einem alten Werftdock zu besichtigen.

Harland & Wolff Anfang 1912 – links am Kai die fast fertiggestellte NOMADIC, im Hintergrund der Rumpf der im Bau befindlichen TITANIC.
Harland & Wolff Anfang 1911 – links am Kai die fast fertiggestellte NOMADIC, im Hintergrund der Rumpf der im Bau befindlichen TITANIC.

Wie in diesem Nachbau eines stählernen Werfttors von Harland & Wolff verknüpft die Ausstellung geschickt historische Großaufnahmen mit Exponaten „zum Anfassen”Wie in diesem Nachbau eines stählernen Werfttors von Harland & Wolff verknüpft die Ausstellung geschickt historische Großaufnahmen mit Exponaten „zum Anfassen.

 

Rekonstruktion eines Arbeitsplatzes auf dem Helling von Harland & Wolff, wo die Rumpfplatten und Stahlspanten der Schiffe miteinander vernietet wurden. Rekonstruktion eines Arbeitsplatzes auf dem Helling von Harland & Wolff, wo die Rumpfplatten und Stahlspanten der Schiffe miteinander vernietet wurden.

Das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute backsteinerne Pumpenhaus des Thompson Graving Dock ist einer der letzten architektonischen Zeugen der alten Belfaster Großwerft Harland & WolffDas Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute backsteinerne Pumpenhaus des Thompson Graving Dock ist einer der letzten architektonischen Zeugen der alten Belfaster Großwerft Harland & Wolff.

 

Im Thompson Graving Dock bekamen OLYMPIC und TITANIC vor ihrer Ablieferung 1911 / 1912 ihren letzten Schliff. Heute ist das Trockendock nicht mehr in Benutzung und kann besichtigt werden.Im Thompson Graving Dock bekamen OLYMPIC und TITANIC vor ihrer Ablieferung 1911 / 1912 ihren letzten Schliff. Heute ist das Trockendock nicht mehr in Benutzung und kann besichtigt werden.

Fast wie neu lädt die frisch restaurierte NOMADIC im Hamilton Dock des „TITANIC Quarter” zur Besichtigung ein. Fast wie neu lädt die frisch restaurierte NOMADIC im Hamilton Dock desTITANIC Quarter zur Besichtigung ein.  

Ihr ursprüngliches Einsatzgebiet weist der alte Heimathafen der NOMADIC am Heck aus; in Cherbourg brachte der Tender einst Passagiere zur auf Reede liegenden TITANIC und OLYMPIC.Ihr ursprüngliches Einsatzgebiet weist der alte Heimathafen der NOMADIC am Heck aus; in Cherbourg brachte der Tender einst Passagiere zur auf Reede liegenden TITANIC und OLYMPIC.

 Ein Reedereiplakat der White Star Line zeigt die
TITANIC in voller Fahrt. Die Abkürzung TSS steht für
„Turbine Steam Ship

Ein Reedereiplakat der White Star Line zeigt die

TITANIC in voller Fahrt. Die Abkürzung TSS steht für

„Turbine Steam Ship. Foto: Dover Vintage Ocean Liners

Die TITANIC-Schwester OLYMPIC wurde 1911 von Harland & Wolff in Belfast gebaut und ging als „Old Reliable” (die „gute alte Zuverlässige”) in die Geschichte der Passagierschifffahrt ein.

Die TITANIC-Schwester OLYMPIC wurde 1911 von Harland & Wolff in Belfast gebaut und ging als „Old Reliable (die „gute alte Zuverlässige) in die Geschichte der Passagierschifffahrt ein. Foto: Dover Vintage Ocean Liners

 

Nur wenige Tage in Fahrt gewesen und doch bis heute unsterblich – die TITANIC.Nur wenige Tage in Fahrt gewesen und doch bis heute unsterblich – die TITANIC. Foto: White Star Photo Library

 

Durch das vorne halb geschlossene Promenadendeck war die TITANIC von außen sofort von ihrem Schwesterschiff OLYMPIC unterscheidbarDurch das vorne halb geschlossene Promenadendeck war die TITANIC von außen sofort von ihrem Schwesterschiff OLYMPIC unterscheidbar.

Foto: White Star Photo Library

Nur das neue Sicherheitsdeck mit den halb im Schiffsrumpf eingelassenen orange-farbenen Rettungsbooten unterscheidet die neue TITANIC II äußerlich von ihrem berühmten NamensvetterNur das neue Sicherheitsdeck mit den halb im Schiffsrumpf eingelassenen orange-farbenen Rettungsbooten unterscheidet die neue TITANIC II äußerlich von ihrem berühmten Namensvetter. Foto: Blue Star Line

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