Fährreise

AUSGABE 6/2009


An Bord der STENA BRITANNICA begann unsere Shopping-Tour ...


... und sie endete in Hoek van Holland mit der STENA HOLLANDICA.


Dieter Bromund

Shopping per Schiff? Mit Stena Line nach London

Der Wunsch wurde lauter, je näher der Herbst kam. Sinkende Temperaturen, kühleren Wind und gelegentliche leichte Schauer ertragen wir am besten mit Tweed, Stoffen, die auf der schottischen Insel Harris oder in Irland aus der Wolle heimischer Schafe gewonnen und per Hand gewebt werden. Tweedstoffe – wussten Petra und ich aus lang zurück liegenden Zeiten – würden wir weiterverarbeitet am besten in London bekommen, wo sich seit Jahrzehnten, manchmal seit Jahrhunderten, Ausstatter um den Piccadilly Circus herum zwischen Saville Row und St. James angesiedelt hatten. Zwei Jacketts suchten wir und das, was man hierzulande Schlägermützen nennt – in Größe 55 für Petra.

Diese präzisen Wünsche trafen auf das Angebot von Stena Line, mit der Fähre von Hoek van Holland nach Harwich und mit dem Zug weiter nach London zu fahren. Wir hätten für London zehn Stunden Zeit, was uns zu wenig erschien. Also buchten wir die Alternative, einen Aufenthalt in London mit einer Übernachtung. Hoek war nur fünf Stunden von Bremen entfernt, am Sonntagnachmittag bequem mit dem Auto fast nur über Autobahnen zu erreichen.

An Bord der STENA BRITANNICA, die Sonntagabend in Hoek ablegte und uns am Montagmorgen in Harwich entließ, konnten wir unsere Einkaufsliste um einen Posten verlängern. An der Bar gab es keinen Angostura Bitter, mit dem ich meinen abendlichen Gin als Aperitif pink, also rosa, zu färben pflege.

Die Einkaufstour in London hatten wir nach möglichst kurzen Wegstrecken geplant. Unsere Wünsche waren präzise und damit praktisch unerfüllbar, wie wir am Ende erkannten.

Ich hätte gleich im ersten Fachgeschäft  eine Tweedjoppe erstehen können, mit ihren großen Taschen und ihrem Lederbesatz an der Schulter geeignet für die Jagd in schottischen Hochmooren, und eine Mütze, die das Führen des Gewehrs nicht behinderte. Aber ein Tweedjackett für den innerstädtischen Gebrauch? Sorry. Auch Petra kam nicht weiter.

So setzten wir unsere Einkaufswanderung fort. Wir trafen Hemdenmacher in Fülle, fanden Schuhmacher mit Ehrfurcht einflößenden Namen, wurden in einem hoch berühmten Textil-Laden von zwei jungen Hamburger Herren überaus aufmerksam bedient, man empfahl uns weiter, aber bis zum Mittag bei Fortnum & Mason’s hatten wir – aus lauter Frust – gerade mal eine Krawatte erstanden, die Waldschnepfen im Flug zeigte, und ein Duftwasser namens Oxford & Cambridge.

Auch in dem Geschäft, in dem Lord Nelson schon seine Hüte hatte machen lassen, gab es Mützen erst ab Größe 56, zu groß für Petra. Wir stiegen in tiefe Keller und wurden hinter Räumen bedient, in denen Jagdwaffen bestellt wurden, wir wanderten durch Arkaden, fuhren auf Treppen und in Aufzügen durch Kaufhäuser mit großen Namen und fanden schließlich, am Ende des Tages schon sehr müde, ein einziges passendes Jackett für Petra – ein fabelhafter Wollstoff mit fabelhaftem Schnitt, aber kein Tweed. Wir kauften es trotzdem. Und beschlossen abends, den nächsten Tag ganz den Londoner Sehenswürdigkeiten zu widmen.

Doch einen letzten Versuch starteten wir am nächsten Morgen noch. In der Brompton Road gab es aber leider den Scotch Corner Laden, in dem einst Tweeds in Fülle angeboten worden waren, nicht mehr. Und bei Harrod’s, ein paar Schritte weiter, begeisterten uns in der Perfumery zwar die jungen Damen mit ihrer Freundlichkeit und ihrem Fachwissen – aber mit Tweeds war es wieder nichts.

Und Angostura war bei den Spirituosen bei Harrod’s gerade ausgegangen. Wir statteten dem Erinnerungsmal an Lady Di und Dodi im Erdgeschoss noch einen


Besuch ab, fanden im nächsten Kaufhaus endlich unseren Bitter und verbrachten den Nachmittag auf zwei offenen Bussen, Sightseeing nördlich und südlich der Themse.

Wieder an Bord, diesmal auf der STENA HOLLANDICA in einer Kabine, die fünf Personen hätte aufnehmen können, legten wir Strecke:
Von dem, was wir wollten, hatten wir nichts bekommen. Es gibt mehr Tweed Jacketts in Bremen und im Umkreis von 100 Kilometern als in ganz London. Aber Petras Jackett gefiel uns weiter. Wir hatten gekauft, was nicht beabsichtigt war: eine Krawatte, ein Duftwasser, einiges an Damenkosmetik, viele Marmeladen und auf der Fähre sehr schönen englischen Gin.

 

Wir konnten am Sonntag, dem 20.9.2009 ab 19.00 Uhr im Stena Terminal in Hoek van Holland an Bord der STENA BRITANNICA gehen. Der Parkplatz lag nur ein paar Schritte entfernt, wir checkten problemlos und freundlich beraten ein und nächtigten in einer schmalen Kabine mit zwei Betten über einander und einer ausreichend großen Nasszelle.

Wie die Kabine so das Schiff: praktisch, freundlich, durchrationalisiert. An der Bar kann man zwischen einem hellen holländischen und einem dunklen irischen Bier wählen, auch die Liste der Spirituosen ist überschaubar.

Zum Abendessen bedienten wir uns an der Theke, nur die Getränke wurden von freundlichen Stewards serviert.

Beim reichhaltigen Frühstück herrschte reiner Selfservice.

Die STENA BRITANNICA kann 300 Autos und in 395 Kabinen bis zu 900 Passagiere mitnehmen. Ablegen in Hoek 22.00 Uhr, von Bord gehen in Harwich am nächsten Morgen ab 06.30 Uhr. Der leere Zug nach London wartete quasi an der Gangway und setzte uns dort auch wieder ab. Reine Fahrzeit bis London: eine Stunde, vierzig Minuten.

Wir übernachteten im Thistle Euston Hotel, einem freundlichen Mittelklassehotel, fünf Minuten von der nächsten U-Bahn Station entfernt.

Für die Rückreise ab Harwich konnten wir ab 20.45 Uhr an Bord der STENA HOLLANDICA sein, die um 23.45 Uhr ablegt und Passagiere und Autos ab 07:45 Uhr in Hoek an Land lässt.

Den Minitrip mit zwei Übernachtungen an Bord, Bahnfahrt von Harwich nach London und zurück sowie den Tagesaufenthalt bietet Stena Line ab € 89 pro Person in einer 2-Bett-Innenkabine an. Die Außenkabine kostet ab € 115 pro Person.

Wenn Gäste den Trip verlängern möchten, bietet Stena Line drei verschiedene Hotels in London an:

Custom House Hotel*** in den Docklands gelegen ab € 34 pro Person im Doppelzimmer inklusiv Englisches Frühstück.

Thistle Euston Hotel*** Stadtmitte ab € 48 pro Person im Doppelzimmer inklusiv Englisches Frühstück.

The Tower – ein Guoman Hotel**** direkt am Tower ab € 64 pro Person im Doppelzimmer inklusiv Englisches Frühstück.

Alle genannten Preise gelten auch 2010.

Seit Januar 2009 haben etwa 2100 Personen die Reise bei Stena Line gebucht. Verschiedene Busunternehmer haben den Minitrip ebenfalls im Programm. Da kommt der Bus mit auf die Fähre und die Bahnfahrt am nächsten Tag entfällt.

Stena Line-Fähren Hoek van Holland-Harwich

Burlington Arcade, Sitz von Herrenausstattern und Hemdennähern. Wir hatten auch hier wir kein Glück mit unseren Einkaufs-Wünschen.

 

Bei Harrods in London erinnert dieses Mal an den Tod von Lady Di und ihren Geliebten Dodi, den Sohn des Besitzers des Kaufhauses.


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