Weitaus größer als europäische Flusskreuzer: Die VIKING CENTURY SKY




Imke Schwarzrock

 




„Wer das Wasser beherrscht, dem gehört China.”

Mit dieser alten chinesischen Weisheit im Gepäck, leicht abgewandelt zu „dem gehört der boomende chinesische Tourismus-Markt“, hat Viking River Cruises im Februar 2005 sein zweites Flusskreuzfahrtschiff auf dem Jangtsekiang, Chinas längstem Fluss und wichtigster Verkehrsader, in Dienst gestellt. 

Die VIKING CENTURY SKY ist mit ihren fast 127 Metern das längste Passagierschiff auf dem Jangtse. Diese Länge schafft Platz: Platz für ein herrliches Foyer, dessen Lichthof bis zum Sonnendeck reicht und einen gelungenen Spagat zwischen schlichter skandinavischer Eleganz und chinesischem Pagodenstil vollführt, für zwei Außenfahrstühle, ein großzügiges offenes Sonnendeck plus überdachtem Barraum mit Panoramafenstern und vor allem für 153 Außenkabinen, jede mit eigenem Balkon, von denen selbst die kleinste Standardkabine mit 18 Quadratmeter den Vergleich mit ihren hochseegängigen Konkurrenten nicht zu scheuen braucht.

 

Ein Sonnendeck kann auch ohne Sonne schön sein

Auf einer Flusskreuzfahrt, besonders wenn sie wie im Falle des Jangtsekiang mit landschaftlichen Besonderheiten wie den „Drei Schluchten“ lockt, sollten möglichst viele Passagiere die Gelegenheit haben, möglichst lange möglichst viel zu sehen, und wenn es machbar ist, mit möglichst viel Komfort. Auf der VIKING CENTURY SKY ist es machbar. Das offene Sonnendeck mit seinen 40 Liegestühlen (Platz zum Aufstellen weiterer, falls die Nachfrage es verlangt, ist vorhanden) und vier sehr beliebten Gartenschaukeln bietet einen freien Rundum-Blick. Eine Sprinkleranlage zum Binden der Abgase der Schiffsmaschine sorgt für eine Minimierung der Geruchsbelästigung selbst auf dem Achterdeck. Eine überdachte umlaufende Promenade gibt es zwar nicht, aber die offene vordere Promenade, das von allen Kabinenkorridoren und -decks zugängliche Achterdeck, das auf mehreren Decks zugängliche Vordeck und der besonders bei nicht so idealen Wind- und Wetterverhältnissen sehr angenehme geschlossene Panorama-Bar-Bereich mit seinen 176 Sitzplätzen machen dies mehr als wett. Die von der Aussicht her schönste Stelle des Schiffes ist natürlich auch die gefährlichste, zumindest für die Nerven: hinter dem Typhon! Denn auf dem Jangtse – wie auch auf Chinas Straßen – wird viel, gern und selbstverständlich ohne Vorwarnung Signal gegeben. Aber wie bei vielen anderen Culture-Shocks wird der Passagier vor- und fürsorglich vom Cruise Management auf die „Gefahr“ hingewiesen.

Gute Aussicht auf den Fluss hat auch die ein Deck tiefer gelegene Observation Lounge mit einer weiteren Bar, die auch für das Frühaufsteher-Frühstück um 6 Uhr sorgt, einer kleinen Bühne, auf der allabendlich entweder europäische Live-Musik oder eine einheimische Show geboten wird und in der auch die täglichen Briefings und ggf. Vorträge stattfinden. Ebenfalls auf dem Observation Deck findet sich der sogenannte „Cigar Room“, der einzige geschlossene Raum an Bord, in dem dieser Leidenschaft gefrönt werden darf. Der Rest des Schiffes ist absolut rauchfrei, nur auf den Kabinenbalkons und auf dem offenen Sonnendeck wird eine Ausnahme gemacht. Die gegenüberliegende kleine Bibliothek ist gemütlich, aber noch sehr sparsam bestückt. Abhilfe ist versprochen und auch dringend erwünscht, da die gegenwärtige Ausstattung außer einigen Brett- und Karten-Spielen nur aus einer recht kleinen Auswahl deutsch- oder englischsprachiger Romane der Liebes- oder Kriminalvariante besteht, angereichert durch etwas Reiseliteratur über China. Der öffentliche Bereich auf diesem Deck wird durch eine kleine Boutique vervollständigt, die ebenfalls noch eher spärlich ausstaffiert ist. Auch in diesem Punkt wird aber von Viking versprochen, auf weitergehende Passagierwünsche einzugehen. Das wichtigste zum Stopfen von Ausrüstungslücken ist aber schon jetzt vorhanden: Toilettenartikel, Süßigkeiten, Getränke, Filme, Batterien und natürlich Jangtse- und Viking-Souvenirs.

Wer die Internet-Bar ein Deck tiefer nutzen möchte, sollte nicht nur Geduld mitbringen, sondern sich auf die notwendigsten Mails bzw. Netzabfragen beschränken. Ein Umstand, der wohl weniger dem Schiff als den landschaftlichen und techno-logischen Gegebenheiten des Gastgeberlandes anzulasten ist. Aber schließlich ist man im Urlaub, und das ewige Mobiltelefongeklingle ist schon genug Ausdruck universeller und allzeitiger Erreichbarkeit.

Zurück auf dem Hauptdeck findet man die rund um die Uhr besetzte Rezeption, außerdem eine kleine Sauna, die ebenso wie die vier Massageräume ständig und sehr weit im Voraus ausgebucht ist, und schließlich das Restaurant. Es ist zwar auf dem untersten Passagierdeck angesiedelt, aber die großen, zu öffnenden Fenster erlauben auch während der Mahlzeiten den Blick auf den Fluss. Feste Kleiderordnungen gibt es nicht, da Viking großen Wert auf eine legere Bordatmosphäre legt. Nur beim Kapitänsdinner ist festlichere Kleidung erwünscht. Diese ergab sich aber in den meisten Fällen durch die Präferenz der Passagiere ohnehin. Für die Mahlzeiten gibt es nur eine Sitzung, aber um pünktliches Erscheinen zu einem festen Zeitpunkt wird ebenfalls nur zum Kapitänsdinner gebeten, da das aufwändigere chinesische Viel-Gänge-Menü sonst an Reiz verliert. Eine feste Tischordnung gibt es weder während des Buffet-Frühstücks, das für kontinental-europäische und amerikanische Geschmäcker keinerlei Wünsche offen lässt, noch während Lunch oder Dinner. Ein Unterhaltungsprogramm während des Essens gibt es nur beim Kapitänsdinner, das auch die einzige traditionell chinesische Mahlzeit während der Flussreise ist. Chinesisches Essen wird während des Zusatzprogramms an Land bzw. in den Hotels serviert, an Bord gibt es europäische Küche mit amerikanischen Alternativen. Normal ist ein Vier-Gänge-Menü mit zwei Hauptgerichten zur Auswahl. Dazu gibt es wahlweise europäische oder chinesische Weine. Aber auch unangekündigte alkoholabstinente Vegetarier brauchen sich um ihre Verpflegung keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil, die einzige Sorge ist, ob der Magen für alle die Köstlichkeiten Platz hat, und wie lange man sich hinterher im Fitnessraum quälen sollte, um für die Schlemmerei zu büßen. Letzterer befindet sich nämlich im Mannschaftsdeck, schamhaft versteckt hinter dem Krankenrevier und dem Kosmetiksalon. Die Benutzung ist zwar kostenlos, aber auch nicht unbedingt attraktiv, da der Raum relativ klein, eher spärlich ausgestattet (5 Ergometer-Räder; 1 Rudergerät, 1 Laufband, 1 Spinning-Rad), etwas stickig und ohne Bullauge oder gar Fenster ist, was besonders dann enttäuscht, wenn man im China-Werbefilm von Viking den Fitness-Raum der 2004 in Fahrt gekommenen VIKING CENTURY STAR gesehen hat, der sich mit schönstem Ausblick auf dem Observation Deck befindet.

 

Das Ärgerlichste an der Kabine ist, dass man sich so selten in ihr aufhält

Wenn man nach Landausflügen, ausgiebigstem Essen, Zusatzprogramm und langen Aufenthalten auf Sonnen- oder Achterdeck (Landschaft findet, besonders in den Schluchten des Jangtse, schließlich nicht nur auf der Seite des Schiffes statt, wo die Kabine den Balkon hat), endlich wieder in die Kabine zurückkehrt, kann man sich hier wirklich wohlfühlen. Die Geräumigkeit lässt nicht nur den altbekannten Krebsgang um die Betten und Turnübungen zum Schranktüröffnen entfallen. Es ist genug Platz für eine Sitzecke mit Sofa, Tischchen mit Früchtekorb („with compliments of the management“) sowie Schreibtisch, Satellitenfernseher, Kommode mit Kaffee- / Teetablett, ein Medizinkühlschränkchen, das in den Sommermonaten auf dem Jangtsekiang bestimmt wichtiger ist als die fehlende Minibar, und einer Schrankwand, die außer einem kleinen Safe auch diverse Regale und Bügel beherbergt. Für eine Kofferablage ist da zum Leidwesen der sehr aus-packfaulen Autorin dieses Artikels kein Raum, aber solange man allein reist, kann ja das nicht benutzte Bett dafür herhalten.

Die Betten stehen zusammen, sind aber variabel, einzeln mit Federbett bestückt und lang genug (2,10 m) für die große Mehrheit der möglichen Passagiere. Die Matratzenhärte ist ein guter Mittelweg und an die Tatsache, dass das äußere Bett die in der gesamten Kabine spürbare negative Decksbalkenbucht nicht ausgleicht, d.h. zum Balkon hin merklich abfällt, gewöhnt man sich überraschend schnell. In selbigem Bett sollte man allerdings beim Lichtmachen aufpassen. Der Emergency-Knopf befindet sich nämlich genau neben dem Lichtschalter, und ist, besonders im Dunkeln, von letzterem nur schwer zu unterscheiden. Ein versehentliches Drücken des Emergency-Schalters ist allerdings sowohl bei der Autorin, als auch bei anderen Passagieren ohne Folgen geblieben, was angesichts der nachtschlafenden Zeit und in Ermangelung eines Bademantels eher Erleichterung auslöste, im tatsächlichen Notfall aber unangenehm werden könnte, zumal etwaige Hilferufe bei der hervorragenden Schalldichte der Kabinen wohl zwecklos wären. Leider sind die Kabinen, die sich achtern vom Foyer, also über der Maschine befinden, relativ stark von Maschinengeräusch und Vibration betroffen, mit der sich das zwar individuell regulierbare, aber nicht abzustellende Air-Conditioning zu einem Summ-Konzert mischt. Am Schlafen scheint das aber niemanden wirklich zu hindern, so dass der Wake-Up-Service durchaus willkommen ist.

Hinter alle Geheimnisse der ausschließlich auf chinesisch beschrifteten Fernseh-Fernbedienung zu kommen, ist wohl nicht vorgesehen. Es ist aber auch nicht zwingend nötig, da alle Kanäle, inklusive der englischen und deutschen Nachrichten, der täglich wechselnden bordeigenen Spiel- und Kulturfilme (jeweils vier bis fünf verschiedene) sowie der der Bugkamera noch einmal für alle verständlich über dem Fernseher erklärt sind. Akkugeschädigte finden auch eine 220 V-Steckdose in der Kabine. Einen – amerikanischen – Adapter sollte man aber dabeihaben.

Die komfortable und immer blitzsaubere Nasszelle enthält eine gut funktionierende und sehr fein temperierbare Dusche mit Duschwand. Außerdem gibt es ausreichend griffhohen Platz zum Deponieren von Seifen und Shampoos und einen zusätzlichen Schminkspiegel, Fön und eine 220 V-Steckdose für Rasierapparate. Dass das Wasser aus dem Hahn nicht ganz farblos ist, ist auf dem Jangtsekiang unvermeidbar, vorhersehbar und nicht wirklich beeinträchtigend, da genügend kostenloses Trinkwasser vorhanden ist, um sich im Notfall damit auch die Zähne zu putzen. Die Benutzung des Leitungswassers hat aber auch keinerlei messbare Schäden hinterlassen. Auf Wunsch gibt es auch kostenlose Eiswürfel, die natürlich ebenfalls aus einem separaten, d.h. absolut keimfreien System kommen.

Für Workaholics, die selbst im Urlaub auf der anderen Seite des Globus’ das Arbeiten nicht sein lassen können, sei auch noch der zweimal am Tag stattfindende Kabinenservice erwähnt, der neben den üblichen Annehmlichkeiten abends auch für Betthupferl, die Viking News nebst Programmankündigungen für den nächsten Tag und ein wiederum sauberes und aufgeräumtes Domizil sorgt. Lassen Sie also Ihre Arbeitsnotizen etc. nicht sorgsam über die gesamte Kabine auseinandersortiert liegen, Sie finden sie sonst nach dem Landausflug oder Dinner garantiert schön zusammengelegt auf dem Schreibtisch wieder.

 

Schweizer Management und asiatische Gastfreundschaft

In diesen Zeiten peinlich genauer politischer Korrektheit kann das Benutzen von, geschweige denn das Werben mit nationalen Stereotypen eigentlich nur grob fahrlässig sein. Wie herrlich entspannend, dass Viking nicht nur genau dies tut, sondern es auch noch großartig funktioniert. Ein hocheffizientes Schweizer Management sorgt mit stets freundlichem, engagiertem und aufmerksamem chinesischen Personal dafür, dass die vielpropagierte Viking-Service-Garantie auf der SKY wohl eher selten in Anspruch genommen werden wird. Etwaige Sprachbarrieren, die trotz des durchweg ausreichenden bis exzellenten Englisch des Personals immer auftreten können, werden dann genauso wenig ein Problem wie unangekündigte Zusatzwünsche. Nur die Tatsache, dass der Schiffsarzt zwar in westlicher und chinesischer Medizin versiert, aber keiner europäischen Sprache mächtig ist, könnte die Konsultation – je nach Art der Erkrankung – um einen gewissen Peinlichkeitsfaktor bereichern.

An Bord gilt, gemäß den Bestimmungen auf dem Jangtse, das „no-cash-flow“-Prinzip, es gibt keine Bargeldverkäufe und keine Wechselstube. Alle anfallenden Ausgaben werden auf die Kabinenrechnung gesetzt, die am Ende der Reise bar oder mit allen gängigen Kreditkarten beglichen werden kann. Trinkgelder sollten im Umschlag am Ende der Reise in das dafür vorgesehene Behältnis geworfen werden. Alle Trinkgelder werden unter der Besatzung aufgeteilt, es sei denn, der Umschlag wird mit dem Namen des gewünschten Empfängers gekennzeichnet. Die Führer der Landausflüge und des Zusatzprogramms sind davon allerdings ausgenommen und würden sich dementsprechend über Anerkennung nicht nur verbaler Art freuen.

Abgesehen davon sind alle Landausflüge und das Zusatzprogramm in Städten wie Peking, Xian oder Shanghai ebenso in den Reisekosten inbegriffen wie chinesische Inlandsflüge, Bustransfers etc., da diese Stationen von Viking als integraler Bestandteil der Kreuzfahrt angesehen werden. So kann zwischen fünf verschiedenen Routen gewählt werden, die von der SKY oder STAR abgedeckt werden. Angefangen von der „Juwelen chinesischer Kultur“-Route, die in ihrem 10 Tage-Programm eine nur 3-4tägige Jangtse-Fahrt einschließt, bis hin zu den „Kaiserschätzen Chinas“, die in ihren 14 Tagen immerhin 9 Jangtse-Tage beinhaltet, bietet Viking verschiedene Routen und Zusatzprogramme, deren Auswahl sich 2006 mit der Indienststellung der VIKING CENTURY SUN noch vergrößern dürfte. Eine ausschließliche Jangtse-Kreuzfahrt mit Landausflügen gibt es nicht und ist auch nicht vorgesehen, da sie, zumindest bei europäischem und amerikanischem Publikum, als unverkäuflich gilt.

 

Wie viel Kultur verträgt der Urlaub, oder: Der Amerikaner, das unbekannte Wesen

Wie bereits erwähnt, zielt die VIKING CENTURY SKY, im Gegensatz zur STAR, die ab 2006 exklusiv in Europa vermarktet wird, grundsätzlich auf den amerikanischen Markt ab. Darauf abgestimmt sind die Art der Landausflüge und Tiefgang der erklärenden Begleitung. Während sich also der europäische Passagier das eine oder andere Mal fragte, ob’s nicht doch ein bisschen profunder ginge oder gar ein begleitender Vortrag über Geschichte, Politik, Land und Leute oder – bewahre – eine Diskussion am Platze wären, war das propagierte Zielpublikum offensichtlich mehr als zufrieden mit dem Gehörten. Die bereits jetzt stattfindende Marktteilung, welche eine Routenauswahl nach „mehr Shopping“ oder „mehr Kultur“ erlaubt, wird laut Versprechen des Cruise Managements zukünftig nicht nur in der jeweiligen Sprache abgehaltene, sondern auch tiefer gehende Vorträge und hintergründigere Ausflugsbegleitungen für ausreichend große deutsch- oder französischsprachige Gruppen enthalten. Nachfragen und Hinweise der Passagiere sollen über das hinzuzufügende Angebot entscheiden.

Abgesehen von dem manchmal nagenden Gefühl, das Land zwar steril konsumiert, aber nicht verstanden oder „erfahren“ zu haben, weiß sich der China-Anfänger aber während der Reise nicht nur an Bord immer in den besten Händen. Landausflüge, Transfers o.Ä. sind hervorragend vorbereitet und straff durchorganisiert, was bei einem so ungewohnten Reiseumfeld, wie es China für die meisten Durchschnittstouristen immer noch ist, zum nicht zu unterschätzenden Wohlfühlfaktor wird. Tägliche Briefings, Tagespläne in der Kabine, Aushänge im Foyer und nicht zuletzt die von Viking zusätzlich geschulten Reisebegleiter sorgen dafür, dass wirklich alles glatt geht. Bei Landausflügen oder Transfers hat garantiert jeder alle relevanten Ausweise etc. parat, kein Passagier geht auch nur temporär verloren, Gepäck muss höchstens ob seiner Anwesenheit geprüft, aber nie selber getragen werden und auf gesellschaftliche Fauxpas-Möglichkeiten wie etwa beim Umgang mit aufdringlichen Fliegenden Händlern wird rechtzeitig hingewiesen; und das alles, ohne dass die sonst bei ähnlichen Veranstaltungen vorherrschende leicht autoritäre Schulausflugs-Atmosphäre aufkommt.

 

Was sonst noch so auffällt

Auffällig an der SKY, ebenso wie am gesamten China-Programm von Viking, ist die äußerst klar definierte Passagier-Zielgruppe. Angesprochen werden vor allem gut bis besser betuchte Alleinreisende oder Paare ab etwa 55 Jahren (das kostengünstigste Programm beginnt zur Zeit bei 2000 $ pro Person). Während „normale“ Jugendliche wahrscheinlich der absoluten Langeweile anheim zu fallen drohen, sind Kinder unter 12 ebenso gar nicht vorgesehen, wie Gehbehinderte oder anders Bewegungseingeschränkte. Auf beides weist Viking allerdings bereits im Prospekt hin, denn die meisten Schiffseinrichtungen, besonders aber das Ausflugsprogramm an Land machen eine Teilnahme für Rollstuhlfahrer ohnehin unmöglich, für eingeschränkt Bewegungsfähige zumindest hochgradig unerquicklich.

Zusätzlich kann das Ein- bzw. Ausschiffen immer noch ein gewisses Element von Abenteuer-Urlaub enthalten. Dieser Zustand wird sich, dank der Launen des Flusses – und der chinesischen Regierung – wohl vor 2009 und dem damit verbundenen Erreichen des angestrebten Wasserstandes oberhalb des Drei-Schluchten-Dammes, wohl kaum grundlegend ändern.

Auffällig ist aber auch, dass die angestrebte Zielgruppe mit der SKY etwas Solides und für das Fahrtgebiet Neues geboten bekommt. Entsprechend dem propagierten 5-Sterne-Niveau sind nicht nur Speisen und Getränke (Zutaten werden von einem Schweizer Unternehmen bezogen), sondern die gesamte Einrichtung (komplett aus Europa eingeschifft) ein gutes Stück gediegener als auf vergleichbaren Schiffen: westliche Speisen, brennende Kerzen und echte Blumen im Restaurant, Stoffservietten und Glas- bzw. Keramikgeschirr machen eben doch einen Unterschied – auch wenn die europäische Hotelatmosphäre manchmal die vorbeiziehende Landschaft hinter dem Fenster in ein Fernsehbild zu verwandeln droht. Und auch der ganze Stolz des Küchenchefs – die erste westliche Küche inklusive Geschirrspüler auf dem Jangtse – belächelt man nur solange, bis sich die Gelegenheit ergibt, die Speisezubereitungs- und Geschirrspülmethoden auf einigen anderen Schiffe zu beobachten.

Angesichts all der zusätzlichen Transportwege um die halbe Welt und des unverhohlenen Tophotelkomforts inmitten von versinkenden Kulturschätzen und bäuerlicher Armut mag sich ein ökologisches oder kulturelles Gewissen regen. Von Rechts wegen hätte es aber den Verbrauch der ungezählten Gallonen Flugbenzins auf dem Weg nach China schon nicht überleben dürfen und sollte sich jetzt schnellstens zur Ruhe begeben. Luxus muss man eben genießen, wie es ihm gebührt.

 

Bordleistungen / Preise

Apropos Luxus, das Preisniveau auf der VIKING CENTURY SKY ist, besonders wenn man das Fahrtgebiet und den erwähnten infrastrukturbedingten Aufwand bei vielen Produkten in Betracht zieht, durchaus moderat. Die Bordwährung ist RMB (Renminbi Yuan oder auch nur Yuan; 1 € entspricht etwa 10,2 RMB), wer keine Kreditkarten bei sich hat, tut, wegen der ebenfalls bereits erwähnten „no-cash-flow“-Vorschriften, gut daran, vor Einschiffung eine ausreichende Menge Bargeld umzutauschen, was von € in Yuan in den im Zusatzprogramm enthaltenen Hotels keinerlei Problem darstellt.

Massage: Qigong Massage: 240 RMB; traditionelle chinesische Massage: 190 RMB; Fußmassage: 140 RMB

Sauna: 1 Stunde: 90 RMB

Friseur / Kosmetiksalon: Waschen: 80 RMB; Haarschnitt Herren: 80 RMB; Haar-schnitt Damen: 100 RMB; Waschen / Legen / Fönen: 120 RMB; Gesichtsmassage: 180 RMB; Maniküre: 180 RMB; traditionelle chinesische Fußmassage: 230 RMB

Wäscherei: Damenbluse: 20 RMB; langes Kleid: 36 RMB; Unterwäsche: 8 RMB; Hose: 22 RMB; Herrenhemd: 25 RMB; Jackett: 25 RMB; Sporthemd: 18 RMB, Pullover: 22 RMB ...

Shop: Lux-Seife: 12 RMB; Gilette Rasierschaum: 65 RMB; Plastikrasierer: 6 RMB; Nivea Handcreme: 55 RMB; Signal Zahncreme: 25 RMB ...

Kodak / Fuji 200 Film (36 Bilder): 40 RMB; AA- / AAA-Batterie: 10 RMB; Lithium CR2 / CR123: 55 RMB.

Perrier Mineralwasser (0,75 l): 45 RMB; Evian Mineralwasser (0,5 l): 40 RMB, Nong Fu Mineralwasser (1,5 l): 25 RMB; Ritter Sport: 25 RMB; Wrigley’s: 10 RMB ...

Chinesische Teig-Figürchen (3 Stück): 380 RMB; Ess-Stäbchen: 88 RMB; Keramik-Teekanne: 380 RMB; Staudamm-Projekt-Broschüre: 160 RMB; Dreischluchten-Büchlein: 65 RMB; „Neue-Drei-Schluchten“-Buch: 480 RMB; Postkarten (Chongqing, Schluchten, Schiffsbesatzung): 10 RMB ...

Marlboro Red / White: 25 RMB; Fengshou 1993 Cabernet (rot): 220 RMB; Fengshou 1995 Cabernet (rot): 180 RMB ...

Viking Schirmmütze: 65 RMB; Viking T-Shirt: 95 RMB; Viking Polo-Shirt: 240 RMB; Viking Regenjacke: 480 RMB; Viking Regenschirm: 95 RMB; Viking Kaschmir-Pullover (Herren): 928, (Damen): 828; Schal 328 ...

Telekommunikation: Internet (pro angefangene halbe Stunde): 20 RMB; Telefon (lokal / Minute): 15 RMB; Telefon (international / Minute): 50 RMB; Fax (national / Minute): 15 RMB; Fax (international / Minute): 50 RMB; Fax-Empfang: 10 RMB (pro Seite); Fotokopien / Ausdrucke: 5 RMB (pro Seite).

Getränke (Bar): Dry Martini (4 cl): 30 RMB; Sandeman medium (4 cl): 45 RMB; Wodka Jose Cuervo (4 cl): 30 RMB, Gordons Gin (4 cl): 30 RMB; Grand Marnier (4 cl): 40 RMB; Crème de Cacao (4 cl): 30 RMB; Ice Tea (0,25 l): 20 RMB; Coka Cola light (0,25 l): 25 RMB; Cappuccino: 30 RMB; Irish Coffee: 45 RMB; Chongqing Bier (0,30 l): 20 RMB; Erdinger (0,50 l): 55 RMB; Gin Tonic: 45 RMB; Martell Cordon bleu (2 cl): 75 RMB; Johnny Walker Red (4 cl): 40 RMB; Glenfiddich Malt (4 cl): 60; Cocktails: 45 RMB; Riesling Zirnheld (weiß) (0,20 l): 55 RMB; Chateau La Plante (rot) (0,20 l): 60 RMB; Prosecco Valdo (10 cl): 40 RMB; Veuve Cliquot (75 cl): 580 RMB ...

 

Technische Daten  
Länge: 126,80 m
Breite: 17,20 m
Tiefgang: 2,50 m
Geschwindigkeit: 26 km/h
Passagierkapazität: 306 in 153 Kabinen
Passagierdecks 5
Besatzung: 165
Flagge: China
Besitzer: Chongqing New Century Cruise Co.
Baujahr: 2005
Indienststellung: Februar 2005
Bauwerft: Chongqing Dockyard

 

Dieses Schiffsportrait entstand an Bord der VIKING CENTURY SKY vom 9. bis 14. April 2005. Die im Jahr 2004 in Dienst gestellte VIKING CENTURY STAR ist in vielen Punkten baugleich, der Service ebenfalls vergleichbar.


 

Das Atrium erstreckt sich über mehrere Decks

 

Tag und Nacht zu Diensten: Die Rezeption

 

Eine breiter Kabinengang führt zu den großzügigen Balkonkabinen

 

Blick vom Eingangsbereich: Alle Kabinen haben Doppelbetten und einen Balkon

 

Viel Platz zum stilvollen Entspannen – Blick vom Balkon aus

 

Überdachter Sundeck-Bereich: gediegenes Holzdeck und bequeme Holzstühle, so lassen sich die Drei Schluchten auch bei schlechtem oder „zu gutem” Wet-ter genießen

 

Sonnendeck: zwar gerade ohne Sonne, aber dafür mit Ausblick auf sehr viel Landschaft

 

Frühstücks-Buffet: Selbst wer nach dem Frühaufsteher-Frühstück keinen Hunger mehr hat, gerät hier in Versuchung

 

Das Restaurant auf dem Hauptdeck: Eleganz mit gutem Blick auf den Fluss

 

Viele Spiegel, aber nicht unbedingt gute Aussicht

 

Wo Bibliothek draufsteht, sind nicht immer nur Bücher drin: „Internet-Bar”

 

Show in der Observation Lounge: die Sichtprobleme der

hinteren Zuschauerreihen ...

 

... fallen unter die „Kinderkrankheiten” des Schiffes




Foyer von Yran & Storbraaten, norwegische Schiffsarchitektur mit chinesischem Ambiente