Die MS COLUMBUS liegt im Indian Summer

     

Oliver Schmidt








Die COLUMBUS ist das jüngste „Kind” der Hapag-Lloyd-Flotte, wenn man die Konzeption betrachtet (die neue EUROPA kam zwar später, ersetzte aber lediglich ihre Vorgängerin). Sie ist der Versuch des Hamburger Veranstalters, das stetig wachsende Feld der Drei-Sterne-Plus-Passagiere nicht gänzlich anderen Anbietern zu überlassen. Was sich so trocken anhört, führt letztlich zu einem Schiff mit einem überaus guten Preis-Leistungs-Verhältnis, denn Hapag-Lloyd, von jeher mit dem besten Personal ausgestattet, das auf See unterwegs ist, kann denn doch nicht ganz aus seiner Haut und präsentiert ein Schiff, das in Service und Küche mühelos ein Vier-Sterne-Schiff in den Schatten stellt. Hapag-Lloyd aber hält sich fairerweise an die Klassifizierung im Berlitz. Die Mehrheit der Stewards und Stewardessen könnte jederzeit auf der EUROPA arbeiten (und viele tun es auch). Man sollte kaum glauben, dass das Schiff 2007 schon zehn Jahre alt wird: Der Autor, der es bei seiner Taufe zuletzt sah, erlebte ein tadellos in Schuss gehaltenes Schiff, an dessen Ausstattung nicht gespart wurde.

Die COLUMBUS, die nach heutigen Maßstäben zu den „kleinen” Kreuzfahrtschiffen gehört, hat die charakteristische Bauchbinde in den Hapag-Lloyd-Farben orange und blau und am Schornstein das Reederei-Logo. An ihrem Rumpf fallen einige über-dimensionale Bullaugen auf, die zum Teil zu Kabinen, zum Teil zu Gesellschafts-Räumen gehören. Das Heck ist weit hochgezogen; ein klassisches Achterdeck hat sie nicht. Das Leben – soweit es unter freiem Himmel stattfindet – spielt sich um den Swimmingpool vor dem Schornstein ab. Dort ist der Boden mit hygienischem Kunststoff belegt, darauf aber steht edles und bequemes Holzmobiliar. Der Pool enthält 24 Grad warmes Süßwasser und ist groß genug, um einige Züge zu schwimmen, allerdings nicht sehr tief. Daneben steht ein Umkleideraum zur Verfügung, und nach vorn schließt sich der Palmengarten mit seinen Buffets an. Ein Whirlpool fehlt auf dem großzügig bemessenen Sonnendeck. Ein Deck höher (und nur über Außentreppen zu erreichen) stehen weitere Sonnenliegen zur Verfügung.

Die COLUMBUS ist in fast allen Punkten ein klassisches Kreuzfahrtschiff, zugeschnitten auf deutsches Publikum. Fans der alten EUROPA mögen gewisse Ähnlichkeiten in der Struktur der öffentlichen Räume feststellen. Bereits beim ersten Eindruck ist es äußerst wohltuend, dass die COLUMBUS nie irgendwelchen gravierenden Umbauten unterzogen werden musste. Viele ältere Drei-Sterne-Schiffe kranken an verwinkelten Gängen und Lounges, Gängen und Treppen, die in die Sackgasse führen. All das hat die COLUMBUS nicht, denn sie wurde von Anfang an als das gebaut, was sie heute ist.

Die COLUMBUS hat große, moderne und überaus bequeme Tenderboote, die die Passagiere trocken und ohne Kletterei an Land bringen, wenn der Hafen zu klein ist. Um einem weit verbreiteten Irrglauben vorzubeugen: Schlauchboote hat sie als einziges Hapag-Lloyd-Schiff nicht.

 

Kreuz und quer durchs Schiff

Vor dem Poolbereich liegt der Palmengarten der COLUMBUS. Im Übergang steht ein fest installiertes Buffet mit mehreren Stationen für warme und kalte Gerichte. Hier wird stets zum Frühstück und Lunch im Restaurant, bisweilen auch abends eine Alternative angeboten. Das Rund des Palmengartens ist mit Korbstühlen, maritim gestreiften Polsterauflagen und einigen Grünpflanzen anheimelnd eingerichtet; stilisierte Palmblätter an den Säulen geben ihm seinen Namen. Fenster rundum könnten einen guten Blick in Fahrtrichtung freigeben, wäre die Bordwand der davor liegenden Aussichtsbrücke nicht so weit hochgezogen – ein klassischer Fauxpas des Schiffsarchitekten. Auch die beiden engen Ausgänge, durch die man die beliebte Aussichtsplattform erreicht, sind am Bedarf vorbei geplant und führen dazu, dass beim Öffnen der Türen heftige Windböen in den Palmengarten eindringen. Dennoch ist er tagsüber ein ebenso beliebter Aufenthaltshort wie am Abend, wenn neben der Tanzfläche eine dreiköpfige Combo Unterhaltungsmusik spielt.

Bei einem Bummel durch die kleine Flaniermeile ein Deck tiefer kann man erleben, wie mehrere Passagiereinrichtungen zu einem harmonischen Ensemble zusammengefügt werden können: Eine Weinbar, eine Galerie mit großen Fenstern und bequemen Sesseln, die Bordboutique und die Bibliothek sind hier integriert; auch die Ausstellungswände des Bordfotografen haben noch Platz gefunden. Wer tagsüber Lust auf ein Schwätzchen hat, trifft hier gewiss einen Mitpassagier mit demselben Anliegen. Die Boutique ist neben Schmuck und Kleidung (übrigens auch praktische Kleidung, der Fahrtroute angepasst!) mit Gebrauchsgegenständen und Logo-Artikeln ausgestattet und lässt keine Wünsche offen. In der Bibliothek stehen neben drei tiefen Ohrensesseln auch ein Schreibtisch und ein Fernseher mit Videogerät bereit. Videos sind nicht vorhanden, das Gerät dient der Wiedergabe von privaten Filmen der Passagiere. In den Regalen daneben warten rund 15 laufende Meter Bücher und etli-che Bildbände auf Leseratten. Darunter finden sich Reader’s Digest Auswahlbände, Taschenbücher mit Romanen, aber auch zwei Meter Reiseführer und zwei Meter fremdsprachige Literatur. Qualität und Auswahl lassen spüren: Hier wurde in die Bibliothek großzügig investiert (die auf manch anderem Drei-Sterne-Dampfer mit den zurückgelassenen Büchern der Passagiere gefüllt wird.

Im Heck der COLUMBUS liegt die Show-Lounge. Ihre Tanzfläche mit dahinter platzierter Bordband dient auch als Bühne für abendliche Auftritte. Die Lounge ist geschickt in Ecken und Rondells aufgeteilt, in denen man ein bisschen Intimität mit den Tisch-Genossen wahren kann. Allerdings hat nach Meinung der überwiegenden Mehrzahl der Passagiere der Designer, der überall im Schiff frische, meist freche Farbgebungen wagte, hier etwas zu tief in den Farbeimer gegriffen: Papageienbunter Teppich und in verschiedenen Signalfarben zusammen gewürfelte Bestuhlung sind – auch auf einem Schiff, das von jungem Publikum träumt – des Guten zuviel. Hinzu kommt, dass die modernen Drehstühle weit davon entfernt sind, bequem zu sein. Ausgesprochen gut angenommen wird die Bar, die hinter einer Abtrennung liegt und vom Geschehen in der Lounge abgewandt ist. So bietet sie zwar keinen Blick auf die Bühne, aber durch achtere Panorama-Scheiben eine Aussicht ins Kielwasser. Sie ist ein willkommener Treffpunkt für alle, die sich unterhalten und das Bühnengeschehen nur von Ferne erleben möchten (und auf jedem anderen Schiff die aufmerksamen Zuhörer stören). Das Foyer der COLUMBUS, in dunkelblau mit mintgrünen Sitzgelegenheiten gehalten, wirkt ein wenig düster. Hier sind die Rezeption und das Bordreisebüro untergebracht.

 

In einer Sitzung

Ein Deck unter der Show-Lounge – und wiederum im Heck des Schiffes – liegt das Restaurant der COLUMBUS. Sein größtes Plus ist, dass es alle Passagiere in einer Sitzung fasst. Hier herrschen warme Holztöne vor, und große Fenster, die sich an drei Seiten um den Raum herum ziehen, machen ihn hell und freundlich. Überall ist genügend Raum, um einen guten Service zu gewährleisten. Allerdings stehen die bequemen Armlehnenstühle im krassen Gegensatz zu den Sofas unter den Fenstern (besser: gepolsterte Sitzbänke), die bei voller Belegung auch als Sitzgelegenheiten für Passagiere herhalten müssen. Wer das zweistündige Dinner hier erlebt, hat eindeutig bei der Platzreservierung die Niete gezogen. Da nur Tische, nicht aber bestimmte Plätze reserviert sind, hilft nur eins: Am ersten Abend frühzeitig da sein – oder gleich um einen Tisch in der Mitte bitten. Den Service im Restaurant der COLUMBUS beschreibt am besten das Zitat eines Mitpassagiers, der sonst 5-Sterne-Schiffe bevorzugt: „Ultra-Mega-gut!” Gleiches gilt auch für die Küche und die Präsentation der Speisen.

Zum Frühstück gibt es hier alles, was das deutsche Kreuzfahrer-Herz begehrt. Das gesamte Buffet-Angebot aufzuzählen, ist beinahe unmöglich; deutsches Brot und Brötchen, eine Wurstauswahl und eine breite Palette von Kellogg’s-Produkten sind ebenso selbstverständlich wie Müsli, Säfte, Fischplatte, Marmeladen und Eierspeisen. Der Frühstücksspeck ist kross gebraten, und selbst amerikanische Pfannekuchen fehlen nicht. Einige warme Speisen bringt der Steward, der Rest steht am Buffet.

Zum Lunch wählt man à la carte zwischen zwei Vorspeisen und drei Suppen (davon eine Kaltschale), holt sich einen Salat vom Buffet (den Steward oder Stewardess auf Wunsch auch gern bringen), um sodann zwischen sechs Hauptgängen zu wählen, davon ein Fisch-, ein Pasta-, ein vegetarisches Gericht und eines „aus der Mannschaftsküche”. Die Desserts stehen wiederum zum Aussuchen am Buffet bereit, drei verschiedene an der Zahl. Eiscreme bringt der Steward.

Am Abend wählt man zwischen drei Vorspeisen und drei Suppen, und auch den Salat gibt es à la carte. Ein Zwischengericht trennt die hors d’oeuvre von den Hauptgängen. Es sind deren sieben, darunter ein Fisch- und ein vegetarisches Gericht, eines aus der Kalten Küche und eine Alternative vom Grill. Drei Desserts, darunter ein eisiges, Früchte und ein Käseteller schließen das Dinner ab, das in der gemütlichen Atmosphäre des Restaurants runde zwei Stunden in Anspruch nimmt. Der Service wäre nicht Hapag-Lloyd-typisch, wenn die Stewards und Stewardessen nicht jeden Extrawunsch gerne berücksichtigten. Spezielle Gewohnheiten der Passagiere merken sie sich spätestens am dritten Tag, und man muss nach seinem Lieblingswein, Tee oder Salat nicht mehr fragen.

Stets gibt es am Morgen und am Mittag eine Buffetalternative im Palmengarten. Als Sitzgelegenheiten stehen bei schönem Wetter auch die Tische draußen auf Deck zur Verfügung. Morgens ist die Auswahl hier nicht viel kleiner als im Restaurant; am Mittag überrascht das Buffet, indem es andere Speisen bereithält als die Speisekarte im Restaurant. Insbesondere die frisch gegrillten Fisch-Spezialitäten, Steaks und Hamburger erfreuen sich großer Beliebtheit. Hier und da hat das Mittagsbuffet ein bestimmtes Thema, etwa „Pasta” oder „Fisch”. An manchen Tagen wird das Buffet auch am Abend angerichtet. „Offene Sitzungen” im Restaurant bedeuten auf der COLUMBUS, dass sich jeder setzen kann, wo er mag (wobei auch alle Tische eingedeckt sind), es aber niemand tut, denn jeder hat ja seinen festen Platz. Zwischendurch gibt es im Palmengarten eine Vormittagsbouillon und alternativ noch eine Kaltschale. Am Nachmittag lädt die Lounge bei leiser Live-Musik zu Kaffee, Tee und Kuchen. Das Ganze wird durch Torten, Sandwiches und den ausgesprochen guten Service abgerundet. Bisweilen gibt es besondere Schmankerl zur Teezeit wie etwa „Strudelvariationen”. Von 22.30 Uhr bis 23.30 Uhr steht im Palmengarten ein Spätimbiss bereit.

 

Eine Prise Privatsphäre

Die COLUMBUS hat keine Balkonkabinen (nur die Suiten haben eine Terrasse), deshalb findet das Leben mehr in den Gesellschaftsräumen oder auf Deck statt, denn in den Privatgemächern. Dennoch ist in den Kabinen eine seltene Gratwanderung gelungen: Bei moderner Einrichtung eine gemütliche Privatsphäre zu schaffen. Farbige Dekorstoffe gesellen sich harmonisch zu Möbeln aus dunklem Wurzelholz (-imitat). Die Betten sind klassisch angeordnet, an jeder Wand eins. In den Außenkabinen lassen sie sich zusammenschieben. Genügend Schrankraum und Kleiderbügel, ein kostenlos nutzbarer Safe und ein bequemer Schreibtisch – in den Außenkabinen mit Fensterblick – machen die Kabine schnell zum kuscheligen Zuhause. Die Betten sind bequem und von mittlerem Härtegrad, die Decken haben ein waschbares Kunststoff-Inlay. Kleine Extras wie Bademantel, Fön und die Nachrichten, die täglich ohne Aufforderung auf die Kabine gebracht werden, machen das Leben angenehm. Der Kabinenfernseher zeigt das Bild der Bugkamera, eine Info-Tafel und verschiedene Satelliten-Programme, empfangsbedingt auch deutsche – stets jedoch Deutsche Welle TV und Radio sowie zwei bordeigene Spielfilmkanäle. Viele Außenkabinen haben große Panorama-Fenster; selbst in den Kabinen mit Sichtbehinderung durch Rettungsboote ist es angenehm hell. Einige Kabinen haben übermannshohe Bullaugen, die dem Schiff seinen äußeren Charme und der Kabine ein maritimes Gepräge geben. Die Nasszelle ist relativ großzügig, ebenso die Dusche mit bequemer Handbrause und einem Wasserstrahl, der das Duschen zur Freude macht. Den Stauraum am Waschbecken allerdings wünscht man sich in Griff- und nicht in Kniehöhe. Die Kabinen sind nicht hellhörig; das Privatleben des Nachbarn bleibt da, wo es sein soll: In seiner Kabine. Den kleinen Schieber an der Kabinentür erkennt man erst auf den zweiten Blick (oder nach der Nachfrage bei der Stewardess) als diskretes „Bitte-nicht-stören“-Schild. Der Kabinenservice mag sich von Flur zu Flur (und von Stewardess zu Stewardess) unterscheiden. Leider ist er nicht überall perfekt. „Dienst nach Vorschrift” bei der abendlichen Service-Runde, wobei die Mini-Bar nicht aufgefüllt wird und offensichtlich herumstehende leere Flaschen stehenbleiben, sind auch auf einem Drei-Sterne-Schiff nicht opportun.

 

Bordatmosphäre

Die Atmosphäre auf der COLUMBUS ist eine deutlich andere als auf anderen Schiffen ihrer Kategorie. Jene Touristen, die mit dem Bus einen Mittelmeerhafen erreichen, um eine Kreuzfahrt zum Spottpreis zu unternehmen, findet man hier höchst selten. Und die Grundzufriedenheit, die die gute Ausstattung des Schiffes und der Service im Restaurant mit sich bringen, spürt man allenthalben. Insofern ist die COLUMBUS ein typisches Hapag-Lloyd-Schiff. Woran ihre Atmosphäre bisweilen krankt, sind Passagiere, die wegen der Route innerhalb der Reederei das Schiff wechseln. Wer HANSEATIC oder gar EUROPA gewöhnt ist, macht sich offenbar nicht klar (auch nicht angesichts der moderaten Reisepreise), dass die COLUMBUS nicht eine zu klein geratene EUROPA ist, sondern ein Schiff, das für eine gänzlich andere Zielgruppe konzipiert wurde. Unterhaltungen, in denen jeder zweite Satz mit „Auf der HANSEATIC ist aber dies und das” beginnt, machen die bemühten Servicekräfte der COLUMBUS ebensowenig glücklich wie die zufriedenen Passagiere. Auf den Routen durch die Großen Seen ist das besonders eklatant, weil es hier keine Alternative zur COLUMBUS gibt. Andererseits hat man außerhalb des Restaurants bisweilen den Eindruck, dass das Versprechen eines Drei-Sterne-Plus-Schiffes bewusst voll erfüllt wird – mehr aber auch nicht. Ob das daran liegt, dass Service-Kräfte von anderen HL-Schiffen auf die COLUMBUS wechseln und auf „halbe Kraft” zurückschalten, oder ob es eine Direktive gibt, die bewusste Schranken aufbaut, um eine deutliche Abgrenzung zu den höherwertigen Produkten der Reederei zu wahren, ist nicht ersichtlich – der Effekt jedoch spürbar. Und wenn jener HANSEATIC-Passagier, der den Restaurant-Service so begeistert lobte, den Mitarbeitern von Rezeption und Reiseleitung eine gewisse Kaltschnäuzigkeit nachsagt, dann hat er auch damit recht. Dafür aber begibt sich die COLUMBUS nie unter ihr Niveau, platter Smalltalk mit dem Steward oder gar Verbrüderungen, wie man sie auf anderen Schiffen dieser Kategorie beobachtet, gibt es nicht.

 

Entertainment: Das Tüpfelchen auf dem i

Tagsüber läuft auf der COLUMBUS das klassische Unterhaltungsprogramm, das man von Kreuzfahrtschiffen kennt. Ein paar Sportangebote, das nicht wegzudenkende Bingospiel und Treffen der Service-Clubs geben dem Tag an Bord Struktur. Ein Bayerischer Frühschoppen an Seetagen und andere Sonderveranstaltungen kommen hinzu. Insgesamt ist das Unterhaltungsangebot eher zurückhaltend. Das gilt auch für die abendlichen Show-Programme. Die „Happy Band” macht gute Musik in der Lounge; mit drei Solokünstlern jedoch lassen sich die Abende einer zehntägigen Kreuzfahrt nur schwer bestreiten. Hier „hinkt” die COLUMBUS hinter dem Gros ihrer Mitbewerberinnen her. Dabei verfügt sie über einen erstklassigen Seemanns-Chor, der spielend einen weiteren Abend füllen könnte. Die Qualität der Künstler wechselt freilich ebenso wie die der Lektoren. In beiden Fällen jedoch hat man auf der COLUMBUS nicht immer ein glückliches Händchen.

 

Für Körper und Wohlbefinden

Die COLUMBUS ist ein modernes Schiff, auf dem es an keiner Wellness-Einrichtung fehlt. Oben am Swimmingpool liegt ein kleines Fitness-Center mit Meerblick, wo zwei Laufbänder, drei Fahrräder, zwei Stepper, eine elektronische Ruderbank und eine Kraftmaschine auf überschüssige Kalorien warten. Handtücher und anderes Equipment ist ebenfalls vorhanden. Tief im Bauch der COLUMBUS gibt es eine Sauna mit Duschen, die mit ihren seitlichen Düsen und wählbaren Temperaturen keine Wünsche offen lassen. Die Sauna ist ausreichend groß, verfügt über Sanduhr, Thermometer und Aufgussmaterial. Dass sie sich „aus Sicherheitsgründen”, wie es heißt, nach 15 Minuten automatisch abschaltet, ist allerdings ein beständiges Ärgernis; dass sie darob meist kalt ist, wenn man spontan zum Saunen herunter kommt, ein noch größeres. Dafür bietet sie einen kleinen Ruheraum mit zwei Liegen. Sauna-Getränke fehlen. Nebenan bietet ein Allround-Talent Beauty und Massage an. Außer den Bordeinrichtungen wird mit entsprechenden Gymnastik-Angeboten für die Fitness der Passagiere gesorgt. „Fit in den Tag”, „1000 Schritte”, Reling-Gymnastik” und dergleichen stehen regelmäßig auf dem Programm.

 

Was sonst noch so auffällt

Die Klima-Anlage auf der COLUMBUS arbeitet überall geräuschlos und effektiv. Öffentliche Räume und Kabinen sind angenehm temperiert, ohne, dass es irgendwo zieht. – Passagiere der COLUMBUS werden nur mit den nötigsten Durchsagen behelligt. Bei interessanten Passagen kommt ein Hinweis, ebenso bei Programmänderungen. Für Dinge, die ohnehin im Tagesprogramm stehen, wird hier niemand gestört. – Nahe dem Foyer steht ein ruhiger Raum mit zwei PC-Terminals zur Verfügung. Neben kostenlosem e-Mail-Versand ist hier auch Internet-Zugang (via Satellit, kostenpflichtig) möglich. Allerdings funktioniert die Technik nicht immer, und die Rezeption ist mit Rückfragen technisch überfordert. Übereifrig löscht sie ungesendete Passagier-Mails, die man mühsam geschrieben und auf deren Versand man sich verlassen hat. Wer bei den Mitarbeitern darob Klage führt, muss feststellen, dass Einsicht nicht ihre starke Seite ist. – Im Lektorat am zweiten Tag nur einen Teil der Ausflüge vorzustellen, wobei eine Stunde nach der Vorstellung bereits Buchungsschluss für sämtliche Ausflüge ist, zeugt nicht von bestem Organisationstalent. Motto: „Buchen Sie heute – was Sie gebucht haben, erzählen wir Ihnen dann nächste Woche!” – Auf allen Reisen kann die Rezeption US-Dollar in Euro wechseln und umgekehrt (kleine Mengen). – Die COLUMBUS verfügt über zwei behindertengerechte Kabinen. Der Passagierbereich (öffentliche Räume) ist durchgehend rollstuhltauglich. – Es gibt ausgewiesene „Kinderreisen”, auf denen eine spezielle Betreuung angeboten wird. Sonst kümmert sich eine Hostess um mitreisende Kinder.

 

Schöne Ziele zum kleinen Preis

Nur wenige Drei-Sterne-Plus-Schiffe haben eine solch vielfältige Routenplanung wie die COLUMBUS. Auf ihrer alljährlichen Weltreise absolviert sie gewöhnlich einen ausgiebigen Besuch der Südsee. Im Sommer ist sie in Nordland und Ostsee unterwegs, verlässt dieses Gebiet jedoch früher, um sich nach Westen zu wenden. Hier liegt ihre Stärke: Nach einer Überfahrt Richtung Kanada kann sie als einziges Kreuzfahrtschiff ihrer Größe den St. Lawrence River bis in die Großen Seen Nordamerikas befahren. Meistens bietet sie zwischen Anfang September und Ende Oktober zwei Reisen auf dem Fluss und drei Törns durch die Großen Seen an. Aber auch als Kennerin der griechischen Inselwelt hat sie sich schon profiliert, als sie in einem Jahr im Herbst „Seen-Pause” machte. Im Hinblick darauf, was man bei einer Reise mit der COLUMBUS zu sehen bekommt, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr ordentlich. Stets werden gut organisierte Landausflüge angeboten, die der Veranstalter nur zum Teil beeinflussen kann, weil sie von örtlichen Agenturen zusammengestellt werden. Langjährige Erfahrung kommt den Planern von Hapag-Lloyd dabei zugute. Das Preisniveau entspricht dem im deutschen Kreuzfahrtmarkt üblichen Durchschnitt. Die Umsetzung der Programme an Bord gelingt jedoch nicht immer perfekt. Eine Bordreiseleitung, die es nicht schafft, örtliche Museen rechtzeitig zu informieren, wenn das Schiff Sonntag früh um 8.00 Uhr in einer Kleinstadt anlegt, macht sich keine Freunde. Eine, die einen Liegeplatzwechsel nutzt, um den Passagieren eine 24 € teure Busfahrt zum eigentlichen Ziel des Landganges zu verkaufen, ebenso wenig.

 

Leistungen und Preise an Bord

Massage/Spa: Teilmassage (25 Minuten) 26 €, Ganzkörper (50 Minuten) 49 €.

Bordfotograf: 5,50 € pro Bild, CD mit 150 Bildern der Reise 40 €, Filmentwicklung 3 € Vergrößerung 9x13 cm 0,35 €, 10x15 cm 0,39 €, Brennen einer Speicherkarte auf CD 256 MB 9€, 1 GB 15 €.

Friseur: Herrenschnitt 18 €, Damen 25 €, Waschen, Fönen, Legen 24 €,  Färben 30 €, Bart schneiden 3 €.

Beauty: Maniküre mit Lack 25 €, Kosmetik Gesicht (90 Minuten) 58 €.

Boutique: Logo-T-Shirt 12,50 €, Polo-Shirt 30 bis 130 €, Herren-Oberhemd 40 bis 130 €, Herrenhose (Brax) 85 €, Sonnenbrillen 60 bis 200 €, Schlüsselanhänger mit COLUMBUS-Bild 2,75 €, Kodak-Farbfilm (100/36) 4,60 €, Logo-Feuerzeug 1,50 bis 2,50 €, Fossil-Uhren 60 bis 85 €, Fahrenheit Eau de Toilette (100 ml) 51 €, Boss Eau de Toilette (50 ml) 35 €, Davidoff Eau de Toilette (125 ml) 49 €.

Getränke (Bar): Beck’s vom Fass (0,3 l) 1,50 €, Jever (Flasche 0,33 l) 2,10 €, Erdinger Hefeweizen (0,33 l) 1,30 €, verschiedene Whiskys (4 cl) 2,80 bis 4,90 €, Vodka (4 cl) 2,30 €, Cola, Fanta, Sprite (0,33 l) 1,50 €, Cocktails z.B. Kir Royal 3,80 €, Tequila Sunrise, Planter’s Punch, Pina Colada 3,60 €, Long Island Ice Tea 5,10 €.

 

Das Foyer mit Rezeption

 

Außenkabine

 

Galerie

 

Die Lounge

 

Bar in der Lounge

 

Die Bar in der Weinstube

 

Der Palmengarten

 

Das Palmengarten-Buffet

 

Die Bibliothek

 

Die Bordboutique

 

Das Fitness-Studio

 

Der Swimmingpool

 


Die Technischen Daten der COLUMBUS:

Baujahr

1997

Bauwerft

MTW Wismar

Tonnage

14.903 BRZ

Länge

144,13 Meter

Breite

21,5 Meter

Tiefgang

5,15 Meter

Gesamtleistung

10.560 PS

Geschwindigkeit

18, 5 kn

Passagierdecks

6

Gesamtzahl der Kabinen

205 (davon 8 Suiten)

Passagiere

420

Besatzung

170 Personen

 


Dieses Schiffsportrait entstand an Bord der COLUMBUS vom 11. bis 21.10.2006.




Das Restaurant der MS COLUMBUS