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Johann Magner ist Kapitän
der MS SAXONIA,
hier beim Wendemanöver vor Rügen.

Seit fast zwanzig Jahren ist Johann Magner aus dem Elbe-Schifferstädtchen
Bittkau schon als Binnenkreuzfahrt-Kapitän unterwegs. Hier plaudert er aus
dem Schatzkästchen seiner reichen Erfahrungen.
PSW:
Wie ist Ihre Karriere auf
europäischen Kanälen und Flüssen verlaufen?
Magner: Der Zugang zur Seeschifffahrt wurde mir in der DDR aus
politischen Gründen verwehrt. Deshalb gab es nur eine Alternative für mich:
die Binnenschifffahrt. Ich durchlief eine dreijährige Lehre zum Matrosen und
wurde gleichzeitig zum Motorenwart ausgebildet. Mit 21 Jahren hatte ich
Elbe- und Kanalpatente in der Tasche und bekam mein erstes Kommando auf
einem Schubschiff. Mit Motorgüterschiffen befuhr ich sogar Küstengewässer.
Auf Kreuzfahrtschiffen lernte ich schließlich die großen europäischen Fluss-
und Kanalreviere kennen und bin mittlerweile auch Patentinhaber dieser
Gewässer.
PSW:
Was unterscheidet Ihre
jetzige Tätigkeit von der früheren?
Magner: Dadurch, dass ich heute Passagiere fahre, habe ich eine
wesentlich größere Verantwortung, auch natürlich für die internationale
Crew, die mehr Köpfe
zählt als auf Frachtschiffen. Darüber hinaus muss ich ständig präsent sein
für die Passagiere und ihre unterschiedlichen Wünsche.
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PSW:
Welche Fähigkeiten sollte
man in Ihrem Beruf über das Fachliche hinaus haben?
Magner: Ganz wichtig ist, ein offenes Ohr zu haben für die Sorgen und
Wünsche von Gästen und Crew. Kleine Störungen sollte man nicht zum Problem
werden lassen, jedes Crew-Mitglied in seiner Position wichtig nehmen und dem
Gast das Gefühl geben, dass alle für seine Wünsche da sind. Schließlich ist
die jeweilige Reise für Viele die schönste Zeit des Jahres.
PSW:
Welche Momente an Bord
erleben Sie als schön, welche weniger?
Magner: Zufrieden bin ich, wenn zufriedene Gäste wiederkommen. Oder
wenn Gäste zum Beispiel mit dem Satz „So schön hab’
ich mir das nicht vorgestellt!”
das Essen stehenlassen, um den Sonnenuntergang oder einen Seeadler zu
fotografieren. Was mir zum Beispiel gar nicht gefällt, wenn jemand die
Kabine nachmisst und meint, reklamieren zu müssen, dass ein paar
Quadratzentimeter gegenüber der Katalog-Angabe fehlen.
PSW:
Was geben Sie Ihren
Passagieren während der Reise mit?
Magner: Das Gefühl, beim Fahren die Freuden der Langsamkeit zu
genießen, sich Zeit zu lassen für Naturbetrachtungen. Nur so kann man
Alltagsstress und Hektik vergessen. Mir macht es außerdem viel Spaß, den
Gästen Hinweise zu geben auf die Ökologie und Ökonomie sowie die jeweiligen
Besonderheiten der durchfahrenen Wasserstraßen zu.
PSW:
Gibt es unausgesprochene
Regeln oder Empfehlungen für Passagiere, mit anderen Worten: Was ist
erwünscht, was nicht?
Magner:
Erwünscht sind Kritik und
Empfehlungen, die gleich ausgesprochen und nicht am Ende der Reise
vorgetragen werden, wenn Abhilfe nicht mehr möglich ist.
Unerwünscht sind rüde Umgangsformen.
Freundlichkeit und Höflichkeit kosten nichts. Auch mal ein Dankeschön kann
nicht schaden, womit auch die Arbeit der Besatzung gewürdigt wird. Das
wiederum erhöht die Motivation.
PSW:
Welches sind für Sie die
reizvollsten Fahrtgebiete und warum?
Magner: Für mich persönlich alle Seegewässer, die mit unseren
Schiffen befahren werden können. Aber auch wenig befahrene und intakten
Flüsse wie zum Beispiel die Peene, der längste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns
mit seiner unzerstörten Natur. Das kommt bei den Gästen immer gut an.
PSW: Haben Sie darüber hinaus
Wunsch-Reviere?
Magner:
Einmal um die Welt zu segeln, das wär’ schon was! Ansonsten würde ich
mal gern quer durch Westpreußen Kurs auf Danzig nehmen. Die Weichsel,
Frisches Haff, Nogat und Narew mit Ziel Ostpreußen zu befahren.
Wenig im Angebot sind im Übrigen auch
die Nebenflüsse der Donau. Wie man sieht, gibt es auf meiner persönlichen
Wunsch-Karte für Binnenkreuzfahrten noch reichlich weiße Flecken.
PSW:
Vielen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview führte
Dr. Peer Schmidt-Walther an Bord der
MS
SAXONIA. |
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Drei Romane in einem Band, über 1000 Seiten, sind viel Krimi fürs Geld. Die
Taschenbuchausgabe bei Rowohlt kostet ganze 10 €. Radio Bremen nannte den
britischen Autor „die europäische Krimi-Entdeckung des Jahres”, andere
Kritiker sind mit dem Lob etwas sparsamer und nennen die Sprache des ersten
Bandes, „Feuer in Berlin”, „grauenhaft bildgewaltig”. Worum geht es in den
drei Romanen? Um einen Berliner Privatdetektiv, der 1936 vor Beginn der
Olympischen Spiele („Feuer in Berlin”), im heißen Sommer von 1938 („Im Sog
der dunklen Mächte”) und im Nachkriegsberlin von 1947(„Alte Freunde – Neue
Feinde”) ermittelt.
Philip Kerr wurde 1956 in Edinburgh/Schottland geboren, studierte Jura und
arbeitete als Werbetexter. Die Zeit, in der die Krimis spielen, hat er also
nicht selbst miterlebt. Sie beruhen auf Recherchen, die bekanntlich zum
Handwerkszeug jeden Autors gehören. Kerr lässt seinen Privatdetektiv
Bernhard Gunther im Schatten der Mächtigen ermitteln und die bleiben nicht
nur im Hintergrund, sondern tauchen redend und handelnd auch immer mal auf,
wie etwa Göring oder Heydrich. Die Gestapo ist so gegenwärtig wie die
damalige Kripo.
In „Feuer in Berlin“ erhält der Privatdetektiv Gunther von einem
Industriekönig den höchst lukrativen Auftrag, den Täter zu finden, der die
Tochter Grete und ihren Mann ermordet, danach die Wohnung in Brand gesteckt
und aus dem Tresor Juwelen im Wert von einer dreiviertel Million Reichsmark
mitgenommen hat. Der getötete Schwiegersohn ist einer, der in der NSDAP
schnell nach oben kam, der Industriekönig ist mit einem Ufa Filmstar
verheiratet. Ein paar weitere schillernde Gestalten tauchen auf und nun kann
ein spannender Plot beginnen vor einem interessanten, sehr dichten
Hintergrund. Man fragt sich zwar, warum ein Mann wie Hermann Göring einen
Privatdetektiv für sich arbeiten lässt, der dann auch noch mehr Erfolg hat
als Kripo und Gestapo zusammen … aber so sind nun mal die Gesetze des
Krimis.
„Im Sog der dunklen Mächte” spielt zwei Jahre später in Berlin, nimmt aber
nur locker auf den ersten Teil Bezug. Wieder spielen Parteigrößen eine
Rolle, die Querelen zwischen ihnen erscheinen glaubhaft, der Rahmen ist
atmosphärisch dicht, die Story (Erpressung und Morde an jungen Mädchen)
endet in der Reichsprogromnacht vom 10. November 1938, als die Synagogen
brannten.
„Alte Freunde – Neue Feinde” spielt 1947 in Berlin und Wien. Der Krieg ist
zu Ende, das Grauen der Naziherrschaft wird deutlich. Noch immer ist
Bernhard Gunther Privatdetektiv. Er erhält von Sowjetoberst Poroschin den
Auftrag, den Mörder des US-Offiziers Linden zu finden. Verdächtigt und
verhaftet ist Emil Becker, ehemaliger
Kollege Gunthers aus den Tagen der Berliner Kripo, dem der sowjetische
Oberst
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Philip Kerr:
Die Berlin Trilogie
Deutsch von Hans J. Schütz
Rowohlt Taschenbuch Verlag,
Reinbek.
(ISBN 978-3-499-24465-0),
€ 10,00 (D).
www.rowohlt.de |
sein Leben
verdankt. Gunthers Recherchen führen ihn mitten hinein in Schwarzhandel,
Aufklärung, Untertauchen, Spionage und Gegenspionage.
Der Autor hat zahlreiche weitere Krimis geschrieben, von denen einige
verfilmt wurden. Zweimal wurde er mit dem Deutschen Krimipreis
ausgezeichnet. Heute lebt er in einem Londoner Vorort. |
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►►►Tja,
nun
haben wir ja die festliche Saison hinter uns und der Alltag hat uns wieder.
Die feinen Plünnen verschwinden wieder im Schrank, auch der Smoking, den
Hein Mück sich in einer Zeit zugelegt hat, als er weiter im Binnenland
arbeitete. Hier im Schatten des Westwinds und hinterm Deich hat er das
Kleidungsstück nur einmal gebraucht – zu einer Hochzeit, als auf der
Einladung „Abendanzug” stand. Nur ganze drei Herren wussten, dass damit der
Smoking gemeint war, alle anderen kamen im dunklen Anzug.
Überrascht hat Hein Mück, dass der Frack hier an der Küste noch gern
getragen wird, der weiter im Binnenland nur noch auf der Bühne, bei
Opernbällen oder zu Adelshochzeiten auftaucht. Der Frack wird in Bremen zur
Eiswette getragen im tiefen Winter, in dem nach strengem Zeremoniell und
feierlich geprüft wird, ob die Weser steht oder geht, zugefroren ist oder
fließt. Zum anschließenden Essen ist er angesagt.
Und natürlich
zur Schaffermahlzeit im Bremer Rathaus, zu dem ja – bis auf zwei Ausnahmen –
nur Herren geladen wurden oder werden: eine Kapitänin erschien in Uniform
und die Bundeskanzlerin im schwarzen Kleid. Die Herren tragen Frack oder
Uniform und wenn die Gäste vom Schütting zum Rathaus über den Marktplatz
gehen, sprechen respektlose Zuschauer vom Marsch der Pinguine. Da man im
Leben nur einmal als Gast zur Schaffermahlzeit eingeladen wird, könnte das
der Grund für das Überleben des Fracks im Norden sein. Wenn man ihn nicht
leihen will, muss man ihn sich anmessen lassen, denn von der Stange ist er
nicht zu haben. Und wenn man schon so viel Geld investiert, sollte man das
teure Kleidungsstück eben doch öfter tragen.
►►►Tja,
zu
Kleiderstil, zweite Runde. Unsereiner kennt den Ausdruck noch, in Schlips
und Kragen rumzulaufen. Man trug zu Jackett und Hose ein gebügeltes Oberhemd
mit Kragen und eine selbstgebundene Krawatte. Sein erstes feines Hemd und
seine erste Krawatte bekam Hein Mück zur Konfirmation.
So ein Geschenk prägt. Wenn Hein Mück heutzutage ein Restaurant besucht oder
ein Konzert oder ins Theater geht, trägt er Schlips und Kragen – wie einst
im Mai. Aber er stellt auch fest, dass er zu einer immer kleiner werdenden
Minderheit gehört.
Zu den
Neujahrkonzerten der letzten beiden Jahre in der Bremer Glocke zum Beispiel
ersetzte der Pullover oder die Strickjacke bei sehr vielen Herrn das
Jackett. Natürlich kann man auch in Strick Musik genießen und sicherlich
auch in Pantinen oder Hausschuhen. Aber hat man nicht mehr vom Schönen, wenn
man sich auch äußerlich darauf vorbereitet? |
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►►►Tja,
jeder Seefahrer kennt eine Kulani. Im Binnenland heißt das entsprechende
Kleidungsstück – in anderer Farbe, aber ähnlichem Material – Joppe. Die
Kulani hat ihren Namen nach einem Kieler Schneider, der sie schon zu Kaisers
Zeiten für die Marine auf den Markt brachte. Die echte wird Stoff auf Stoff
genäht, hat also kein Futter und wärmt damit doppelt. Sie ist zweireihig und
reicht fast bis zur Mitte der Oberschenkel. Nur in Schneestürmen und bei
Nordmeerexpeditionen darf man zur Kulani einen Schal tragen. Hein Mück
erinnert sich an Matrosen, die beim Verlassen der Kaserne vom Unteroffizier
vom Dienst zurückgeschickt wurden, weil sie einen Schal trugen. Der Hals
hatte frei zu bleiben.
In der zivilen Seefahrt hat man das alles nie so ernst genommen und auch den
Schnitt variiert. So gibt es ähnliche Jacken als Kaban bei den Franzosen und
als pea jackett bei den Engländern. Letzteres hat mit Erbsen (=pea) nichts
zu tun, sondern stammt aus dem Holländischen und bezeichnet hier eine kurze
Jacke für Matrosen und Unteroffiziere.
Die Herren Offiziers trugen schon zu Kaisers Zeiten lang. Ob sie in ihren
einfachen Mänteln weniger gefroren haben?
►►►Tja,
nach einer kürzlichen Einladung zum Grog will Hein Mück weitergeben, woran
er wieder erinnert wurde. Bekanntlich besteht ein Grog aus heißem Wasser und
Rum, je mehr Alkohol, desto nördlicher der Grog. Eine ideale Mischung gibt
es nicht, doch ein Grog nur aus Rum ist jedenfalls hier an der Sandküste
unüblich. Kleine Buddeln, Portionsfläschchen, kann man schon mal in heißem
Wasser vorwärmen, aber eigentlich tut man das nicht. Heißes Wasser (wenig!),
vielleicht ein Stück Zucker und bestimmt Rum aus der großen Flasche – daraus
besteht der Grog. Nur – welcher Rum ist der beste?
Da gibt es den 73prozentigen, der eigentlich nur zum Kochen und Backen und
für tropische Cocktails verwendet wird. Die nächste Stärke liegt immer noch
bei 54 Volumenprozenten, wer so was pur trinkt, wird schon seinen Grund
haben. Doch den Vierundfünfziger nehmen viele hier oben gern in ihren Grog.
Hein Mück hätte nichts dagegen. Sein Lieblingsrum für einen Grog ist nach
vielen Versuchen allerdings gar kein so genannter „echter” Rum, sondern ein
Rumverschnitt mit ganzen 42 Volumenprozenten. Er wird in Flensburg
„verschnitten”, also mit anderem, neutralen Alkohol gemischt, und ist nach
Meinung vieler Kenner, das beste, was man in heißes Wasser im Glas tun kann.
►►►Tja,
und noch was übers Trinken: Warum heißt eigentlich Schnaps Schnaps? Wie
schon bei Wilhelm Busch nachzulesen ist, trinkt man im Norden gern „Köhm”,
womit hier immer ein Schnaps aus Korn gemeint ist. Andere Getränke haben
ihren Namen nach dem Brennort wie der Steinhäger oder nach dem
geschmackgebenden Bestandteil wie etwa der Wacholder. Der gemeinsame
Dachbegriff für alle diese – und ein paar weitere – ist „Schnaps”. Aber
einen Ort namens Schnaps gibt es ebenso wenig wie einen geschmackgebenden
Bestandteil gleichen Namens. Warum also fasst man von Aquavit bis Trester,
von Magenbitter bis Enzian die Kurzen unter Schnaps zusammen? Die Antwort
steckt in der Frage: Schnaps ist ein Wort aus dem Niederdeutschen oder
Dänischen und bezeichnet just die Menge, die man mit einem einzigen Schluck
in den Mund nehmen kann, mit’m
Mund „schnappen” kann.
Und damit
Prost Neujahr! |