BERUFE AN BORD

KRIMI

SEEMANNSGARN MIT HEIN MÜCK


Außerhalb Schwedens ist die Insel Öland kaum bekannt. Sie liegt im Süden dicht unter Land gegenüber der Stadt Kalmar und ist durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Für Kreuzfahrer ist sie uninteressant. Im Sommer quillt Öland über von sonnenhungrigen Feriengästen, außerhalb der Saison ist dort nichts los.

Es sei denn, dass ein kleiner Junge spurlos verschwindet, ohne dass man seine Leiche findet. Die Polizei ist sicher, der Junge ist ertrunken, sein Großvater, der als ehemaliger Fischer jetzt in einem Altersheim lebt, ist anderer Meinung und lässt die Mutter des Jungen an seinen Gedanken und an seinem Tun teilhaben. Nicht nur die große Ostsee fordert immer mal Opfer, fast noch unheimlicher ist die gewaltige Alvaret, die menschenleere Heide, von Mauern durchzogen und von Wacholderbäumen bestanden, die im Süden beginnt und sich bis weit in die Mitte der Insel erstreckt. Nicht nur im Nebel kann man in ihr verschwinden.

In diesem Szenarium lässt Johan Theorin seinen Kriminalroman „Öland spielen und man mag nicht glauben, dass er sein Debüt gewesen sein soll. Die schwedische Krimi-Akademie hat „Öland als besten Erstling ausgezeichnet. Er wurde sofort in  dreizehn Sprachen übersetzt und gehört zu den Büchern, die man gern in einem Rutsch lesen mag. Theorin erzählt die Handlung in zwei Strängen, die sich annähern und schließlich in einander verweben. Den Täter glaubt man, schon früh benennen zu können und wartet eigentlich nur noch darauf zu erfahren, wie er denn die Tat ausgeführt hat. Aber dann kommt es ganz anders.

Die handelnden Personen sind gut entwickelt und durchgezeichnet, der Großvater und seine Freunde rühren den Leser, die krankgeschriebene Mutter, die in Göteborg Rotwein saufend und Pillen schluckend haust, zieht auf die Insel und wird uns hier Schritt für Schritt sympathisch. Theorin beschreibt eine Landschaft, die wir riechen, ja schmecken und fühlen können. Auch die Geschichte der Insel interessiert uns dabei, sie lebte einst gut vom Export von Steinen in den gesamten Ostseeraum.

Wie so oft in Kriminalromanen gibt es keine nachvollziehbare Erklärung für das Böse. Der Täter tötet – nicht motivlos, doch ohne dass wir begreifen, warum.

Dieser Roman gehört zu den genussreichen Geschichten, die nur an diesem Ort und nur unter diesen Menschen geschehen können. Auf einer Insel wie dem benachbarten Gotland, beliebter Halt bei Kreuzfahrten, wäre er nicht vorstellbar. Johan Theorin hat mittlerweile einen zweiten Ölandkrimi geschrieben „Nebelsturm. Auch er erhielt einen Preis, den für den besten Kriminalroman des Jahres.

 

Johan Theorin

Öland
Kriminalroman
Erschienen beim

Piper Verlag, München,

ISBN 978-3-492-25368-0.
Aus dem Schwedischen von Kerstin Schöps,

448 Seiten, kartoniert
€ 8,95 (D), € 9,20 (A),

CHF 16,90 (CH).

Piper Verlag/Öland
 


Seemannsgarn mit Käpt'n Hein Mück

 

►►► Tja, Hein Mück gehört zu denen, die ihr Radfahren nach den Blättern richten. Wenn’s grün wird, kommt das Rad aus dem Schuppen, wenn die Blätter fallen, landet es dort wieder – zwischen Beginn des Frühlings und Ende des Herbstes radelt Hein Mück. Damit unterscheidet er sich von den Ganzjahresradlern, die hier an der Küste eine große Schar bilden. Selbst tiefer Schnee, Frost und Nordweststürme halten sie nicht auf. Dick vermummt trotzen sie jedem Wetter und bewegen sich auch dann noch auf zwei Rädern, wenn Hein Mück wegen Glatteis oder Schneeverwehungen sein Auto in der Garage lässt und eher vorsichtig durch den Schnee tappst.
Jedes Jahr wieder muss Hein Mück entscheiden, wann die Inspektion fällig ist, denn sie muss, meint er, beim Rad genau so sorgfältig ausgeführt werden wie bei seinem Auto. Also wann ist sie fällig – ehe es im Schuppen verschwindet oder vor Beginn der Radelsaison? Hein Mück hat sich für die zweite Variante entscheiden. Das Fachgeschäft an der Ecke liegt zwischen einem Restaurant und einem Weinladen und trägt darum wohl den sinnigen Namen „Radfeinkost“. Der Inhaber und seine Mitarbeiter verstehen ihr Handwerk und haben eine große Klientel, was man an den vor dem Hause an durch Ketten gesicherten Blöcken von Rädern erkennt, die hier gewartet werden.
Mehr als einmal im Jahr muss Hein Mück den Laden nicht aufsuchen, was er irgendwie bedauert, weil er die Kerle mag. Aber wenns am Rade nichts zu warten gibt, muss man auch nicht zur „Radfeinkost
Im letzten Frühjahr gabs Wartezeiten, darum hat Hein Mück in diesem Jahr mit seinem Prinzip gebrochen. Schon als der Schnee zu schmelzen anfing, schob Hein Mück sein Rad durch den feuchten Matsch und war tatsächlich der erste, der in diesem Jahr um eine Inspektion bat. Nach ein paar Stunden schon konnte er sein Rad wieder abholen. Die leichte Acht im Hinterrad war verschwunden, der Rahmen glänzte wieder, die Kette lief gefettet völlig lautlos und die Klingel klang fröhlicher als im Herbst. Und dann waren die Reifen so prall wie nie zuvor.
Was für ein Kundendienst, dachte Hein Mück bei sich, der das Aufpumpen überhaupt nicht mag. Am Eingang des Ladens entdeckte er eine Rolle, um die ein dünner Schlauch gewickelt war mit einer metallenen Spitze. Und nun wird Hein Mück doch wohl öfter bei der Radfeinkost anhalten. Denn mit dem Schlauch kann man seine Reifen kostenlos und mühelos aufpumpen. Hat der Reifen drei bar, stoppt die Luftzufuhr automatisch. Eine tolle Idee, mit Druckluft Kunden zu binden oder neue zu gewinnen. Drei bar ist genau der Luftdruck bei dem Hein Mücks Rad wie von selbst läuft.

 

►►► Tja, wohin gehören Kühe? Zu Hein Mücks Jugendzeit standen sie winters im Stall und grasten im Sommer draußen. Irgendwann im Frühjahr wurden sie auf die Weide getrieben, der Kuhstall wurde entmistet und gesäubert und alle paar Jahr auch frisch gestrichen, „gewitschert”, wie man hier an der Küste sagt. Wenn den Mägden beim Melken die Hände froren, kehrten die Kühe in den Stall zurück. Mit dem Bollerwagen ging’s zum Melken auf die Weide, die dreibeinigen Melkschemel steckten zwischen den Milchkannen. Die Kühe schienen auf das polternde Geräusch zu warten und sammelten sich mit prallen Eutern am Weidegatter. Der Weg zurück war schwieriger, denn volle Milchkannen wiegen viel.
Neuerdings, nein, eigentlich schon seit vielen Jahren gibt’s diese Bilder nicht mehr. Milchkühe, die auf der Weide gemolken werden, sind selten geworden, in Ställen lassen sie sich besser und mit weniger Aufwand melken, man kann ihr Futter genauer bemessen.
Was Hein Mück heute auf den Weiden sieht, sind vor allem Jungrinder, die noch keine Milch geben oder junge Bullen. Ganz gelegentlich mal sieht er auch Kühe mit ihren eigenen Kälbern. Auf diesen Anblick freut sich Hein Mück und wartet darum in diesem Jahr ganz geduldig. Denn immer noch ist das Vieh im Stall. Viele Weiden sind noch quatschnass und nachts ist es immer noch viel zu kalt, selbst wenn man ein dickes Fell hat.

 

►►► Tja, im Oktober verschwand Molin, der Italiener, sang- und klanglos. Die Fenster seiner Eisdiele waren von innen mit braunem Packpapier verhängt und ein handgeschriebener Zettel verkündete, dass es ab März wieder Eis bei ihm geben würde. Fünf Monate war der kleine Laden mit der großen Theke für sechzehn Sorten Eis geschlossen.
Früher mal hatte ein Freund von Hein Mück, der was von Marketing verstand, Molins Eisdiele für die ersten drei eislosen Monate gemietet. Und im Oktober, November und Dezember prächtige isländische Pullover angeboten. Die verkauften sich damals sehr gut, bis Weihnachten vorbei war oder der Frühling sich ankündigte. Irgendwann kamen die Pullover etwas aus der Mode, Fleece war schicker und kratzte nicht so, Hein Mücks Freund versuchte sein Glück mit alten Seekarten und Messingkram, den er aus Kuttern aufkaufte, die abgewrackt wurden.
Auch das lief eine Zeit ganz gut und könnte vielleicht immer noch Kunden anziehen, aber da fand der Freund einen Laden, den er das ganze Jahr über in einem Kurort im Binnenland mieten konnte, und verabschiedete sich. Molins Eisdiele öffnete sich fortan fünf Monate im Jahr nicht. Das beste Eis der Stadt war unendlich lange nicht zu haben. Bedauerlich für Hein Mück und junge und alte Leckermäuler.
Ab und an fragte sich Hein, wovon Molin denn wohl in den fünf Monaten in Italien lebte. Konnte man in der Saison so viel mit Eis verdienen, dass man fast ein halbes Jahr nicht zu arbeiten brauchte? Dem muss wohl so sein! Irgendwann entdeckte Hein Mück bei einer Radtour, dass es in einem anderen Stadtteil eine zweite Eisdiele von Molin gab. Mit zwei Läden kann man sich also eine lange Winterpause wohl leisten.
An einem Montag Mittag im März, so um die Zeit, als die Kindergärten und die Schulen die Gören entließen, war Molins Eisdiele plötzlich wieder geöffnet. Es herrschten noch eisige Temperaturen, der Nordost zeigte, was in ihm steckte. Aber gegen beides kann man sich mit Pudelmützen, Anoraks und dicken Schals schützen. Und das taten die Eisfreunde, gleich welchen Alters. Sie hielten die Waffeln in behandschuhten Händen, hatten rote Nasen und Backen und lutschten hingebungsvoll an den Eiskugeln. Und was tat Hein Mück? Stellte sich ans Ende der Schlange und erstand eine Kugel Stratiatella und eine Kugel Karamell. Oh ja, nun würde es bald Sommer werden. Molins Eis schmeckte schon jetzt danach.


►►► Tja, Hein Mück legt einen gewissen Wert auf anständige Kleidung, trägt zum Jackett gern Krawatten und sorgt dafür, dass seine Schuhe immer glänzen. Und ähnlich halten es viele seiner Freunde. Zu einem angenehmen Äußeren gehören nach Hein Mücks Meinung auch eine gut getrimmte Frisur und saubere und gepflegte Hände. Und damit hapert’s um diese Jahreszeit bei einigen Freunden gewaltig. Zwar sieht man an den Händen keinen groben Dreck, aber auf die Fingernägel darf man nicht schauen. Unter den Nagelrändern klebt häufig, was dort eigentlich nicht hingehört. Haben die Freunde im langen Winter sich gehen lassen, den guten Stil verlernt? Natürlich nicht. Neulich meldete sich nach langem Schweigen Gerd wieder, Segel-Freund aus alten Tagen. Hein Mück traf ihn auf einen Rotwein. Gerd präsentierte einen Stapel Bilder. Er hatte endlich, endlich ein neues Segelboot gefunden, gebraucht zwar, aber kerngesund, das er im späten Frühjahr zu Wasser bringen würde. Die meisten Fotos zeigten den FUNDEVOGEL von innen und außen, so wie besehen und gekauft. Die letzten zeigten Gerd beim Herrichten der Yacht. Sie brauchte einen neuen Unterwasseranstrich. Dazu musste der alte Bootslack entfernt werden.
Das geht doch mit Maschine ganz gut, äußerte sich Hein Mück. Gerd sah ihn stirnrunzelnd an. Doch nicht bei meinem Boot. Gerd, der olle shiplover, hatte das ganze Unterwasserschiff zweimal gereinigt, einmal mit Maschine und dann mit der Hand. Mit der bloßen Hand, nicht mit einer, die durch Handschuhe geschützt war. Nur so kann man richtig spüren, wo noch eine Unebenheit zu beseitigen ist: Originalton Gerd. Und dieser feine Staub auf Ölfarbenbasis setzt sich mit Vorliebe unter den Fingernägeln fest und ist kaum zu entfernen. – Wer also hier an der Küste feinen Twill und Trauerränder an den Fingernägeln trägt und immer mal nach dem Wind schnüffelt und so einen in die Ferne schweifenden Blick hat, ist höchstwahrscheinlich wie Freund Gerd einer, der seine Yacht gerade für die Saison bereit macht.


►►► Tja, das Ereignis war eine Notiz im „Blättchen” wert, die Fähre hatte ihren Sommerbetrieb wieder aufgenommen. Der Winter war endgültig vorbei. Für ein paar Cent konnte man als Fußgänger oder Radfahrer den Fluss wieder mit der kleinen Fähre überqueren – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Erst im Spätherbst muss man wieder die Brücke mit der großen Straße benutzen und dazu lange Umwege in Kauf nehmen.


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Kinderbücher aus der Annaka-Reihe: Das sind spannende Abenteuergeschichten im klassischen Märchen-Erzählstil für Kinder ab 5 Jahren, wobei das Lesealter mit jedem Band steigt, so dass die jungen Leser mit Annaka mitwachsen können. Bisher erschienen: Band 1 ab 5 Jahren, Band 2 ab 7 Jahren, Band 3 ab 10 Jahren.

 

Band 1: Annaka und das Geheimnis der Seerose

von Reinhard Opitz

 

Annaka ist ein junges Mädchen, das im Waldhäuschen „Himmelskoje” allein mit seinen Haustieren lebt. Ein Stein, den sie eines Tages am Ufer des nahen Sees findet, löst bei ihrer Stoffpuppe, Professor Phillipo, ein „dubioses Lieblingspuppenwunder” aus. Mit Phillipo und seinen hinzugewonnenen Fähigkeiten sowie dem detektivischen Spürsinn Annakas finden sie heraus, dass Annakas Eltern nicht wie vermutet durch einen Unfall ums Leben kamen, sondern entführt wurden. Unter Mithilfe des einzigen Dorfpolizisten gelingt es, die Eltern zu finden und das Königreich zu retten.

 

Erschienen im Buchverlag Andrea Schmitz, Egestorf (ISBN: 978-3-935202-52-7). 64 Seiten, € 11,50. Bestellung

 

Band 2: Annaka – Prinzessin Mütterchen klärt einen Fall

von Reinhard Opitz

 

Annaka fühlt sich wohl auf Schloss Schwanenfels, ihrem neuen Zuhause. Doch die gesellschaftlichen Zwänge treiben sie zur Flucht. In ihrem Heimatdorf Sankt Waldhütten am See lernt sie die körperbehinderte Caro kennen und trifft drei weitere Freunde. Zusammen beschließen sie, eine Räuberbande, die Kutschen überfällt, hinter Schloss und Riegel zu bringen. Dabei geraten sie in große Gefahr. Für Caro wird die Lösung des Falles zu einem Kampf um Anerkennung in der Gruppe. Sie wächst über sich selbst hinaus und wird zu einer Heldin wider Willen.

Annaka gewinnt neue Freunde und ist nebenbei auf den Spuren einer ihrer adeligen Ahnen.

 

Erschienen im Buchverlag Andrea Schmitz, Egestorf (ISBN: 978-3-935202-53-4). 76 Seiten, € 11,50. Bestellung

 

 

Band 3: Annaka – Der Schatz des Grafen von Mangold

von Reinhard Opitz

 

Annaka und ihre beste Freundin Caro entdecken einen rätselhaften Einbruch in das Archiv ihrer Dorfkirche. Bei der Aufklärung stoßen sie und ihre drei Freunde auf die Fährte von zwei fragwürdigen Gestalten, die einen verschollen geglaubten Schatz suchen. Zwischen ihnen und den fünf Freunden kommt es zu einem erbitterten Wettlauf um dieses Vermögen. Während der Suche geraten die Jugendlichen in größte Gefahr. Nur durch das kameradschaftliche Verhalten und den außergewöhnlichen Mut eines jeden einzelnen gelingt es, die Bedrohungen zu überstehen. Unterstützung erfährt die verschworene Gemeinschaft durch die feine Spürnase Lalus, Annakas Wolfshund. Ganz nebenbei klären die fünf Freunde Gewalttaten auf, die sich Jahrhunderte zuvor ereignet hatten. Zudem erfährt Caro im Verlauf der Schatzsuche, wer sie wirklich ist. Außerdem kommen die Mädels zum ersten Mal mit einer schüchternen Liebe in Berührung.

 

Erschienen im Buchverlag Andrea Schmitz, Egestorf (ISBN: 978-3-935202-57-2). 277 Seiten, € 17,80. Bestellung