Historie    Ausgabe 4/2013 
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Harald Krachler

Untergang der Spanischen Armada vor 425 Jahren

Waagschale der Rivalität Spanien – England zur See neigte sich zugunsten von England

Wer kennt sie nicht, die Geschichten der Seekriege der Spanier und Engländer. Verfilmte Mantel- und Degenabenteuer, die in den 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts und auch noch heute mit Kanonendonner und Pulverdampf angereichert aus der Fließbandproduktion Hollywoods kamen und kommen. Hintergrund dieser Geschichten von Helden, Schurken, Macht und ,last but not least’ schönen Frauen war eines der bewegtesten Kapitel im Streit um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren: 1588, vor genau 425 Jahren ist die Armada (die „Bewaffnete”), die stolze Flotte Spaniens, am Wetter und an der taktischen Überlegenheit der Engländer gescheitert, die die Armada ironisch „invincible” (unüberwindbar) bezeichnet hatten.

Die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 (oder war es eine „Wiederentdeckung”?) hatte Spanien, Portugal und England, die am West- und Nordwestrand der bis damals bekannten Welt lagen, in eine günstige Mittellage zwischen Europa und der Neuen Welt versetzt. Vom spanischen Kulturphilosophen Salvador de Madariaga stammt der Ausspruch: „Die Entdeckung Amerikas war der Haupttreffer der größten Lotterie, die die Geschichte je kannte, und den machte Spanien. Und man weiß, was dem passiert, der den Haupttreffer macht – der Neid der anderen verbittert ihm das Leben”. Das Streben nach Seevorherrschaft und Weltgeltung von Spanien und England führte zu immer größerer Rivalität zwischen beiden Staaten. Unter Spaniens Herrscher Philipp II. (1527/1556-1598) und Englands Königin Elizabeth I. (1533/1558-1603) kam es zum Endkampf, dessen Folge dann der Niedergang Spaniens und der Aufstieg Englands war.

Die Reibereien begannen mit Kaperfahrten englischer Seemänner, allen voran von Francis Drake (seit 1581 Sir Francis Drake) in amerikanischen Gewässern und mit der Gefangennahme englischer Matrosen, die in spanischen Häfen aufgespürt wurden. Als 1568 in englischen Häfen spanische Schiffe mit Soldgeldern für die in den Niederlanden gegen dortige Rebellen eingesetzten Truppen des Herzogs von Alba als Prisengut beschlagnahmt wurden, ließ Alba das gesamte englische Vermögen in den Niederlanden beschlagnahmen. Königin Elizabeth schlug zurück, indem sie den spanischen Gesandten in London in ein Gefängnis stecken ließ. Verschärft wurde der Gegensatz durch die Gefangennahme der schottischen Königin Maria Stuart (1569) auf englischem Boden, wohin sie vor einer Rebellion in ihrem Land geflüchtet war, und vielen, meist mit Wissen, aber ohne aktive Beteiligung König Philipps angezettelten Verschwörungen gegen die 1570 von Papst Pius V. gebannte Elizabeth.

Anfangs eher zurückhaltende Politik Philipps und Elizabeths

Die Politik Königin Elizabeths war eher schwankend: heimliche Förderung der antispanischen Rebellen in den Niederlanden (offene Förderung erst ab 1585) und englischer Kaperfahrten gegen Spanien bei äußerer Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen, doch Bereitschaft einer Flotte. Englische Historiker nannten die Politik „Masterly inactivity”.

Aber auch König Philipp verfolgte anfangs eine eher zurückhaltende Politik. Als aber 1584 der spanische Gesandte in London aus England ausgewiesen wurde und 1585 Sir Francis Drake als Rache für die Beschlagnahme englischer Schiffe im Hafen von Bilbao eine neue Raubexpedition in amerikanischen und auch spanischen Gewässern (so im Hafen von Vigo) unternahm, lieh Philipp den schon lange vorgetragenen Forderungen von Don Alvaro de Bazan, Marques de Santa Cruz, nach scharfem Vorgehen gegen die englischen Herausforderungen Gehör. Im festen Glauben, Gottes Wille auszuführen, sollte mit einer gewaltigen Flotte England niedergerungen werden, auch sollte England wieder rekatholisiert und die spanische Herrschaft über Flandern sowie die überseeischen Besitzungen gegen englische Angriffe gesichert werden. Ab April 1586 verwandelten sich portugiesische (Portugal war seit 1580 für 60 Jahre in Personalunion mit Spanien verbunden), spanische und italienische Häfen in riesige Schiffsbaustellen, auf denen Tag und Nacht gearbeitet wurde. Europa glaubte zunächst an ein größeres spanisches Unternehmen gegen die rebellischen Niederlande. Die Engländer wussten durch einen ausgezeichneten Spionagedienst, was sich zusammenbraute und gegen wen sich das Unternehmen tatsächlich richten sollte.

Drake beschloss, „den Bart des spanischen Königs zu versengen”. Das geschah 1587 durch eine gewagte Piratenaktion: im Hafen von Cadiz wurden 18 spanische Schiffe versenkt, sechs weitere gekapert, die Algarve geplündert, spanische Nachrichtenboote abgefangen und das größte Ostindienschiff Portugals mit der gesamten Warenladung auf der Höhe der Azoren entführt. Drake sprach damals die berühmten Worte: „Alles Große muß einmal begonnen werden. Aber erst das Durchhalten bis zum Ende bringt wahren Ruhm”. In England wurden zu dieser Zeit auch Schiffe in strategisch wichtigen Häfen an der Kanalküste, vor allem in Plymouth konzentriert und Truppen in Alarmzustand versetzt.

Maria Stuarts Hinrichtung am 8. Februar 1587 war nicht Anlass der Entsendung der Armada, doch wurden Philipps Wille und Absicht zur Niederringung Englands dadurch beflügelt. Um das Projekt gegen eine mögliche französische Intervention zu schützen, „neutralisierte” Philipp das französische Königshaus Valois, indem er die Familie Guise im Kampf um die Macht in Paris unterstützte. Er verließ sich auf Anleihen deutscher und italienischer Banken, sowie Lieferungen von Edelmetall aus der Neuen Welt zur Finanzierung des geplanten Unternehmens.

Missgeschicke der Armada schon vor ihrem Auslaufen

Als die Armada im Februar 1588 endlich auslaufbereit im Hafen von Lissabon lag, gab es das erste ihrer zahlreichen Missgeschicke. Ihr Admiral, der Marques de Santa Cruz , der letzte der großen Helden der siegreichen Seeschlacht von Lepanto (1571) gegen die Osmanische Flotte und vermutlich einzige Heer- und Flottenführer, der den Engländern hätte Paroli bieten können, starb. Den Oberbefehl erhielt der dem Königshaus nahestehende Don Alonso Perez de Guzman, Herzog von Medina Sidonia (1550-1619) ein Vetter des Königs. Dieser wusste von seiner Unerfahrenheit in Sachen Seekriegsführung und versuchte, allerdings vergeblich, König Philipp von seiner Betrauung mit dem Oberbefehl abzuhalten.

Ende März 1588 sollten 130 Schiffe (22 Galeonen und 108 bewaffnete Handelsschiffe) mit einer Gesamtbesatzung von etwa 30.000 Mann, davon etwa 19.000 bewaffneten Soldaten, Lissabon verlassen. Ursprünglich hätten es 150 Schiffe und 60.000 bewaffnete Soldaten sein sollen. Es passierte das zweite Missgeschick: fast alle an Bord genommenen Vorräte an Lebensmitteln waren verdorben, Artilleriemunition und Pulvervorräte unzureichend, auch war es ein offenes Geheimnis, dass es zwischen Lieferanten und Ankäufern zweifelhafte Geschäfte, also Korruption, gegeben hatte. So konnte die Armada erst am 14. Mai aus Lissabon auslaufen. Sie hatte den Befehl, die englischen Seestreitkräfte im Enterkampf, der sich 1571 bei Lepanto glänzend bewährt hatte, zu überwinden. Dann sollte sie die in den Spanischen Niederlanden (das heutige Belgien) bereitstehend 30.000 Mann starke Invasionsarmee unter dem Kommando des damaligen Statthalters Alessandro Farnese, Herzog von Parma (einem Neffen König Philipps) an Bord nehmen und an die englische Küste bringen. Der Vorstoß nach London sollte über bzw. entlang der Themse erfolgen. Bei Schlechtwetter sollte sich Media Sidonia zunächst der Insel Wight im Ärmelkanal bemächtigen.

Die englische Flotte war mit 35 Kriegsschiffen und 163 bewaffneten Handelsschiffen der spanischen zahlenmäßig unterlegen, doch waren ihre Schiffe wegen ihres geringen Tiefgangs wendiger und die Reichweite ihrer Artillerie den spanischen Geschützen überlegen. Auch verfügten die englischen Schiffe über professionellere Besatzungen und Kanoniere. Den Oberbefehl führte der High Admiral der Königin, Charles Howard, Erster Graf von Nottingham (1536-1624), besser bekannt als Lord Howard of Effingham. Seine Autorität war stark genug, um die ihm anvertrauten Kräfte unter Führung so verschiedener Charaktere wie Sir Francis Drake (1540-1596), Sir John Hawkins (1532-1595), Sir Martin Frobisher (1539-1594) und andere zusammenzuhalten. Der in England berühmte und außerhalb seines Landes berüchtigte Drake hatte als Viezadmiral von Plymouth bestimmte Sonderrechte, die ihm den nötigen Einfluss auf die Führung der Operationen sicherten. Frobishers Flaggschiff TRIUMPH konnte es mit jedem spanischen Schiff aufnehmen. Die ARK ROYAL war das Flaggschiff von Hawkins, die REVENGE von Drake. 35 Schiffe der englischen Flotte gehörten der Königin, 53 größere waren in Privatbesitz, so gut wie alle stark bewaffnet. Nur beim Nachschub gab es Probleme, da in den Häfen nur geringe Mengen an Pulver und Kanonenkugeln lagerten, auch Proviant war knapp.

Nach dem Auslaufen der Armada aus Lissabon folgte das dritte Missgeschick: viele Besatzungsmitglieder erkrankten als Folge des Genusses erneut verdorbener Lebensmittel, so dass der Hafen von La Coruna angelaufen werden musste. Dort blieb man bis Mitte Juni, nahm neue Lebensmittel an Bord, stieß kranke Matrosen ab und heuerte, auch als Folge von Desertionen, neue Besatzungsmitglieder an.

19. Juni: Armada vor Lizard Point in Cornwall

Drake hatte die Meinung vertreten, den Kampf möglichst weit weg von der englischen

 

Küste zu beginnen. So stach Sir John Howard dreimal in See, um den Feind abzufangen, zweimal gelangte er bis in den Golf von Biscaya. Er wurde aber jedesmal von Stürmen nach Plymouth zurückgetrieben. Derselbe Südsturm, der ihn beim dritten Mal nach Hause trieb, ermöglichte der Armada, drei Tage nach Verlassen von La Coruna in den Ärmelkanal einzulaufen. Am 19. Juni bekamen die Spanier Lizard Point in Cornwall, den südlichsten Punkt der englischen Kanalküste in Sicht. Die Nachricht verbreitete sich dank von Signalfeuern mit Windeseile.

Drake erfuhr bei einem Kegelspiel in Plymouth, dass die Armada gesichtet worden war. „Wir haben Zeit genug, das Spiel zu beenden und die Spanier zu schlagen”, war seine Reaktion. Im südostenglischen Tilbury sprach Königin Elizabeth angesichts der Invasionsgefahr ihren Soldaten Mut zu. Berühmt wurden ihre Worte: „Mein Körper ist nur der einer schwachen Frau, aber ich habe das Herz und den Mut eines Königs, eines Königs von England”.

Medina Sidonia glaubte im Angesicht von Lizard Point, die Entscheidung stehe unmittelbar bevor. Doch die Engländer hatten die Gefahr einer Einschließung in der Bucht von Plymouth erkannt, brachen mit ihren dortigen Schiffen hervor, gelangten dank ihrer Kenntnis der Küstengewässer dicht unter Land in die offene See und auf die Luvseite der Armada. Damit hatten sie einen von Medina Sidonia zu spät erkannten taktischen Vorteil errungen. Wer in der Zeit der Segelschiffe auf der Windseite des Gegners war, war Herr der Lage: er konnte den Angriffszeitpunkt bestimmen, weil der Wind ihn auf den Gegner zu trieb.

Englische „Nadelstiche” bei Passage der Armada durch den Ärmelkanal

In drei Glieder gestaffelt (nicht wie in vielen Darstellungen in Halbmondform mit der konvexen Seite nach vorne) setzte die Armada ihre Fahrt durch den Ärmelkanal in Richtung Osten fort, verfolgt von den Engländern, die ihren Gegnern Tag und Nacht „Nadelstiche” beibrachten. Sie lieferten den Spaniern Fernkämpfe mit Kanonen, vermieden aber den Nahkampf des Rammens und Enterns, in dem die Stärke der Spanier lag. So kam es u.a. am 21., 23. und 25. Juli zu Artilleriescharmützeln, wobei Schiffe beider Seiten beschädigt wurden, nicht jedoch zu einer Entscheidungsschlacht. Dabei verschossen die Spanier ihre Munition ohne Hoffnung auf Ersatz, während die Engländer ständig Nachschub aus den nahen Kanalhäfen erhielten.

Nur zwei spanische Schiffe fielen durch Kaperung in die Hände der Engländer: zunächst in der Nacht zum 21. Juli die NUESTRA SENORA DEL ROSARIO (Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz), das Flaggschiff des Andalusischen Geschwaders, das nach zwei Kollisionen mit eigenen Schiffen mit der übrigen Flotte nicht Schritt halten konnte. Sein Kapitän Don Pedro de Valdes, einer der besten spanischen Seeleute, ergab sich kampflos Drake, der den Spanier auf seinem Schiff REVENGE zuvorkommend behandelte. Die ROSARIO wurde nach Dartmouth abgeschleppt. Das zweite gekaperte Schiff, die SAN SALVADOR wurde nach einer Explosion im Schiffsrumpf nach Weymouth geschleppt.

Kriegslist der Engländer und Armada-Katastrophe vor Calais

Medina Sidonia wollte eine möglichst rasche Vereinigung mit dem gerade in Brügge weilenden Farnese und seinem Heer, als Treffpunkt war Dünkirchen ausgemacht worden. Wegen ungünstiger Wind- und Seeverhältnisse warfen die Spanier in den letzten Julitagen auf der Höhe von Calais ihre Anker aus und warteten auf Farnese. Ein ausreichend großer Hafen zum Schutz der Spanier war dort nicht vorhanden. Howard und Drake, die inzwischen durch ein aus der Themse angelaufenes Geschwader Verstärkung erhalten hatten, war klar, dass sich keine bessere Chance mehr bieten würde, die Spanier in ihrer ungünstigen Lage anzugreifen. Sie mussten von ihrem Ankerplatz vertrieben werden, bevor Farnese erfuhr, wo die Armada lag.

Noch bevor Medina Sidonia das Auslaufen von dem Ankerplatz bei Calais nach Dünkirchen befahl, bedienten sich die Engländer in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli unter Ausnützung der für sie günstigen Windverhältnisse einer Kriegslist. Sie ließen acht sogenannte HELL BURNERS auf die Armada losdriften – kleine, mit brennbarem Zeug vollgestopfte und in Brand gesteckte Schiffe, in deren Inneren Sprengkörper und Pulverpakete verteilt waren.

Die Wirkung dieser brennenden Schiffe war verheerend, obwohl keines von ihnen ein spanisches Schiff in Brand gesetzt hatte. Die Spanier kappten die Ankertaue und versuchten, mit ihren Schiffen die offene See zu erreichen. Doch die Flut trieb die Schiffe aufeinander zu, so dass viele schwer beschädigt wurden und andere auf Sandbänke und Riffe gerieten. Die höchst verwirrten Spanier konnten am Morgen des 30. Juli, als der Wind auf West-Süd-West umgeschlagen hatte, endlich das offene Meer erreichen, nur die SAN LORENZO trieb in Richtung Calais, wobei sie von den Engländern mit Handfeuerwaffen beschossen wurde.

Herbststürme auf dem Atlantik gaben der Armada den Rest

Da holländische Rebellen den Hafen von Antwerpen blockierten, ein Rückweg durch den Ärmelkanal unmöglich war, viele Schiffe wegen der Kampfschäden leckten und zu allem Ungemach noch Proviant und Trinkwasser knapp wurden, fasste Median Sidonia nach langem Kriegsrat den Entschluss, um zu retten, was noch zu retten war, Schottland und Irland zu umfahren und durch den Atlantik dann spanische Häfen anzulaufen. Vorher gab es noch längere Artillerieduelle mit den Engländern, die weiterhin dem Nahkampf auswichen. Bis auf die Höhe der Orkney-Inseln konnte sich die dezimierte Armada zusammenhalten. Howard musste seine Verfolgung der Spanier hier aufgeben, weil auch sein Proviant und seine Munition zur Neige gingen, unter seiner Besatzung Krankheiten ausgebrochen waren und man auch Gefahr lief, in schottische Gewässer zu geraten. Denn die Beziehungen zwischen England und Schottland waren damals nicht immer friktionsfrei, erst nach 1603 bestand zwischen beiden Ländern eine Personalunion, ab 1707 eine Realunion unter dem Namen Großbritannien.

Die Armada bekam beim Abdrehen in Richtung Westen und Südwesten vor den Küsten Schottlands und Irlands die volle Wucht der herbstlichen Atlantikstürme zu spüren. Teils versanken die Schiffe, teils wurden sie abgetrieben und an Steilhänge und Klippen geworfen. Wer von der Besatzung solcher gestrandeter Schiffe überlebte, wurde von der lokalen Bevölkerung ausgeplündert und gefangen genommen, viele auch niedergemacht. Wracks spanischer Galleonen wurden später auf den Äußeren Hebriden und den Felsküsten von Donegal, Connaught und Galway gefunden.

Am 22. September 1588 landete Medina Sidonia mit nur 11 Schiffen im Hafen von Santander, weitere 55 schwer beschädigte kamen einzeln oder in kleineren Gruppen in den folgenden Wochen nach Santander oder La Coruna. 64 Schiffe und mindestens 10.000 Mann waren beim Armada-Abenteuer verlorengegangen, während sich die englischen Verluste bei den Kämpfen nur auf etwa 500 Mann beliefen. Relativ gefasst nahm König Philipp die Nachricht von der Katastrophe auf. „Gegen Menschen, nicht gegen Naturkräfte habe ich meine Flotte ausgesandt”, sagte er. Für das spanische Volk war Medina Sidonia der Südenbock, der König ließ ihn aber in allen Ehren auf seine Besitzungen zurückziehen und den Titel eines Oberkommandierenden der spanischen Seestreitkräfte behalten.

Trotz Armada-Katastrophe kam Spanien glimpflich davon

Vielfältig waren die Ursachen des Untergangs der Armada: die Überlegenheit der neuzeitlichen englischen über die weitgehend noch mittelalterliche Seekriegsführung Spaniens (das taktische Geschick Sir Francis Drakes war hier nur ein Teilaspekt), größere Reichweite englischer Geschütze gegenüber den spanischen, wendigere englische gegenüber schwerfälligen spanischen Galeonen, organisatorisches Versagen bei der geplanten Vereinigung der spanischen Flotte mit dem Landheer in den Niederlanden und Unfähigkeit des spanischen Oberkommandierenden Medina Sidonia. Endlich Sturm und Wellen, aber da war die Armada schon eine geschlagene, zermürbte und wehrlose Flotte.

Die protestantische Welt sah im Untergang der Armada ein Gottesurteil und prägte zahlreiche Gedenkmünzen. Eine englische Münze trug die Aufschrift „Afflavit Deus et dissipati sunt”. Königin Elizabeth schrieb in einem „Song of Thanksgiving” einen Lobgesang, in den alle ihre Untertanen einstimmten: „Er ließ den Wind, die Wasser dräun um meine Feinde zu zersteuen”.

Trotz der Armada-Katastrophe stand Spanien nach außen hin noch als Weltmacht da: es hatte bald wieder eine neue Flotte, verlor kein Territorium an England, auch seine Einnahmen aus den Bergwerken der Neuen Welt erlitten keine Beeinträchtigung. Doch der gegenseitige Krieg zog sich noch weitere 18 Jahre auf „Sparflamme” dahin, erst dann kam es zu einem besseren Einvernehmen zwischen England und Spanien. Doch mit der spanischen Vorherrschaft zur See war es vorbei, es begann langsam, nach 1600 immer rascher der Niedergang Spaniens zu Land und zur See, während das Jahr 1588 für England das Geburtsjahr seines Aufstieges zur Gebieterin der Meere war.

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