AUSGABE 1/2010


Renato Diekmann

Ressortleiter HamburgMagazin

 


 

In der neuen HafenCity verändern futuristische Gebäude radikal das Stadtbild.

 

Eine Stadt verändert ihr Gesicht

In der Freien und Hansestadt Hamburg, in der knapp 1,8 Millionen Menschen leben, sind Vergangenheit und Zukunft mit Händen zu greifen. Backsteingotik und wegweisende Architektur, Geschichte, Tradition und Moderne spiegeln sich in der Metropole an Alster und Elbe. Und in der neuen HafenCity verändern futuristische Gebäude radikal das Stadtbild. Auch wenn für viele Bürger und Gäste Hamburgs der Hafen ein Ort der Seefahrerromantik bleibt, ist er für die Angestellten und Arbeiter der Werften, Hafenbetriebe, Konzerne und Bauunternehmen ein nüchterner Arbeitsplatz, an dem „das täglich Brot verdient werden muss. Wo vor über 150 Jahren noch Segelschiffe, offene Last- und Frachtkähne über die Elbe schipperten und Schauerleute Kaffee, Tee, Kakao, indische Gewürze, chinesische Seide und orientalische Teppiche und andere exotische Waren aus aller Welt in die backsteinroten Kontore der historischen Speicherstadt einlagerten, dominieren den Hafen heute schnittige Yachten, hochmoderne Containerschiffe, Massengutfrachter sowie elegante Luxusliner und haushohe Ozeanriesen mit abertausend Passagieren an Bord. Von 1895 bis heute ist die Anzahl der Hafenarbeiter von über 25.000 auf rund 5000 Beschäftigte geschrumpft bzw. durch stark automatisierten Umschlag weg rationalisiert worden. Stattdessen hat Hamburg in den vergangenen Jahren im Tourismus „einen Quantensprung erlebt und bringt der Stadt einen jährlichen Umsatz von 6,1 Milliarden € und umgerechnet 106.000 Vollzeit-Arbeitsplätze. In den traditionsreichen Gebäuden der Speicherstadt gibt es inzwischen mehr Agenturen als Händler. Die Generation 2.0 bezieht entlang der Elbe und in der neuen HafenCity durchgestylte Appartements in schachtelförmigen Öko-Häusern, und der gute alte „Michel, das bekannte, Jahrhunderte alte Wahrzeichen Hamburgs, wird demnächst vom mittlerweile doppelt so teuren Prestigeobjekt, der über 325 Millionen schweren Elbphilharmonie überragt  werden.  

 

In der Fischauktionshalle.

 

Die Highlights  

Hamburg, das Tor zur Welt, ist beliebter denn je und will dieses Jahr unter die Top Ten in Europa. Mit mehr als 4 Millionen Gästen war die Elbmetropole 2009 einer der größten Publikumsmagnete in Deutschland. Gern besucht werden Hamburgs „sündige Meilen, die Große Freiheit und die Reeperbahn, der Hamburger DOM, das größte Volksfest des Nordens, der Hamburger Fischmarkt, die St. Pauli-Landungsbrücken, die historische Speicherstadt, der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt, und das Miniatur Wunderland mit der weltweit größten Modelleisenbahnanlage, einer der erfolgreichsten Touristenattraktionen Deutschlands und im Dezember 2009 Star bei der TV-Sendung „Wetten dass.

 

AIDAcara in Hamburg.

 

Am Puls der Zeit

Doch das Herz Hamburgs schlägt im Hafen – der größte Deutschlands und nach Rotterdam und Antwerpen der drittgrößte Europas. Einen Rekord bei Kreuzfahrt-Besucherzahlen und Schiffsankündigungen meldete die HCC Hanseatic Cruise Center GmbH für die Saison 2009. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) Beteiligung organisierte im vergangenen Jahr 80 Traumschiffen die komplette Abfertigung und begrüßte fast 140.000 Passagiere in Hamburg. Die Kreuzfahrt-Industrie rechnet für 2010 mit einem deutlichen Wachstum. Die Hansestadt Hamburg  erwartet in diesem Jahr erstmals über 100 Schiffe mit rund 200.000 Passagieren. Und sie freut sich auf zwei bedeutende Schiffstaufen: Am 9. Februar 2010 wird die AIDAblu am Fischmarkt getauft, und am 6. März 2010 die MSC MAGNIFICA, der neue Stern der italienischen Kreuzfahrtflotte des Kapitäns Gianluigi Aponte mit Sitz in Neapel. Ausgewählte Gäste, der Erste Bürgermeister Ole von Beust und internationale Prominenz wie die Filmikone Sophia Loren und der Starsänger Eros Ramazotti werden dabei sein, wenn im Hamburger Hafen die Korken knallen und das elfte MSC Kreuzfahrtschiff getauft wird (mehr dazu in der nächsten Ausgabe des HamburgMagazin).

 

Die QUEEN MARY 2 zu Besuch am Hamburger Hafengeburtstag.

 

Wenn Hamburg feiert …

Elegante Luxusliner halten Bewohner und Gäste der Elbmetropole immer häufiger in Atem, besonders am Hafengeburtstag, der für alle ein großes Erlebnis ist und besonders gern besucht wird. Die faszinierendsten Ozeanriesen werden der Hansestadt auch künftig die Ehre erweisen – allein im Mai 2010 haben sich bereits 29 Kreuzfahrtschiffe angesagt. Umjubelter Stargast sind verständlicherweise QUEEN VICTORIA und die QUEEN MARY 2 (QM2), die Königin der Meere. Das fünftgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt bleibt der Hansestadt treu, wird regelmäßig in den Docks von Blohm & Voss generalüberholt und besucht Hamburg am 8. Mai 2010 zum 821. Hafengeburtstag (7. bis 9. Mai).

Am schönsten Geburtstagsfest der Stadt gibt es neben der traditionellen Einlauf- und Auslaufparade mit Großseglern, Luxuslinern, Barkassen, Fähren und Sportbooten das sehenswerte Schlepperballett auf der Elbe, am Himmel Ballonfahrten und Rundflüge sowie zahlreiche Livekonzerte und eine bunte Hafenmeile mit Fahrgeschäften und Budenzauber.

 

Am Hamburger Hafengeburtstag.

 

Die Stars im Hafen

Auch bei den Hamburg Cruise Days (29. bis 31. Juli 2010) haben wir die schönsten Kreuzfahrtschiffe der Welt zu Gast im Hafen. Die Hamburg Cruise Days gibt es seit 2008 alle zwei Jahre. Sie sind eine geniale Erfindung der Marketingstrategen und


willkommene Gelegenheit, Hamburg und mehrere Kreuzfahrtschiffe sowie Großsegler aus nächster Nähe zu betrachten. Bei derart festlichen Anlässen liegen die Schiffe stolz und erhaben vor dem Cruise Center der HafenCity, am Terminal in Altona, an den Landungsbrücken und der Überseebrücke, wo tausende Schaulustige Spalier stehen, um ihre Kreuzfahrt-Sehnsucht zu wecken – oder zu stillen. Denn allzu häufig bleibt es mangels Geld beim „Traumschiff und Bestaunen der Luxusliner, die mit Feuerwerk und einer weit hin sichtbaren Lichtshow begrüßt und verabschiedet werden.

Stars im Hafen der Freien und Hansestadt Hamburg sind in diesem Jahr Schiffe der AIDA- und MSC-Flotte, die MS ASTOR, MS COLUMBUS, MS DEUTSCHLAND, MS EUROPA und MEIN SCHIFF von TUI Cruises, die wir an dieser Stelle noch vorstellen werden. Während die Luxusliner das ganze Jahr über ein- und auslaufen, gehören zwei liebgewordene „Pötte zum Inventar der Stadt.

 

Die CAP SAN DIEGO ist Dauergast im Hamburger Hafen.

 

Der Museumsfrachter

„Leinen los! heißt es beim Hafengeburtstag (Anfang Mai) und Hamburg Cruise Days (Ende Juli) auch für die CAP SAN DIEGO. Der konventionelle Stückgutfrachter, seit Jahren ein Museumsschiff mit wechselnden Ausstellungen, einem kleinen Hotel-Betrieb und mietbaren Veranstaltungsräumen, liegt fest an der Überseebrücke, ist ein waschechter Hamburger und Dauergast im Hamburger Hafen. Die CAP SAN DIEGO wurde von der Deutschen Werft in Hamburg gebaut und transportierte Automobile, Maschinen, Fleisch, Kaffee und Textilien. Neben zahlreichen Seglern, Booten und Barkassen geht das in Hamburg beheimatete Frachtschiff, das wegen seiner eleganten Form auch Weißer Schwan des Südatlantiks genannt wird, während der festlichen Schiffsparaden auf kleinere Elbfahrten und begleitet die Traumschiffe elbauf- und elbabwärts bis nach Cuxhaven.

 

RICKMER RICKMERS an den St. Pauli Landungsbrücken.

 

Das Museumsschiff

Fest vertäut wartet die RICKMER RICKMERS an den St. Pauli Landungsbrücken auf Gäste. Als Vollschiff gebaut, lief es im August 1896 in Bremerhaven vom Stapel. Die erste Reise ging nach Hongkong, um Reis und Bambus für Deutschland zu laden; es transportierte Kohle von Wales nach Chile und Salpeter von Chile nach Europa. Insgesamt 12 Mal umsegelte die grün gestrichene Dreimastbark die Weltmeere, wurde im ersten Weltkrieg von den Portugiesen konfisziert und diente ab 1916 unter dem Namen SAGRES als Segelschulschiff. Die RICKMER RICKMERS wurde 1983 vom Verein Windjammer für Hamburg vor der Verschrottung gerettet und für viel Geld zum Denkmal- und Museumsschiff, das besichtigt werden kann, umgebaut. Dort wird in regelmäßigen Abständen auch die Ehrenkapitänswürde an Hamburger Persönlichkeiten verliehen – z. B. an „Polarforscher Arved Fuchs, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Helge Adolphsen, langjähriger Hauptpastor an der St. Michaelis-Kirche Hamburg, Fußball-Idol Uwe Seeler und Professor Peter Tamm, Journalist, Schiffsredakteur, Manager, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlages, und zeit seines Lebens Liebhaber und Sammler maritimer Kostbarkeiten und Schmuckstücke.

 

Das Maritime Museum für Schifffahrts- und Marinegeschichte von Peter Tamm.

 

Für das Museum angefertigte Büsten von Leif Eriksson, Bartholomeus Diaz, Vasco da Gama, Zheng He, Christoph Columbus, Fernando Magellan und James Cook.

 

Internationales Maritimes Museum

Über Jahrzehnte trug Peter Tamm die weltweit größte private Sammlung zur Schifffahrts- und Marinegeschichte zusammen. Ihm verdanken die Hamburger das Internationale Maritime Museum in der Speicherstadt. Auf „zehn Decks gewährt das Museum jedem Besucher Einblick in das Seemannsleben und entführt ihn mit Filmen, Gemälden, historischen Globen und Seekarten, Seefahrtstechnik, minutiösen Schiffsnachbauten, Marine-, Handels- und Passagierschiffen durch 300 Jahre Seefahrtsgeschichte. Eigens für das Museum angefertigte Büsten von Leif Eriksson, Bartholomeus Diaz, Vasco da Gama, Zheng He, Christoph Columbus, Fernando Magellan und James Cook erinnern an die Fahrten dieser sieben wichtigen Entdecker der Seewege nach Grönland, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Ein Rundgang durch alle zehn Etagen, im Museum als Decks bezeichnet, informiert über Kommunikation und Navigation auf hoher See, zeigt exemplarisch die Konstruktion und Herstellung von Schiffen, vom Handwerk bis zur Wissenschaft, schildert Krieg und Frieden mit den Marinen der Welt, beleuchtet die Binnenschifffahrt und offenbart mit der Expedition Meer die letzten Geheimnisse unseres Planeten.

Neben dem Internationalen Seegerichtshof finden Meeresforschungsinstitute, Werften, Reedereien und verschiedene weitere der Seefahrt verpflichtete Institutionen ein Forum im Kaispeicher B, dem ältesten Lagerhaus der Speicherstadt. Verschiedene kulturelle Veranstaltungen und wissenschaftliche Vorträge ergänzen die Dauerausstellung des Museums und eröffnen neue Zugänge zum maritimen Themenfeld. Hoch über den Dächern Hamburgs gelegen, ist der „Salon 10. Längengrad außerdem Treffpunkt und festlicher Rahmen für Empfänge, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Konzerte, Produktpräsentationen und Tagungen.

 

An Elbe und Hafen steht das gelb strahlende Theater im Hafen.

 

Theater im Hafen

Herzlichen Glückwunsch, nachträglich! Am 16. Dezember 2009 feierte das Theater im Hafen 15jähriges Jubiläum. Inmitten von Elbe und Hafen, mit dem Blick auf die Hamburger Skyline und die Landungsbrücken, spielt allabendlich das weltweit erfolgreiche Disney Musical „Der König der Löwen. Im spektakulär gelb strahlenden Theater im Hafen entführt das Musical die Zuschauer acht Mal pro Woche in die Savanne Afrikas. Das Theater ist inzwischen fester Bestandteil der Elbmetropole und aus dem Hamburger Hafenpanorama nicht mehr wegzudenken. Aber nicht nur aufgrund der sehr erfolgreichen Musical-Produktionen ist das Theater im Hafen so einzigartig. Im Laufe der Jahre wurde das Theater auch für große Sonderveranstaltungen und Feiern genutzt. Zwei Mal fand dort zum Beispiel die Bambiverleihung statt. Am 3. Oktober 2008 besuchten Horst Köhler und Angela Merkel den sonnengelben Theaterbau für die offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Und die deutsche Werbebranche traf sich im Theater im Hafen, um die Nacht der Löwen zu feiern. In den 15 Jahren seines Bestehens ist das Theater im Hafen Hamburg ein weiteres Wahrzeichen von Hamburg geworden, und es wird auch weiterhin für erstklassige kulturelle Unterhaltung in der Elbmetropole sorgen.

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