Flussreportage

AUSGABE 6/2009


MS SANS SOUCI bei der Peenebrücke Wolgast, eine Klappbrücke zwischen Peenestrom und Greifswalder Bodden. Sie verbindet das Festland mit Usedom.

 
 

Sebastian Grätz

Wikinger-Erben entdecken Deutschland per Schiff

Färöer ist zumindest erfahrenen Kreuzfahrtfreunden ein Begriff. Insbesondere bei den ausgiebigeren Nordlandkreuzfahrten wird die auf halber Strecke zwischen Norwegen und Island gelegene Inselgruppe jeden Sommer von mehreren Dutzend Schiffen angesteuert.

In genau umgekehrter Richtung reiste eine unternehmungslustige Reisegruppe, um an Bord der MS SANS SOUCI den Nordosten Deutschlands zu entdecken.

Rund vierzig Inselbewohner – das entspricht bei den nicht mal 50.000 Färingern immerhin fast einem Promille – folgten dem Aufruf der wöchentlichen Zeitung Norðlýsið. Unter der Leitung des Herausgebers überquerte die Leserschaft an Bord der Fähre NORRÖNA von Smyril Line den Nordatlantik und reiste per Bus vom dänischen Esbjerg bis nach Stralsund. So nahm die Gruppe eine fast dreitägige An- und ebenso lange Heimreise in Kauf, um unter deutscher Flagge von den mecklenburgischen Ostseeinseln bis nach Berlin zu reisen. Als von den Wikingern abstammendes Völkchen war das Interesse an Hiddensee und Rügen groß, da auch hier die Historie von den Nordmännern beeinflusst wurde. Als echte Seefahrer betrachteten sie mit Spannung die Fahrt auf Flüssen und Kanälen als ihnen etwas absolut Neues; die Passagen niedriger Brücken, schmaler Schleusen und des historischen Schiffshebewerks Niederfinow wurden regelrecht zum bordeigenen


Entertainment. Am späten Abend vor der am frühen Morgen beginnenden, langen Heimreise ließen es sich die zwischen 60- und 90-jährigen Urlauber nicht nehmen, die deutsche Hauptstadt bei einer nächtlichen Stadtrundfahrt zu erobern.

Überschwängliche Worte des Lobes begeisterte die vorwiegend deutsche Crew der MS SANS SOUCI ebenso wie die etwas undeutschere Mentalität der Nordlichter. Mit Charme und guter Laune nahmen sie das First-Class-Schiff ein, belagerten die Lounge und die Bar auch bis tief in die Nacht und stimmten an einem eigenen Abend färöische und deutsche Lieder an. So störte es auch niemanden, dass die Mannschaft zuvor keinen Kurs des auf Altnordisch basierenden und aus Isländisch und Norwegisch gemixten Färöisch belegt hatte. Ganz unverkrampft wurde mit Englisch, Deutsch, Händen und Füßen kommuniziert.

Selbst als der Reisebus nahe des Berliner Kreuzfahrtanlegers im Sand einer stillgelegten Baustelle kenterte, die pünktliche Rückreise vereitelte und somit die einmal pro Woche verkehrende Fähre zu versäumen drohte, behielten die gar nicht kühlen Nordeuropäer einen solchen Kopf und ihre gute Laune. Und sie scherzten. Denn die Färöer sind – ebenso wie Grönland – eine „gleichberechtigte Nation” innerhalb des dänischen Königreiches; aber sie sind keine Dänen. Doch der Bus kam aus Dänemark. www.sanssouci-kreuzfahrten.de · www.flusssgenuss.de

Fröhliches Beisammensein der Färinger-Gruppe.


Kapitän Peter Grunewald mit Hoteldirektorin Kerstin Goitzsche.

An der berühmten Kreideküste von Rügen.


Das historische Schiffshebewerk Niederfinow.

Kameramann Siggi Thiel filmt die Souvenier-Jäger ...


... die sich mit Lust auf Kitsch und Kunst stürzen. Ein Andenken muss sein.

Das Erinnerungsfoto mit den vierzig Nordmännern und -frauen.

 

Der Abholer-Bus rutschte in eine alte Baustelle und verzögerte die Rückreise.

MS SANS SOUCI legt mit neuen Gästen wieder ab.


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