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Am 15. September 2006 reiste Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel wieder einmal
nach Stralsund. Die Hanse- und UNESCO-Welterbestadt gehört zu ihrem
Wahlkreis. Bei schönstem Sommerwetter legte sie den Grundstein zum 35
Millionen Euro teuren Ozeaneum auf der nördlichen Hafeninsel gegenüber dem
Liegeplatz des früheren Segelschulschiffes GORCH
FOCK
(I).
Das Ensemble des Seewasseraqariums, größtes seiner Art in Europa, ist von
Wasser umspülten Steinen nachempfunden. Der Entwurf stammt vom Stuttgarter
Architekturbüro Behnisch und konnte sich 2002 in einem Wettbewerb
durchsetzen.
Die Ausstellungen und Aquarien zeigen den umfangreichsten Lebensraum der
Erde – das Meer. Der Schwerpunkt liegt dabei erstmals auf der ausführlichen
Präsentation von Merkmalen und Besonderheiten heimischer Meere wie der Nord-
und Ostsee.
Das Ozeaneum bringt für Deutschland den Anschluss an die international stark
expandierende publikumsnahe Meereskunde und ist zu einer
strukturbestimmenden Institution für das ganze Land Mecklenburg-Vorpommern
geworden: im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „kulturellen Leuchtturm”
der Ostseeküste.

Am 11. Juli 2008 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Stralsunds
Hafeninsel mit dem Ozeaneum einen weiteren Standort des Deutschen
Meeresmuseums und zugleich Deutschlands größten vom Bund geförderten
Museumsneubau. Mit einer Million Besuchern nach rund zwölf Monaten seit der
Eröffnung entwickelt sich das Ozeaneum Stralsund zu einem Besuchermagneten
ersten Ranges. Das Hafenpanorama der UNESCO-Welterbestadt erhielt mit dem
spektakulären Neubau einen deutlichen, zeitgenössischen Akzent.
Zum Teil riesige Meerwasseraquarien beschreiben eine europaweit einzigartige
Reise durch die Unterwasserwelt der nördlichen Meere: Die Entdeckungstour im
Ostseeaquarium beginnt mit dem Stralsunder Hafenbecken. Durch die
Boddengewässer und Seegraswiesen vorbei an der Kreideküste und durch die
Schärensee Skandinaviens erlebt der Besucher die vielfältige Flora und Fauna
des Meeres vor unserer Haustür. Die größten Fische des Ostseerundganges sind
die Störe, die im Lebensraum Flussmündung gezeigt werden.
Die Schaubecken im Gebäude „Nordseeaquarium”
veranschaulichen die Lebensräume der Nordsee, des Nordatlantiks und des
Polarmeeres. Helgoland, der einzigen Hochsee- und Felseninsel Deutschlands,
ist ein aufwändig gestaltetes Tunnelaquarium gewidmet. Ein Gezeitenbecken
simuliert Ebbe und Flut und auch im Brandungsbecken herrscht rege Bewegung.
Das größte Becken fasst 2,6 Millionen Liter Wasser und zeigt Schwarmfische,
Rochen und zwei Mondfische im offenen Atlantik. Insgesamt enthalten die
Aquarien sechs Millionen Liter, die mit über 150 Tonnen Salz aufbereitet
wurden. Bei der Technik gelten strenge ökologische Kriterien und die Tiere
werden artgerecht gehalten. Die beiden über 20 Tonnen schweren und mehr als
30 Zentimeter starken Acrylscheiben bieten auf zwei Ebenen zusammen über 80
Quadratmeter Sichtfläche.

Mit den neuen Aquarien zu den nördlichen Meeren und mit den farbenfrohen,
tropischen Aquarien im traditionsreichen Meeresmuseum, das im ehemaligen
Katharinenkloster untergebracht ist, ist Stralsund Spitzenreiter der
Meerwasser-Aquarien in Nordeuropa geworden.
Im Konzept der Ausstellungsmacher sind die Aquarien die lebendige Ergänzung
zu den Ausstellungen, die zahlreiche seltene Originale und von der
hauseigenen Präparation gelieferte Tiere und Pflanzen zeigen. Weitere
Ausstellungen gelten den Themenbereichen „Weltmeer – die Vielfalt des
Lebens”,
ein „Meer für Kinder“, Großexponaten der Meeresforschung. Dazu kommen immer
wieder Sonderausstellungen.
Atemberaubend ist die gemeinsam mit Greenpeace umgesetzte Ausstellung „1:1 –
Riesen der Meere”:
Über die gesamte Raumhöhe schweben Nachbildungen von Walen in Originalgröße.
Das größte Exponat ist die Nachbildung eines Blauwals mit einer Länge von 26
Metern. Außerdem sind ein abtauchender Pottwal im Kampf mit einem
Riesenkalmar, ein Schwertwal sowie ein Buckelwal mit Jungtier zu sehen.
Dramaturgisches Highlight ist eine Multimedia-Inszenierung mit den tiefen,
Hunderte von Kilometer reichenden Tönen des Blauwals, den Gesängen des
Buckelwals oder den Klicks der Pottwale, anhand derer sie ihre Beute in bis
zu 3000 Meter Tiefe aufspüren.
Die Geschichte des Deutschen Meeresmuseums (dmm) reicht über ein halbes
Jahrhundert zurück. 1951 bezog eine kleine Sammlung als städtisches
Naturkunde- |
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Museum das ehemalige Katharinenkloster in Stralsund, das bis dato als
Gymnasium genutzt wurde. Das Haus entwickelte sich zu dem international
anerkannten Museum der Meereskunde und Fischerei der DDR. Mit der
Wanderausstellung „Meer und Museum”
im Jahre 1981 konnte das meistbesuchte Museum Ostdeutschlands auch im
damaligen Westdeutschland sowie in Dänemark auf sich aufmerksam machen. Nach
der Wende wurde das Haus in eine Stiftung überführt.
Neben dem Hauptstandort in der Stralsunder Altstadt verfügte Deutschlands
einziges Museum für Meereskunde und Fischerei bislang über zwei weitere
Standorte. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, am Darßer Ort,
informiert das Natureum seit 1991 über Landschaft und Tierwelt des Darß.
1999 wurde auf der Insel Dänholm das Nautineum als Ausstellungszentrum für
Fischerei, Meeresforschung, Hydrografie und Seewasserstraßen eröffnet.
Mit 600.000 Besuchern im Jahr war das Deutsche Meeresmuseum bereits das
meistbesuchte Museum Norddeutschlands. Am 4. Dezember 2008 wurde erstmalig
die Grenze von einer Million Besuchen überschritten, davon entfielen über
die Hälfte auf das Ozeaneum nach nur vier Monaten seit seiner Eröffnung.
Die Nutzungsmöglichkeiten am Standort Katharinenkloster sind bereits seit
Jahren ausgereizt gewesen, sodass eine Erweiterung nötig war, um dem
Anspruch des Hauses, zu den führenden Museen zu gehören, auch in Zukunft
gerecht zu werden. Ende der 90er Jahre nahm der Gedanke an einen Neubau
konkrete Formen an, woraufhin im Januar 2001 ein internationaler
Architekturwettbewerb ausgelobt wurde. Die Stadt Stralsund stellte für den
Neubau ein Grundstück auf der nördlichen Hafeninsel zur Verfügung.

Hinter den Kulissen eines modernen Museums mit Aquarium steckt ein enormer
Technikapparat, der viel Energie benötigt. Dafür bezieht das Deutsche
Meeresmuseum für das Stammhaus im Katharinenkloster und den Neubau Ökostrom
aus Wasserkraft. Und wo es nur geht, wird Energie gespart: unter anderem
durch den Einsatz moderner LED-Leuchten, die 60 Prozent weniger verbrauchen
als normale Leuchten. Den Wäldern zuliebe stammen alle Bau- und
Schmuckhölzer im Ozeaneum aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Und in den Büros
sowie bei der Werbemittelproduktion wird mit Recycling-Papier gearbeitet.
„Viele umweltfreundliche Elemente des Gebäudes sind versteckt, aber von
erheblicher Bedeutung”,
sagt Angela Pieske, Referentin für Kooperationen bei Greenpeace. So arbeiten
die Wasserkühlanlagen des Aquariums mit FKW- und H-FCKW-freien Kältemitteln:
ohne die ozon- und klimaschädlichen Stoffe Fluor und Chlor. Und bei den rund
40 Kilometern Elektrokabel in Wänden, Böden und Decken wurde auf das
Material Polyvinylchlorid (PVC) verzichtet, ebenso bei allen Rohrleitungen
und Bodenbelägen.
Die Gründe dafür: Zum einen ist die Herstellung und Entsorgung dieses
Kunststoffs enorm energieaufwändig, zum anderen enthält PVC giftige
Weichmacher sowie schwermetallhaltige Stabilisatoren, die darüber hinaus im
Falle eines Brands hochgiftige Dioxine und Salzsäure freisetzen.

Bei der Auswahl und Haltung von Aquariumtieren ist viel Wissen und Erfahrung
gefragt. Damit sich Fisch, Krebs und Co. wohlfühlen, ist die
Beckengestaltung an deren natürlicher Umgebung orientiert. Die zierlichen
Seenadeln etwa lieben Seegraswiesen, in denen sie sich verstecken können.
Und Aale brauchen Rückzugsmöglichkeiten: Im „Stralsunder Hafenbecken”
verkriechen sie sich bevorzugt unter alten Tonrohren.
Meeressäuger wie Robben und Schweinswale sowie größere Raubfische wie
Hammerhaie sind tabu. Denn diese Tierarten legen von Natur aus große
Strecken in den Meeren zurück und brauchen viel Freiraum. Auch vom
Aussterben bedrohte Tiere und Exoten sucht man vergebens. Stattdessen sind
Bewohner aus Ostsee, Nordsee und dem Nordatlantik zu bewundern. „Unter den
Tropenfischen sind viele gefährdete Arten, und der Transportweg ist zu lang,
viele Tiere würden die Tour nicht überleben”,
erklärt Greenpeace-Mitarbeiterin Angela Pieske. Aber noch aus einem anderen
Grund mache es Sinn, den Museumsgästen die nördlichen Meere vor ihrer
Haustür näher zu bringen. „Viele Menschen kennen Kabeljau, Scholle und
Makrele wahrscheinlich nur als Tellergericht”,
sagt Angela Pieske. Wer die Fische seiner Heimat lebendig im Aquarium
erlebt, wird seinen Konsum vielleicht überdenken und selbst etwas zum Schutz
der Meere beitragen.”
Im Restaurant
steht zwar Fisch auf der Karte. Doch das Angebot umfasst nur Arten aus
heimischen Gewässern, die noch reichlich vorhanden sind und schonend
gefangen werden. Nach diesen Kriterien gibt es momentan nicht viel Auswahl.
Hauptsächlich Hering ist in allen Variationen zu genießen.
www.ozeaneum.de
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www.meeresmuseum.de |