OstseeMagazin

AUSGABE 6/2009


Dr. Robert Rosentreter

Dr. Robert Rosentreter

Ressortleiter OstseeMagazin

 

SeereisenVeranstalter mit Last-Minute-Angeboten und Rabatten

Die Krise hat die an sich boomende Kreuzfahrt-Branche zwar bisher (noch) nicht ganz so hart getroffen, wie andere Wirtschaftszweige, doch unberührt blieb sie nicht. Anbieter verzeichneten ein zögerlicheres Buchungsverhalten und einen leichten Rückgang der Passagierzahlen in der abgelaufenen Saison.

Der „normale Kunde” stellte in den letzen Monaten fest, dass ihm entschieden mehr Werbeprospekte der Reedereien bzw. Kreuzfahrtanbieter ins Haus flattern als schon bisher. Ob es sich um Lord Nelson Seereisen oder Transocean Tours oder TUI oder AIDA handelt, sie alle ringen förmlich mit verschiedenen „besonderen” bzw. „preiswerten” Angeboten, mit Frühbucher- oder Jubiläumsrabatten hart um jeden Kunden. Elbflorenz Reisedienst offeriert derzeit nicht nur Schiffsreisen zum Jahresbeginn 2010 sondern noch mit quasi Torschluss-Törns am Jahresende 2009: ab 13. November 2009 bis 14. April 2010.

So werden eine „außergewöhnliche und besondere Routenführung”, ja sogar die „ausgefallensten Routen der Saison” angepriesen. Doch da ergeben sich Fragen.


Was könnte einen Touristen an einer Reise der MSC POESIA (MSC Kreuzfahrten, München) von Hamburg über Kiel nach Oslo und Kopenhagen, mit Endpunkt wieder in Kiel reizen? Um den Welthafen HH und die Fördestadt zu besuchen, braucht der deutsche Tourist keine Schiffsreise zu buchen.

Die Fahrt nach Hamburg und weiter nach Kiel mit eigenem Pkw oder der Bahn bringt das auch, einschließlich der Hafen- und Stadtbesichtigungen und der Unterkunft. Der Preis von rund 500 bis 1600 € für fünf Tage ist auch nicht gerade so außergewöhnlich gering, wenn man nicht nur An- und Abreise sowie die Ausflüge extra bezahlen muss, sondern auch noch ein „Getränkepaket” zu den Mahlzeiten (Bier, Wein, Wasser, Softdrinks) von je 13 € pro Person / Nacht löhnen muss. Trinkgelder liegen außerdem noch an. Aber vielleicht lassen sich Touristen mit dem Besuch der zwei „Königsstädte” (mit diesem Titel werden im Werbetext Oslo und Kopenhagen bedacht) anlocken, oder mit dem Erlebnis der Reise durch die dänischen Meerengen.

Auf einer weiteren Route will Costa Kreuzfahrten, Neu-Isenburg seine Gäste per MS COSTA EUROPA „in die Welten von 1000 und einer Nacht” entführen und verheißt  „Gegensätze, wie sie Sie noch nie gesehen haben”, außerdem noch eine Ersparnis bis zu 2100 €. Da geht es von Savona zunächst für einen halbtägigen Aufenthalt nach Neapel und dann nonstop quer durchs Mittelmeer nach Port Said; es folgt die Suezkanal-Passage mit anschließenden Landgängen in Sharm el Sheik, Aquaba und Safaga, weiter durch das heiße Rote Meer sowie die Straße von Bab el Mandeb, bis Aden; weiter durch den Golf von Aden ins Arabische Meer und durch die Straße von Hormus zu den Endzielen in Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit dreitägigem Aufenthalt in Dubai. Der besondere Kick besteht in der Fahrt mitten durch „Piratengewässer”. Da braucht sicher keiner Angst zu haben, denn die Fregatten der NATO, darunter der Deutschen Marine, passen schon auf, dass die Bösewichte nicht an die Kreuzfahrtschiffe heran kommen. Und wenn doch, dann wäre das ein zusätzlicher kostenlos gebotener Nervenkitzel, den ja viele Touristen so mögen.

Zurück geht es auch mit dem Schiff oder mit Flugzeug, wie auch die Anreise nach Dubai erfolgt. Für eine 20tägige Schiffsreise ist der Preis zwischen etwa 900 bis zu 1500 € sensationell, wobei auch hier die An- und Abreise (Flug-, bzw. Bus- / Bahn-Kosten) sowie das „Getränkepaket”, die Kosten für die Ausflüge, schließlich eine Servicegebühr von 6 € pro Person und Tag, womit das Trinkgeld abgegolten wäre, hinzu kommen. Und die Versicherung! Da bleibt freilich offen, wogegen was versichert werden muss oder soll, doch das ist ja leicht zu erfragen.

Richtig sparen könne man auch an Bord der COSTA MARINA bei der „Entdeckung neuer toller Inseln”, wie das Prospekt anpreist: die „neuen tollen Inseln” sind nichts anderes als die Kanaren, die viele potentielle Kreuzfahrtkunden sicher schon lange kennen. Hinzu kommen Agadir und Casablanca in Marokko, Spaniens Malaga und Barcelona sowie Marseille. Das alles ist für rund 600 bis 1100 € (die Zusätze nicht gerechnet) in knapp drei Wochen zu erkunden. Für jeden, der das alles oder die meisten der Ziele noch nicht kennt, ist es tatsächlich ein Bombenangebot, also genau das Richtige, etwa für Neukunden. Aber sicher wird der Eine oder Andere, der diese Ziele schon einmal kennengelernt hat, einen neuerlichen Besuch interessant und erstrebenswert finden. Darauf mögen die Reiseunternehmen abheben. Wozu man ihnen viel Glück wünschen kann.


Helcom Vertreter in Schwerin

In Schwerin berieten Anfang Oktober rund 150 Helcom-Experten (Helsinki-Komission) aus allen Ostsee-Anrainerstaaten über die Verbesserung des Meeres-Schutzes. Besonders die jahrzehntelange Überdüngung des Baltischen Meeres, als Eutrophierung bezeichnet, macht den Wissenschaftlern Sorgen. Trotz aller bisher eingeleiteten Maßnahmen wird es, nach Ansicht von Meeresbiologen, noch Jahrzehnte dauern, ehe die angesammelte Nährstoff-Konzentration soweit zurückgedrängt sein wird, dass ein natürlicher Zustand erreicht werden kann. Die Konferenzteilnehmer berieten u.a. auch über eine wirksamere Meeresüberwachung und erarbeiteten eine Reihe von Empfehlungen für Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Qualität des Meerwassers.

Deutsche Ostseegewässer reich an Wracks

Das Sassnitzer Museum für Unterwasserarchäologie in der denkmalgeschützten Alten Abfertigungshalle des ehemaligen Fährhafens, erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Rügen-Touristen. Die Besucher erfahren hier, dass rund um Deutschlands größte Insel, in einem Abstand von etwa einem bis zwei Kilometern rund 150 historische Wracks liegen, die systematisch erfasst und erforscht werden. Allein am Arkona-Riff liegen 12 Schiffe, die an dieser windigen Ecke gesunken sind. Dazu gehören der 1939 gescheiterte Gaffelschoner AMAZONE, die 1939 unterging und der Dampfer KONG OSCAR, der hier schon 1889 sein Schicksal fand, sowie der AVISO WACHT. Dieses Schiff, das zeitweilig auch als Kreuzer klassifiziert wurde und 1901 während eines Ostseemanövers der Kaiserlichen Marine mit dem Panzerschiff SACHSEN kollidierte und sank.

Das individuelle „wilde” Tauchen zu den Wracks ist streng verboten. Entsprechende Bewachung dieser oftmals sehr wertvollen Kulturschätze, die auf und unter dem Meeresgrund liegen, sollen Plünderungen und Zerstörungen verhindern. Es werden aber geführte Tauchgänge angeboten. Das moderne Wracksuchschiff DENEB, das in Wolgast gebaut wurde, durchforscht regelmäßig und ständig die Unterwasserwelt. Sorgfältig wird jeder Fund kartografiert. Von besonderem Belang ist das RANENBOOT II, ein bei Ralswiek ausgegrabenes Fahrzeug der Rügenslawen, das 995 n.Chr, gebaut worden ist. Es gilt als Reverenzobjekt der Unterwasserarchäologen für den slawischen Bootsbau. Sehr wertvoll war 1997 der Fund des Wracks der sogenannten GELLENKOGGE von 1340. Es ist die Steuerbordseite dieser Hansekogge erhalten und zu sehen, die einst mit Kalksteinen aus Schweden kommend, vor dem Südzipfel der Insel Hiddensee (Gellen) strandete. Kalksteine waren begehrte Baumaterialien vor allem für Fußböden von Kirchen und wichtigen Profanbauten. Insgesamt sollen nach Schätzungen nicht weniger als 1200 Wracks allein in den deutschen Ostsee-Gewässern liegen.

Warnemünde mit Kreuzfahrtgeschäft zufrieden

Mit 114 Anläufen von 30 Schiffen und 170.000 Passagieren zählte Warnemünde im Jahre 2009 erneut zu den beliebtesten und am meisten frequentierten Ostseehäfen. Als letztes Schiff dieser Saison hatte die BRAEMAR am 23. September, von Rønne auf Bornholm kommend, am Passagierterminal festgemacht und war abends nach Kopenhagen weiter gelaufen. Die BLACK WATCH, welche noch einmal, zu ungewöhnlicher Zeit, nämlich am 15. Dezember 2009 an die Warnow kommen wollte, hat abgesagt. Ein vorgesehener Werfttermin musste vorgezogen werden und so wurde dieser Anlauf gestrichen.  Für 2010 erwartet Rostock erneut ähnlich viele

Disney Cruises ein weiteres Unternehmen und zwar erstmals in der Ostsee unterwegs sein und dabei auch Rostock-Warnemünde anlaufen.

Werftkrise noch nicht ausgestanden

Nach dem Insolvenzdrama der Wadan-Werften Warnemünde / Wismar war auch die Hegemann-Gruppe in Turbulenzen geraten und stand vor der Pleite. Durch Einschreiten der Landesregierung, die einen Nothilfe-Sofortkredit zur Verfügung stellte, könnten die Werften in Stralsund und Wolgast fürs Erste gerettet sein. Das Damoklesschwert hängt aber weiter über den rund 2000 Schiffbauern an diesen beiden Standorten. Dieser Vorgang sorgt derzeit für politischen Ärger in Schwerin. Die Opposition im Landtag wirft der schwarz-roten Koalitionsregierung vor, dass sie sich von Hegemann die Pistole habe auf die Brust setzen lassen. Politische Beobachter kritisieren, dass die Mitarbeiter beider Werften bis zuletzt nicht erfahren haben, wie es um Ihr Unternehmen und damit ihre Existenz bestellt ist und dass Hegemann seine Belegschaft quasi als Geisel genommen habe, um die Regierung zu erpressen: Geld (für das Unternehmen) oder Leben (Arbeit der 2000 Beschäftigten).

Am Abend des 9. Oktober wurde bekannt, dass zwar ein Rettungspaket mit 65 Mio € geschnürt worden sei – daran beteiligt das Land (28 Mio), die Kreditanstalt für

 

Wiederaufbau und die Nord-LB (zusammen ebenfalls 28 Mio) sowie die Hegemann-Gruppe mit Lieferanten (9 Mio) – aber der Vorstandschef der Hegemann-Werften Volker Kröning hatte gegenüber Radio Bremen in diesem Zusammenhang einen massiven Stellenabbau sowohl in der Volkswerft Stralsund (800 Beschäftigte), der Peenewerft Wolgast (1200 Mitarbeiter) und der Rolandswerft Berne / Niedersachsen (150 Arbeitnehmer) angekündigt.

Anläufe und Passagiere wie in der abgelaufenen Saison. Zu den 23 Anbietern, die in 2009 Warnemünde als Reiseziel gewählt hatten, soll im kommenden Sommer mit  Darauf reagierte die IG Metall Küste mit massiver Kritik. Die Belegschaften seien durch dieses per Rundfunk-Interview verkündete Vorhaben extrem verunsichert worden. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) habe sich als Überbringer der schlechten Nachricht betätigen müssen und die Mitarbeiter der Vorpommerschen Werften informiert und sich damit zum Hegemann-Sprecher gemacht, was Sache der Unternehmensleitung gewesen wäre, die sich aber weiterhin mit konkreten Aussagen zurück halte. Die IG Metall Küste forderte den Rücktritt von Volker Kröning.

Bei den Nordic Yards (ex Wadan) sind inzwischen rund 75 Werftarbeiter (in Rostock-Warnemünde) und 300 (in Wismar) an den zwei Großfähren für die Stena Line beschäftigt. An dem einen Schiff werden Restarbeiten erledigt, am anderen geht der Bau weiter, so dass dort für einige Monate die Beschäftigung gesichert ist. Freilich wird die Stena Line nicht den vollen Kaufpreis zahlen und zwar nur 380 Mio €, anstatt 420 Mio. Derweil geht das zähe Ringen der Gewerkschaft mit dem neuen russischen Investor weiter, der sich nicht an den geltenden Flächentarifvertrag halten will.

Ärger gibt es auch mit der Laeisz-Reederei, die im Juni – nach der Insolvenz der Wadan-Werften – den Vertrag über zwei georderte, im Bau befindliche Container-Schiffe gekündigt hatte. Der Insolvenzverwalter macht nun Druck, dass Laeisz die Schiffe doch abnimmt und kündigte widrigenfalls an, sich über die Kündigung hinweg zu setzen und das eine der Schiffe weiterbauen zu lassen, was in Warnemünde Arbeit über den November hinaus ermöglichen würde. Das andere Schiff ist bereits so gut wie fertig gestellt.

 

Das war knapp – Riesenschiff passierte Beltbrücke

Die erste der beiden für die Stena-Line im Bau befindlichen Großfähren ist fertiggestellt, die zweite ist im Rohbau abgeschlossen. Nun hoffen 1000 Nordic-Werftarbeiter in Wismar und Warnemünde auf neue Aufträge aus Russland. Und die lassen auf sich warten – „budjet, budjet”, (wird schon sein), wie die Russen so sagen, wenn sie  sich nicht aus der Ruhe bringen lassen wollen, um  nichts zu tun. Warten wir es ab. Für die Mitarbeiter von Nordic wird es aber knapp. Nur bis Weihnachten  sind die Gelder für die nach der Wadan-Pleite gegründete Auffanggesellschaft vorhanden, dann ist es aus. Eine schlimme Bescherung, die da vor Weihnachten droht.

Derweil sieht es auf anderen Werften nur teilweise besser aus. Einzig der Passagierschiffbau boomt, wie gerade jetzt erst zu erleben war, als die OASIS OF THE SEAS, das weltgrößte Kreuzfahrtschiff, aus Turku kommend, die Ostsee verließ. Bei der Passage der Großen Belts zwischen Seeland und Fünen, gab es bereits die erste Zitterphase, weil der Riesenkahn kaum unter der Beltbrücke hindurch paßte. Nur ein halber Meter Luft war zwischen dem höchsten Punkt des Schiffes und der Brückenunterkante geblieben, wie Agenturen meldeten. Bei der Passage der Brücke musste der Schornstein der OASIS eingezogen werden. Die Straße hatte man vorsorglich für 15 Minuten gesperrt. Die Höhe des Schiffes über der Wasserlinie beträgt 72 Meter, was etwa einem 19stöckigen Hochhaus entspräche. Wo soll das mit den wachsenden Größen der Kreuzfahrtschiffe noch hinführen? Irgendwann wird das Ende der Fahnenstange erreicht sein, dann werden die Abwrackwerften wieder zu tun haben. Doch bis dahin ist sicher noch viel mehr „Luft”, als diesmal zwischen Oberkante Schiff und  Unterkante Brücke vorhanden war. Der Trend geht jedenfalls allgemein zu größeren Schiffen (die OASIS ist 15mal größer als die TITANIC einst war), wobei auch kleinere Schiffe durchaus gefragt sind, um den Passagieren etwa die Durchfahrt durch den Kanal von Korinth oder die Tour den Amazonas und andere Flüsse hinauf und herunter bzw. zu den Nordamerikanischen Seen und das Anlaufen kleinerer interessanter Häfen bieten zu können, was mit Super-Linern nicht möglich ist, weil man das Unterwasserschiff halt nicht „einziehen” kann. Bezüglich der OASIS wäre aus deutscher Sicht zu vermerken, dass in dem in Turku gebauten Riesen auch einige Schiffs-Sektionen aus Rostock-Warnemünde eingebaut sind, wobei diese Tatsache an der Warnow kaum Beachtung findet, angesichts der Sorgen um die weitere Existenz der Nordic-Werften – ex Wadan, ex Aker, ex Kvaerner. Die Zuarbeit für Turku war seinerzeit erfolgt, als der Schiffbaubetriebe in Rostock und der in Finnland noch gemeinsam unter dem Kvaerner-Dach existierten ...

Mit 114 Anläufen von 30 Schiffen und 170.000 Passagieren zählte Warnemünde im Jahre 2009 erneut zu den beliebtesten und am meisten frequentierten Ostseehäfen.


Der Autor und die PLANET am 31. Oktober 2009 in Eckernförde.

 

Die Fahrtroute Eckernförde-Stralsund in der elektronischen Seekarte

 

Kreuzfahrt auf einem PLANETen

Bei kaltem, aber sonnigen Herbstwetter lief das Forschungsschiff PLANET aus seinem Heimathafen Eckernförde aus. In der folgenden Nacht überraschte sie jedoch ein ausgewachsener „Kuhsturm. Der Autor hat nur gestaunt.

 

Vor Kap Arkona, der nordöstlichsten Spitze Deutschlands auf der Insel Rügen, fegten Böen mit Spitzen bis zu elf Windstärken und über 40 Metern pro Sekunde über das Schiff. Im Gegensatz zu anderen Schiffen, die die PLANET passierten, bewegte sie sich kaum. „Ein enormer Vorteil gegenüber herkömmlichen Schiffen, sagte Kapitän Skerka, „so können Forschungsaufgaben auch bei starkem Seegang in Ruhe ausgeführt werden. Da muss sich die 25-köpfige Crew nicht mit den Auswirkungen starken Seegangs herumschlagen. „Das Leben geht fast normal weiter, freut sich auch Erster Offizier Helmut Littmann. 

 

Lift-Reise

Am 2. November hat das Schiff – nach einigem längeren Einsatz in den Gewässern rund um Irland – die Volkswerft angelaufen, um dort auf dem größten Schiffslift der Welt trockengestellt und im Unterwasserschiffsbereich repariert zu werden. Die Dichtung einer der beiden Propellerwellen wird erneuert. Mit den Leistungen der Werft war die WTD 71 schon bei der vorangegangenen Werftzeit sehr zufrieden, als es um defekte Schottelantriebe ging.

Vergleicht man die PLANET-Abmessungen mit denen der größten (300 Meter Länge, 54.000 Tonnen) auf der Stralsunder Volkswerft gebauten Containerschiffgeneration, sind sie eher bescheiden: 3500 Tonnen Verdrängung, 73 Meter Länge, 27,20 Meter Breite. Der Tiefgang allerdings von 6,30 Meter war schon fast zu viel für die Ostansteuerung des Strelasunds, deren Pegel infolge Südwind um 20 Zentimeter unter Normal lag. 

Die Werft erreichte der bullige Katamaran unter Führung von Kapitän Reiner Skerka am Montagabend. Jens Mauksch, Stralsunder Seelotse, besorgte die nautische Beratung auf der Brücke.

 

Schiffsflüsterer

Die PLANET ist das erste Schiff dieser Größe als SWATH (Small Wapterplane Area Twin Hull), das in Deutschland gebaut wurde. Auch in technischer Hinsicht betraten die Konstrukteure gleich auf mehreren Gebieten absolutes Neuland: unter anderem bei der Konstruktion des trapezförmigen Unterwasserschiffes mit Flossen-Stabilisatoren, der Festigkeit und Stabilität des Rumpfes und der Schallreduzierung. Letzteres fiel Seelotse Jens Mauksch beim erstmaligen Betreten des Schiffes sofort

 

auf. Die PLANET kann auch von sich behaupten, zur Familie der U-Boote zu gehören. Sie hat den vollelektrischen Antrieb und Maschinen eines U-Bootes, kann sich dank eines ausgeklügelten Ballastwasser-Systems absenken und wieder auftauchen. In einem Schwimmkörper ist unter Wasser sogar eine Torpedoabschussanlage eingebaut.

Vier MTU-Dieselgeneratoren mit zusammen 5400 kW erzeugen den Strom für ebenso viele extrem leise Elektromotoren. Die wiederum, in den Schwimmkörpern gelagert, treiben zwei Propeller an und sorgen für eine Geschwindigkeit von maximal 17 Knoten.

90 Millionen Euro hat die PLANET gekostet. Der Baupreis von U 33 mit dem neuartigen Wasserstoff-Hybridantrieb, das gerade in der Eckernförder Bucht übt, ist noch um ein Mehrfaches teurer. Auch bekäme man ein respektables Kreuzfahrtschiff für diese Summe.

 

Übungsszenario

Zu dem fast völligen vibrations-, seegangs- und geräuscharmen Arbeiten in den Labors und an den Messgeräten trägt entscheidend die Katamaranform bei. Selbst sehr raue See wie in der Biskaya behindert weder Besatzung noch wissenschaftliches Personal beim Arbeiten.

In der Ostsee vor Rügen wurden zahlreiche Übungen – vom Rettungsboots- über Bergungs- bis zum Feuerlöscheinsatz – gefahren. Kapitän Skerka dazu: „Kommunikation und Kooperation, beides die wichtigsten Punkte, haben sehr gut geklappt. Das schafft man nur durch dauerndes Üben.

Die PLANET wird sowohl von der Forschungsgesellschaft der Bundeswehr für Wasserschall und Geophysik (FWG) in Kiel als auch von der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen (WTD 71) in Eckernförde als Plattform für Forschungen und Erprobungen genutzt. Forschen können, wo die Marine fährt – so könnte man den Auftrag für das innovative Doppelrumpfschiff formulieren. Der blau-weiße, bei den Nordseewerken in Emden gebaute und Ende Mai 2005 in Dienst gestellte Katamaran hat Maßstäbe gesetzt.

Mitte November soll FS PLANET – bei den Werftleuten heißt sie verballhornt nur „der Plennet – von Stralsund auslaufen mit Ziel Eckernförde. Auf dem Programm steht während der Überfahrt eine marineinterne Abnahmefahrt (ISM-Audit). Frisch zertifiziert steht sie anschließend wieder zu Forschungszwecken im Skagerrak zur Verfügung.

Übrigens fuhr der Autor jetzt zum ersten Mal per Schiff von seiner alten Heimatstadt Eckernförde in seine neue (seit 1994) Heimat Stralsund.

Dr. Peer Schmidt-Walther


Seite 21