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Der Wunsch
wurde lauter, je näher der Herbst kam. Sinkende Temperaturen, kühleren Wind
und gelegentliche leichte Schauer ertragen wir am besten mit Tweed, Stoffen,
die auf der schottischen Insel Harris oder in Irland aus der Wolle
heimischer Schafe gewonnen und per Hand gewebt werden. Tweedstoffe – wussten
Petra und ich aus lang zurück liegenden Zeiten – würden wir
weiterverarbeitet am besten in London bekommen, wo sich seit Jahrzehnten,
manchmal seit Jahrhunderten, Ausstatter um den Piccadilly Circus herum
zwischen Saville Row und St. James angesiedelt hatten. Zwei Jacketts suchten
wir und das, was man hierzulande Schlägermützen nennt – in Größe 55 für
Petra.
Diese präzisen
Wünsche trafen auf das Angebot von Stena Line, mit der Fähre von Hoek van
Holland nach Harwich und mit dem Zug weiter nach London zu fahren. Wir
hätten für London zehn Stunden Zeit, was uns zu wenig erschien. Also buchten
wir die Alternative, einen Aufenthalt in London mit einer Übernachtung. Hoek
war nur fünf Stunden von Bremen entfernt, am Sonntagnachmittag bequem mit
dem Auto fast nur über Autobahnen zu erreichen.
An Bord der STENA
BRITANNICA,
die Sonntagabend in Hoek ablegte und uns am Montagmorgen in Harwich entließ,
konnten wir unsere Einkaufsliste um einen Posten verlängern. An der Bar gab
es keinen Angostura Bitter, mit dem ich meinen abendlichen Gin als Aperitif
pink, also rosa, zu färben pflege.
Die
Einkaufstour in London hatten wir nach möglichst kurzen Wegstrecken geplant.
Unsere Wünsche waren präzise und damit praktisch unerfüllbar, wie wir am
Ende erkannten.
Ich hätte
gleich im ersten Fachgeschäft eine Tweedjoppe erstehen können, mit ihren
großen Taschen und ihrem Lederbesatz an der Schulter geeignet für die Jagd
in schottischen Hochmooren, und eine Mütze, die das Führen des Gewehrs nicht
behinderte. Aber ein Tweedjackett für den innerstädtischen Gebrauch? Sorry.
Auch Petra kam nicht weiter.
So setzten wir
unsere Einkaufswanderung fort. Wir trafen Hemdenmacher in Fülle, fanden
Schuhmacher mit Ehrfurcht einflößenden Namen, wurden in einem hoch berühmten
Textil-Laden von zwei jungen Hamburger Herren überaus aufmerksam bedient,
man empfahl uns weiter, aber bis zum Mittag bei Fortnum & Mason’s hatten wir
– aus lauter Frust – gerade mal eine Krawatte erstanden, die Waldschnepfen
im Flug zeigte, und ein Duftwasser namens Oxford & Cambridge.
Auch in dem
Geschäft, in dem Lord Nelson schon seine Hüte hatte machen lassen, gab es
Mützen erst ab Größe 56, zu groß für Petra. Wir stiegen in tiefe Keller und
wurden hinter Räumen bedient, in denen Jagdwaffen bestellt wurden, wir
wanderten durch Arkaden, fuhren auf Treppen und in Aufzügen durch Kaufhäuser
mit großen Namen und fanden schließlich, am Ende des Tages schon sehr müde,
ein einziges passendes Jackett für Petra – ein fabelhafter Wollstoff mit
fabelhaftem Schnitt, aber kein Tweed. Wir kauften es trotzdem. Und
beschlossen abends, den nächsten Tag ganz den Londoner Sehenswürdigkeiten zu
widmen.
Doch einen
letzten Versuch starteten wir am nächsten Morgen noch. In der Brompton Road
gab es aber leider den Scotch Corner Laden, in dem einst Tweeds in Fülle
angeboten worden waren, nicht mehr. Und bei Harrod’s, ein paar Schritte
weiter, begeisterten uns in der Perfumery zwar die jungen Damen mit ihrer
Freundlichkeit und ihrem Fachwissen – aber mit Tweeds war es wieder nichts.
Und Angostura
war bei den Spirituosen bei Harrod’s gerade ausgegangen. Wir statteten
dem Erinnerungsmal an Lady Di und Dodi im Erdgeschoss noch einen
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Besuch ab,
fanden im nächsten Kaufhaus endlich unseren Bitter und verbrachten den
Nachmittag auf zwei offenen Bussen, Sightseeing nördlich und südlich der
Themse.
Wieder an Bord, diesmal auf der
STENA
HOLLANDICA
in einer Kabine, die fünf Personen hätte aufnehmen können, legten wir
Strecke:
Von dem, was wir wollten, hatten wir nichts bekommen. Es gibt mehr Tweed
Jacketts in Bremen und im Umkreis von 100 Kilometern als in ganz London.
Aber Petras Jackett gefiel uns weiter. Wir hatten gekauft, was nicht
beabsichtigt war: eine Krawatte, ein Duftwasser, einiges an Damenkosmetik,
viele Marmeladen und auf der Fähre sehr schönen englischen Gin.
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Wir
konnten am Sonntag, dem 20.9.2009 ab 19.00 Uhr im Stena Terminal in
Hoek van Holland an Bord der STENA
BRITANNICA
gehen. Der Parkplatz lag nur ein paar Schritte entfernt, wir
checkten problemlos und freundlich beraten ein und nächtigten in
einer schmalen Kabine mit zwei Betten über einander und einer
ausreichend großen Nasszelle.
Wie
die Kabine so das Schiff: praktisch, freundlich,
durchrationalisiert. An der Bar kann man zwischen einem hellen
holländischen und einem dunklen irischen Bier wählen, auch die Liste
der Spirituosen ist überschaubar.
Zum
Abendessen bedienten wir uns an der Theke, nur die Getränke wurden
von freundlichen Stewards serviert.
Beim
reichhaltigen Frühstück herrschte reiner Selfservice.
Die
STENA
BRITANNICA
kann 300 Autos und in 395 Kabinen bis zu 900 Passagiere mitnehmen.
Ablegen in Hoek 22.00 Uhr, von Bord gehen in Harwich am nächsten
Morgen ab 06.30 Uhr. Der leere Zug nach London wartete quasi an der
Gangway und setzte uns dort auch wieder ab. Reine Fahrzeit bis
London: eine Stunde, vierzig Minuten.
Wir
übernachteten im Thistle Euston Hotel, einem freundlichen
Mittelklassehotel, fünf Minuten von der nächsten U-Bahn Station
entfernt.
Für
die Rückreise ab Harwich konnten wir ab 20.45 Uhr an Bord der STENA
HOLLANDICA
sein, die um 23.45 Uhr ablegt und Passagiere und Autos ab 07:45 Uhr
in Hoek an Land lässt.
Den
Minitrip mit zwei Übernachtungen an Bord, Bahnfahrt von Harwich nach
London und zurück sowie den Tagesaufenthalt bietet Stena Line ab €
89 pro Person in einer 2-Bett-Innenkabine an. Die Außenkabine kostet
ab € 115 pro Person.
Wenn
Gäste den Trip verlängern möchten, bietet Stena Line drei
verschiedene Hotels in London an:
Custom
House Hotel*** in den Docklands gelegen ab € 34 pro Person im
Doppelzimmer inklusiv Englisches Frühstück.
Thistle Euston Hotel*** Stadtmitte ab € 48 pro Person im
Doppelzimmer inklusiv Englisches Frühstück.
The
Tower – ein Guoman Hotel**** direkt am Tower ab € 64 pro Person im
Doppelzimmer inklusiv Englisches Frühstück.
Alle
genannten Preise gelten auch 2010.
Seit
Januar 2009 haben etwa 2100 Personen die Reise bei Stena Line
gebucht. Verschiedene Busunternehmer haben den Minitrip ebenfalls im
Programm. Da kommt der Bus mit auf die Fähre und die Bahnfahrt am
nächsten Tag entfällt.
Stena Line-Fähren Hoek van Holland-Harwich
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