| ARABISCHER GOLF |
AUSGABE 3/2010 |
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Mit dem Kreuzfahrtschiff BRILLIANCE OF THE SEAS in die Wüste. |
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Selbst wenn die Hotelpreise sinken – Dubai ist noch immer ein teures Reiseziel. Kreuzfahrten im Arabischen Golf dagegen liegen voll im Trend. Und bieten Kontraste zwischen gestern, heute und übermorgen im XXL-Paket: Das scheinbar noch im Dornröschenschlaf liegende Sultanat Oman, die Emirate Fujairah und Abu Dhabi sowie das Königreich Bahrain.
Sind es tatsächlich weniger Baukräne geworden? Oder fallen sie nur nicht mehr so auf? Rund um den Burj Khalifa jedenfalls ließen Dubais Herrscher eine Kulisse wie aus dem Märchenbuch entstehen. Geplant in einer Zeit, in der Geldsorgen noch unbekannt waren. Und so gesellt sich zu Hightech von heute, Futuristischem von morgen auch (vermeintlich) Altes von gestern. Doch der Schein trügt: Erst am 4. Januar 2010 eröffnet, wurde das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt schon wenige Tage später wieder für die Öffentlichkeit gesperrt – über zwei Monate war die Aussichtsterrasse in der 124 Etage verwaist. Allzeit geschäftige Betriebsamkeit hingegen in der gegenüberliegenden Dubai Mall. Weit mehr als eintausend Geschäfte, über einhundert Gastronomiebetriebe, Skilaufen in „The Mall of the Emirates” wird durch Eislaufbahn und Aquarium getoppt. Auch wenn Ende Februar 2010 Alarm ausgelöst wurde – das 75 Millimeter dicke Acrylglas hielt dem Druck von zehn Millionen Litern Seewasser nicht mehr stand – können mittlerweile Tausende von Fischen, Korallen und Meerespflanzen wieder live erlebt werden. Entweder trockenen Fußes durch einen Tunnel. Oder ganz professionell im Tauchanzug.
Am Ufer des Lake Dubai liegt „The Old Town”. Nagelneu, aber immerhin im architektonischen Stil aus Dubais Vergangenheit: Lehmfarbene, flache, verwinkelte Gebäude mit Türmchen, geschnitzten Holzbalkonen und Erkern. Domizil für luxuriöse Hotelunterkünfte und einem – nachgebauten – traditionellem Souk. Ab 18 Uhr alle dreißig Minuten Bühne für eine Wassershow der Superlative. Ob die illuminierten Fontänen tatsächlich höher in den nächtlichen Himmel steigen, als jene vor dem „Bellagio” in Las Vegas, haben wir nicht nachgemessen. Abwechslungsreicher sind sie auf alle Fälle. Allabendlich wechseln sich bei sechs Aufführungen arabische und westliche Weisen, Folklore, Klassik und Pop, miteinander ab – Wasser und Melodien computergesteuert völlig im Einklang. Zwei, drei Tage sollte man sich für Boomtown Dubai mindestens Zeit nehmen. Wer zum ersten Mal da ist und in kurzer Zeit möglichst viel sehen möchte, bucht die City-Tour. Es geht jedoch auch auf eigene Faust: Die seit September 2009 größtenteils oberirdisch fahrende „Dubai Metro” ist – klimatisiert und fahrerlos – eine empfehlenswerte Alternative zu dem oft im Stau stehenden Hop-On-Hop-Off-Bus (Fahrpläne und Streckennetz unter www.metrogis.rta.ae). Aber aufgepasst – seit kurzem gelten öffentliche Zärtlichkeitsbekundungen als unanständig, freizügige Kleidung als respektlos. Wer sich daran hält, kann die Dhau-Tour durch den 16 Kilometer langen Dubai Creek ebenso problemlos genießen, wie den Spaziergang an der Jumeira Beach oder die Einkehr in einem der zahlreichen Restaurants – alle Küchen dieser Welt scheinen sich ein Stelldichein zu geben.
Sindbad der Seefahrer, die Weihrauchstraße oder die Heiligen Drei Könige — Oman hat eine spannende, ereignisreiche Vergangenheit. Und irgendwie ist die Zeit stehen geblieben, alles Große, Anmaßende, Laute fehlt. Die Fremdenführer empfangen uns in schneeweißen bodenlangen Gewändern, den dishdashas, auf dem Kopf bunte kummas, handbestickte Kappen. In der Tasche jedoch das auch hier allgegenwärtige Handy. Vorbei an dem in Blau und Gold gehaltenen Al-Alam-Palast, von dem aus Sultan Qabus Bin Said seine Untertanen regiert und der riesigen Grand Mosque führt uns der Überlandausflug von Muscat aus in Richtung Nordwesten. Auf den autobahnähnlich ausgebauten Straßen geht es flott voran. „Für Gäste mit Rückenproblemen und Schwangere nicht geeignet” hatte es im Ausflugsprogramm geheißen. Nachdem wir in den Canyon des Wadi Bani abgebogen sind, wissen wir warum. Durch das ausgetrocknete Flussbett führt die Route auf unbefestigten Wegen immer steiler in die Höhen des Hajar-Gebirges. Schlagloch reiht sich an Schlagloch, die Berglandschaft wird immer schroffer, der aufgewirbelte Staub nimmt uns die Sicht. Moudy, unser Fahrer, ist davon unbeeindruckt. Ralleyfahren ist sein Hobby und Michael Schumacher sein großes Vorbild. Um exakt 12 Uhr mittags klingelt sein Handy – „Time to pray” ist im Display zu lesen. Keine Zeit – der Reiseablauf muss eingehalten werden. Allerdings habe Allah Verständnis – das Gebet wird eben bei nächstbester Gelegenheit nachgeholt.
Im „ärmsten” der sieben Emirate, dem kleinen Fujairah, ruft die Wüste. Die Zeiten, in denen das Meer aus Sand lediglich mit dem guten alten vierbeinigen Wüstenschiff erkundet werden konnte, sind längst passé. Stattdessen setzt sich eine Karawane von komfortablen Allradfahrzeugen in Bewegung. Dramatische Gebirgszüge und fruchtbare Täler wechseln sich zunächst ab. Mit der Zeit wird die Landschaft eintönig. Und dann heißt es, Luft ablassen. Weil die Reifen der schweren Geländewagen besser greifen, wenn sie mehr Auflagefläche haben. Hassan, unser Fahrer, hat den ersten Gang eingelegt und das Gaspedal bis zum Boden durchgedrückt. |
Der Toyota Land Cruiser schießt mit heulendem Motor auf eine der leuchtend rotorangen Sanddünen zu, mit Schwung geht es steil bergauf. Und genauso spektakulär auch wieder hinunter. Fast wie in der Achterbahn. Je mehr die Insassen kreischen, umso wilder wird die Fahrt. Kurzer Stopp am Fossil Rock. Er hat schon 80 Millionen Jahre auf dem Buckel. Und wenn man genau hinschaut, sind eingelagerte Fossilien zu erkennen. Kaum ist der Camel Rock passiert, ist der Spaß auch schon zu Ende. Wie schnell doch fünfundvierzig Minuten vergehen können. Alternativ auch per Sandboard oder auf Skiern zu genießen.
Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan war Visionär und „Vater” der Vereinigten Arabischen Emirate. Sein ältester Sohn und Nachfolger Scheich Khalifa verwirklicht seinen Traum, Abu Dhabi in ein technologisches Zentrum für erneuerbare Energien zu verwandeln: 2017 soll Masdar City, die weltweit erste völlig CO2-neutrale, auto- und abfallfreie Stadt, ihre ersten Bewohner begrüßen. Schon heute ist eine andere Hinterlassenschaft Scheich Zayids der Öffentlichkeit zugänglich: Vor mehr als zwei Jahrzehnten setzte er zehn vom Aussterben bedrohte Oryx-Antilopen auf seiner Privatinsel Sir Bani Yas aus. Mittlerweile sind daraus über 400 Exemplare geworden und das Eiland steht vor der Ernennung zum ersten Nationalpark der Emirate. Von der sprichwörtlichen Tierliebe zeugt auch das unter Leitung der deutschen Veterinärmedizinerin Margit Müller stehende Falken-Hospital. Schon aus der Ferne erkennbar sind die vier jeweils 107 Meter hohen Minarette der Scheich-Zayed-Moschee – 82 Kuppeln, 1192 Säulen, der größte jemals handgefertigte Teppich sowie der weltgrößte Kronleuchter – Made in Germany – komplettieren das Gotteshaus der Superlative – über 40.000 Gläubige können gleichzeitig beten. Besucher sind herzlich willkommen, sollten sich jedoch vorher unter zayedmosquetour@adta.ae für eine Führung anmelden. In gut zwei Jahren dürften das neue Museum der Guggenheim-Stiftung und der Louvre Abu Dhabi neue Zielgruppen anlocken. Der sumerischen Mythologie nach wird auf dem Gebiet von Bahrain das paradiesische Land Dilmun mit dem Garten Eden und der Pflanze der Unsterblichkeit vermutet. Nahe der kleinen Ortschaft Saar sind über 4000 Jahre alte Tempelreste aus jener Zeit zu finden. Bis in die achtziger Jahre war das aus 33 Inseln bestehende Königreich nur per Schiff und Flugzeug zu erreichen. Die ebenso gewagte wie gewaltige Konstruktion des Fahad Causeway verbindet seit 1985 mit Saudi-Arabien und ist eine der teuersten Brücken der Welt. Im Volksmund wird das Bauwerk auch „Jonny Walker Bridge” genannt, da die Saudis vorzugsweise am Donnerstag, dem Beginn des muslimischen Wochenendes, gerne das in ihrem Land geltende Alkoholverbot umgehen und zum Feiern nach Bahrain kommen. Dank Michael Schumacher und Sebastian Vettel ist der Bahrain International Circuit hierzulande nicht nur bei Formel-1-Fans bekannt. Wie wäre es mit einer Fahrt im Hummer auf der Geländewagen-Teststrecke? Allerdings nur als Beifahrer buchbar. Aber immerhin!
Must Do’s. Ein Wüstendiner darf ebenso wenig fehlen wie der Besuch des Burj al Arab und / oder des Emirates Palace. Mit reichlich Blattgold protzen beide. Doch während sich die Pracht beim mittlerweile zehn Jahre alten Burj in die Höhe windet, punktet das unter der Leitung von Kempinksi stehende Emirates Palace mit 85 Hektar Grundfläche. Fast eineinhalb Kilometer lang der schneeweiße Strand, gut eintausend Meter breit das Haupthaus mit den beiden Seitenflügeln, eingerahmt von saftig grünen Rasenflächen und bunten Blumenbeeten. Da wie dort glänzender Marmor, funkelnde Kristall-Leuchter (im Emirates sind es exakt 1002 Stück), schwere Polster und strengste Zutrittskontrolle (ohne vorherige Reservierung geht gar nichts!). Man mag vom Burj die bessere Aussicht haben, die orientalischen Elemente des Palace erinnern eher an 1001 Nacht. Dritter im Bunde der spektakulärsten Hotels in den Emiraten ist Atlantis The Palm. Ein dem versunkenen Kontinent nachempfundener Hotelkomplex inmitten eines Labyrinths aus verwunschenen Pfaden, Brücken und Innenhöfen auf einer Fläche von sechsundvierzig Hektar. Mehr als drei Kilometer Wasserwege schlängeln sich durch das Ressort. Dazu kommt das weltweit größte Delfinzentrum mit seinen scheinbar ewig lächelnden Bewohnern. Wir allerdings sind froh, uns vor und nach der Kreuzfahrt für The Palace in The Old Town entschieden zu haben. Mit nur 242 Zimmern für Dubai erstaunlich klein, dafür aber ein echtes Schmuckstück.
Samstag Aida, Sonntag Costa, Montag Royal Caribbean Cruise Line – immer mehr Kreuzfahrtgesellschaften wählen Port Rashid als winterlichen Basishafen: Eine Flugzeit von knapp sechs Stunden, Durchschnittstemperaturen von 25 bis 40 Grad und ein breites Hotelangebot für Vor- und Nachprogramme prädestinieren die Golfstaaten als ideale Urlaubsdestination zwischen November und März. Kein Wunder, dass auch nahezu alle Weltreiseschiffe auf ihrem Kurs rund um den Globus hier zumindest für eine kurze Stippvisite stoppen. Aber: Angelegt wird grundsätzlich in wenig einladenden Industriehäfen. Um Land und Leute kennen zu lernen, ist man auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Per gebuchtem Ausflug, Leihwagen oder – nach lautstarkem Feilschen – angemietetem Taxi. Na denn: As Salam-aleykum! |
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Das Hotel Emirates Palace mit dem eineinhalb Kilometer langen schneeweißen Strand, gut eintausend Meter breit ist das Haupthaus mit den beiden Seitenflügeln. |
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Schnelle Fortbewegung ohne den in Dubai üblichen Stau – mit der Dubai Metro. |
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Die Scheich-Zayed-Moschee fasst über 40.000 Gläubige – Frauen und Männer streng getrennt. |
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Ein Wüstendinner sollte man nicht versäumen. |
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Besuch im Atlantis on The Palm, eines der spektakulärsten Hotels in den Emiraten. |
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