AUSGABE 1/2010


In Rovinj, der schönsten Küstenstadt Istriens, gehen Kreuzfahrer gerne auf Landgang.



SY ROYAL CLIPPER liegt in einer Bucht auf Reede ...


... während die MS SEABOURN ODYSSEY mit wenig Tiefgang an der Pier liegt.

Landgang auf Istrien ... Istrien ist durch seine Naturschönheiten gesegnet und berührt jedes Herz. In Istrien braucht es keine Schauspieler, um Lebensfreude zu zeigen. Land und Leute verkörpern das, was man heutzutage so gerne als authentisch bezeichnet. Die fruchtbare Landschaft, in der Oliven, Weintrauben und Trüffelpilze gedeihen und fischreiche Gewässer rund um die herzförmige Halbinsel im Norden Kroatiens sind den Menschen genug. 
 

Wir sitzen bei Sonnenuntergang und einem „Bellini” auf weichen Kissen in einer verwunschenen Bar für Verliebte und Träumer, auf felsigem Grund in der Nähe des Hafens, saugen die mediterrane Stimmung in uns auf, angetan vom Licht und seinen Farben – mal lieblich, mal betörend, aber immer überwältigend.

 


Die grandiose, zauberhafte Landschaft Istriens bietet ein reichhaltiges Kontrast-Programm. Weite Täler, stille Seen, lichte Höhen, beschauliche Bergdörfer, liebliche Weinfelder und reihenweise Bäume mit Lecino- und Pendolino-Oliven. Die Muschel-Gerichte vom Limski Kanal gelten unter Feinschmeckern als die delikatesten und leckersten im ganzen Land. Ursprünglich eine Bucht, bezeichnen die Anwohner ihren Limski Kanal als schönsten Fjord Kroatiens, der sich am besten von einem Aussichtspunkt am Nordhang überblicken lässt, wo der Kreuzfahrer erfährt, dass die weiland 25 Kilometer lange Karstschlucht Limska draga schon vor mehr als 10.000 Jahren im Meer versank.



Rovinj, die schönste Küstenstadt Istriens, ist für Kreuzfahrer ein Landgang allemal wert. Im Ort herrschen Ruhe und Gelassenheit. Kein Autolärm, kein Stress, kein hektisches Treiben plagen Anwohner und Besucher der Altstadt, deren Ursprünge bis ins 3. Jahrhundert zurückreichen. Niemand hat es hier eilig. Und Zeit, um alles schön der Reihe nach erledigen zu können, gibt es reichlich – irgendwann jedenfalls, morgen vielleicht.
Rovinj ist ein romantischer Ort mit venezianischer Architektur und italienischem Flair, der die mediterrane Atmosphäre hinter dem morbiden Charme seiner Altstadt-Fassade zu bewahren versteht. Ein Labyrinth aus verwitterten Steinhäusern, die vom schlanken, 59 Meter hohen Campanile und der alles beherrschenden Pfarrkirche stolz überragt werden. Während auf dem glitzernden Wasser unser Kreuzfahrtschiff ankert und Fischer in dümpelnden Booten ihr Abendmahl angeln, öffnen in der malerischen Stari Grad urig eingerichtete Konobas und gepflegte Restaurants ihre Pforten. Dazwischen liegen liebevoll eingerichtete Läden, verschwiegene mit Pflanz-Kübeln dekorierte Innenhöfe, blumengeschmückte Treppen und Terrassen, schattige Torbögen und geheimnisvolle Winkel, hübsche Boutiquen und kleine Galerien, in denen Künstler ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Besonders romantisch ist vor allem der geschützte Hafen mit unzähligen Booten, die sanft auf den Wellen hin und her schaukeln.


Es geht weiter nach Poreĉ. Unseren Rundgang durch die historische Altstadt unterbrechen wir vor dem vergoldeten Portal der Euphrasius-Basilika. Es führt in das prachtvolle, säulengeschmückte Atrium des rund 1700 Jahre alten Kirchengebäudes, das 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die byzantinischen Mosaiken mit ihren kunstvollen Darstellungen biblischer Geschichten und das oktogonale überkuppelte Baptisterium sind meisterhafte Werke romanischer Architektur und erfreuen das Auge eines jeden Kunstliebhabers. Allein der Blick vom Glockenturm auf die roten Dächer der mittelalterlichen Hafenstadt ist Grund genug, Poreĉ ins Herz zu schließen.


Besser könnte die Lage nicht sein! Auf einem freistehenden Bergkegel erhebt sich die stolze Handelsstadt Motovun erhaben über die Weinebene im fruchtbaren Tal der Mirna. Aus den Häusern, die mit dem beigen Karstgestein verwachsen sind, blicken die Bewohner aus 288 Metern Höhe in alle Himmelsrichtungen auf das grüne Panorama der istrischen Hügellandschaft. So sanft die Hügelketten aus der Ferne betrachtet auch aussehen, so lieblich die Gegend auch wirken mag – steht man einmal mittendrin, gerät man leicht ins Schwitzen. Erst recht, wenn an einem Herbsttag bei 30 Grad Celsius im Schatten die blauen und grünen Trauben geerntet werden (müssen).


Eine holprige, kopfsteingepflasterte Gasse führt von der romanisch-gotischen Unterstadt Motovuns in die Oberstadt mit gut erhaltener Kastellmauer. Auf dem Weg nach oben locken Geschäfte und Weinstuben zur Einkehr, in denen nicht nur erlesene Tropfen, sondern auch antike Möbelstücke überzeugen. Wer etwa zu viel des Weines intus hatte, konnte sich früher gleich nebenan in das hölzerne Bett legen, das heute die Einrichtung des Lokals dekorativ schmückt. Auf der Aussichtsterrasse hinter dem Stadttor werden wir mit einem fantastischen Blick auf das Mirna-Tal belohnt. Den von üppigen Kastanienbäumen bestandenen Hauptplatz bewachen Rathaus, Glockenturm, Stephanskirche und Polesini-Palast.

 


Viele Maler, Musiker und Bildhauer sind im Künstlerdorf Goržnjan zuhause. An jeder Ecke gibt es unplugged Musik, Ateliers, Galerien und Ausstellungen. Die modernen

 

Werke setzen lebendige Akzente und harmonieren wunderbar mit der alten istrischen

Bausubstanz, die kreative Bewohner in gemeinsamer Anstrengung vor dem Verfall gerettet und liebevoll restauriert haben. Die Innenhöfe, Gassen und Balkone sind farbenprächtig geschmückt – und auch der Dorfplatz am Maja br, das Herzstück der vitalen Künstlerkolonie mit grandioser Aussicht auf die Landschaft, ist eine Augenweide und animiert zum Bleiben.


Vor der Konoba-Taverne „Bastia” in Grožnjan duftet es intensiv nach hochwertigem Olivenöl, aromatischen Trüffelpilzen und fruchtigem Malvazija. Alle drei sind die Hits der istrischen Küche und eignen sich auch für daheim als erlesene Mitbringsel, die in großer Auswahl in einem hübsch dekorierten Shop gekostet und käuflich erworben werden können. Unter betagten Kastanien gibt es als Auftakt unseres ländlichen Menüs luftgetrockneten, istrischen Schinken, serviert mit Schafskäse, Oliven, Brot, Wasser und Wein. Danach speisen wir schwarze Trüffel an hausgemachter Pasta und – natürlich – Eis zum Nachtisch. Einschließlich Wasser, Wein und Gedeck, das – wie in Italien – extra berechnet wird, gibt es alle drei Gänge für zwei Personen zu einem erschwinglichen Preis (246 Kuna = 35 Euro).


Ob Hum – unser nächstes Ausflugsziel – tatsächlich „die kleinste Stadt der Welt” oder nur ein guter Werbegag ist, konnte uns niemand wirklich beantworten. Klein ist die Stadt auf jeden Fall. Der mittelalterliche Ort profitiert offensichtlich bestens von dem bescheidenen Titel, den sich die 18 Einwohner haben einfallen lassen, denn auch uns zieht es in den über 900 Jahre alten Weiler mit zwei Dutzend verwitterten Häusern, zwei engen Gassen, einer Kirche und dem wuchtigen Glocken- und Verteidigungsturm.


Unsere Weiterfahrt führt spektakulär in Serpentinen am östlichen Ufer entlang. Die kurvenreiche Straße entlang bewaldeter Hänge mit idyllisch gelegenen Bergdörfern gilt als die schönste Route Istriens. Zwischen Esskastanien und Lorbeerbäumen entdecken wir schließlich am Lungomare die herausgeputzten Villen und aufwändig restaurierten Prachtbauten aus der guten alten k.u.k-Zeit. Kein Zweifel, wir sind in Opatija, einem nostalgischen Kurort, mondän, beschwingt, und noch immer behaftet mit einem Schuss „Wiener Schmäh”. Während der Donaumonarchie gehörte es zum guten Ton, in Opatija an der Kvarner Bucht zu überwintern, das 1894 mit dem Treffen Kaiser Wilhelm II. und Franz Josef I. von Österreich-Ungarn Weltruhm erlangte.


Wie eh und je flanieren die Kurgäste vorbei an Opatijas Wahrzeichen, der hinreißenden Bronzestatue „Gruß an das Meer”, trinken auf der großen Terrasse des ehrwürdigen Hotels „Kvarner” zu Apfelstrudel und Sacher-Torte Wiener Melange, und vertreten sich anschließend die Beine im nahegelegenen Park Angiolina. Vor den bunten Blumenrabatten der klassizistischen, rosafarbenen Villa gleichen Namens, traf sich um 1900 die Créme de la créme der Wiener (Hof-) Gesellschaft zum Stelldichein. Die fehlt zwar heutzutage, aber niemanden würde es wundern, auf dem Lungomare zwischen Lovran, dem ältesten Ort der Opatijska riviera, und dem Fischerdorf Volosko, im Schatten der Mammut- und Zitronenbäume, Akazien und Zedern „elegante Damen in langen Kleidern promenieren zu sehen und die Klavierübungen höherer Töchter zu hören,” wie ein Reiseführer so treffend beschreibt – eine schöne Illusion, die durch Besucherscharen aus Italien, Deutschland, Österreich und Slowenien rasch relativiert wird.


Die größte Attraktion der geschäftigen Hafenstadt Pula ist das am Meer gelegene Amphitheater – das fünftgrößte der Welt. Die historischen Gemäuer zwischen den gepflegten Grünanlagen stammen aus römischer Zeit, ebenso das häufig erneuerte Rathaus und der vollständig erhaltene Augustus-Tempel am Forum, dem Platz der Republik. Unter den Römern, die seit Kaiser Augustus (27 v. bis 14 n.Chr.) über die ehemalige Wallburg der Histrer herrschten, gab es hinter den Arkadenbögen des antiken Theaters blutige Gladiatorenkämpfe und halsbrecherische Wagenrennen. Wer auf dem Sandplatz der Arena steht, wird wieder an Kriegsgefangene, Sklaven und Christen erinnert, die unter dem tosenden Beifall der Zuschauer den Tod fanden. Heute ist das beeindruckende Bauwerk Aufführungsort unvergessener Events. Auf der einzigartigen Freilichtbühne werden Verdi-Opern, Rock-Konzerte, Film- und Schlagerfestivals inszeniert. Internationale Stars, wie Placido Domingo, Montserrat Caballé und Sting, traten dort auf und begeisterten hunderttausende Fans.
 


Sehen Sie, da ist es wieder, dieses mediterrane Licht und seine schillernden Farben – so faszinierend, so traumhaft. Versonnen betrachten wir den rotgoldenen Glanz auf der Oberfläche des Meeres tanzen. Das Haupt dankbar an die Schulter des Partners gelehnt, ruht der Blick lange auf dem Wasser, ernst und genau. Es ist schäumendes, rauschendes Wasser, das die Schrauben unseres Schiffes beim Abschied von der Küste Istriens hinterlassen. Es spritzt in die Höhe, zieht geräuschvoll eine Bahn wilder Strudel und ungestümer Wirbel nach sich, die ohne Behinderung und wie durch einen Zauber mit dem Meer verschmelzen. Erfüllt und glücklich gleitet der Blick westwärts über die schillernden Wellen der Adria in das glühende Orangerot der rasch am Horizont verblassenden sinkenden Sonne.

Ursprünglich eine Bucht, bezeichnen die Anwohner ihren Limski Kanal als schönsten Fjord Kroatiens.

Rovinj ist ein Labyrinth aus verwitterten Häusern und am Ufer  ...

 

... auf den Karststeinen erlebt man den zauberhaften Untergang der Sonne.

Hafen-Panorama mit dem schlanken, 59 Meter hohen Campanile von Rovinj.

 

Richtig romantisch ist der geschützte Hafen von Rovinj mit den bunten Booten.

Vielfarbig sind die Häuser und Schiffe in Poreĉs Hafen.

Blank geschliffen scheinen die Specksteine in den Gassen von Poreĉ.

 

Vor dem vergoldeten Portal der Euphrasius-Basilika in Poreĉ.

Im säulengeschmückten Atrium des rund 1700 Jahre alten Kirchengebäudes.

 

Der Blick vom Glockenturm der Basilika auf die roten Dächer von Poreĉ.

Panorama-Blick vom Kastell in Motovun aus 288 Metern Höhe in alle Himmelsrichtungen auf die istrische Hügellandschaft.

Auf einem freistehenden Bergkegel erhebt sich die stolze Handelsstadt Motovun.

 

Genießen über der Weinebene im fruchtbaren Tal der Mirna.

Blick auf Motovuns Oberstadt mit der gut erhaltenen Kastellmauer.

 

Gastlichkeit und Müßiggang in den Gassen des Kastells.

Blick auf des Künstlerdorf Grožnjan ...

 

... in dessen Straßen erklingt Musik – Ateliers, Galerien, Events an jeder Ecke.

Ob Hum tatsächlich „die kleinste Stadt der Welt” ist?

 

Hum hat eine Kirche mit einem wuchtigen Glocken- und Verteidigungsturm.

Die Ortschaft Brsec vor der Kvarner Bucht und Rijeka im Hintergrund.

Opatijas Wahrzeichen, die hinreißende Bronzestatue „Gruß an das Meer”.

 

Am Lungomare stehen restaurierte Prachtbauten aus der guten alten k.u.k-Zeit.

Zwischen Esskastanien und Lorbeerbäumen entdecken wir ...

... am Opatijas Lungomare immer mehr der herausgeputzten Villen.

Die größte Attraktion der geschäftigen Hafenstadt Pula ist das am Meer gelegene Amphitheater – das fünftgrößte der Welt.

Der Triumpfbogen in Pulas Altstadt, zur Ehre der Sieger der Gladiatorenkämpfe.

 

Der Augustus-Tempel am Forum, dem Platz der Republik, rechts das Rathaus.