AUSGABE 1/2010


Von hier startet der Skipper die CLIPPER, aus der Marina Wolfsbruch bei Kleinzerlang nördlich von Rheinsberg. Die Marina liegt versteckt in einem der schönsten Teile der Mecklenburgischen Seenplatte.

In erster Linie hat uns das Revier gereizt. „Die mecklenburgischen Gewässer bilden ein abwechslungsreiches Landschaftsbild, so der Bootsatlas, „da kaum ein See dem andern gleicht. Neben Einzelseen gibt es Seengruppen und -ketten. Mit über 200 Quadratkilometern eines der größten Binnenreviere Zentraleuropas.

 

Das hat neugierig gemacht. Vor- und Nachsaison eignen sich am besten für so eine verkehrsarme Schnuppertour. „Im Hochsommer müsst ihr euch vor manchen Schleusen schon mal auf stundenlanges Warten gefasst machen, weiß später ein  Schleusenwärter  zu berichten.

 

„Noch Fragen?, beendet der Hafenmeister in der Marina Wolfsbruch seine Boots-Einweisung. Dann gehts endlich los. Herr über ein richtiges Schiff zu sein – welch reizvoller Gedanke. Die „Crown Blue Line-CLIPPER gleitet zwar nur im verschärften Schritttempo durchs Wasser, macht aber den Eindruck, als könne man damit bis ans Ende der Welt schippern.

Die Gedanken schweifen schon mal in die Ferne zur Müritz, die wir ansteuern wollen: ein kleines Meer oder Morcze, wie die slawischen Siedler das in Nord-Süd-Richtung 28 Kilometer lange, 14 Kilometer breite und bis zu 33 Meter tiefe Meerchen einst nannten. Eiszeitliche Gletscher schürften den größten deutschen See vor über 10.000 Jahren in die Landschaft.

Vom Steuerstand dirigiert der Skipper „seinen Dampfer aus der Marina Wolfsbruch bei Kleinzerlang nördlich von Rheinsberg. Der Hafen ist noch mehr als das: Versteckt in einem der schönsten Teile der Mecklenburgischen Seenplatte, liegen mustergültige Anlagen mit modernstem Rundum-Service. Ausgangspunkt für unsere einwöchige Boots-Tour zwischen Malchow im Nordwesten, Waren im Norden und Lychen im Südosten.

 

Am linken Ufer der Kleinen Müritz bei Vipperow überragt eine weiße Tafel den dichten Schilfgürtel. Blick in die Karte und durchs Fernglas: Aha, dort zweigt das Fahrwasser ab. Schräg gegenüber das nächste Wasserzeichen – Einfahrt in die Müritz-Havel-Wasserstraße. Einmal lang blökt unser Horn vor der engen Brücke der B 198: Achtung für Gegenkommer! Und die erste „Bewährungsprobe. Wer hier mit PS statt Gefühl agiert, der havariert. Die Beulen und Schrammen in so manchem Charter-Gefährt sprechen eine deutliche Sprache. Da fehlt es häufig an Praxis und Erfahrung.

Die ist beim Befahren der Müritz unbedingt notwendig: wegen ihrer schwierigeren Fahr- und Wetterbedingungen.

 

Hinter dem Steinhorn, am westlichen grünen Tonnenstrich der Müritz, grüßt aus zehn Kilometer Entfernung der Turm von Schloss Klink über die gleißende Wasserfläche. An Backbord lugen die Spitzen der Pfarrkirchen von Röbel über die naturgeschützte Halbinsel „Großer Schwerin”. Auf dem flachen Feuchtgebiet nisten Tausende von Vögeln: Gänse, Blesshühner, Enten und Kraniche. Ein vielstimmiges Nachmittags-Konzert.

Doch zuvor haben wir noch einen Abstecher ans Ostufer zum Bolter Kanal gemacht. Der idyllische Wasserlauf, frühere Verbindung zur Havel, ist nur noch bis zur Schleuse Bolter Mühle für kleine Sportboote befahrbar. Das schlauchenge Gewässer am Müritz-Nationalpark gilt als Dorado für Naturfreunde. 

Die zu Füßen des ehemaligen Familienbesitzes derer von Schnitzler gelegene Marina Klink lockt zum Übernachten. In der Kombüse schmurgelt es. Leckere Düfte lassen Gaumenfreuden ahnen. Alternative zur Bordkost: ein Besuch im vielgepriesenen Schloss-Restaurant oder im „Alten Gutshaus” oberhalb des geschützten Hafens.

Der Abend klingt aus bei Wein und Kerzenschein. Wie klar hier der Sternenhimmel ist, meint Mitfahrer, Matrose und Smutje Peter versonnen. Leise plätschern Wellen gegen den Rumpf – eine traumhafte Einschlafmelodie in kuschligen Kojen. Der Wind lässt die Baumkronen rauschen, durch die der Honigmond blinzelt.

 

Am Morgen trommelt ein Regenschauer gegen die Scheiben. Kurzer Blick nach draußen mit ungebremstem Panoramablick auf Wälder, Wiesen und Felder. Da bleibt noch genügend Zeit zum Umdrehen in der warmen Koje.

Im dreizehn-Kilometer-„Tempo tuckern wir nach dem Frühstück dahin. Später lacht die Sonne vom wattebetupften Himmel.

Geruhsam steuern wir durch den schmalen Flaschenhals in die Binnenmüritz. Voraus das malerisch gelegene Städtchen Waren, das Tor zur Müritz oder die bunte Stadt am Meer. So genannt wegen ihrer liebevoll restaurierten Altstadt mit farbigen Fachwerkhäusern, neuem Yachthafen und Uferpromenade, die zum Bummeln und Einkehren verlockt. Ein Besuch im Müritz-Museum mit Süßwasseraquarium öffnet die Augen für Natur, Schönheiten und Geheimnisse der Region.

 

Kurs West. Zwischen den Tonnen 56 und 41 fädeln wir uns in den drei Kilometer langen Eldenburger Reekkanal. Er verbindet die Binnenmüritz mit den benachbarten Oberseen. Als der Wasserschlauch sich öffnet, weitet sich der Blick auf den wald- und schilfeingefassten Kölpinsee. Querab der Halbinsel Dammerower Werder ist verschärft Ausguck angesagt. 30 Wisente tummeln sich versteckt in einem Gehege wie auf freier Wildbahn. Die schwarze Eule auf gelbem Grund verbietet jegliches Anlegen. Trotz intensiver Fernglassuche lässt sich keiner der gehörnten Kolosse blicken. Auch nicht, als wir den 300 Meter langen, schmalen und nur 1,50 Meter tiefen Kanal zum Jabelschen See passieren. Das Uferdickicht weckt Amazonas-Assoziationen: Die zu einem Dach verwobenen Baumkronen verdunkeln den Himmel, zwischen morschem Holz und Wasserpflanzenteppichen leuchtet das satte Gelb von  Sumpfdotterblumen.

Der Jabelsche See gilt unter Kennern als Perle der Mecklenburger Seenkette. Motor aus. Stille. Zwei Schwäne schweben über den See, ihre Bugwellen kreuzen sich im

spiegelglatten Wasser. Das ist die Stunde, um in der Kombüse nachzusehen, ob noch eine Flasche Rotwein an Bord ist. Zeit, die Plätze an Deck einzunehmen, denn im Naturtheater beginnt die Abendvorstellung. Ouvertüre: das beinahe schon Angst einflößende Röhren der Wisente, die sich am gegenüber liegenden Ufer sammeln.

Je dunkler die Schatten der Wälder werden, um so violetter färbt sich das Wasser. Der letzte Reiher schwebt vorüber, am Ufer wabern lautlos Nebelschwaden, über uns blinken die ersten Sterne am Himmel ...

 

Am nächsten Morgen sind wir nicht die ersten auf den Beinen: Blesshühner rennen im aufgeregten Liebesspiel tatsächlich über den glatten Seespiegel. Haubentaucher recken den Hals, als wollten sie einen Blick aufs Oberdeck werfen; ein Kormoran flattert vorbei, Graugänse üben mit den Küken das Formationsschwimmen. Das animiert, als wir schnell mal ins Wasser springen. Ganz schön kalt ist es noch, jetzt im Mai. Macht aber nichts, sondern nur herrlich munter. Doch was ist das für ein fernes Pfeifen? Rufen so die Rohrdommeln? Ach, es ist nur der Teekessel auf unserm Herd: Volldampf voraus, das Frühstück naht.

Von gegenüber dringen verlockende Düfte von Geräuchertem in die Nase. Nichts wie angelegt beim Fischer und vorgesorgt fürs zünftige Mittagsmahl: rauchwarmer Aal und Maräne, der edle „Süßwasserhering” aus dem klaren, 18 Meter tiefen See. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zur Wisent-Aussichtsplattform. Vielleicht haben wir diesmal Fotosafari-Glück. 

 

„Zum Fünf-Uhr-Tee könnten wir eigentlich Schloss Blücher am benachbarten Fleesensee besuchen, schlägt ein Crewmitglied vor. Ein Blick auf Karte und Uhr überzeugt: „Schaffen wir noch dicke! Der Weg dorthin führt durch den 350 Meter langen Göhrener Kanal mit sumpfigem Baumsaum. Kurs Südwest auf der Fahrwasserabzweigung nach Untergöhren. Festmachen in der Marina, die dem Hotel-Komplex Fleesensee angeschlossen ist. Hinter einem Hügel recken sich Turmspitzen über die Baumwipfel. Die Abendsonne wirft ihre letzten Strahlen auf den gelben Barockbau und lässt ihn in altem Glanz aufleuchten. Tea-time unterm Adelsdach mit Blick auf golfende und reitende Gäste.

Abwechslungsreiche See-Meilen, ein Bruchteil von vielen hundert möglichen auf Europas größter Wasserlandschaft, liegen hinter uns. Wir haben die Einsamkeit durchmessen, ohne uns im Labyrinth der Mecklenburgischen Seen zu verirren. Und der Skipper freut sich, mal wieder „richtig Kapitän gewesen zu sein.

 

Le Boat-Crown Blue Line · www.leboat.de · info@leboat.de

Crown Blue Line Charterbasis Marina Wolfsbruch

Crown Blue Line Charterbasis Marina Jabel

Crown Blue Line Charterbasis Potsdam

Kuhnle-Tours · www.kuhnle-tours.de · info@kuhnle-tours.de

Kuhnle-Tours Charterbasis Hafendorf Müritz + Mecklenburgische Großseen

Kuhnle-Tours Charterrevier Schweriner See und Müritz-Elde-Wasserstraße

Kuhnle-Tours Charterrevier Mecklenburgische und Märkische Kleinseenplatte

www.hausboot-charter.com

www.yachtcharter-naumann.de

www.bootscharter-mecklenburg.de · www.yachtcharter-schulz.de

www.charterpoint-mueritz.de

www.hausboot-charter-plau.de

www.1a-hausboot.de

www.hausboot-mueritz.de · www.yachtcharter-roemer.de

www.motor-yacht-charter.de

www.hausboot-charter-mueritz.de

www.hausboot-agentur.de


 

Törnplaner Mecklenburgische und

Märkische Gewässer

Erschienen bei

Quick Maritim Medien Dagmar Rockel, Rechlin.

(ISBN 978-3-9806720-7-8),

€ 15,00 (D).

www.quickmaritin.de

post@quickmaritim.de

Die ersten Kilometer bei gemächlicher Fahrt auf ruhigen Kanälen ...

 

... fast ohne Gegenkommer bringt dem Skipper Ruhe und Sicherheit.

Die Zechliner Fischerhütte ist ein sehr beliebtes Lokal am Schwarzer See.

 

Mein See, mein Bootshaus, mein Boot – Freiheit, die ich meine ...

Gedränge in der Schleuse Wolfsbruch, jetzt geht es nach Nordosten, Richtung Kleiner Pälitzsee.

Bootshäuser kurz vor Mirow, direkt gegenüber der Schleuse Mirow.

 

Warten auf den Gegenverkehr vor der Schleuse Mirow.

Die Marina Müritz Claassee. Die Marina ist durch einen 170 Meter langen Stichkanal mit der Müritz verbunden.

An einem Anleger der Marina Müritz Claassee haben wir festgemacht.

 

Der Yacht- und Seglerhafen Rechlin. Hier

In der Marina Fürstenberg am Schwedtsee und der Oberen Havel-Wasserstraße. 

Pure Wildnis an der Havel zwischen Fürstenberg und Priepert ...

 

... und als Kontrast eine moderne Havel-Schleuse auf der Fahrt nach Westen.

Unsere letzte Station ganz im Süden: Das Schloss und das Städtchen Rheinsberg.

 

Der Rheinsberger Schlosspark am Ende des Grienericksees.

Der Autor, hier auf der Flying Bridge einer KORMORAN.