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Wer nur Krimis mag, in denen Kriminalkommissare oder Privatdetektive ermitteln, sollte dieses Buch nicht in die Hand nehmen. Der Ich-Erzähler besitzt in einer eher heruntergewirtschafteten Hamburger Gegend ein Buchantiquariat und zeichnet sich nicht gerade durch beruflichen Ehrgeiz aus. Beim Griechen gegenüber trinkt er gern seinen Ouzo und redet mit zwei Freunden über Gott und die Welt. Und dann stirbt in einer Wohnung über dem Laden ein Literaturprofessor. Ihn erschlägt ein stürzendes Bücherregal. Der Erzähler findet das bedauernswert, doch erst als die frische Witwe kurz darauf von oben aus dem Fenster in einen Ständer mit Postkarten vor seinem Laden stürzt und das, aufgespießt, nicht überlebt, wird unser Held munter und ein gut erzählter Krimi bekommt Schwung und Spannung. Die handelnden Personen, und es sind nicht wenige, sind gut durchgezeichnet und eigentlich mag man sie bis auf zwei Schlägertypen alle, oder fast alle. Doch wer hat getötet – und warum? Der ermittelnde Kommissar bleibt ein bisschen blass, den Erzähler treibt es immer heftiger um, zumal seine eben erwachsene Tochter in die Nachforschungen hineinschneit. Die winden sich, was der Leser gern mitmacht. Der oder die könnte es sein, ist es dann aber doch nicht. Nun, von solchen Wendungen und einer guten Konstruktion leben viele Krimis und dieser auch. Jan Schröter, 1958 in Hamburg geboren, ist ein erfahrener Erzähler und Autor einiger Thriller und manch guter Drehbücher etwa für „Das Traumschiff” oder „Großstadtrevier.” Man spürt davon etwas, in der Art wie er mit dem Ort der Handlung umgeht. Das ist Hamburg und nicht irgendeine Stadt, die zufällig so heißt, weil ja eine Handlung auch einen Ort braucht. Temmen ist eigentlich ein Verlag, der sich durch Bremensien auszeichnet, und ab und an mal in der Belletristik auftaucht. Mit diesem Autor hat er sich gut in der Krimi-Szene etabliert. |
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►►► Tja, Winter gab’s in dieser Saison ja genug. Und während Hein Mück dies schreibt, schneit es wieder. In der Zeitung, die trotz Eis und Schnee pünktlich kam, streiten sich gerade der Bürgermeister und der für die Straßen Zuständige. Die Straßen sind zu glatt, manche sind kaum befahrbar, auf den Bürgersteigen rutscht man. Das darf nicht sein. Aber wie dagegen angehen? In einem nahen Krankenhaus wird eine neue Station eingerichtet zur Behandlung von Verletzten, die Opfer von Eis und Schnee wurden. Schlimm genug, aber was überrascht uns am Winterwetter? In Hein Mücks Erinnerungen waren die meisten Winter weiß und viele dauerten lange. Damals heiß es, Schnee schaufeln und Sand streuen oder Asche, die aus den Öfen kam, an denen man sich wärmte. Sägespäne taten es manchmal auch oder Stroh auf den Pfaden. Jeder kehrte vor seiner Tür und siehe da, man konnte sicher auf freien, wenn auch schmalen Wegen, durchs Dorf laufen, zur Schule oder zum Kaufmann. Heute gibt’s Salz, Bürgersteig-Reinigungsunternehmen und Juristen, die klären, wer zuständig ist. Ein Bekannter von Hein Mück hat Praxisräume in einem Haus gemietet und seinen Anwalt prüfen lassen, wer vor dem Haus und auf dem Parkplatz bei Eis und Schnee für Sicherheit zu sorgen hat. Der Hausbesitzer (in diesem Fall). Solange der nicht erreichbar ist, mühen sich die Kunden des Bekannten übers Glatte. Das Reinigungsunternehmen hat nur einmal geräumt, Salz gibt es auch nicht mehr. Der Streit im Rathaus geht weiter, der Schnee rieselt immer noch vom Himmel, vielleicht hat der ein Einsehen und schickt einigen von uns Hirn in den Kopf: Lasst uns doch selber zupacken und nicht auf andere schieben, was wir schneller und manchmal besser machen können als die „da oben”.
►►► Tja, noch was hat Hein Mück in diesem Winter schätzen gelernt – eine altmodische Holztruhe für Kleider. Als der Wind bei minus zwei Grad mit vier bis fünf Windstärken aus Nordost blies, war ihr Inhalt wieder hochwillkommen. Da fand sich eine lange Unterbüchs, aufgeraute Baumwolle, die über die Waden hinausreichte und nun für Wärme auf der Haut und zwischen Baumwolle und Cordhose sorgte. Dicke Wollsocken tauchten auf, und auch ein Unterhemd mit langen Ärmeln. Alles duftete nach Lavendel, das Hein Mück aus der Provence mitgebracht hatte und das ähnliche Dienste tut wie hierzulande Mottenpulver. Der kaum genutzte lange Mantel kam endlich zu Ehren und der Schal wärmte nicht nur den Hals, sondern auch den Oberkörper bis fast zum Gürtel. Mützen trägt Hein Mück auch zur Sommerszeit. Für den schlimmsten Fall hat er eine Pelzmütze aus Wolfsfell gebunkert, doch auf die hat er noch verzichtet. Mit einem Pott Tee in der Hand hat er sich ein Buch gegriffen, hat sich an den Ofen gehockt und dort seine Hoffnung bestätigt gefunden: Und droht der Winter noch so sehr / mit trotzigen Gebärden / und wirft er Eis und Schnee umher / es muss doch Frühling werden. |
►►► Tja, angesichts von Schnee und Eis hat Hein Mück im Winter für Reisen die Bahn benutzt und dabei genau das erlebt, das tausende von Reisenden beklagen. Die Bahn ist auch nicht mehr das, was sie früher mal war! Verspätungen und Zugausfälle müssen wirklich nicht sein. Auf die Wettervorhersagen ist dank immer größerer Rechner immer mehr Verlass – verglichen mit den Zeiten der Reichsbahn. Der neue Chef der Bahn äußert, dass die Industrie schuld an vielen Zugausfällen sei, sie habe etwa mit den Achsen für die ICEs nicht die gewünschte Qualität geliefert. Herr Grube, wenn das Bier keinen Schaum hat oder der Wein zu warm ist, schickt Hein Mück ihn zurück! Warum akzeptieren Ihre Leute Fehlerhaftes? Über noch etwas wunderte sich Hein Mück: Wer ist bloß auf die Idee gekommen, Gepäck hoch über den Sitzen deponieren zu lassen? Wer nicht gerade Gewichtsheber ist oder mit Koffern, größer als eine Aktentasche, reist, ist in ICEs gelackmeiert. Abstellplatz ist Mangelware. Könnte mal jemand bei der Bahn nachdenken, wie ein Wagen aussieht, der freundlich zu Reisenden ist! Wie kommen zum Beispiel zwei Reisende, die jeder einen schweren Koffer hinter sich her ziehen, im Gang aneinander vorbei? Hein Mück findet, die einzig würdige Art zu reisen, ist heutzutage mit dem Schiff. In der Seefahrt würde kein Mensch seinen Mund so voll nehmen wie die Bahn, die etwas behauptet und dann das genaue Gegenteil tut: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.” Denkste, die reden ständig davon, wie es Hein Mück auf all seinen Winterreisen erlebte.
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Kinderbücher aus der Annaka-Reihe: Das sind spannende Abenteuergeschichten im klassischen Märchen-Erzählstil für Kinder ab 5 Jahren, wobei das Lesealter mit jedem Band steigt, so dass die jungen Leser mit Annaka mitwachsen können. Bisher erschienen: Band 1 ab 5 Jahren, Band 2 ab 7 Jahren, Band 3 ab 10 Jahren. |
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