Stippvisite

AUSGABE 6/2009


Die Oceania-Flotte umfasst neben der REGATTA noch die baugleichen Schwestern INSIGNIA und NAUTICA.

 
 

Fred Friedrich

Kreuzfahrt im Landhaus-Style

„Sieht aus wie die DELPHIN RENAISSANCE, den teilweise von weit angereisten Schaulustigen an Warnemündes Kreuzfahrtkai kann man so schnell nichts vormachen. Richtig: Die soeben angelegte REGATTA gehört zur selben Bauklasse. Damit enden allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten.

Als schwimmende Country-Clubs vermarktet die US-Reederei Oceania Cruises ihre drei Kreuzfahrtschiffe. Und tatsächlich: Schmiedeeiserne Treppengeländer, dunkle Holztöne, offene (wenn auch elektrisch betriebene) Kamine, schwere Vorhänge im Laura Ashley-Stil, wuchtige Ledersessel, florale Teppichböden – so stellt man sich ein englisches Landhaus vor. Wenn es dann um 16 Uhr heißt „It’s teatime scheint  die Illusion perfekt: zu dezenten Harfen- und Geigenklängen servieren dienstbare Geister in weißen Handschuhen von einer mehrstöckigen Etagere Sandwiches, Scones mit clotted cream, und Petit Fours. Dazu bestellt man nicht etwa einfach eine Tasse Tee, sondern wählt „seine Sorte aus einer dargereichten Holzschatulle. Fans von Rosamunde Pilcher sind begeistert.

In den vier (eigentlich sogar sechs) Restaurants dagegen herrscht französisch angehauchte Haute Cuisine vor, gemischt mit mediterranen Einflüssen. Kein Wunder, war der Executive Culinary Director Jacques Pépin doch Chefkoch gleich dreier gallischer Präsidenten – Charles de Gaulle eingeschlossen. Seine Kreationen können mittags wie abends im Grand Dining Room oder an den Büffets des Terrace Café genossen werden. Letzteres verwandelt sich abends zum Candle-Light-Outdoor Tapas on the Terrace. „Büffet ist bei Oceania übrigens nicht gleichzusetzen mit „Selbstbedienung. Der Gast wählt aus und das allgegenwärtige Servicepersonal legt vor oder schenkt ein. Immer mit einem Lächeln im Gesicht und zu einem kleinen Schwatz bereit. Dabei erfährt man, welchen logistischen Aufwand es bedarf, um die Berge frischer Heidel-, Erd-, Him- und Brombeeren zum Frühstück auf den Tisch zu bringen: Die auf vier bis sechs Grad heruntergekühlten Früchte werden täglich hand- verlesen. Schließlich esse auch das Auge mit. Je nach gebuchter Kabinenkategorie* hat man mindestens einmal pro Reise Zugang zum Polo Grill bzw. zum Toscana.


* Sämtliche Suitenbewohner kommen in den Genuss des Butler-Service und sind an der goldenen Bordkarte zu erkennen. In den Balkonkabinen auf Deck 7 residierende Passagiere weisen sich mit einer silbernen Bordkarte aus. Allen anderen Unterkünfte – ob innen oder außen – gemeinsam ist die Bordkartenfarbe weiß. Anders als die meisten internationalen Reedereien addiert Oceania 18 Prozent Trinkgeld auf jede Getränkerechnung. Und 12,50 US$ pro Person und Tag auf das Kabinenkonto (Gold- und Silber-Kategorie = 16,50).


Was bei anderen Reedereien locker mit 20 bis 35 US$ Covercharge zu Buche schlägt, ist hier inklusive: Leckeres Surf & Turf oder butterweiche Steaks vom Black Angus Rind. Über dreißig Antipasti, Zuppas, Pastas, Risottos, Salate und Hauptgerichte enthält die Speisekarte des italienischen Spezialitätenrestaurants, die acht verschiedenen Sorten im Brotkorb sowie die dazu gereichten vierzehn verschiedenen Öl- und Balsamicosorten nicht mitgerechnet.

Die Qual der Wahl aus der separaten Dessertkarte erleichtert ein Mix aller darauf enthaltenen Köstlichkeiten. Das Waves bietet untertags typisch Amerikanisches und – ungewöhnlich für ein Kreuzfahrtschiff – delikate Milchshakes oder frisch zubereitete Smoothies an. Beides übrigens – wie auch ganztags Espresso und Cappuccino – complementary.

Zum Landhausstil passen die Holzmöbel auf dem Pooldeck samt ihrer dicken Polster. Das Oceania-Logo ist allgegenwärtig – entweder eingestickt in die Frottee-Auflage oder eingewebt in die in Überzahl vorhandenen flauschigen Badetücher.

Ein ganz besonderes Refugium stellen die acht Cabanas auf Deck 11 dar: Hier kann man ganz privat einen Tag auf See genießen und sich dabei rundum verwöhnen lassen: Um 10 Uhr wird ein Obstkorb serviert, gegen Mittag ein leichter Lunch vom Waves Barbecue Grill, um 16 Uhr dann die ganz persönliche Teatime und mittendrin immer wieder eisgekühlte Tücher. Stets abgeschirmt von den Blicken dritter – eine Art Zelt macht‘s möglich. Das hat allerdings auch seinen Preis: Für eine zweiwöchige Reise sind 750 US$ zu berappen, für das sechstägige Package 330 und für einen Einzeltag auf See stolze 150. Etwas günstiger die Nutzung des Thalassotherapy-Pools (nicht zu verwechseln mit dem regulären Pool bzw. den Jacuzzis): 25 US$ pro Tag oder 175 für eine 14-tägige Kreuzfahrt. Immerhin gibt’s in beiden Fällen einen Rabatt auf Treatments im Spa. Aber nur an Hafentagen!

Oceania will seinen Gästen ein besonders intensives Kennenlernen von Land und Leuten ermöglichen. Drei volle Tage verbringt die REGATTA in St. Petersburg, zwei in Bordeaux oder in Rouen, die NAUTICA hat in ihrem Asienprogramm drei Tage für Dubai eingeplant, je zwei für Mumbai, Bali, Saigon, Hanoi, Hongkong und Shanghai. Für Südamerika stehen mehrtägige Aufenthalte in Rio de Janeiro und Buenos Aires im Fahrplan der INSIGNIA.

Alle drei sind ganz und gar auf englischsprachige Gäste ausgerichtet. Es gibt weder ein deutsches Tagesprogramm noch entsprechende Speisekarten. Trotzdem ein sehr empfehlenswertes Produkt. Hierzulande buchbar über Cruise Group.

www.cruise-group.com

Ganz im Stil eines englischen Country Clubs: Das Foyer ...

... die Bibliothek und ...


... die Bar.

Ob im „Grand Dining ...

... Pologrill oder ...


... im Büffetrestaurant – Speisen auf hohem Niveau.

In den Kabinen dominieren die ...

 

... Farben braun, gold und blau ...

… wie auch in der vielseitig nutzbaren Lounge.


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