Heute schon ein Klassiker: Die VISTAMAR mit ihrem offenen Promenadendeck, klassischen Achterdeck und ihrem charakteristischen Schornstein.

Oliver Schmidt




„Hey, wie im Traum einer Märchenwelt ...“ – so beginnt der „VISTAMAR-Song“. Und just darin liegt die Stärke des kleinen, spanischen Ferienkreuzers, der eigentlich mehr aussieht wie eine Yacht: Er entführt die Passagiere auf märchenhafte Routen, die sie mit keinem anderen Schiff der Drei-Sterne-Plus-Kategorie entdecken können (und kein anders Schiff hat in den letzten fünfzehn Jahren seinen Passagieren zu solch moderaten Preisen Fahrten in die Antarktis, nach Grönland oder auf dem Amazonas angeboten).

Die Initiative dazu geht zurück auf den heutigen Senior-Kapitän der VISTAMAR, den bekannten deutschen Abenteurer Raimund Krüger, der gleich zu Anfang sechs eistaugliche Expeditionsschlauchboote anschaffte, um in unwegsamem Gelände ausbooten zu können. Mit diesem Schritt wurde die VISTAMAR bereits im ersten Jahr nach ihrer Indienststellung zeitweise vom Ferienschiff zum Expeditions-Kreuzer. Seit nun über zehn Jahren fährt das Schiff erfolgreich im Vollcharter bei plantours & Partner in Bremen. Der Charakter des 7500-Tonners jedoch ist bis heute untrennbar mit der Handschrift Raimund Krügers verbunden. Er fährt noch immer auf einigen Reisen als Seniorkapitän mit und begleitet „seine“ alten Passagiere, fungiert als Eislotse und Repräsentant des Veranstalters.

Auf den Explorer-Routen wie auch auf allen anderen wird das Schiff – auf Santa Cruz de Tenerife beheimatet – von spanischen Kapitänen geführt, wie auch die nautische Crew aus Spanien stammt. Im Übrigen arbeiten an Bord zwanzig Nationalitäten; Bordsprache ist jedoch deutsch. Das Publikum stammt sämtlich aus dem deutschsprachigen Raum: plantours akquiriert einen Großteil der Passagiere über Leserreisen in deutschen Zeitungen; die günstigen Angebote werden aber zunehmend auch von überzeugten Repeatern aus dem plantours-Katalog gebucht. Das Publikum sind vornehmlich Endfünfziger bis weit hinein ins Pensionsalter; der Repeateranteil hängt stark davon ab, wie viele Leserreisen-Gruppen jeweils an Bord sind.

 

Die Bootsdeck-Promenade führt einmal rund ums Schiff.

 

Die Außendecks setzen sich aus vielen kleinen Flächen und Promenaden zusammen.

 

Hinter den Glasscheiben gibt es windgeschützte Liegestuhlplätze mit Sicht in Fahrtrichtung

 

Ein Gang über die Außendecks zeigt eine Vielzahl verschiedener Ecken, Promenaden und freier Decksflächen auf mehreren Ebenen. Auf den vorderen Aufbauten ist durch Plexiglasscheiben ein Teil abgetrennt; dahinter liegt es sich auch bei starkem Fahrtwind gut und geschützt. Über Teilen des vorderen Decks sind zudem Sonnensegel gespannt. Auf dem obersten Außendeck gibt es eine Shuffleboard-Anlage. Leider sind die Decks nur mit grünen Kunststoff-Auflagen statt mit Holz belegt (jedoch mit rutschfestem, wasserabweisendem Kunststoff – nicht zu verwechseln mit Kunstrasen!). Zudem kann man die VISTAMAR umrunden, ohne Treppen steigen zu müssen. Ein zusätzlicher Balkon in Fahrtrichtung befindet sich ein Deck unter der Brücke und ermöglicht auch den Passagieren der unteren Decks einen schnellen Blick nach draußen. Der Pool liegt auf dem Achterdeck, eine Treppe tiefer als die übrigen Außendecks. Er ist jedoch auch durch den davor liegenden Musiksalon erreichbar. Zum Schwimmen bietet er keine riesigen Ausmaße, der hohe Rand ist jedoch wesentlich weiter gefasst als das eigentliche Schwimmbecken, so dass eine Fläche entsteht, auf der man sich das kühle Nass um die Füße spielen lassen kann. Zusätzlich gibt es einen kleinen Whirlpool, der aber nur mit Wasser gefüllt wird, wenn der „Pisciniero“ (der zuständige Matrose) besonders gute Laune hat. Leider ist der Pool nicht beheizbar und kann deshalb nur auf Sonnenrouten benutzt werden. Im Außenbereich am Pool gibt es eine eigene Bar, die für Frühschoppen oder abendliche Grillparties (sehr stilvoll und gerne besucht!) zum Buffet umfunktioniert wird. Auf allen Decksflächen gibt es sowohl Liegestühle wie auch Sonnenliegen reichlich, in der Sonne oder im Schatten, und die jeweils passenden Auflagen dazu.

Auf diesem kleinen Schiff sind im achteren Bereich leise Maschinengeräusche hörbar, die Vibrationen aber sind vergleichsweise sehr gering.

 

Herzstück, Treffpunkt und Clou des Schiffsarchitekten:

Das Vestibül mit Glasaufzug, das vier Decks miteinander

verbindet.

 

Come Together

Auf kaum einem anderen Schiff lässt sich das Herzstück der öffentlichen Räume als Treffpunkt aller Passagiere so eindeutig ausmachen wie auf der VISTAMAR.  Ein Vestibül mit Glasaufzug zieht sich vier Decks aus dem Foyer empor. Auf jedem Deck darüber eine rundum laufende Galerie, in die auch die Eingänge zu Frisör, Boutique, Bibliothek, Spielzimmer, Fitness-Center und Hospital integriert sind. Jedes Deck hat hier eine bestimmte Farbe; dieses „Farbleitsystem“ macht auch Neulingen das Zurechtfinden vom ersten Tag an leicht. Roter Teppichboden, helles Holz, Grünpflanzen und chromblitzende Geländer schaffen in dem lichtdurchfluteten Zentrum eine wirklich angenehme Atmosphäre und mehr als nur einen Hauch von Eleganz. Auf der Grundfläche befinden sich die Rezeption und in einem Nebenraum das Bordreisebüro. Auf einer Tafel werden stets Landgangsinformationen angepinnt, mit Stadtplänen, Besichtigungsvorschlägen etc. Gegenüber der Rezeption befindet sich der Eingang zum Restaurant.

Dieses Atrium ist jedoch nicht nur ein Treffpunkt und Augenschmaus, sondern ein genialer Clou des Schiffsarchitekten: Er realisierte damit eine vollständige Trennung zwischen dem ruhigen Kabinentrakt im vorderen Teil des Schiffes und den achteren Gesellschaftsräumen. Gleichzeitig konnte man dadurch im hinteren Bereich die Deckenhöhe variieren: Wo vorne vier Decks untergebracht sind, gibt es hinten nur drei Gesellschaftsräume (Restaurant mitgerechnet), die dafür mit einer Deckenhöhe von etwa 2,70 bis 2,80 Meter sehr großzügig wirken. Allerdings ist das Schiff damit nicht mehr für Rollstuhlfahrer geeignet, denn am Eingang jeden Gesellschaftsraumes sind einige Stufen zu überwinden. Dies voraussetzend, wurde auch auf weitere Einrichtungen wie Rampen an den Außentüren von vornherein verzichtet.

 

Bordeinrichtungen

Die meisten der Schiffseinrichtungen und öffentlichen Räume sind von den Galerien des Foyers aus erreichbar. Die kleineren Räume liegen in den Ecken, die zwischen dem Rund des Vestibüls und der Bordwand zwangsläufig entstehen. Es ist dies auf einem der Decks ein Spielzimmer mit allerhand Brettspielen und entsprechenden Spieltischen, ein Deck höher die Bibliothek. Obgleich mit rund sieben laufenden Metern Bücher nicht allzu üppig bestückt, erfreut sie sich regen Zulaufs. Sie ist gemütlich eingerichtet, mit Schreibtisch und tiefen Ohrensesseln, die wahrlich zu einem Schmökerstündchen einladen – in aller Ruhe, aber mit einem Blick durch die geöffnete Tür ins Foyer. Neben den erwähnten Bänden (in erster Linie Unterhaltungsliteratur, darunter jede Menge Reader’s Digest Auswahlbände) gibt es noch einige Bildbände. Zusätzlich ein paar Klassiker und v.a. Reiseführer der gängigsten Ziele würden nicht schaden. Hier in der Bibliothek liegen auch die täglichen Nachrichten der deutschen Rundschau aus.

 

Nicht üppig, aber den Passagier-Ansprüchen genügend: Das Fitness-Center.

 

Auf dem obersten Deck, neben dem Hospital, befindet sich ein Fitness-Center. Den meisten Passagieren genügen die drei Fitness-Geräte (Laufband, Fahrrad, Stepper), man beobachtet kaum je wirklichen Andrang. Die Sprossenwand macht in einem Raum von gut zwei Metern Deckenhöhe allerdings nicht wirklich Sinn ... Dahinter befindet sich die überaus unglückliche Kombination von Massage und Sauna – in einem Raum. Es ist somit die Sauna nur nach vorheriger Absprache und außerhalb der Massagetermine nutzbar; freilich kann von Schwalldusche oder gar Tauchbecken ebensowenig die Rede sein wie von einem Ruheraum oder Sauna-Getränken. Nach dem, was sich ein Kreuzfahrer landläufig unter einer Bordsauna vorstellt, sollte der Verweis auf ihr Vorhandensein im Prospekt besser unterbleiben. Dass dieses zweifelhafte Sauna-Vergnügen noch mit einer ganz flotten Gebühr berechnet wird, macht die Sache keineswegs besser. Die Massageabteilung hingegen wird stets von einer guten Fachkraft geleitet, die Verspannungen und leichte Rückenleiden gut und zu passablen Preisen in den Griff bekommt. Weiter achtern befindet sich noch die Fotogalerie; der Fotoservice ist unauffällig und freundlich, die Qualität der Bilder bei den üblichen Preisen hervorragend. Zusätzlich zur Bordwäscherei steht den Passagieren ein Bügelraum zur Verfügung. Die Bordboutique ist besonders mit Artikeln des täglichen Bedarfs erstaunlich gut sortiert. Spezial-Shampoos, Einmalrasierer, Fusselbürsten, Rei in der Tube, Fotobatterien – alles ist vorhanden.

 

Wir bitten zu Tisch

Das tut das Küchen- und Restaurant-Team der VISTAMAR stets in einer Sitzung. Diese Möglichkeit ist vor allem auf den Explorer-Routen von großem Vorteil, und die Küche zeigt hohe Flexibilität, wenn es darum geht, eine Mahlzeit spontan um zwei Stunden zu verschieben oder vorzuziehen, um sich dem Landgangs-Programm anzupassen. Die Tischplatzreservierung ist bereits vorab erfolgt. Wünsche werden bei der Buchung erfragt und nach Möglichkeit berücksichtigt.

 

Großzügiges Restaurant mit maritimem Touch: Im Andalucia finden alle Passa-giere gleichzeitig Platz.

 

Alle Hauptmahlzeiten werden im Restaurant Andalucia gereicht. Mit seinen (bequemen!) Rattanmöbeln, einem großen Segelschiff als Blickfang und Panorama-Scheiben für den Blick nach draußen wirkt es offen und freundlich. Dort gibt es ein gut sortiertes Frühstücksbuffet, das neben verschiedenen Brot-, Brötchen-, Wurst- und Käsesorten, Marmeladen, Früchten, Joghurt und Produkten von Kellogg’s & Co. auch Lachs oder Makrele sowie allmorgendlich ein kleines Extra (z.B. Bratäpfel, Blaubeerpfannkuchen) bereit hält. Die Frühstückszeit (meist zwei Stunden), die nicht selten um 9.00 Uhr endet, ist nicht eben spätaufsteher-freundlich. Säfte und Heißgetränke werden vom Steward am Tisch serviert, ebenso Omeletts, Rühr- oder Spiegelei, die in der Küche frisch zubereitet werden.

Zu Lunch und Dinner werden weißer und roter Tischwein kostenlos (und wirklich bis zum Abwinken!) gereicht. Mittags und abends umfasst die Speisekarte je eine Vorspeise, zwei Suppen zur Auswahl, abends noch ein Zwischengericht, sowie drei Hauptgerichte. Mittags ist darunter ein deftiges Angebot aus der Region oder


aus der Mannschaftsküche. Zum Dessert gibt’s zwei Auswahlmöglichkeiten; neben der „Eiscreme des Tages“ (die sich allzu oft wiederholt und in ihrer Präsentation an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten ist) wird jeweils eine Alternative (Kuchen, Pudding) angeboten. Auch Kaffee oder Tee zum Abschluss sind inkludiert. Salat, frische Früchte (durchaus auch Mangos, Papayas etc.) und Käse holt man sich am Buffet. Allerdings sind die Durchgänge dort ein wenig eng geraten, zeitweise gibt’s „Stau“. Der Service ist unauffällig, freundlich und von persönlichem Kontakt geprägt; das Personal spricht ausreichend deutsch. Viele der Servicekräfte sind für die Repeater schon altbekannte Gesichter. Der indische Küchenchef hat sich bestens auf seine Passagiere eingestellt, auch „urdeutsche“ Gerichte (Roulade mit Rotkohl, paniertes Schnitzel) werden perfekt zubereitet und mild (bisweilen zu mild) gewürzt. Insgesamt spenden die Passagiere der Küche viel Lob. Sonderwünsche werden gern erfüllt, Diätgerichte gibt es auf Anfrage.

 

Das nachmittägliche Kuchenbuffet ist gut sortiert: Kuchen, Sandwich und Kekse.

 

Außer den Hauptmahlzeiten (zu denen es keine Alternativen an Deck oder in einer Bar gibt), wird jeden Nachmittag im Musiksalon Kaffee, Tee und Kuchen gereicht. Hierbei ist die Auswahl überaus gut; zu fünf Kuchensorten kommen Kekse, oftmals Vanillesoße und für diejenigen, die eine Mahlzeit verpasst haben, auch noch herzhafte Sandwiches und belegte Brötchen. An Seetagen wird die Teestunde von der Band musikalisch untermalt.

 

Der Veranda-Club – Schlussbar und Räumlichkeit für Veranstaltungen im kleinen Kreis.

 

Um 23.00 Uhr oder 23.30 Uhr (je nach Abendprogramm) kommt noch ein Mitternachts-Imbiss im Veranda-Club (Hackfleischbällchen, Crêpes Suzette o.ä.).

Schwachpunkt bei den Mahlzeiten ist – wie auf so vielen Schiffen – der „Einschiffungs-Snack“. Wenn die Passagiere über viele Stunden verteilt anreisen, dann ist ein reguläres Dinner im Restaurant, das den später Ankommenden nur ein paar weiche Brötchen übrig lässt, nicht die beste Lösung. Ein großes kaltes Buffet für alle täte bessere Dienste – auch im Sinne des „ersten Eindrucks“, der ja bekanntlich entscheidend ist.

Das klassische Gala-Buffet ist auf der VISTAMAR im Laufe der Jahre zu einem „rustikalen Buffet“ geworden. Obwohl damit allzu überzogenen Ansprüchen der Passagiere entgegen gewirkt wird, hält dieses ansprechend gestaltete Delikatessen-Feuerwerk jedem Vergleich mit anderen Schiffen stand. Spanferkel, Lachs und Shrimps kommen mit edlen Salaten und putzig angerichteten Desserts daher. Meist sind in Erinnerung an die vielen Antarktis-Kreuzfahrten etliche Pinguine aus Ei oder Marzipan mit von der Partie. Mit Rücksicht auf alle Buffet-Muffel wird diese Extra-Delikatesse nicht anstelle eines Dinners, sondern abends um 23.00 Uhr im Veranda-Club angeboten. Ein klassisches Gala-Dinner wird an einem anderen Abend außerdem noch serviert.

 

Der Musiksalon Don Fernando fasst alle Passagiere gleichzeitig. Die Bar ist als Treffpunkt integriert; die Deckenhöhe verleiht dem Raum seine Großzügigkeit.

 

It’s Showtime

Die Abendunterhaltung findet auf der VISTAMAR in erster Linie im Musiksalon Don Fernando statt. Und was sich auf seiner Bühne tummelt, kann sich durchaus sehen lassen: Auf den meisten Kreuzfahrten sind internationale Künstler an Bord, das kann mal ein französischer Chansonnier sein, Akkordeonspieler oder auch der Komponist des VISTAMAR-Songs höchstpersönlich, der farbige Jazz-Sänger Gene Williams. Die schon erwähnte Deckenhöhe im Don Fernando macht auch Tanzauftritte mit Hebefiguren problemlos möglich. Im Hintergrund sitzt stets eine erstklassige Band, die nicht nur die Künstler begleitet, sondern nach der Show auch (erfolgreich! – das Parkett ist gut gefüllt!) zum Tanz aufspielt. Die Einrichtung des Don Fernando bietet zudem für jeden die richtige Sitzgelegenheit: An den Seiten kuschelige Sofaecken (mit guter Sicht!), in der Mitte die üblichen Cocktailtische mit Sesseln, aber auch die Bar und die seitlichen Stehtische sind voll integriert. Dass man auf diesem kleinen, übersichtlichen Schiff hier auch tagsüber stets nette Mitreisende für ein Schwätzchen findet, empfinden die meisten Passagiere als besonders angenehm. Ruhiger geht’s im darüber liegenden Veranda-Club zu. Dort spielt abends ein Alleinunterhalter; bisweilen lässt sich ein Künstler auch zu einem Soloauftritt im kleinen Kreise hinreißen.

Tagsüber sind die Lektorate ein wichtiger Punkt in der Unterhaltung auf der VISTA-MAR. Stets hat man einen landeskundlichen Lektor (je nach Fahrtgebiet Meeresbiologe, Zoologe, Kartograph, Historiker) zur Verfügung, der mit (gut frequentierten) Lichtbildervorträgen auf die nächsten Häfen einstimmt, Hintergründe verständlich erklärt und praktische Tipps und Informationen gibt. Zudem finden das bekannte Bingo-Spiel, Shuffleboard- und Dart-Turniere statt, verschiedene Gymnastik- und Sport-Programme werden angeboten, Spieler-Treffs (Skat, Backgammon etc.) organisiert. An Seetagen finden Brückenführungen statt, und das tägliche Quiz bringt die Passagiere miteinander ins Gespräch. Gerne wird auch an Seetagen ein musikalischer Frühschoppen ins Programm genommen.

 

Klein, aber mein

Große Kabinen gibt es auf der VISTAMAR nur im Suiten-Bereich. Schließlich trägt dieser 7500-Tonner bis zu 300 Passagiere! Dafür aber sind die Kabinen überaus zweckmäßig eingerichtet und gut ausgestattet. Sowohl die Innen- wie auch die Außenkabinen haben den gleichen typischen Grundriss einer klassischen Schiffskabine: Links und rechts je ein Bett (ggf. Pullmann-Betten darüber), dazwischen ein schmaler Gang und ein Fenster (im unteren Bereich ein Bullauge. Ja, auch die Innenkabinen scheinen eines zu haben! An seiner Statt zeigen sie ein großes Wand-Dia mit maritimem Motiv, durch Neonlicht von hinten beleuchtet. So einfach ist es, auch einer Innenkabine einen gewissen Charme zu geben! Die Betten sind größer als auf jedem anderen Kreuzfahrtschiff (1,10 Meter breit) und mit Bettzeug nach deutschem Vorbild ausgestattet. Die Inneneinrichtung aus hellem Holz umfasst ein Nachtschränkchen, Schreibtisch (mit abschließbaren Schubladen) und in den oberen Kategorien noch eine zusätzliche Schubladen-kommode. Der Schrankraum ist selbst in den Vierbettkabinen noch ausreichend, auch genügend Kleiderbügel hängen bereit. Im Schrank ist zusätzlich ein Safe versteckt. Kabinenradio, Telefon und ein Fernsehgerät gehören überall zur Ausstattung. Letzteres zeigt das Bild einer Bugkamera, täglich drei verschiedene Spielfilme, zusätzlich selbst gedrehte Reisevideos von VISTAMAR-Kreuzfahrten, und je nach Empfangslage bis zu zehn gängige deutschsprachige TV-Programme. Allein die Klima-Anlage ist unglücklich platziert: Der Auslass für den kühlen Wind liegt direkt über dem Fußende eines der Betten, und die Passagiere übertreffen sich gegenseitig mit genialen Patenten (davor gestellte Koffer, Stühle und Decken), um dem steifen Nacken und der Erkältung zu entgehen. Dafür ist die Klima-Anlage nicht nur individuell regelbar, sondern kann auch gänzlich abgeschaltet werden. Die Kabinen sind untereinander akustisch gut getrennt; zum Gang hin allerdings ist die Abtrennung etwas hellhörig.

Nicht minder zweckmäßig konzipiert ist die Nasszelle, wobei Dusch- und Toilettenbereich schon recht eng sind. Ein Waschtisch aus Rosengranit mit passendem Bodenbelag gibt dem Minibadezimmer ein edles Äußeres, gute und funktionierende Armaturen sowie eine wirkungsvolle Duschabtrennung aus transparentem Kunststoff runden das Bild einer nicht nur optisch ansprechenden, sondern auch technisch durchdachten Nasszelle ab. Leider gibt es an Stauraum nur zwei winzige Borde über dem Waschtisch. An der anderen Seite ist der eingebaute Fön angebracht. Unter dem Waschtisch befinden sich keine weiteren Schränke; dafür allerdings ein Kunststoffhocker – eine gute Idee, die manch älterem Passagier sicher bei Seegang die Badbenutzung erleichtert.

 

Was sonst noch so auffällt

Sie wurden schon kurz erwähnt: Die Schlauchboote. Mit ihnen ist die VISTAMAR in Sachen Landgänge hochflexibel; viele ihrer Reisen wären ohne dieses Verkehrs-mittel sinnlos. Zudem machen die Fahrten mit diesen Zodiacs den Passagieren viel Freude. – Das Prädikat „familiär“ wird für viele Schiffe gebraucht, und nicht selten steht es als Synonym für mäßiges Niveau. Das ist auf der VISTAMAR anders. Auf keinem anderen Schiff hat der Autor bisher soviel echte Herzlichkeit zwischen den Passagieren, der Reiseleitung und auch der Crew erlebt. Da rollt bei manchem ein Abschiedstränchen – allerdings nur bei denen, die nicht schon die nächste Reise gebucht haben, und das sind etliche (50 Prozent Repeater). – Es fällt auf, dass insbesondere die Getränkepreise in den Bars überaus moderat geblieben sind. – Die Selbstbeurteilung (3 Sterne plus), die plantours an seinem Schiff vornimmt, ist voll gerechtfertigt. Die Leistungen, die man auf der VISTAMAR bekommt, sind, etwa mit dem Schlauchbootservice, etwas anders als auf anderen Schiffen. – Leider gibt es an Bord keinerlei Internet-Zugang für Passagiere. – Der Bekleidungs-Codex sieht pro Reise dreimal „festlich“ vor, die übrigen Abende verteilen sich auf „sportlichelegant“ (etwa ein Drittel) und „leger“ (etwa zwei Drittel). Die Vorschläge werden allerdings von den Passagieren je nach eigenem Gusto großzügig korrigiert. – Trinkgelder werden für das Restaurant- und Kabinenpersonal mit insgesamt 5 bis 6 € pro Tag und Person empfohlen; es wird jedoch deutlich hervorgehoben, dass es sich hierbei um eine freiwillige Gabe handelt. – Auf ausgesuchten Routen fährt ein Profi-Videofilmer mit, der erstklassige Videos von der Kreuzfahrt produziert und zum Kauf anbietet.

 

So mögen die Stammpassagiere ihre VISTAMAR: Nett,

persönlich, kuschelig.

 

Kreuz und quer und rundherum

Treffender könnte man die Routen, die die VISTAMAR fährt, nicht bezeichnen. Sie ist eine echte Weltenbummlerin, und eine überaus charmante dazu. Kaum ein kleines Kreuzfahrtschiff der Drei-Sterne-Plus-Kategorie, das so wendig und flexibel ist, ist so in aller Welt zu Hause. Dass die Expeditionsschlauchboote das Operationsgebiet beträchtlich erweitern, wurde schon gesagt. Die Fahrten mit diesen Booten sind natürlich im Reisepreis eingeschlossen. Die Antarktis war von Anfang an mit dabei (ein paar neue Routen in diesem Fahrtgebiet würden vielleicht die „alten Hasen nochmal an Bord locken), 1997 wurde die erste Grönland-Reise unternommen, anno 2003 kam der ganze Amazonas (von Belém bis Iquitos) dazu. Diese Routen sind nun regelmäßige Klassiker geworden. Neben den üblichen Sommerreisen auf Nordlandkurs ist die VISTAMAR im Mittelmeer, im Indischen Ozean und in der Karibik zu Hause; auch „Rund um Südamerika“ kommt bisweilen vor.

Unabdingbar für ein solch weites Einsatzgebiet ist eine kompetente, hochflexible Reiseleitung, die plantours auch stets zusammenzustellen versteht. Da hat jeder seine besondere Aufgabe, und wie alle anderen Besatzungsmitglieder versieht er diese mit viel Liebe zum Detail und zum Passagier. Das umfasst auch, ihn mit wirklich guten Landgangsinformationen für individuelle Exkursionen zu versorgen, so mit kopierten Stadtplänen, persönlichen Infos, ggf. einem Blick ins Internet über das Bordreisebüro oder, wenn möglich, einem örtlichen Touristenführer, der vor dem Schiff noch letzte Instruktionen gibt.

Außerdem sind auch die Preise für die organisierten Landausflüge im Vergleich zu anderen Veranstaltern des deutschen Marktes moderat und keinesfalls überzogen. Die Liegezeiten sind stets den jeweiligen Zielen angepasst, bis hin zu Abfahrtzeiten um 23.00 Uhr, etwa auf Mykonos.

 

Preise an Bord

Massage: Teilmassage (30 Minuten): 26 €, Ganzbehandlung (Beine/Rücken, 40 Minuten): 35 €, Ganzkörpermassage (60 Minuten): 50 €; Fußreflexzonenmassage (40 Minuten): 35 €

Sauna: 8 € pro Stunde und Person

Bordfotograf: 5 € pro Bild

Friseur: Herrenschnitt (trocken) 14,50 €; Waschen, Schneiden, Fönen: 20 €; Damen: Waschen, Schneiden Trocknen: 33,50 €; Coloration ab 22 €; Dauerwelle: 71 €

Boutique: T-Shirt: 16 bis 25 €; Sweat-Shirt: ab 20€ (mit VISTAMAR-Logo), Polo-Hemd 39 bis 69 €; Jeans: 69 bis 99 €; Herrenhemd: 49 bis 69 €, Binder: 10 bis 69 €; Windjacke: 95 bis 380 €

Bordwäscherei: Herrenhemd: 1,44 €; Hose: 2,52 €; Schlafanzug: 1,59 €; Damenbluse: 1,44 €; Hose: 2,52 €; Kleid: 3,61 €

Getränke (Kabine und bei Tisch): Flasche Mineralwasser (1 Liter): 2 €

Getränke (Bar): Beck’s Bier vom Fass (0,3l): 1,65 €, DAB-Pilsener (Flasche 0,33l): 2,10 €, Erdinger Weizen (0,5l): 2,70 €; verschiedene Whiskys (4cl): 2,10 bis 3,50 €, Fernet Branca, Ramazotti, Jägermeister (4cl): 2 €; Cola, Fanta, Sprite: 1,40 € Cocktails wie Kir Royal, Planter’s Punch: 3,20 €, Manhattan, Zombie: 3,30 €, Pina Colada, Black Russian: 3,40 €

 

Technische Daten der MS VISTAMAR

Vermessung: 7.500 BRZ

Passagierkapazität: maximal 300 Passagiere in 150 Kabinen auf 6 Decks

Besatzung: 110

Baujahr: 1989 (Valencia), vollständige Renovierung 2001

Länge: 121 m, Breite: 17 m

9 Expeditionsschlauchboote

Sicherheit: gemäß SOLAS 2001

Reisegeschwindigkeit: 16,5 Knoten

Flagge: Spanien 


Dieses Schiffsportrait entstand an Bord der VISTAMAR vom 11.-22.10.2004.

Der Swimming-Pool auf dem Achterdeck ist leider nicht beheizbar.