AUSGABE 1/2010


Das Ozeaneum auf der nördlichen Hafeninsel gegenüber dem Liegeplatz des früheren Segelschulschiffes GORCH FOCK (I).

 

Am 15. September 2006 reiste Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel wieder einmal nach Stralsund. Die Hanse- und UNESCO-Welterbestadt gehört zu ihrem Wahlkreis. Bei schönstem Sommerwetter legte sie den Grundstein zum 35 Millionen Euro teuren Ozeaneum auf der nördlichen Hafeninsel gegenüber dem Liegeplatz des früheren Segelschulschiffes GORCH FOCK (I).

 

Das Ensemble des Seewasseraqariums, größtes seiner Art in Europa, ist von Wasser umspülten Steinen nachempfunden. Der Entwurf stammt vom Stuttgarter Architekturbüro Behnisch und konnte sich 2002 in einem Wettbewerb durchsetzen.

Die Ausstellungen und Aquarien zeigen den umfangreichsten Lebensraum der Erde – das Meer. Der Schwerpunkt liegt dabei erstmals auf der ausführlichen Präsentation von Merkmalen und Besonderheiten heimischer Meere wie der Nord- und Ostsee.

Das Ozeaneum bringt für Deutschland den Anschluss an die international stark expandierende publikumsnahe Meereskunde und ist zu einer strukturbestimmenden Institution für das ganze Land Mecklenburg-Vorpommern geworden: im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „kulturellen Leuchtturm der Ostseeküste. 

 

Am 11. Juli 2008 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Stralsunds Hafeninsel mit dem Ozeaneum einen weiteren Standort des Deutschen Meeresmuseums und zugleich Deutschlands größten vom Bund geförderten Museumsneubau. Mit einer Million Besuchern nach rund zwölf Monaten seit der Eröffnung entwickelt sich das Ozeaneum Stralsund zu einem Besuchermagneten ersten Ranges. Das Hafenpanorama der UNESCO-Welterbestadt erhielt mit dem spektakulären Neubau einen deutlichen, zeitgenössischen Akzent.

Zum Teil riesige Meerwasseraquarien beschreiben eine europaweit einzigartige Reise durch die Unterwasserwelt der nördlichen Meere: Die Entdeckungstour im Ostseeaquarium beginnt mit dem Stralsunder Hafenbecken. Durch die Boddengewässer und Seegraswiesen vorbei an der Kreideküste und durch die Schärensee Skandinaviens erlebt der Besucher die vielfältige Flora und Fauna des Meeres vor unserer Haustür. Die größten Fische des Ostseerundganges sind die Störe, die im Lebensraum Flussmündung gezeigt werden.

Die Schaubecken im Gebäude „Nordseeaquarium veranschaulichen die Lebensräume der Nordsee, des Nordatlantiks und des Polarmeeres. Helgoland, der einzigen Hochsee- und Felseninsel Deutschlands, ist ein aufwändig gestaltetes Tunnelaquarium gewidmet. Ein Gezeitenbecken simuliert Ebbe und Flut und auch im Brandungsbecken herrscht rege Bewegung. Das größte Becken fasst 2,6 Millionen Liter Wasser und zeigt Schwarmfische, Rochen und zwei Mondfische im offenen Atlantik. Insgesamt enthalten die Aquarien sechs Millionen Liter, die mit über 150 Tonnen Salz aufbereitet wurden. Bei der Technik gelten strenge ökologische Kriterien und die Tiere werden artgerecht gehalten. Die beiden über 20 Tonnen schweren und mehr als 30 Zentimeter starken Acrylscheiben bieten auf zwei Ebenen zusammen über 80 Quadratmeter Sichtfläche.

 

Mit den neuen Aquarien zu den nördlichen Meeren und mit den farbenfrohen, tropischen Aquarien im traditionsreichen Meeresmuseum, das im ehemaligen Katharinenkloster untergebracht ist, ist Stralsund Spitzenreiter der Meerwasser-Aquarien in Nordeuropa geworden.

Im Konzept der Ausstellungsmacher sind die Aquarien die lebendige Ergänzung zu den Ausstellungen, die zahlreiche seltene Originale und von der hauseigenen Präparation gelieferte Tiere und Pflanzen zeigen. Weitere Ausstellungen gelten den Themenbereichen  „Weltmeer – die Vielfalt des Lebens, ein „Meer für Kinder“, Großexponaten der Meeresforschung. Dazu kommen immer wieder Sonderausstellungen.

Atemberaubend ist die gemeinsam mit Greenpeace umgesetzte Ausstellung „1:1 – Riesen der Meere: Über die gesamte Raumhöhe schweben Nachbildungen von Walen in Originalgröße. Das größte Exponat ist die Nachbildung eines Blauwals mit einer Länge von 26 Metern. Außerdem sind ein abtauchender Pottwal im Kampf mit einem Riesenkalmar, ein Schwertwal sowie ein Buckelwal mit Jungtier zu sehen. Dramaturgisches Highlight ist eine Multimedia-Inszenierung mit den tiefen, Hunderte von Kilometer reichenden Tönen des Blauwals, den Gesängen des Buckelwals oder den Klicks der Pottwale, anhand derer sie ihre Beute in bis zu 3000 Meter Tiefe aufspüren.

 

Die Geschichte des Deutschen Meeresmuseums (dmm) reicht über ein halbes Jahrhundert zurück. 1951 bezog eine kleine Sammlung als städtisches Naturkunde-

 

Museum das ehemalige Katharinenkloster in Stralsund, das bis dato als Gymnasium genutzt wurde. Das Haus entwickelte sich zu dem international anerkannten Museum der Meereskunde und Fischerei der DDR. Mit der Wanderausstellung „Meer und Museum im Jahre 1981 konnte das meistbesuchte Museum Ostdeutschlands auch im damaligen Westdeutschland sowie in Dänemark auf sich aufmerksam machen. Nach der Wende wurde das Haus in eine Stiftung überführt.

Neben dem Hauptstandort in der Stralsunder Altstadt verfügte Deutschlands einziges Museum für Meereskunde und Fischerei bislang über zwei weitere Standorte. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, am Darßer Ort, informiert das Natureum seit 1991 über Landschaft und Tierwelt des Darß. 1999 wurde auf der Insel Dänholm das Nautineum als Ausstellungszentrum für Fischerei, Meeresforschung, Hydrografie und Seewasserstraßen eröffnet.

Mit 600.000 Besuchern im Jahr war das Deutsche Meeresmuseum bereits das meistbesuchte Museum Norddeutschlands. Am 4. Dezember 2008 wurde erstmalig die Grenze von einer Million Besuchen überschritten, davon entfielen über die Hälfte auf das Ozeaneum nach nur vier Monaten seit seiner Eröffnung.

Die Nutzungsmöglichkeiten am Standort Katharinenkloster sind bereits seit Jahren ausgereizt gewesen, sodass eine Erweiterung nötig war, um dem Anspruch des Hauses, zu den führenden Museen zu gehören, auch in Zukunft gerecht zu werden. Ende der 90er Jahre nahm der Gedanke an einen Neubau konkrete Formen an, woraufhin im Januar 2001 ein internationaler Architekturwettbewerb ausgelobt wurde. Die Stadt Stralsund stellte für den Neubau ein Grundstück auf der nördlichen Hafeninsel zur Verfügung.

 

Hinter den Kulissen eines modernen Museums mit Aquarium steckt ein enormer Technikapparat, der viel Energie benötigt. Dafür bezieht das Deutsche Meeresmuseum für das Stammhaus im Katharinenkloster und den Neubau Ökostrom aus Wasserkraft. Und wo es nur geht, wird Energie gespart: unter anderem durch den Einsatz moderner LED-Leuchten, die 60 Prozent weniger verbrauchen als normale Leuchten. Den Wäldern zuliebe stammen alle Bau- und Schmuckhölzer im Ozeaneum aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Und in den Büros sowie bei der Werbemittelproduktion wird mit Recycling-Papier gearbeitet.

„Viele umweltfreundliche Elemente des Gebäudes sind versteckt, aber von erheblicher Bedeutung, sagt Angela Pieske, Referentin für Kooperationen bei Greenpeace. So arbeiten die Wasserkühlanlagen des Aquariums mit FKW- und H-FCKW-freien Kältemitteln: ohne die ozon- und klimaschädlichen Stoffe Fluor und Chlor. Und bei den rund 40 Kilometern Elektrokabel in Wänden, Böden und Decken wurde auf das Material Polyvinylchlorid (PVC) verzichtet, ebenso bei allen Rohrleitungen und Bodenbelägen.

Die Gründe dafür: Zum einen ist die Herstellung und Entsorgung dieses Kunststoffs enorm energieaufwändig, zum anderen enthält PVC giftige Weichmacher sowie schwermetallhaltige Stabilisatoren, die darüber hinaus im Falle eines Brands hochgiftige Dioxine und Salzsäure freisetzen.

 

Bei der Auswahl und Haltung von Aquariumtieren ist viel Wissen und Erfahrung gefragt. Damit sich Fisch, Krebs und Co. wohlfühlen, ist die Beckengestaltung an deren natürlicher Umgebung orientiert. Die zierlichen Seenadeln etwa lieben Seegraswiesen, in denen sie sich verstecken können. Und Aale brauchen Rückzugsmöglichkeiten: Im „Stralsunder Hafenbecken verkriechen sie sich bevorzugt unter alten Tonrohren.

Meeressäuger wie Robben und Schweinswale sowie größere Raubfische wie Hammerhaie sind tabu. Denn diese Tierarten legen von Natur aus große Strecken in den Meeren zurück und brauchen viel Freiraum. Auch vom Aussterben bedrohte Tiere und Exoten sucht man vergebens. Stattdessen sind Bewohner aus Ostsee, Nordsee und dem Nordatlantik zu bewundern. „Unter den Tropenfischen sind viele gefährdete Arten, und der Transportweg ist zu lang, viele Tiere würden die Tour nicht überleben, erklärt Greenpeace-Mitarbeiterin Angela Pieske. Aber noch aus einem anderen Grund mache es Sinn, den Museumsgästen die nördlichen Meere vor ihrer Haustür näher zu bringen. „Viele Menschen kennen Kabeljau, Scholle und Makrele wahrscheinlich nur als Tellergericht, sagt Angela Pieske. Wer die Fische seiner Heimat lebendig im Aquarium erlebt, wird seinen Konsum vielleicht überdenken und selbst etwas zum Schutz der Meere beitragen.

Im Restaurant steht zwar Fisch auf der Karte. Doch das Angebot umfasst nur Arten aus heimischen Gewässern, die noch reichlich vorhanden sind und schonend gefangen werden. Nach diesen Kriterien gibt es momentan nicht viel Auswahl. Hauptsächlich Hering ist in allen Variationen zu genießen.

www.ozeaneum.de · www.meeresmuseum.de

Ein Pottwal-Skelett hängt im Foyer.

 

Gut getarnte Schollen.

Bei einer Führung durch das Ozeaneum.

 

In der Fotoausstellung.

Im Helgoland-Tunnel des Nordseeaquariums ...

 

... sind Bewohner aus Ostsee, Nordsee und dem Nordatlantik zu bewundern.

Im Vordergrund MS TODENDORF, links das Ozeaneum und hinten die GORCH FOCK (I).

Die Lotsenwache und das Forschungsschiff PROFESSOR ALBRECHT PENCK vor dem Ozeaneum.