AUSGABE 1/2010


Die größte Sehenswürdigkeit dieser Reise war wohl der Pont du Garde, der zum Weltkulturerbe zählende Aquädukt, der Quellwasser von den Bergen nach Nimes leitete.

Man sollte meinen, dass es in Südfrankreich im Oktober etwas wärmer ist als in Norddeutschland um diese Zeit. Doch es kam anders, als wir bei bewölktem Himmel und einer Temperatur von nur 11 Grad am 17. Oktober 2009 in Lyon an Bord der PRINCESSE DE PROVENCE gingen. Frau Marlies Kramer begrüßte die Gäste an der Stelling und die Stewardessen begleiteten die Passagiere in ihre Kabinen. Eine interessante Flusskreuzfahrt auf der Saône und Rhône begann.

Die einzelnen Stationen zu beschreiben wäre müßig, denn viele Flussfahrt-Fans kennen diese beliebte Route, auf der 15 Schleusen je zweimal stromauf und stromab bzw. umgekehrt passiert werden. Für Flussfahrer-Neulinge ist das Schleusen sicher von besonderem Interesse, jedenfalls zuerst, ehe der Vorgang – das empor hieven oder Absenken des110 Meter langen und 11,20 Meter breiten „Kahns in den  Schleusenkammern, um Höhenunterschiede zwischen 3 und 15,50 Meter zu überwinden – auch für den wissbegierigsten Beobachter Routine geworden ist.

Reizvoll sind natürlich die Landschaften, an denen das Schiff vorüber zieht, überaus geschichtsträchtig die Orte, die angelaufen werden. Da wäre der gewaltige „Rest der während der Französischen Revolution zerstörten Klosteranlagen von Cluny, des bis zur Errichtung des Petersdoms größten Sakralbaus der christlichen Welt. Man braucht freilich etwas Vorstellungsvermögen, um die einstigen Dimensionen und das pulsierende Klosterleben in diesen verfallenen Mauern nachvollziehen zu können. Ein 3-D-Film, der eine Animation der erhabenen Architektur dieser mittelalterlichen Abtei bietet, erleichtert das erheblich.

Der, wie man uns mehrfach erklärte, von Norden her drei oder sechs oder neun Tage wehende Mistral, ein kalter Nordwind, machte diesen Ausflug zu einer Zitterpartie. Zum Glück waren die Mistral-Tage damit aber gerade vorüber, so dass nun Winde von Süden her wehten, die dafür aber etwas Feuchtigkeit bescherten. Es hielt sich aber mit dem Regen in Grenzen, so dass fast alle Ziele trockenen Fußes zu erreichen waren und die an Bord bereit stehenden Regenschirme wenig genutzt werden mussten. Mit einem Aufenthalt auf dem Sonnendeck, um bei einem Glas Wein oder einer kühlen Blonden die Landschaft an sich vorbei gleiten und die Seele baumeln zu lassen, war es halt nichts.

Überraschend viel Sehenswertes haben die Städte und Städtchen wie Tournus, Chalon sur Saône, Beaune, La Voulte, Trévaux oder Arles zu bieten, mit romanischen Gotteshäusern, Resten antiker Bauten wie Amphitheater und Bäder, mit malerischen Gassen und Plätzen und dem Leben und Treiben auf den Märkten und Straßen. Die gewaltigste Sehenswürdigkeit während dieses Flusstörns war wohl für die meisten Mitreisenden der Pont du Garde, der zum Weltkulturerbe zählende berühmte Aquädukt, der seinerzeit Quellwasser von den Bergen nach Nimes leitete – ein geniales Bauwerk der Römerzeit, umgeben von einem geschützten Landschaftspark mediterranen Charakters.

Per Bus ging es von der letzten Station Arles bis ans Mittelmeer, in den kleinen Küstenort Le-Saintes-Maries-de-la-Mer. Diese heiligen Marieen des Meeres waren der Legende nach die Tanten von Jesus Christus, die nach ihrer Flucht aus Palästina, quer übers Mittelmeer, hier auf wundersame Weise angelandet waren. Dieser Badeort empfing uns übrigens mit einem wütenden Sturm – vielleicht Windstärke 10. Jedenfalls waren alle froh, dass wir zu dieser Zeit nur auf einem Fluss lang schipperten und nicht gerade auf dem Mittelmeer. Ein gehbehinderter Mitreisender wurde samt seinem Rollator vom Wind einfach umgerissen. Er hat sich aber nichts getan – welch ein Glück. Es war aber doch sehr heftig.

Ein Höhepunkt der Reise auf dieser Route ist das viel besungene Avignon mit dem Papstpalast und der legendären Brücke. die freilich heute nur noch ein Fragment ist. Auf die große Friedhofsgärtnerei, die der Familie Mathieu gehört, wird im Vorbeifahren aufmerksam gemacht. Denn wer kennt nicht das Lied der Mireille, in dem sie von einen Sonntag in ihrer Heimatstadt Avignon schwärmt, wo „so allerlei passiert ...

Nach nächtlicher Fahrt flussaufwärts erreichen wir am vorletzten Tag der Reise Vienne und wenig später Lyon. Die ehemalige Hauptstadt der römischen Provinz Gallien ist für viele sicher eine Entdeckung, eine tolle Stadt mit 480.000 Einwohnern in ihren Mauern, aber 1,7 Millionen im Großraum. Allerdings bleiben bei einem Tagesaufenthalt in so einer Metropole keine Zeit für Besuche eines der vielen bedeutenden Museen und natürlich auch nicht fürs Shoppen. Dafür erfährt man bei einem kleinen Stadtrundgang einiges über die Resistence, die französische Widerstandsbewegung während der deutschen Besetzung im zweiten Weltkrieg, die hier ihr Zentrum hatte und über die Verbrechen des SS-Stadtkommandanten Klaus Barby, der auch bei uns, trotz aller Verdrängungsversuche, nicht unbekannt blieb. Herrlich die Fluss-Passage am späten Abend vorbei an der attraktiv beleuchteten Stadt ...

Von den Naturwundern ist sicherlich der Pont D’Arc herausragend, dieses gewaltige Felsentor, das den Fluss Ardeche wie eine Bogenbrücke überspannt und für alle Teilnehmer das Fotomotiv der Reise war. Von mehreren Aussichtspunkten zu bewundern war auch die sogenannte Kathedrale, ein Felsgebilde, das sich steil über dem durch die Landschaft windenden Fluss erhebt, wobei man natürlich etwas Phantasie braucht, um den Vergleich mit einem gotischen Kirchenbau und damit die Bezeichnung akzeptieren zu können. Im Sommer dürfte es schwer sein, hier an den Serpentinen einen Halteplatz für die Autos zu finden, und auf dem Wasser soll dann ebenfalls viel mehr Betrieb mit Kanus und Paddelbooten herrschen, als wir es erlebten.

Vollkommen anders aber auf seine Weise halt ebenfalls faszinierend präsentiert sich die Carmargue mit ihrem Naturpark, dem flachen feuchten Schwemmland des Rhônedeltas, wo Reis angebaut wird und die legendären weißen Pferde und die nicht weniger bekannten schwarzen Stiere zu sehen sind. Auch Flamingos hielten sich dort, wie versprochen, vor ihrem Start in den Süden in den Brackwasserseen und Bächen auf, hielten sich aber etwas weiter abseits und waren so mit bloßem Auge leider nur als kleine rosa Punkte auszumachen.

Vergessen seien nicht die Weinproben. Drei gab es während der Kreuzfahrt. Der Weinanbau und alles andere, was mit der Weinherstellung zusammenhängt, ist eine Wissenschaft für sich. So waren die Verkostungszeremonien und die Erläuterungen für mehrere Reisende, die in deutschen Weinbaugebieten leben und Spezialisten sind, von aller größtem Interesse. Für bekennende Biertrinker oder Leute, die dem Weine zwar nicht abgeneigt sind, denen es aber egal ist, wo er angebaut wird und wie und was alles sonst noch passiert, ehe es im Glase funkelt und er durch die Kehle rinnen kann, war das alles kaum zu fassen, geschweige zu verinnerlichen oder gar zu behalten. So genossen die meisten die Proben, ohne sagen zu können, was und warum am besten mundete. Man bekommt jedenfalls große Achtung vor der Kunst und Mühe der Weinbauern und staunt nur, was alles zu beachten ist, welche Gesetze einzuhalten sind und welche Vorzüge oder besser Merkmale etwa der Beaujolais oder der Chateauneuf de Pape Blanc A.C. oder der 06er Cote de Nuits Village oder ein Spät-Burgunder hat ... Es war jedenfalls eine sehr erholsame und erlebnisreiche Kreuzfahrt, in deren Verlauf man ein wenig Burgund, die Provence und die Carmargue kennen lernen konnte.

Bei aller Freude über das Erlebte hing doch wie ein Schatten die Insolvenz der Deilmann-Flussschifffahrt über der Reise. Zwar gab es keinerlei Einschränkungen irgendwelcher Art. Alles lief wie angekündigt, wie geplant und bezahlt. Die Crew gab sich alle Mühe, alle waren freundlich und zuvorkommend, da konnte wirklich niemand meckern. Dass aber trotz aller Freundlichkeit und professionellem Verhalten die Stimmung der Leute etwas trübe und bedrückt war, lässt sich denken. Etliche Mitreisende, besonders die Stammgäste, wussten um die Pleite dieses Firmenteils und sprachen darüber. Und natürlich wurden die Besatzungsmitglieder befragt, wann es denn endgültig zu Ende ist und was weiter wird. Es ist den meisten Reisenden wie Angestellten der Firma unbegreiflich, wie denn ein solch renommiertes, klassisches Unternehmen, das mit dem Slogan „Deutsche Kreuzfahrttradition / Peter Deilmann-Reederei wirbt, so rasch und gründlich den Berg hinunter gehen kann. Und das, obwohl das Kreuzfahrtgeschäft boomt, jedenfalls insgesamt bisher keine so dramatischen Einbrüche erlebt hat. Auch die PRINCESSE DE PROVENCE war auf dieser Reise ausgebucht. Von schlimmen Managementfehlern wird allenthalben gesprochen. Der „alte Deilmann habe seine Reederei wie ein Feudalfürst geleitet,  auch Kleinigkeiten selbst entschieden, keine rechte oder linke Hand benötigt und niemand in seine Geschäfte reinschauen lassen. Als er nun unerwartet starb, stürzten seine beiden blonden Töchter Gisa und Hedda als Nachfolgerinnen des legendären Vaters quasi ins kalte Wasser, ohne irgendwelche Geschäfts-Erfahrungen, ohne erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten, solch ein Unternehmen führen zu können. Aus Neustadt hört man, dass die zwei Partner der beiden Damen auch nicht gerade clever und kompetent seien und sich keineswegs als gute Ratgeber oder gar nützliche Helfer erwiesen hätten. Es wird nun halt viel gemutmaßt und diskutiert, es gibt Gerüchte, Verdächtigungen und Spekulationen, was bei so einer wirtschaftlichen Katastrophe unvermeidlich ist.

Zusätzlich wurde die Lage dadurch angeheizt, als es in der Geschäftsführung in Neustadt Durchsuchungen durch die Staatsanwaltschaft und den Zoll gab, was die Medien, besonders die Lübecker Nachrichten und die Ostsee-Zeitung, am 14. Oktober groß vermeldeten. Wie zu hören war, sind beschlagnahmte Materialien mit zwei Lastwagen abtransportiert worden. Der Anfangsverdacht wegen Betrug, Untreue und Steuerhinterziehung, habe sich ergeben, nachdem ein tschechischer Kapitän

 

eines der Flussschiffe behauptet habe, dass er und weitere Crewmitglieder kein Gehalt bekommen hätten. Der Anfangs-Verdacht wegen Betrug, Untreue und  Steuerhinterziehung, habe sich ergeben, nachdem ein tschechischer Kapitän eines der Flussschiffe behauptet habe, dass er und weitere Crewmitglieder kein Gehalt bekommen hätten. Dies soll aber nicht wahr sein, wie ein Mitarbeiter der Firma, der nicht genannt sein will, betonte. Bei einer Insolvenz gibt es natürlich auch immer Verdächtigungen und Beschuldigungen, die jeder Grundlage entbehren. Letztlich werden die Untersuchungen zeigen, was wirklich war. In einer der Meldungen hieß es, dass auch auf fünf Schiffen (ausgenommen ist die ja nicht von der Insolvenz betroffene DEUTSCHLAND), Untersuchungen gegeben hätte. Das trifft jedenfalls für die PRINCESSE DE PROVENCE nicht zu, wie der Hoteldirektor des Schiffes, Herr Jürgen Timmermann, versicherte.

Wenn etwas an Bord auf das bevorstehende Aus hingedeutet hat, dann am ehesten noch die Tatsache, dass alle in der Boutique angebotenen Waren um 50 Prozent reduziert abgegeben wurden. Dieses Verkaufsmotto „Alles muss raus, kennt man ja von manchen Pleite-Läden und aktuell auch von Quelle. Befragt, wie es denn mit ihr persönlich weiter geht, antwortete Dorén Duberke, die den Shop leitet, gleichzeitig als Friseurin arbeitet und die Bordbibliothek betreut, dass sie sich bei allen deutschen Kreuzfahrtunternehmen beworben habe und nun abwarten müsse. Marlies Kramer hat sich, wie sie sagte, noch gar keine Gedanken gemacht. Es sei, gerade auf den letzten Reisen, wegen personeller Ausfälle (auf dieser Tour wirbelten 38 Kräfte von 49 Stellen) so viel zu tun, dass sie das erst mal von sich weg schiebe. Man werde dann sehen. Jürgen Timmermann ist zuversichtlich. Es hätte einige ganz positive Anfragen anderer Unternehmen gegeben. Valentina Ivanova, die Hausdame (auf dieser Tour zugleich unserer Kabinenstewardess) meinte, sie wolle zunächst nicht weiter machen. Sie hätte 15 Jahre auf Kreuzfahrtschiffen wie der BERLIN oder der ASTOR und auf Flusscruisern gearbeitet. Nun wolle sie einfach aufhören (was immer sie damit meinte). Schiffsarzt Dr. Karl-Heinz Bergt muss sich um seine Zukunft sowieso keine Gedanken machen. Mediziner sind gefragt, auch Schiffsärzte. Restaurant-Steward Stilyan wird erst mal bezahlten Urlaub machen und dann arbeitslos sein. Im kommenden Frühjahr habe er aber Aussicht, in Österreich eine Anstellung als Kellner zu finden. Getränkesteward Mehmet („wie Scholl) weiß noch nicht, was nach dem letzten Törn wird. Er hofft ... Da neue Flussfahrgastschiffe aber auch Hochsee-Kreuzfahrer in Dienst gestellt werden, sind die Aussichten auf neue Jobs für die Beschäftigten der Deilmann-Flusscruiser offenbar nicht schlecht. Allerdings handelt es sich um neun Schiffe, die von der Insolvenz betroffen sind: MOZART, CEZANNE, CASANOVA, HEIDELBERG, DRESDEN, KATHARINA VON BORA, KÖNIGSTEIN, FREDERIC CHOPIN und natürlich PRINCESSE DE PROVENCE. Da sind immerhin rund 350 Menschen.

Problematischer ist es wohl mit den 70 Leuten, die an Land tätig waren und den Laufpass bekommen haben. Sicherlich nicht schlecht sind auch die Chancen für das Nautische und technische Personal des Schiffes, für den Ersten Kapitän Aupave Auberger und den Zweiten Kapitän Patrice Touzelet, welche die PRINCESSE DE PROVENCE sicher führten. Einigen Gästen stieß es allerdings unangenehm auf, dass der Kapitän auf dem Empfangs- wie dem Abschiedsabend kein einziges deutsches oder englisches Wort zur Begrüßung seiner Gäste übrig hatte. Auch wenn man eine Sprache nicht beherrscht, sollte es einem solchen Mann doch möglich sein, wenigstens ein „Guten Abend oder „Willkommen an Bord in der Landessprache der Mitreisenden herauszubringen.

Die Schiffe werden nun verkauft, einige haben bereits neue Besitzer. Die PRINCESSE DE PROVENCE soll schon seit einem Jahr dem Stuttgarter Spezialisten nicko tours gehören und lief für die letzten Fahrten nur in Deilmann-Charter. Nach den Besitzerwechseln wird es sicherlich Veränderungen geben, entsprechend der jeweiligen Konzeption der neuen Betreiber. Umbauten oder Neueinrichtungen auch Wechsel der Kreuzfahrt-Regionen sind zu erwarten. Man kann den MItarbeitern der ex-Deilmann-Flussschiffe nur viel Glück wünschen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Den Flussfahrtliebhabern wird sicher künftig nichts fehlen. Schon auf dieser Tour war A-Rosa Flussschiff mit zwei Schiffen, der A-ROSA STELLA und der A-ROSA LUNA präsent. Auch die HERMES, ein französischer Flussfahrer und die SWISS PEARL einer schweizerischen Reederei lagen an einigen Kais vor bzw. hinter der PRINCESSE.

Die wird vielleicht unter neuem Namen aber unter anderen Flaggen auch wieder in Fahrt gehen. Neue modernere Schiffe sind auf Werften im Bau und warten auf ihre Einsätze. Apropos modernere Schiffe. Die PRINCESSE ist Baujahr 1991, also als Schiff keine junge Lady mehr, aber doch noch prima in Schuss. Die Kabinen, mit einer Größe von 11 Quadratmetern sind für heutige Ansprüche allerdings recht eng. Für ältere und gehbehinderte Passagiere schon problematisch, wie mehrere Gäste befanden. Die Duschen seien so eng, das man da kaum rein oder raus käme, beklagte sich schmunzelnd ein etwas beleibter Herr. Man habe da nichts zum Festhalten, bemängelte eine betagte Dame. Das alles wird zwar bemerkt, aber klaglos hingenommen. Viel mehr störten sich ältere Fahrgäste an der Geräuschbelästigung durch die Maschinen, insbesondere bei Zurück-Manövern und bei einströmenden Wassern in die Schleusen. Auch modernste Schiffe werden nicht ganz geräuschlos fahren können, doch vibrations- und geräuschärmer als die PRINCESSE möchten sie schon sein.

Noch ein Wort zur Verpflegung. Da gab es wahrhaftig nur Lobenswertes. Küchenchef Stefan Kugler, ein junger, „umfangreicher und „überragender Mann, der kaum durch die Messe kam, ohne sich zu ducken, um seinen Hut nicht zu gefährden, bekam er stets Sonderapplaus, wenn er sich an den Galaabenden dem Publikum zeigte. An Bord nannte man die Kombüsentruppe „Schneewittchen und die sieben Zwerge, weil den groß gewachsenen deutschen Obersmutje sieben um mindestens einen Kopf kleinere bienenfleißige indische und philippinische Mitarbeiter umgaben.

Wenn es etwas zu bemängeln – nein, nur in Frage zu stellen – gibt, dann ist es die Üppigkeit der lukullischen Angebote (was aber für alle Musikschiffe auf allen Meeren und allen Flüssen gilt). Auch auf dieser Tour und auf diesem Schiff gab es täglich die sieben Mahlzeiten (Frühaufsteher-„Vorstück, Vormittagsboullion, Mittagsmahl, Kaffee bzw. Teestunde mit Kuchenbuffett, Abendessen und Mitternachtssnack). Zu den  Hauptmahlzeiten (Mittag und Abendessen) wurden sieben Gänge präsentiert, bei einer Auswahl von zwei bis drei Gerichten je Gang. Dazu wurde außerdem jeweils ein genau so reichhaltiges vegetarisches Menü empfohlen, welches aber auch nicht kalorienärmer und unbedingt genauso schmackhaft wie das „Normalmenü war. Dabei konnte man zwischen den beiden Speisekarten wechselnd wählen. Auf dem Buffet standen jeweils noch Obst- und Gemüsesalate sowie ein reiches Käse-Sortiment bereit. Es ist erstaunlich, dass sich etliche Gäste tatsächlich die sieben Gänge und die zusätzlichen Salatbeilagen ausgiebig einverleibten, offensichtlich bar aller Gewissensbisse wegen ungesunder Ernährung. Doch es heißt halt: einmal im Jahr kann man zehn Tage lang schlemmen, bis der Bauch schmerzt. Und wer diszipliniert genug ist, darf ja auch nur drei Gänge wählen. Kugler und seine Kombüsen-Gang verschafften jedenfalls allen Fahrgästen täglich Hochgenüsse. Man darf hoffen, dass es allen wohl bekam.

Ein großes Arbeitspensum bei hohem Tempo leisteten die Stewards unter Obersteward Istvan Nemeth. Was die so an Gewichten von Tellern, Tassen, Schüsseln, Bestecks und natürlich an Speisen und Getränken so zu transportieren haben, nötigt Hochachtung ab. Dass sie dabei fast alles mit Humor trugen, zeichnete sie aus. Nur in einem einzigen Fall gab es Ärger, als einige englische Mitreisende einen Steward rüde anmachten und ihm dann der Kragen platzte. Am nächsten Morgen waren die britischen Herrschaften und der bulgarische Bedienstete jedoch offensichtlich wieder verry amused und vertrugen sich bestens.

Wären außerdem die Stewardessen zu nennen, die morgens und abends die Schlafstätten richteten und die Kabinen reinigten. Man muss auf diesem Schiff in den Zweier-Kabinen das Wandbett und das Schlafsofa aus- bzw. einklappen, was die Gäste nicht allein machen sollen, weil es etwas Mühe bereitet.

Kaum zu sehen ist auf allen Schiffen das Technische Personal, das für den gesamten Betrieb, nicht nur für das Funktionieren der Motoren, sondern auch für alle anderen Geräte und technischen Anlagen, von den Herden bis zur Heizung, für das Wasser und die Entsorgung, für die Beleuchtung und die Bordlautsprecher und anderes mehr eine unverzichtbare Arbeit leistet. Barent Schram, der 1. Ingenieur und seine „Stoker haben alles im Griff gehabt. Das sei nicht vergessen und würdigend erwähnt.

Etwas sonderbar mutete es an, dass schon am Anfang der Reise und noch einmal zum Abschluss sehr viel Papier in den Kabinen verteilt worden ist. Es handelte sich, außer um die Tagesinfos und Materialien über die Landausflüge, vor allem um Werbeprospekte und Broschüren über die Deilmann-Reederei. Da waren auf Hochglanz nicht nur Angebote für Reisen mit dem Traumschiff DEUTSCHLAND, sondern auch noch Empfehlungen für Flussfahrten enthalten. Wozu das alles, mit diesem Aufwand, der das Aus ja auch nicht verhindert, nicht einmal hinausschiebt. Es hört sich irgendwie makaber an, wenn zu guter Letzt die Damen Deilmann den sehr geehrten Gästen auf einer schönen Extra-Karte nicht nur eine gute Heimreise wünschen, sondern sich außerdem freuen, „Sie bald wieder an Bord eines unserer Schiffe willkommen heißen zu dürfen. Die Gäste konnten aber versichern, dass es ihnen während der Kreuzfahrt an nichts gefehlt hat und sie sich an Bord des „kleinen Traumschiffes wohl gefühlt haben.

Die kleinen Traumschiffe finden Sie 2010 bei nicko tours „klein & fein” in Stuttgart.

Ein weiterer Höhepunkt des viel besungenen Avignons ist der Papstpalast, die Residenz der Päpste des 14. und 15. Jahrhunderts.

Die berühmten Lavendelfelder der Provence. Lavendel ist eine Grundlage für die Parfüm-Herstellung. Deren Zentrum ist die Stadt Grasse an der Côte d’Azur.