Die COSTA MARINA in voller Fahrt




Fred Friedrich




Breit. Eckig. Kantig. Schon das Äußere lässt erkennen, dass sie nicht als „klassischer Kreuzfahrer geplant war. Vielmehr hat sie zunächst als AXEL JOHNSON Container rund um die Welt transportiert. Bis Costa und die Mariotti-Werft sie für 130 Millionen US-$ zum kleinsten Costa-Schiff, der 1990 in Dienst gestellten COSTA MARINA, transformierten.

 

Wie Container an Container reihen sich die Kabinen aneinander. Backbord wie steuerbord je eine Reihe Außenkabinen. Zwischendrin – um die Breite des Rumpfes voll auszunutzen – jeweils fünf Innenkabinen. Mit dem Ergebnis langer Quergänge. Und der Tatsache, dass die COSTA MARINA über mehr Innen- als Außenkabinen verfügt. 210 zu 164 lautet das Resultat. Acht Suiten kommen noch hinzu. Insgesamt Raum für maximal 950 Gäste. Die Durchschnittsbelegung (auf Basis der Unterbetten) liegt bei 760 Passagieren. Die Kabinen verteilen sich auf fünf Decks. Diese wiederum unterscheiden sich durch verschiedenfarbige Wand-Verkleidungen. Gelb, Grün, Blau und Rot. Um den Passagieren die Orientierung zu erleichtern, wiederholen sich diese Farben in beleuchteten Piktogrammen auf den Kabinengängen. Selbst die Kabinennummer ist farbig beleuchtet. Gut gemeint, aber das Ergebnis erinnert eher an Las Vegas.

 

Zweibettkabine mit französischem Bett

 

Die Kabinen

Hell und freundlich sind sie ausgestattet. Fünf Varianten gibt es insgesamt: Mal mit französischem Doppelbett, mal mit nebeneinander oder mit über Eck stehenden Einzelbetten. Mal mit einem zusätzlichen Ausziehbett, mal mit einem weiteren Klappbett. Alle verfügen über TV, Telefon, Safe, Föhn und individuell regulierbare Klimaanlage. Auf Bilder hat man ganz und gar verzichtet, vielmehr wurden die Wände gleich als Leinwand für Arbeiten der italienischen Künstler Tullio Percoli und Italo Lupi benutzt. Die Nasszellen sind kompakt – etwas mehr Stauraum für Toilettenartikel und Kosmetika wäre bei besserer Planung leicht machbar gewesen. So verbergen sich hinter der Spiegelverkleidung analog zum Grundriss sehr kompakte Aufbewahrungsmöglichkeiten. Die Garderobe für die meist maximal zweiwöchigen Reisen der MARINA findet problemlos Platz in den dreitürigen Kleiderschränken. Zahlreiche Spiegelelemente lassen die Kabinen großzügiger wirken als sie mit ihren durchschnittlichen 16 (außen) bzw. 14,5 (innen)  Quadratmetern tatsächlich sind. Die zwischen 32 und 34 Quadratmeter großen Suiten verfügen neben einer Sitzecke über einen eigenen Balkon. Die Unterkünfte werden zweimal täglich gereinigt – sogar die Zahnputzbecher täglich gewechselt.

 

Das Schiff

Der italienische Architekt Guido Canali hat ein für die neunziger Jahre spektakuläres Schiff entworfen: Über drei Decks erstreckt sich das – dank des gläsernen Daches – lichtdurchflutete – „Atrium. Auch sonst  wurde mit Glas nicht gespart. Ob „Marina Lounge oder „Christallo-Restaurant – das voll verglaste Heck bietet einen atemberaubenden Panoramablick. Das gesellschaftliche Leben spielt sich weitgehend auf dem Marina-Deck ab. Ganz vorne im Bug befindet sich das „Theater Tropicana – Bühne für die Abendveranstaltungen und für Vorträge der Lektoren. Dank großzügiger, nach hinten ansteigender Bestuhlung hat man von allen Plätzen einen sehr guten Blick. Allerdings: Auf den Cocktail zur Show muss man verzichten – es wird weder vor noch zu den Darbietungen Bar-Service geboten. Dennoch muss niemand verdursten. Denn nur wenige Schritte in Richtung Heck befindet sich „Harry’s Bar. Daran schließt sich das – wenig frequentierte – Kasino an. Zum Shoppen lädt die „Trevi Galerie ein, die steuerbord von Kartenzimmer und Bibliothek  und backbord vom „Squok Club und einem Spielzimmer flankiert wird. Im Heck dann die bereits erwähnte „Marina Lounge – „Spielplatz für die Abendprogramme der bordeigenen Animateure. Der wohl schönste Raum des Schiffes befindet sich ein Deck höher – der „Laguna Club. Tagsüber – dank Glaskuppel – lichtdurchfluteter Treffpunkt, nachts Diskothek.

 

Der wohl schönste Raum des Schiffes: Club Laguna

 

Im Musiksalon Tropicana bleibt die Kehle trocken

 

Das Unterhaltungsprogramm

Das Entertainment der COSTA MARINA hat es in sich – vielköpfig ist die Schar der Künstler: Heiße, karibische Rhythmen unter freiem Himmel mit Scorpion aus Grenada. Gesang und Tanzmusik wahlweise mit dem Trio Excalibur, dem Duo Soley, mit Peter oder Claudio und ihren Keyboards. Klassische Weisen mit Crescenzo Verde am Klavier und Vincenzo Genile auf der Violine. Zwei Kabarettisten, ein Illusionist mit Hund, ein Pantomime. Und dann noch die Produktionsshows von Gigi Gabana. Professionell und gekonnt. Sängerin, Sänger und fünf Tänzer. Irgendwo ist immer was los – nachmittags ebenso wie abends. Wem das alles nicht gefällt, der kann sich einen der beiden Tagesfilme im Fernsehen anschauen, beim Quiz – zahlreich dargeboten – sein Glück versuchen, sich in Karaoke üben oder neue Tanzschritte erlernen. Oder vielleicht den Italienisch-Kurs besuchen? Täglich gibt es mindestens zwei Vorträge durch die Lektoren. Bingo fehlt ebenso wenig wie die übrigen „klassischen Kreuzfahrt-Unterhaltungen wie Modenschauen, Mal-, Bastel- und Kochkurse. Wer Gewicht verlieren möchte, besucht das Seminar mit der Fitnesstrainerin. Und setzt das Gehörte dann gleich an einem der Laufbänder, Ergometer und Stepper in die Tat um. Und gönnt sich anschließend einen Saunagang. Oder informiert sich im Schönheitssalon über die neuesten Trends und Schminktechniken. Man kann sich allerdings auch einfach nur ein Buch in der Bibliothek ausleihen, sich einer Bridge- oder Skatrunde anschließen, Tischtennis (oder Tischfußball) spielen. Oder mit ein paar Euros an den einarmigen Banditen, vielleicht auch am Rouletttisch sein Glück versuchen. Ab 23 Uhr lockt dann die Disko. Jede Nacht mit einem anderen Motto. Kreuzfahrtdirektor Peter Hofer und sein siebenköpfiges Team geben sich wirklich alle Mühe, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Das gilt auch für die jüngsten Gäste, die im „Squok-Club betreut werden.

 

Sun and Fun
Treffpunkt der Sonnenanbeter sind das Laguna- und das Sportsdeck. Ein – kleiner – Swimmingpool mit Wasserfall und drei Jacuzzis sind hier zu finden. Wer nun allerdings auf eine Liege aus ist, wird sich wundern: Um den Pool herum gruppieren sich ausschließlich Deckstühle. Und auch die sind ganztägig permanent der Sonne ausgesetzt. Sonnensegel und -schirme sucht man vergeblich. Dafür wird man in Sachen „Liegestuhl ein Deck höher fündig. Schattenplätze sind jedoch auch hier Fehlanzeige. Allzu oft erlebt man den Kampf um Sitzgelegenheiten. Kein Wunder, verfügt das Schiff doch nur über 416 davon. Also beginnt bereits in aller Herrgottsfrühe das Reservieren. Ganz schlaue Gäste schleppen abends „ihren“ Stuhl mit in die Kabine – nur um am nächsten Morgen nicht leer auszugehen. „Wir weisen Sie darauf hin, dass die Liegestühle nicht vom Deck entfernt werden dürfen“ ist wohl auch deshalb im Tagesprogramm „Today zu lesen. Die beiden Promenaden unter den Rettungsbooten sind „stuhlfrei, aber schattig.  Ein reger „Stuhltourismusvon oben nach unten ist die Folge. Wer gar nicht fündig wird, schlägt seinen Platz halt auf dem Boden bzw. auf den Kisten mit den Rettungswesten auf. Oder belegt ganztägig die Außenbereiche der Buffet-Restaurants.

 

Womit wir beim wohl Wichtigsten wären

Dem Essen. Bis zu sechs Mahlzeiten tischt der Küchenchef Thorsten Czap mit seiner 48köpfigen Küchenbrigade auf. Frühstück, Lunch, Teatime, Dinner und Mitternachtssnack. An manchen Tagen – auf dieser Reise zweimal – zusätzlich noch einen deftigen Frühschoppen oder ein Pool-Barbecue. Für die Frühaufsteher steht ab 06.30 Uhr die erste Tasse Kaffee bereit, im Restaurant wird von 08.00 bis 10.00 Uhr serviert, im Yacht Club kann man sich von 07.30 bis 10.00 Uhr bedienen. Der „Laguna Club wartet von 07.30 bis 10.00 mit seinem Wellness-Buffet auf und hält anschließend für die Langschläfer bis 11.00 Uhr ein kleines kontinentales Frühstück vor. Das Angebot orientiert sich an den Gästen: Mindes-  


tens zwei helle und zwei dunkle Brotsorten stehen neben knusprigren Brötchen bereit. Rund 40 verschiedene Käse- und Wurstsorten werden in Rotation angeboten. Kuchen und Gebäck fehlen ebenso wenig wie Müsli, Joghurts, Cornflakes, frisches Obst und Säfte. Die „Eierstation bietet Spiegeleier und Omeletts der verschiedensten Art an – „just in time in Gegenwart des Gastes zubereitet. Rühreier dagegen gibt es nur am Buffet  – selten heiß, dafür meist trocken. Rund zwei Drittel der Gäste wählt auch zum Lunch das Buffet. Es wartet mit mindestens je einem Fleisch- und Fischgericht, dazu korrespondierenden Beilagen, mit frischen Salaten und  Desserts auf. Auch hier steht die Deutsche Hausmannskost im Vordergrund. Zusätzlich lockt täglich ein internationales Buffet – mal französisch, mal spanisch oder auch mal orientalisch. Und Tag für Tag bietet der Chef in der italienischen Ecke Pastagerichte an: „Gnocci al pesto, „Tagliatelle dello Chef, „Penne al gorgonzola oder „Fusilli alla biscaiola –  schon die Namen lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch auf der Abendkarte (das Dinner wird in zwei Sitzungen serviert) finden sich mindestens zwei Nudelgerichte, eines davon wird vor den Augen der Gäste durch den Maitre d’ zubereitet. Ansonsten geht es beim Dinner international zu. Pfeffersteak oder Lachs, Hirsch oder Seezunge, Huhn oder Schwertfisch, Bauernschmaus oder Forelle, immer auch ein vegetarisches Hauptgericht. Vornweg jeweils zwei Vorspeisen, zwei Suppen, die bereits erwähnte Pasta sowie zwei Salate. Und zum Nachtisch dann so kleine Schweinereien wie Apfelstrudel, Mohr im Hemd, Sachertorte und, und, und. Italien-Fans empfinden es allerdings als Manko, dass Espresso oder Capuccino nur an den Bars, nicht aber im Restaurant erhältlich ist. Auch das auf anderen Schiffen übliche „Betthupferl“ wird von einigen Passagieren vermisst.

 

Ristorante Cristallo

 

Marina Lounge

 

Essen hält zwar Leib und Seele zusammen ...

aber auch Geist und Körper kommen auf der COSTA MARINA nicht zu kurz. Dafür sorgen der mitreisende Bordpfarrer, vor allem aber die beiden Lektoren. Richard Wünsch, vielen Schiffsreisenden noch von Seetours bekannt, informiert in zahlreichen Vorträgen über das Ausflugsprogramm. Sonja Waidhase, lange Jahre als Kreuzfahrtdirektorin für Jahn, Transocean, Neckermann, Deilmann und andere unterwegs, fasziniert mit fundierten Hintergrundinformationen. Über angelaufene Ziele ebenso wie über Interessantes am Rande. Nun lässt sich natürlich auch bei Costa trefflich über Wert und Gegenwert der organisierten Ausflüge streiten. Aber noch auf keiner seiner knapp fünfzig Kreuzfahrten ist der Verfasser dieses Porträts seitens der Reederei so intensiv in Sachen „Individueller Landgang informiert worden. Und – Zufall oder nicht – auf wenigen Reisen vorher von besseren Guides begleitet worden. Auf die im Prospekt angekündigten Satelliten-Nachrichten allerdings wartet man vergeblich – diese werden nicht auf die Kabine geliefert, sondern liegen lediglich in der Bibliothek zur Einsicht aus. Vergebens auch das Hoffen auf einen Platz am Kapitänstisch. Kapitän Mauro Muratore spricht dazu keine Einladungen aus. Trotzdem ist er ein Kapitän zum Anfassen, der sich sowohl zum Mittagessen am Buffet als auch zum Sonnen (mit knapper Badehose) unter die Gäste mischt. Sogar im Fitness-Studio und der Sauna wurde er gesichtet. Schade nur, dass das früher auf der MARINA vorhandene Dampfbad einem provisorischen Ruheraum für die Saunagäste weichen musste.

 

La Deutsche Vita

Die COSTA MARINA ist Anfang 2002 aufwändig renoviert worden. Dabei wurden die Suiten neu möbliert, alle Kabinen erhielten neue Fernseher, Teppichböden und Stoffbezüge wurden in allen öffentlichen Räumen ausgetauscht, das Restaurant neu bestuhlt und der „Laguna Club vollkommen neu gestaltet. Seit März 2002 fährt das Schiff unter dem Motto „La Deutsche Vita. War die Klientel der „alten“ MARINA – wie bei Costa üblich – eine internationale, liegt der Anteil deutscher Passagiere heute zwischen 80 und 90 Prozent. Der Rest rekrutiert sich aus Österreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten. International ist nach wie vor die Mannschaft. Insgesamt 37 Nationalitäten sind vertreten. Italienisch die Offiziere, Deutsch das Management, der Küchenchef und die Konditorin. Im Service finden sich Rumänen, Filipinos, Ukrainer, Slowaken, Tschechen, Bulgaren und viele andere Nationalitäten mehr. Fest in chinesischer Hand ist – wie auf allen Kreuzfahrtschiffen – die Wäscherei. Im Berlitz Cruise Guide ist die COSTA MARINA mit 1224 Punkten aufgeführt (= 3 Sterne). Wie diese Wertung zustande kommt, ist Hotelmanager Dan Ackermann ein Rätsel. Denn er hat den Autor Douglas Ward noch nie auf dem Schiff gesehen. Wie auch immer – drei Sterne sind auf alle Fälle eine faire Beurteilung. Während die Hardware nicht unbedingt überzeugt, schaffen Entertainment und Verpflegung dies umso mehr. Die Passagiere scheinen das ähnlich zu sehen – der durchschnittliche Anteil der Repeater liegt bei 50 Prozent. Auf jeder Reise melden sich gut 100 Teilnehmer neu für den Costa-Club an, der zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

 

Nebenkosten

Costa bucht pro Person und Tag ein Trinkgeld in Höhe von 4,50 € auf die Kabinen-rechnung. Die 24seitige Weinkarte startet bei 3,75 € für ein Glas Mateus Rosé Sogrape und endet bei 120 € für eine Flasche Moet & Chandon Cuvée Dom Perignon. Im Restaurant wird ein spezielles, aus sechs Flaschen Wein und 10 Flaschen Mineralwasser bestehendes „Paket“ mit einem Preisvorteil von 27 Prozent Rabatt angeboten. Der Cocktail des Tages kostet 4,15 €, die restlichen zwischen 5,75 und 9,50 €. Ein Glas Fassbier (0,5) schlägt mit 3,95 (Corona, Beck’s, Heineken) bzw. 4,50 € (Paulaner Weißbier) zu Buche. Alkoholfreie Getränke sind zwischen 1,50 (0,5 Liter Mineralwasser) und 3,95 (Longdrinks) erhältlich. Kaffeespezialitäten sind für 1,20 € (Espresso) und 4 € (mit 2cl Alkohol) zu haben. Der Humidor bietet Zigarrenspezialitäten zwischen 7 und 14 €, der Cognac oder Whisky dazu bewegt sich zwischen 6 und 20 €. Für 25 € erhalten männliche Passagiere einen Haarschnitt, der „große Auftritt“ zum Galaabend erleichtert die Börse um mindestens 44 €. Die Teilnahme an manchen Kursen (z. B. Yoga oder Pilates) findet sich mit 5 € auf der Bordrechnung wieder. Die Kosten für Spa-Behandlungen bewegen sich zwischen 25 und 110 €. Der Bordfotograf berechnet pro Bild (15 x 21cm) 7,75 € bzw. 75 € für ein dreiteiliges Videopaket (Video des Schiffes, der Ausflüge und der jeweiligen Kreuzfahrt)

 

Statistisches

25.558 BRZ – 174 Meter Länge – 25,75 Meter Breite – Tiefgang 8,22 Meter – Stabilisatoren – 21,5 Knoten maximum - 9 Decks (davon 8 für Passagiere) – 1 Swimmingpool, 1 Kinderpool, 3 Jacuzzis – Stromspannung 220/110 Volt – Heimathafen Genua – Krankenstation mit 6 Betten – Kapelle – Fitness Center – Sauna – Jogging-Rundkurs (250 Meter) – Friseur – Spa – Bordsprache Deutsch – Bordwährung Euro. In Dienst gestellt: Juli 1990 – Umbau 2002.

 

Zu guter Letzt

Dieses Porträt entstand während der Transatlantikreise vom 29. März bis 15. April 2004. Für diese Route gibt es geeignetere Schiffe. Die COSTA MARINA dagegen ist eine gute Wahl für Reisen mit viel Seh-, aber wenig Seetagen. Vielleicht bleibt sie aus diesem Grund im Winter 2004/2005 in europäischen Gewässern?

 

Die Empfangshalle mit ihrem Kunstobjekt aus Muranoglas

Blick auf den hinteren Poolbereich und auf die Glaskuppel vom Laguna Club