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Er ist nicht Europas längster
Fluss (Wolga, Donau und Dnjepr sind länger), er liegt auch nicht in der
geografischen Mitte Europas (das trifft mehr für die Donau zu), aber er
liegt im Herzen Europas. Genauer gesagt: Seit dem frühen Mittelalter
entwickelte sich Europa mehr und mehr zu beiden Seiten des Rheines. Er wurde
immer mehr zur geistigen, kulturellen und politischen Mitte – sammelnd,
trennend und verbindend.
Für die Römer blieb der Rhein die unüberwindliche Grenze ihres Imperiums im
Norden. Die Völker der großen Wanderung überrannten ihn. Im Riesenreich
Karls des Großen war er zur Mitte geworden. Doch dann begann an ihm wieder
die Teilung. Machtbereiche trennten sich am Rhein oder stritten über ihn
hinweg Jahrhunderte lang. So ist es sicher bemerkenswert, dass der Tourist
auf einem Kreuzfahrtschiff von Basel bis Amsterdam ohne jede Kontrolle die
Grenzen überfahren kann.
Auf seinem Weg von den Alpen bis zur Nordsee durchfließt der Rhein sehr
verschiedene Landschaften. Manche sind von ihm mehr oder weniger geprägt und
einige sind zu Kunstwerken der Natur geworden wie die berühmte
Mittelrheinstrecke. Dort hat sich auch das Gemüt der Menschen mit der
Landschaft verbunden, und im vergangenen Jahrhundert hat sich daraus eine
Rheinromantik entwickelt, die noch immer nachklingt, wenn auch dem alten
„Vater Rhein” durch die nüchtern harten Anforderungen unserer Zeit viel
zugemutet wird. Nach schweren Schädigungen in den 50er und 60er Jahren hat
sich vieles gebessert, und es gibt sogar wieder Fische, sogar den einst
beliebten Rhein-Salm, den man auch wieder essen kann.

Der Rhein ist von seiner Geburt her ein Schweizer. Seine Quelle liegt in
2344 Meter Höhe am Gotthardmassiv. Durch romantische Schluchten (u.a. die
„Via Mala”) stürmt er durch Graubünden ostwärts, dann durch das „Rheintal”
gemächlicher nach Norden. Dabei streift er das winzige Fürstentum
Liechtenstein, und vor dem Eintritt in den Bodensee das österreichische
Vorarlberg. Beim Übergang vom Bodensee zum Untersee in Konstanz wird er für
ein kurzes Stück wieder zum Rhein. Hier, an der Rheinbrücke in Konstanz
beginnt die Kilometrierung des Flusses mit Kilometer 0,0. Die ersten 287
Kilometer werden ihm also nicht angerechnet.
Nach dem Verlassen des Untersees beschert er Europa bei Schaffhausen den
mächtigsten Wasserfall und fließt nun südlich des Schwarzwaldes als
„Hochrhein” in westlicher Richtung bis Basel.
Ab Basel (Rheinkilometer 164,0) beginnt im Folgenden die Beschreibung als
Schifffahrtsstrecke. Auf eine Länge von 184 Kilometer grenzt Frankreich an
den Rhein und dann ist er auf 506 Kilometer ein rein deutscher Fluss,
weshalb die Deutschen ihn gerne als „ihren” Fluss betrachten. Wenn ihn die
Niederländer übernehmen, dann ist der vormalige „Vater Rhein” für die
Holländer vorwiegend ein Wasserproblem, ein Hochwasser- und ein
Abwasserproblem, das den tiefliegenden Boden der Niederlande versalzt und
verdirbt. Wenn dann der „Rhein” verzweigt und mit der Maas verflochten, nach
mehr¬fach wechselnden Namen hinter Rotterdam oder sonstwo die Nordsee
erreicht, dann haben die ersten Tropfen aus der Quelle am Gotthard 1322
Kilometer zurückgelegt. Sie haben sechs Länder durchflossen oder gestreift,
sich mit viel fremdem Wasser aus Aare, Neckar, Main, Mosel und anderen
Nebenflüssen vermischt.
Der Kreuzfahrer auf einem komfortablen Hotelschiff wird trotz aller
genannten Einschränkungen finden, dass die Flusslandschaft des Rheines, aus
der Mitte des Flusses gesehen, viel schöner ist, als er sich dies gedacht
hat, und dass es einen ganz eigenen Reiz hat, zu erleben, wie die
Flusslandschaft sich im Laufe der Fahrt entwickelt und verändert.

Keine der zahlreichen Städte am Rhein hat den Fluss so sehr in ihr Stadtbild
aufgenommen und hat eine solche städtebauliche Einheit mit dem Fluss
erreicht wie Basel. Was durch Jahrhunderte gewachsen ist, wird aus
traditionellem Wertbewusstsein erhalten und sorgfältig gepflegt.
Die sehr markante Lage am Rheinknie machte sie zum Kreuzungspunkt alter
Handelswege, zum Schnittpunkt dreier Länder und Kulturen. Basel ist mit
seiner reizvollen Altstadt, mit seinen beachtlichen Kunstsammlungen,
kulturellen Einrichtungen, und nicht zuletzt der völlig eigenständig und mit
keiner anderen vergleichbaren „Basler Fasnacht" eine liebenswerte Stadt
geblieben, die keiner vergessen kann, der einige Zeit in ihr gelebt hat. Es
ist bezeichnend, dass für solche der Begriff „Heimweh-Basler” entstanden
ist. Auch der Autor ist einer von ihnen.

hat den Rhein sozusagen „rechts liegen lassen”, hat ihn nicht ins Stadtbild
integriert wie Basel oder Mainz. Sie hat sich idyllisch zwischen den
Verzweigungen der III angesiedelt, und manches von der alten Idylle ist
erhalten geblieben, wie im ehemaligen Gerberviertel an den Mühlenkanälen
zwischen der mächtigen Flussbarriere des Festungsbaumeisters Vauban und der
gotischen Thomaskirche, auf deren kostbarer Silbermann-Orgel Albert
Schweitzer so gerne spielte.
Weiter an der III stehen sich malerische Fachwerkhäuser und die
herrschaftliche Palastarchitektur der Kardinalbischöfe von Rohan am
Flüsschen gegenüber. An der engen Altstadt und ihren schönen Plätzen stehen
manch schöne Fassaden in Renaissance, Barock und Klassizismus. Alles in
allem ist der Kern der Stadt ein ansprechendes Ensemble vom Leben
gemütvoller und genussfreudiger Elsässer erfüllt, und aus der Mitte dieses
schönen Ensembles ragt fast unvermittelt das Münster mit seinem immens hohen
und schönen Turm auf, das unverwechselbare Wahrzeichen Strasbourgs.

An der Außenseite einer Flussbiegung erhebt sich auf einer Terrasse über dem
Rhein die hoheitsvolle Silhouette des fünftürmigen Domes. Kaiser Konrad II.
hat ihn 1024 begonnen. Als größter Kirchenbau nördlich der Alpen sollte er
ein Symbol kaiserlicher Macht und kirchlicher Hoheit sein. Konrads
Nachfolger haben den Dom wundervoll vollendet., so dass man ihn als das
bedeutendste Bauwerk der frühromanischen Periode bezeichnen kann. In der
weiträumigen Krypta liegen acht Kaiser bzw. Könige und vier Königinnen
begraben. Das mittelalterliche Speyer fiel 1689 der Wut Ludwigs XIV. zum
Opfer, dessen Erbanspruch auf die Pfalz am Widerstand der deutschen Fürsten
scheiterte. Nur das hohe Altpörtel, eines der schönsten Stadttore
Deutschlands, antwortet dem Dom im mittelalterlichen Stil vom anderen Ende
der Maximilianstraße.

Von der einst bedeutenden mittelalterlichen Stadt haben die Zerstörungen,
vor allem im 2. Weltkrieg, nicht viel übriggelassen. Der sechstürmige Dom,
eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der deutschen Romanik, ist nach
mehreren Zerstörungen wundervoll wiederhergestellt. Trotz einigen gotischen
Anbauten ist er in seiner stilistischen Geschlossenheit einzigartig. Manche
historischen Ereignisse sind mit der Stadt verknüpft. Das bedeutendste ist
wohl der Reichstag von 1521, auf dem Luther vor dem Kaiser sich weigerte,
seine Thesen zu widerrufen. Die hier begonnene Polarisierung der
Lehrmeinungen führte dann zur Glaubensspaltung. Luther hat denn auch mit
seinen Mitstreitern in Worms sein großes Denkmal bekommen.

auf dem westlichen Rheinufer gegenüber der Mainmündung, hat eine große
Vergangenheit, die sich im lebendigen Stadtbild ausdrückt. Allein der
mächtige Dom, dessen sechstürmige Silhouette das innere Stadtbild
beherrscht, verkörpert in seiner Vielgestalt die wichtigsten Epochen der
Geschichte. Durch die Gunst der Kirche und der Kaiser wurde Mainz im 9. und
10. Jahrhundert zur Hauptstadt des Christentums im Reich. Die Erzbischöfe
von Mainz waren geistliches und weltliches Oberhaupt ihres Bistums. Sie
hatten den Primat unter den deutschen Bischöfen und hatten gleichzeitig das
Amt des Erzkanzlers im Reich. Willigis, der bedeutendste unter ihnen, begann
den Dombau 975 im strengen Stil der frühen Romanik. Durch das Mittelalter
wurde weitergebaut bis zu den gotischen Seitenschiffen, und im 18.
Jahrhundert bekam der westliche Vierungsturm nach Zerstörungen noch eine
barocke Bekrönung, und die letzten Vertreter einer feudalen Machtfülle
erhielten ihre pompösen Grabmonumente im Inneren des Domes. In der Stadt
hatte jeder der Fürstbischöfe für sich ein feudales Palais errichtet.
Paläste, Kirchen, Tore und Türme, Universität und einige Altstadtpartien
sind wieder aufgebaut oder sorgfältig restauriert und bilden mit neuen
Gebäuden, mit Brunnen und Monumenten ein lebendiges und warmherzig
durchpulstes Ganzes.
mit schöner Barockfassade direkt
am Rhein war als Sommerresidenz der Grafen von Nassau 1700-1721 erbaut
worden. Starke Kriegsschäden wurden durch Rekonstruktionen behoben und
Anfang der 90er Jahre wurde es erneut renoviert.

Der westliche Ausläufer des Taunus, der Rheingau, war dem Fluss hier im Weg.
Doch im Anblick der sanften, völlig rebenbestandenen Hügel glaubt man, dass
es ihm Spaß macht, dem Saum dieser reizvollen Landschaft entlang zu ziehen.
Es eilt ihm auch nicht, ja, er lässt sich verleiten, sich seenartig
auszuweiten, um gemächlich die malerischen Uferfronten der Weinorte und die
geschmeidig langgezogenen, schön bewachsenen Inseln zu genießen. Die Inseln
nennt man in diesem Abschnitt Auen. Strom und Landschaft sind in wunderbare
Beziehung zueinander getreten. Die leicht gewellten Hänge des Rheingaus sind
der Südsonne voll zugekehrt, und in ihrer Gunst reifen den Winzern die
begehrtesten Spitzenweine.

ist wohl der berühmteste Weinort des Rheingaus. Die einst gemütliche, enge
Drosselgasse, zur Touristen-Attraktion stilisiert und lückenlos mit
Stimmungslokalen bestückt, wurde zum Inbegriff der Weinseligkeit. Beim
oberen Ende der Drosselgasse findet man im einst adeligen Brömserhof
„Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett” mit einer erstaunlichen Sammlung von
Instrumenten aus den Jahrzehnten um 1900, als es gelang, Musik auf die
kurioseste Weise mechanisch zu reproduzieren.
Vom Fluss aus gesehen, markiert der weiss-rote Adlerturm das obere Ende, der
Turm der Pfarrkirche mit der hohen Doppelzwiebel die Mitte, und der düstere
Steinbau der Brömserburg mit darüberliegender Oberburg das untere Ende der
alten Stadt.
Für die einst gefährliche Fahrt über die Stromschnellen im Binger Loch
stellte die Stadt die Lotsen. Manch einem ist aber auch der Name der
Heiligen Hildegard von Bingen ein Begriff, die große Äbtissin des
Mittelalters, die aus einer völlig unbefangenen Gottesbeziehung heraus
Bischöfen und Kaisern ins Gewissen reden, ihre Nonnen in geistlichen Dingen
unterweisen, und ihre Mitmenschen sogar in medizinischen Dingen beraten
konnte. Von ihrem Kloster am Ufer der Nahe stellt leider der nichts mehr.
Auf einem Hügel über der Stadt thront die Ende des 19. Jahrhunderts wieder
aufgebaute Burg Klopp.
Von Rüdesheim steigen die Weinberge über die Hänge des Niederwalds empor.
Auf der Kuppe, zwischen Reben und Wald, erhebt sich von gewaltigem Sockel
eine 10 Meter hohe Germania, umgeben von Kriegs- und Friedensengeln. Sie
wurde 1883 errichtet als Mahnung an die deutschen Länder zur Einigkeit.

Beim Verlauf durch die Oberrheinische Tiefebene gab es für den Rhein keine
ernsthaften Probleme. Im Gegenteil, – er schlenderte ursprünglich recht
ungebunden in Verzweigungen und schlingenden Seitensprüngen durch die Ebene,
bis Tulla ihn ins Normbett zwang. Doch am Ende des Grabenbruches mußte er
sich einen Ausweg schaffen. Es schlängelte sich zwischen den Kuppen des
Schiefergebirges durch und grub sich immer tiefer ein, bis der Ablauf aus
der Oberrheinischen Tiefebene perfekt war.
Was den Fluss Millionen Jahre Arbeit gekostet hat, das ist für uns das reine
Entzücken. Aus der Arbeit wurde ein Meisterstück, der schönste Abschnitt des
Rheins auf deutschem Boden. Es ist eine Fluss-Strecke von 113 Kilometer
Länge, von Bingen bis Königswinter, wo der Fluss aus dem Gebirge ins flache
Tiefland austritt und von da an der Niederrhein ist.

Zwischen Kilometer 552,5 und 554,4 zwängt sich der Fluss in fünf, teils
engen Biegungen zwischen steil aufragenden Felswänden durch. Er wird dabei
bis auf 115 Meter Breite eingeengt und erhöht damit seine Geschwindigkeit.
Der Rheinfahrer auf dem Oberdeck hat von der Flussmitte aus freiem Rundblick
auf den Felsen.
Und was den „zu Tal” treibenden Rheinschiffern im vergangenen Jahrhundert
noch Angst einflößte, das ist für uns ein Vergnügen, – die Fahrt durch die
enge Biegung um die steil aufragende Loreley. Die Dichter Clemens Brentano
und Heinrich Heine haben eine männerbetörende Jungfrau daraus gemacht, die
dem verliebten Schiffer zum Verhängnis wird. Aber erst die stimmungsvolle
Vertonung durch den schwäbischen Komponisten Friedrich Silcher hat Heines
Gedicht berühmt werden lassen. Heute sitzt das Mädchen, in Bronze gegossen
und offensichtlich resigniert, |
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auf dem unteren Ende der Mole am
Schutzhafen zwischen Fels und St. Goarshausen bei Kilometer 555,3.
Sprengungen haben die Gefährlichkeit ihres Felsens längst beseitigt.

Die romantische Rheinstrecke ist die dichtest befahrene Verkehrsader
Europas, – damit es uns gut geht, und es geht uns gut, denn wir können es
uns leisten, mit einem komfortablen Kreuzfahrtschiff auf dem Romantischen
Rhein zu fahren, und feststellen, dass diese Flusslandschaft, trotz allem,
noch immer romantisch ist und unerwartet schön. Felsige, busch- und
rebenbestandene Hänge steigen beidseitig aus der Talsohle auf. 20 Burgen
zwischen Rüdesheim und Koblenz bekrönen die Kuppen. Einige dieser Städtchen,
Burgen und Schlösser sind Ruine Ehrenfels, der Mäuseturm im Binger Loch,
Burg Rheinstein, Burg Reichenstein, Burg Sooneck, Bacharach, die Perle am
Rhein, Kauber Werth mit Pfalzgrafenstein, Kaub mit Burg Gutenfels, die
Schönburg bei Oberwesel, St. Goar und St. Goarshausen, Burg Katz, die Ruine
Burg Rheinfels, Burg Liebenstein, Burg Sterrenberg, Villa Liebeneck, Boppard
in der großen Rheinschleife, Braubach und die Marksburg, Burg Lahneck,
Schloss Stolzenfels, Philippsburg ...

Die Römer bauten 14 n. Chr. ein „castellum ad confluentes” (an den Zusammen
fließenden). Aus Confluentes wurde im Laufe der Zeit Koblenz. Alte Stadt und
alter Name. Die Lage an zwei Flüssen blieb verkehrsmäßig durch alle
Jahrhunderte aktuell. Die Mosel bildete aber auch eine Verbindung zu
Frankreich, und dies war mehrmals wenig segensreich. Daher die Festung auf
dem Berg und der Kaiser auf dem Deutschen Eck.
Aber inzwischen wurde der Erzfeind zum Freund. Französische Schubverbände
bringen Eisenerz von Rotterdam über den Rhein und die Mosel nach Lothringen
und fahren den Stahl über die Mosel zum Rhein. Die Festung auf dem Fels
wurde sinnlos, die Garnison weitgehend abgebaut, aber das martialische
Schlachtross des alten Kaisers steht als völlig unnötige Machtdemonstration
wieder auf dem Deutschen Eck.
Einmündung der Mosel unter spitzem Winkel. Dabei wird der Blick frei auf das
Herz von Koblenz, denn die Stadt war bis zum Bau des neuen Schlosses viel
mehr auf die Mosel ausgerichtet als auf den Rhein. Kurz hinter dem
Mündungsmund weitet sich der Fluss zu einem breiten Raum mit einer Insel,
auf der sich drei Brücken abstützen. Am Nordufer der Mosel liegt der
Stadtteil Lützel. Gegenüber zeigt sich das attraktive Gesicht der einst so
schönen Altstadt, die im Krieg zum großen Teil zerstört wurde.
Auf steilem Fels über dem gleichnamigen Ort gegenüber liegt kraftstrotzend,
geduckt und mit dem Fels verwachsen, aber riesig ausholend, die Festung
Ehrenbreitstein. Seit der Kaiser 1020 Koblenz es den Erzbischöfen von Trier
überließ, wurde daran gebaut, erweitert und verstärkt, bis die französischen
Revolutionstruppen 1801 die Festung schleiften. Unter der preußischen
Herrschaft wurde sie nutzlos wieder aufgebaut und ist seither nur noch eine
Sehenswürdigkeit mit herrlicher Aussicht.

ist ein Gebirge von rund 40 Erhebungen, aber kleiner und niedriger als sein
Name es erwarten lässt. Der Drachenfels mit 321 Meter und der Petersberg mit
331 Meter sind die bekanntesten, der zwischen ihnen landeinwärts liegende
Große Ölberg ist mit 461 Meter der höchste und vier weitere zählen zu den
sieben Großen. Ihre Kuppen sind rund und meist bewaldet und bilden mit
anmutigen Tälern eine sanfte Landschaft, die für die Menschen im nördlich
anschließenden Flachland des Niederrheins ein wertvolles Erholungsgebiet
ist.
ist die bedeutendste und die älteste Stadt am Rhein. Die Römer haben um 38
v. Chr. auf dem Westufer die Colonia Claudia Ära Agrippinensis angelegt als
wichtigste römische Niederlassung am Rhein. Mauerreste sind an einigen
Stellen der Stadt anzutreffen, und das Römisch-Germanische Museum am
Domplatz gewährt eine geradezu faszinierende Rückschau in die Römerzeit am
Rhein. Karl der Große setzte einen Erzbischof ein und damit erhielt Köln
bald eine führende Rolle auf religiösem und kulturellem Gebiet, später auch
auf dem wirtschaftlichen als zweitwichtigste Stadt der Hanse (nach Lübeck).

Seine Silhouette ist unverwechselbar und jedem bekannt. Man kann ihn in
Metallguss kaufen und auf den Schreibtisch stellen. Und ebenso beziehungslos
steht er heute in der veränderten Umgebung da, neben dem Bahnhof, der
Hohenzollernbrücke, dem neuen Museum und den anderen Bauten auf der toten
Plattform seiner Südseite.
Ab 1248 konzentrierte sich der ganze religiöse Eifer des Mittelalters auf
das riesige Bauvorhaben, das der ehrgeizigen Bedeutung Kölns angemessen
schien – die größte gotische Kathedrale des Reiches sollte hier erstehen
über den Gebeinen der Heiligen Drei Könige, die 1164 aus Mailand nach Köln
gebracht worden waren. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts, bei Beginn der
Reformation, waren erst der hohe Chor, Teile der Südwand und die unteren
Geschosse des Südturms fertig gestellt, als der Geist der Gotik ausklang,
der religiöse Eifer erlahmte und damit auch die Spenden-Freudigkeit der
Menschen. Das Werk blieb durch die Jahrhunderte unvollendet stehen. Erst als
um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine romantische Begeisterung für die
mittelalterlichen Baustile ausbrach, entschloss man sich, nicht zuletzt
durch die Initiative der Prinzen und Könige des Hauses Hohenzollern (das
Rheinland war 1815 preußisch geworden), das gewaltige Vorhaben zu Ende zu
führen, und 1880 wurde der Dom nach weiteren 38 Jahren Bauzeit eingeweiht.

ist Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen seit 1946, und damit Sitz der
meisten Landesbehörden. Verwaltungssitz großer Schwerindustrie-Unternehmen,
ein Zentrum der Mode, des Kunst- und Musiklebens. Die Königsallee, „Kö”
genannt, mit ihrem schönen Mittelteich, mit Banken, exquisiten Geschäften,
Nobelrestaurants und Cafés ist mit die feinste „Gute Stube” Deutschlands.
Zwischen Kö und Rhein liegt die nicht sehr alte, aber abends stark besuchte
und dadurch sehr lebendige Altstadt. Sie bekam 1996 einen gewaltigen
Auftrieb durch ihre direkte Anbindung an die völlig neue Rheinpromenade.
Nachdem der Straßenverkehr der alten Uferstraße ganz unter Pflaster gelegt
wurde, wurde der gesamte Uferbereich auf die Länge der Altstadt zu einem
großzügigen Flanier- und Vergnügungsbereich, der in der warmen Jahreszeit
zusammen mit den Straßen der Altstadt, vor allem an den Wochenend-Abenden,
eine Anziehungskraft auf Einheimische und Fremde hat wie kaum ein anderes
Stadtviertel Deutschlands.

Genau gesagt, ist mit Niederrhein der Stromabschnitt zwischen Bonn und
Emmerich gemeint, denn hier hat der Rhein die Berglandschaft hinter sich
gelassen, eine Landschaft, die er durch seine erodierende Tätigkeit
mitgeprägt hat. Es ist die auf ihn bezogene Flusslandschaft, in ihrer
Einmaligkeit des „Mittelrheins”.
In der nun folgenden Landschaft des flachen Tieflandes hat er nicht viel zu
sagen, nichts mehr zu gestalten. Sein Verlauf ist fast zufällig, schlendernd
und gemächlich. Es gibt keine „Flusslandschaft” mehr, der Rhein ist ein
„Fluss in der Landschaft”, einer scheinbar unbegrenzten Landschaft.
So ist mit dem Begriff Niederrhein nicht eigentlich der Fluss oder gar ein
Tal gemeint, sondern eine weite Landschaft. Nicht nur die Rheinstädte Köln,
Düsseldorf, Wesel oder Xanten gehören zum „Niederrhein”, sondern auch Kleve,
Kevelar, Mönchengladbach und sogar das über 60 Kilometer vom Rhein entfernte
Aachen.

Die alte Hansestadt hat trotz starker Kriegszerstörung vor allem zum Rhein
hin ein ansprechendes, schon holländisch anmutendes Stadtbild erhalten. Über
der befestigten Uferböschung verläuft eine schöne Uferpromenade mit
Grüngürtel und dahinter eine lebendig gegliederte Häuserfront, aus welcher
am unteren Ende die gotische St. Martini-Kirche vorspringt, die mehrfach
durch Hochwasser beschädigt wurde. Alles im typisch niederrheinischen
rotbraunen Backstein erbaut. Aus der Mitte ragt der helmlose gotische Turm
der Aldegundiskirche aus dem 15. Jahrhundert empor.
Die vielen Anlegestellen, die Restaurants und Läden an der Uferfront
erinnern daran, dass bis zur Aufhebung der Zollschranken in Emmerich die
Zollabfertigung der nach Deutschland einfahrenden Schiffe stattfand, während
wir heute ohne Halt passieren können.

Rund 170 Kilometer vor der Nordseeküste beginnt der 500 Meter breit
gewordene Strom siech zu verzetteln. Das flache Tiefland lässt ihm alle
Möglichkeiten. Nur 12 Meter Höhe hat er noch auf dieser Strecke, und der bis
etwa 100 Kilometer flussaufwärts wirkende Stau der Gezeiten behindert seinen
freien Lauf. So beginnt er mit der Maas zusammen ein kaum durchschaubares
Geflecht von Trennungen und Vereinigungen. In der Schwierigkeit, ihn
sinnvoll zu benennen, haben die Niederländer seinen Abschnitten verschiedene
Namen gegeben, haben die Ufer befestigt und mit Dämmen versehen, haben
Regulierungen vorgenommen und mit ungeheurem Aufwand das Gewirr in ein
beherrschbares und für den Verkehr nutzbringendes System gebracht.
Bei Strom-Kilometer 865,5 überfahren wir die deutsch-holländische Grenze.

als der schwächere Arm, verläuft zunächst unter dem merkwürdigen Namen
Pannerdeens Kanaal bis Arnheim nach Nordwesten, entlässt zuvor ein
Teilwasser unter dem Namen Ijssel nach Norden ins Ijsselmeer, und strebt
dann als Nederrijn westwärts. Nach der Kreuzung mit dem
Amsterdam-Rijn-Kanaal ändert er seinen Namen und hält als Lek zielstrebig
auf Rotterdam zu. Doch bevor er die Nordsee erreicht, hat er noch zweimal
den Namen geändert.
Der (oder auch die) Waal führt das Hauptwasser und ist daher für den
Schiffsverkehr geeigneter. Er führt über Nijmegen mit einigen Biegungen nach
Westen und behält seinen Namen bis zur Vereinigung mit einem Teil der Maas
bei Kilometer 952,5. In der Regel führt sowohl die Route nach Rotterdam als
auch die nach Amsterdam über den Waal.
streitet mit der anderen Römergründung Dordrecht, älteste Stadt der
Niederlande zu sein. Um 768 legte Karl der Große eine seiner
Reichsresidenzen hier an und Kaiser Friedrich Barbarossa baute rund 300
Jahre später
den Ort erneut zu einer Kaiserpfalz aus. Der äußerst phantasievoll
gestaltete barocke Turmaufsatz der gotischen Grote (St. Stevens-) Kerk
dominiert das Stadtbild. Um die Grote Kerk hat sich aber ein äußerst
reizvolles Ensemble aus der goldenen Renaissancezeit erhalten mit der alten
Lateinschule, dem Kirchbogen und dem prachtvollen Gebäude der Waag, die ja
in manchen Städten der Niederlande – symbolisch für die Bedeutung des
Handels – an Schönheit und Größe mit dem Rathaus konkurriert.

Die Route Emmerich - Nijmegen - Amsterdam zweigt hier vom natürlichen
Flusslauf des Waal ab und führt über den künstlich angelegten, 72 Kilometer
langen Amsterdam-Rhein-Kanal „querfeldein” in nordwestlicher Richtung. Er
ist die beste Verbindung vom Rhein nach Amsterdam und wird in der Regel auch
von den Kreuzfahrtschiffen benutzt. Der Kanal hat eine eigene Vermessung,
deren Beginn mit Kilometer 0,0 beim östlichen Ende des Amsterdamer Hafens
liegt. Bei Kilometer 60,5 kreuzt der Kanal den Lek, den nördlichen Arm des
Rheins.
Der Kanalabschnitt zwischen Waal und Lek liegt mit gestreckter Führung und
200 Meter Breite in fruchtbarer, teils angebauter Landschaft. Die
Uferpartien sind nach holländischer Art sehr gepflegt.

Als Hafenstadt hat Amsterdam seine Bedeutung längst an das moderne Rotterdam
der Nachkriegszeit abgegeben, dessen Lage an den leistungsstarken
Wasserarmen des Rheins für den Anschluss der Binnenschifffahrt günstiger
ist, und dessen Vorgelände bis zum Meer sich für den Ausbau eines
Riesenhafens
besser eignet. Aber in den vergangenen Jahrhunderten war Amsterdam der
Inbegriff einer Hafenstadt und hat im Vergleich zu anderen niederländischen
Hafenstädten am konsequentesten den Plan der durchgehenden Wasserwege
(Grachten) verfolgt. Und keine andere hat sich in solchem Umfange das
historisch gewachsene Stadtbild bewahrt.
So ist der Besuch von Amsterdam für jeden Touristen eine Überraschung, und
eine Rundfahrt mit dem Ausflugsboot durch die verzweigten Wasserstraßen der
Stadt, eine Grachtenrundfahrt, ist ein besonderes Erlebnis.

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