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Andreas Jungblut ist Kapitän
der MS DEUTSCHLAND.

Der gebürtige Hamburger Andreas Jungblut ist
Kapitän aus Leidenschaft. Nach
seiner jüngsten Arktisreise hat er
dazu Chefreporter Dr. Peer Schmidt-Walther (PSW) einiges erzählen können.
PSW: Als Kapitän hatten Sie ein
seemännisches Vorleben. Wie verlief das?
Andreas Jungblut: Der Grund wurde auf
der Elbe gelegt. Direkt vor der Haustür habe ich als kleiner Junge in einem
Dingi das segeln gelernt (gewiss keine schlechte Schule für einen Kapitän).
Beruflich, praktisch ging es dann weiter auf Bulkschiffen, Stückgutschiffen,
einer Fähre und sogar auf der atomgetrieben OTTO
HAHN.
Reichlich Theorie gab es dann auf der Seefahrtschule in Hamburg. Da bekam
man dann zum Abschluss das „nautische Offizierspatent”
(ein Führerschein zur Hohen See). Aber die Krönung der Schiffe, mein
schönstes Schiff ist und bleibt die DEUTSCHLAND.
PSW: Hatten Sie bestimmte Motive, um
in die Kreuzfahrt-Branche einzusteigen?
Jungblut: Es begann mit „König Zufall”
(ich traf einen Kollegen, der als Offizier auf einem Kreuzfahrtschiff fuhr –
und Kreuzfahrer kannte ich noch nicht) und so treib mich die Neugier, etwas
Neues auszuprobieren. Dass daraus 25 Jahre werden könnten, hatte ich damals
nicht vorausgesehen. Es muss wohl etwas Besonderes gewesen sein an der
Kreuzfahrt.
PSW: Braucht man für ein
Kreuzfahrtschiff ganz besondere Voraussetzungen oder Fähigkeiten?
Jungblut: Oh, es gibt unglaublich
unterschiedliche Charaktere unter den Kapitänen auf Kreuzfahrt. Alle haben
ihren Charme. Eine gute Voraussetzung gibt es vielleicht: So simpel und
bieder es klingen mag, es ist die Freude an der Arbeit. |
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PSW: Was macht Ihnen besonders Freude
an dieser Tätigkeit?
Jungblut: Der Wechsel! Der Wechsel der
Landschaften, der Orte und der Menschen. Von der Arktis bis zu den
Tropen. Kein Tag ist wie der andere.
PSW:
Worin unterscheiden sich die Gewässer des hohen Nordens von den übrigen?
Jungblut:
Wenn damit die arktischen Gewässer gemeint sind, ist es vor allem die
Dominanz der Natur. Reine Natur! Das unvergleichliche Licht. Das Eis. Die
karge, schroffe Landschaft mit ihrem verzagten Grün und den Tieren, die man
versteht, wenn man zuhören kann, dass sie nichts mit dem wüsten Mensch zu
tun haben wollen.
PSW:
Welche Kenntnisse braucht man dazu?
Jungblut:
Mal abgesehen
von der seemännischen und navigatorischen Erfahrungen, glaube ich, benötigt
man einen gewissen ästhetischen Sinn. Man muss die Schönheit suchen und wenn
möglich dort verweilen.
PSW:
Was reizt Sie persönlich daran?
Jungblut:
Das Unplanbare. Wenn man in die Arktis fährt, sollte man nicht zu sehr auf
den Fahrplan sehen. Die schönsten Erlebnisse und Ereignisse kommen
unerwartet.
PSW:
Worin liegen die Probleme dieses Fahrtgebietes?
Jungblut:
Weniger das
Eis, das gehört ja dahin. Es ist der Wind. Bei starkem Wind kann man nicht
in die kleinen Buchten fahren, um neue Entdeckungen zu machen und man muss
auch zum Eis gehörigen Abstand halten, um das Schiff sicher zu navigieren.
PSW:
Wie muss ein Schiff ausgestattet sein, um dort operieren zu können?
Jungblut:
Ideal sind
kleine Schiff mit starken Motoren und einer dicken Bordwand. Schiffe, die
extra für die Eisfahrt konzipiert wurden. Aber auch mit der mittelgroßen
DEUTSCHLAND,
die weltweit im Einsatz ist, haben wir schon wunderbare und einzigartige
Arktisreisen gemacht.
PSW: In
dem Zusammenhang fällt häufig der Begriff „Eisklasse”. Was bedeutet er?
Jungblut:
Grob gesagt:
je höher die Eisklasse, desto dicker sind die Stahlplatten an der Seite des
Schiffes, an dem das Eis vorbeischrammt, wenn man durch das Packeis fährt.
Der König unter den Eisfahrern ist der Eisbrecher.
PSW:
Haben Sie Beobachtungen machen können, die auf das allmähliche Verschwinden
des Meereises hinweisen?
Jungblut:
Ja und nein. Die Packeisgrenze ist in den letzten Jahren häufig nördlicher
anzufinden, als in früheren Jahren. Ob das zur Regel wird und welche
Schlüsse daraus gezogen werden, sind die Klima-Debatten, die heute geführt
werden mit ihren unterschiedlichen Ansätzen und Aussagen.
PSW:
Wie lange werden Eisreisen Ihrer Kenntnis nach noch möglich sein?
Jungblut:
Die Dekaden
von Jahren zu benennen, wäre reine Spekulation von mir. Ich weiß es nicht.
Was kommen wird – und das ist gut so – sind Erweiterungen des Umweltschutzes
für die arktischen Gewässer. Es geht nicht, dass Riesenpötte mit Tausenden
von Passagieren dort herumjuckeln. Die Arktis ist kein Ort für
Massen-Tourismus, sie sollte ein Ort der Stille sein. Jedoch, schon jetzt
ist das nur noch ein vergangener Traum, eine gegenwärtige und zukünftige
Illusion.
PSW:
Vielen Dank für das Gespräch. |
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Man kann einen Krimi auch in
Ich-Form schreiben. In Amerika hat diese Erzählperspektive eine lange
Tradition. Einer der erfolgreichsten Autoren dieses Genres war zuletzt
Mickey Spillane, der 1947 seinen Detektiv Mike Hammer in die Welt setzte und
dessen Geschichten über 200 Millionen mal verkaufte. Mickey Spillane starb
2006.
Sean Rowe veröffentlichte seinen ersten Roman „Fever” 2005. Er erschien vor
zwei Jahren unter dem Titel „Traumschiff” in Deutschland. Sean Rowe könnte
ein Nachfolger jenes erfolgreichen Spillane werden. Sein Erstling hat’s in
sich, wer sich auf ihn einlässt, muss harten Tobak aushalten. Mit dem
„Traumschiff” der Fernsehserie hat dieses Buch nichts gemein.
Für Hollywoodfilme galt einst und gilt heute immer noch der Satz eines der
großen Film-Mogule: „Fang mit einem Erdbeben an und steigere die Spannung
dann schrittweise.” Just das macht Sean Rowe, Amerikaner des Jahrgangs 1964,
hier.
Nach knapp fünf Seiten fliegt ein Frachter in der Hafeneinfahrt von Miami in
die Luft und sperrt ihn damit. Ausgelöst hat die Explosion der Erzähler
Matt, in dem er mit einem Kästchen spielte, das ihm sein Bruder Fontana auf
den Tisch einer Hafenkneipe legt.
Der Bruder ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, drei Jahre vor
Ablauf seiner Strafe. Die Tat ist „nichts Ausgefallenes. Dynamit und
Sandsäcke, eine gezielte Ladung. Man sprengt auf der Backbordseite ein Loch
in den Bug; das lässt das ganze Schiff herumwirbeln. Ein Kinderspiel.”
Eine Eröffnung dieser Art ist filmreif.
Fontana hat nun Matt in der Hand, einen ex-FBI Mann. Der nun mitmachen muss
bei einem Coup, der es in sich hat. Auf einem Kreuzfahrtschiff, das auch
Kuba anläuft, werden Drogengelder außer Landes gebracht. Und auf die haben
es die Herren abgesehen. Die Sache scheint zunächst zu klappen, doch dann
geht es alles schief.
Aber wie …
Viel harte action, viel See, das alles eher unterkühlt erzählt,
und auf seine Art auch die Tiefen der menschlichen Seelen ausleuchtend, der
guten wie der bösen.
Wie gesagt – man muss das Genre lieben, dann findet man hier ein Glanzstück. |
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Sean Rowe:
Traumschiff
Aus dem Amerikanischen
von Hans-Joachim Maass.
Ein marebuch bei Fischer, im Fischer Taschenbuch Verlag,
Frankfurt am Main.
(ISBN 978-3-596-18168-1), € 8,95 (D), € 9,20 (A),
16,80 CHF (CH).
www.fischerverlage.de |
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►►►Tja,
es gibt ja sowas wie Rivalität auch zwischen Städten, obgleich keiner so
recht weiß, warum. Hamburg und Bremen gehören in diese Gruppe. Beide sind
Hansestädte, Hamburg die Freie und Hansestadt, Bremen die Freie Hansestadt –
was immer der Unterschied sein mag. In beiden wird heute immer noch
Plattdeutsch geredet. Hamburg ist ein eigener Staat, Bremen sozusagen die
Hauptstadt des Landes Bremen, zu dem als weitere Stadt Bremerhaven gehört.
Hamburg und Bremen liegen ein Stück flussauf und treiben Seehandel mit aller
Welt. Die Liste solcher Gemeinsamkeiten ließe sich fortsetzen. Das
Gemeinsame ist nach Hein Mück’s
Meinung größer als das Trennende.
Umso verrückter ist, dass so viele Bremer über Hamburg spotten und so viele
Hamburger so tun, als wüssten sie nicht, wo Bremen liegt. Wie es sich für
Städte mit hanseatischer Tradition gehört, haben natürlich beide Städte
eigene Flaggen und Wappen, beide schon uralt. Die Hamburger Flagge und das
Hamburger Wappen zeigen eine weiße Burg mit geschlossenem Tor auf rotem
Feld. Die Bremer Flagge mit sieben roten Karos und vier roten Streifen auf
weißem Grund wird von Liebhaben und Verächtern gern die Speckflagge genannt,
was ja wohl leicht nachzuvollziehen ist.
Das Bremer Wappen zeigt einen schräg aufgerichteten gotischen Schlüssel mit
dem Bart nach rechts.
Nun muss man feststellen, dass Bremen inklusive Bremerhaven mit weniger als
600.000 Einwohnern wesentlich kleiner ist als Stadt und Staat Hamburg mit
1,77 Millionen. Reine Größe also macht die Hamburger so stolz. Da bleibt den
„kleinen”
Bremern nur eins übrig, was man in Hamburg gar nicht gern hört. Hamburg,
sagen die Bremer, sei das Tor zur Welt, aber ein geschlossenes. Den
Schlüssel zur Welt hat Bremen.
►►►Tja,
Rivalität gibt es nicht nur zwischen Hamburg und Bremen. Auch im Staate
Bremen herrscht zwischen Bremen und Bremerhaven nicht immer eitel Freude.
Bremerhaven als die jüngere, im 19. Jahrhundert von Bremen begründete
Seehafenstadt, hat durchaus einen eigenen Willen, der den Bremern manchmal
gar nicht behagt. Das äußert sich dann zum Beispiel im Kommerziellen. Wollen
die einen der Touristen wegen mehr verkaufsoffene Sonntage, sind die anderen
strikt dagegen. Schaut man sich die Werbung Bremens und Bremerhavens um
Besucher und Gäste an, dann ziehen schon beide am gleichen Strang, will
sagen, man pflegt das gleiche Erscheinungsbild.
Nur an einem wird die Rivalität zwischen Mutter und Tochter deutlich. Bremen
wirbt um Gäste mit dem schönen Slogan „Bremen erleben.”
Der bringt Leute in die Stadt.
Die Bremerhavener halten sich an das Gemeinsame. Auch in der Seestadt kann
man etwas erleben, wie in Bremen.
Aber subtil haben die Werber in Bremerhaven den Bremern eins ausgewischt.
Denn sie werben um Besucher und Gäste mit dem Slogan: „Bremerhaven – Meer
erleben.”
►►►Tja,
Hein Mück wollte im „Boardinghouse”,
einem Hotel in Bremerhaven, für die nächste
Sail die im August 2010
stattfindet, ein Apartment mieten, von dem aus er die Großsegler beobachten,
fotografieren und über sie auf diesen Seiten berichten wollte. Fast ein Jahr
vor dem großen Ereignis schickte er eine e-mail ans „Boardinghouse”.
Und bekam keine Antwort.
Etwa vier Wochen später rief er an und erfuhr, dass die offizielle
Buchung erst schlag 8 Uhr am 1. Oktober 2009 beginnt. Da man aber verstehe,
dass eine Redaktion |
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länger planen muss,
werde man ihm kurzfristig etwas reservieren. Nach dieser Zusage herrschte
Schweigen.
Hein Mück fasste mit e-mail
nach und erfuhr verblüfft etwa drei Wochen vor dem offiziellen
Buchungsbeginn, dass kein Zimmer mehr frei sei. Er bat einen Bremerhavener
Freund, bei den „Boardinghouse”-Leuten
nachzufassen. Dem sagte man, es handle sich bei der Antwort an Hein Mück um
einen Fehler, auch Hein Mück könne und dürfe erst am 1. Oktober ab 8 Uhr
morgens ein Apartment reservieren.
Da man ja nun nicht weiß, wie lange ein e-mail unterwegs ist, schickte Hein
Mück seine Reservierung bereits um 7.58 Uhr, also zwei Minuten vor dem
offiziellen Buchungsbeginn, ab und wartete auf die erbetene Bestätigung. Die
kam und kam nicht, also fasste er noch mal nach. Und erfuhr, dass er nicht
berücksichtigt werden konnte, weil seine Buchung schon zwei Minuten vor der
Zeit in Bremerhaven eingegangen sei, also schneller als normalerweise
üblich. Das schien kaum nachvollziehbar, doch flugs bat er darum, wenigstens
jetzt berücksichtigt zu werden. Lakonische Antwort: Jetzt sei schon alles
ausgebucht. So viel Pech kann eigentlich kein Zufall sein. Hein Mück
empfiehlt nun all seinen Freunden, solchen Ärger zu vermeiden und statt in
Bremerhaven lieber in Bremen zu übernachten. Die Zugverbindungen sind
bequem, die Verbindung zum Hafen günstig. Die Autobahn ist gepflegt und kurz
und derlei Gedöns wie in Bremerhaven hat Hein Mück bei Bremer Hotels noch
nicht erlebt.
Und dann erzählt er sein Erlebnis einem Freund, der gerade in Bremerhaven
war. Der hat was ganz Anderes erfahren und kann nur Lobenswertes berichten.
Da gibt es zwei Hotels, das
Hotel
Adena und das
Aramis, die zwar nicht am Wasser liegen
aber sonst ausgezeichnet und rundum zu empfehlen seien. Prima, freut sich
Hein Mück und denkt im Stillen, es muss wohl doch heißen: „Bremerhaven –
mehr erleben.”
►►►Tja,
neulich hat Hein Mück aus Sylt eine Ansichtskarte verschickt. Sie zeigte die
wolkenlose westholsteinische Küste in einer Satellitenaufnahme aus 750
Kilometer Höhe, die Südküste von Romö am oberen Rand, St. Peter-Ording am
unteren. Dazwischen Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm, Sandbänke und Halligen.
Sein Kopje Tee schlürfend dachte Hein Mück mit dieser Karte in der Hand über
eine Reise in die Niederlande nach, dem Land der Deiche und Eindeichungen.
Die Holländer hätten sich ihr Land selber geschaffen, hörte er damals. Warum
machen’s
die Deutschen ihnen nicht nach? Auf der Postkarte sah es so einfach aus, mit
ein paar kurzen Deichlinien zwischen den Inseln könnte man dem Blanken Hans
viel Land abgewinnen. Was das kosten mag? Hein Mück wagt keine Schätzung.
Aber was macht man mit dem Land? Wir haben zu viel davon. Große Landstriche
werden bei uns wohl nur noch beackert, damit sie nicht verwildern. Neues
Land, das dem Meer abgerungen werden muss und erst nach vielen Jahren
Früchte trägt, braucht bei uns kein Mensch mehr. Der Schimmelreiter, der in
Theodor Storms Novelle noch einen ganzen Koog Neuland gewinnen wollte, kann
sein Pferd heute im Stall lassen.
►►►Tja,
Warnung an alle Südländer: Friesland ist nicht gleich Friesland. Wer
Ostfriesland bereist, wird allerorten wunderbaren Tee genießen können. Im
Kännchen – zumeist ohne Beutel oder Säckchen – zubereitet, mit Sahne von 30
Prozent Fett und Kluntjes, Kandiszucker, serviert ist ostfriesischer Tee für
Hein Mück und ein paar zehntausend andere Liebhaber ein Hochgenuss. –
Als er Westholstein besuchte, in dem ein Autokennzeichen NF für
Nordfriesland steht, erlebte er eine Überraschung. Tee im Beutel, Zucker zum
Rieseln, Milch statt Sahne – Hein Mück leerte in Nordfriesland seine Tasse
Tee nur widerwillig. Der Nordfriese hat einen anderen Geschmack als der
Ostfriese. Traurig wollte Hein Mück von dannen ziehen, als ein Freund ihm
einen Pharisäer anbot, den Hein in Ostfriesland noch nie kosten konnte. Es
handelte sich um eine Tasse bärenstarken Kaffee, kräftig mit Rum gewürzt
unter einer dicken Schicht Schlagsahne verborgen. Ein Hochgenuss! Ob man
allerdings pro Tag davon elf Tassen schafft wie bei ostfriesischem Tee
empfohlen, bezweifelt Hein Mück. Denn das wären zwölf Gläser Rum! |