A-ROSA STELLA im abendlichen Avignon




Christian Eckardt




Raus aus dem regnerischen Norddeutschland und ab in Richtung Mittelmeer, auf eine Flussschiffsreise. Mit dieser Aussage verursachte ich nur Kopfschütteln im Be-kanntenkreis, wollte doch keiner eine Flusskreuzfahrt auf der Rhône mit dem Mittel-meer in Verbindung bringen. Und doch hat beides sehr viel miteinander zu tun, wie ich nach der Rückkehr von der neuen A-ROSA Reise „Mediterranée feststellen konnte.

 

Auftakt in Lyon

Die 812 Kilometer lange Rhône entspringt in der Schweiz am Rhônegletscher im Kanton Wallis. Die Mündung in das Mittelmeer in der Nähe von Arles liegt in einem riesigen Delta, der Camargue. Die A-ROSA STELLA verkehrt auf der siebentägigen „Route Méditerranée als einziger deutscher Anbieter von Lyon bis zur Flussmündung bei Port St. Louis und vermittelt damit das einzigartige französische Savoir-Vivre mit dem Mittelmeer-Flair. Außerdem liegt bei Lyon, dort, wo die Rhône und die Saône zusammenfließen, eine der schönsten Regionen Frankreichs, das Département Rhône-Alpes.

Die A-ROSA STELLA dreht einmal um die eigene Achse im mächtigen Rhône-Strom in Richtung Süden. An diesem Nachmittag nimmt sie Kurs auf das Mittelmeer. Das Burgund und Chalon-sur-Saône liegen hinter ihr. Das freundliche, deutschsprachige Serviceteam der A-ROSA STELLA hat die neuen Gäste bereits Willkommen geheißen, und traditionell erhielten die Damen beim Betreten des Schiffes eine rote Rose.

 

Die erste Schleuse

Insgesamt 12 Schleusen werden auf der 300 Kilometer langen Fahrt von Lyon bis zur Mündung in das Mittelmeer passiert, um den Höhenunterschied von 230 Meter aus-zugleichen. Die imposanteste ist die Schleuse von Bollén mit einer Hubhöhe von 23 Metern, die größte Schleuse Frankreichs. Schon wenige Minuten nach dem Ablegen wird die Fahrt im goldenen Abendlicht unterbrochen, steuert der französische Kapitän mit viel Feingefühl die erste Schleuse in Pierre-Bénite an. Bei der Einfahrt sieht man zunächst nichts Spektakuläres, nur eine Kajenwand zu beiden Seiten des Schiffes. Doch schon kurz nach dem automatischen Schließen der Schleusentore und dem Öffnen des Ablassventils geht es mit dem Schiff in rasanter Fahrt abwärts, immerhin rund 12 Meter. Zu beiden Seiten zeigen sich dunkle, mit Algen und Muscheln besetzte Betonwände, aus denen das Flusswasser auf den Boden des Schiffes tropft. Auto-matisch weicht man einen Schritt von der Reling zurück.

 

Beschauliche Nacht

Zeit für das Abendessen. An Bord der A-ROSA STELLA wird am Buffet im Marktrestau-rant zweimal täglich ein erstklassiges Gourmetangebot von saisonalen und regiona-len Spezialitäten gereicht. Beim Front-Cooking kann man dem Koch ganz genau auf die Finger schauen. Es gibt weder eine feste Tisch- noch eine Sitzordnung, bei schönem Wetter und an den lauen Sommerabenden nimmt man Platz an den schön eingedeckten Tischen auf dem Sonnendeck.

An diesem Abend und in der Nacht stoppt der Kapitän noch mehrfach das Schiff ab. Gerade im Oberlauf der Rhône ist der Fluss noch sehr naturbelassen, wobei nur ein geringer Schiffsverkehr beobachtet werden kann. Am nächsten Morgen auf dem Weg zum ersten Halt nach Avignon geht die Fahrt vorbei an alten Landhäusern, an hübschen mittelalterlichen Städten und Weinbergen, wo vorzügliche Côte-du-Rhône und Côte-du-Vivarais-Weine angebaut werden. Oftmals wünscht man sich einen kleinen Halt am Ufer, um die nähere Umgebung einmal in Augenschein zu nehmen oder in einem kleinen Straßencafé einen Café au lait zu nehmen.

Unzählige Straßen- und Eisenbahnbrücken werden an diesem Vormittag unterquert. Wer an Deck frühstückt, muss seine Mahlzeit unterbrechen, denn die Brücken sind zum Teil sehr niedrig. Auch die mittschiffs liegende Schiffsbrücke muss dafür hydraulisch abgesenkt werden. Damit der Kapitän dann überhaupt noch arbeiten kann, wird eine Dachluke in der versenkten Brücke geöffnet. Kopf einziehen! Nach dem Gefühl passt nicht einmal mehr eine Handbreit zwischen Schiffsoberdeck und die zu passierende Straßenbrücke.

 

Sous le pont d’Avignon

Erste Station ist dann am Mittag Avignon, die mittelalterliche Papst-Metropole. Das Schiff bleibt hier über Nacht am Anleger an dem Boulevard de l´Oulle in unmittelbarer Nähe zur Altstadt liegen. Zum Pflichtprogramm gehört hier auf jeden Fall ein Besuch des Papstpalastes aus dem 14. Jahrhundert und der Brückenruine „Pont Bénézet, die durch das auch international bekannte Volkslied „Sur le Pont d´Avignon welt-berühmt ist. Die Altstadt von Avignon wird von einer mächtigen Stadtmauer umgeben. Dort und auch außerhalb dieser Mauern pulsiert das Leben. Alle Wege und Gassen in der Altstadt entlang der vielen Stadtpaläste führen automatisch zum berühmten gotischen Papstpalast, der für rund 100 Jahre als befestigter Sitz des päpstlichen Hofes errichtet wurde. Im Inneren erwartet den Besucher auf einem rund 3-stündigen geführten Rundgang ein eher nüchternes Bauwerk.

An diesem Abend lädt der Küchenchef beim Sonnenuntergang zum Grillen auf das Sonnendeck ein. Dabei fällt der Blick bei einem Glas Bordeaux auf den schon beleuchteten Papstpalast, ein fantastischer Logenplatz.

Anschließend steht in der Lounge Bar noch ein französischer Chanson-Abend auf dem Programm: Joelle & Jean Pierre aus Avignon singen, spielen und verkörpern die leibhaftigen Serge Gainsbourg oder Edith Piaf. Im Anschluss bleibt noch Zeit für einen kleinen Fußmarsch in die Altstadt. Dort erhält man einen Eindruck von dem abendlichen Flair der südfranzösischen Kunstmetropole. An vielen Ecken geben Straßenmusikanten folkloristische Lieder zum Besten. Zeit für einen Pastis, den bekannten französischen Anis-Schnaps.

 

Fahrt über Land

Die Entscheidung fällt nicht leicht. Fahrt nach Aix-en-Provence, entlang der Land-schaft des impressionistischen Malers Paul Cézanne, oder Besichtigung des „Pont du Gard? Das perfekt erhaltene dreigeschossige römische Aquädukt, 275 Meter lang, gehört eigentlich zum Pflichtprogramm. Vor über 2000 Jahren erbaut, versorgte es die Stadt Nîmes mit über 20.000 Kubikmetern Wasser täglich. Obgleich auf der Fahrt einige Lavendelfelder vorbeiziehen, wird der Irrglaube, die Provence bestehe aus nichts anderem, schnell korrigiert.

Während die Passagiere in die römische Geschichte abtauchen, hat die A-ROSA STELLA nach Arles verholt. Dort, an der Nordgrenze zur Camargue, soll es am Nach-mittag per Rad oder Jeep auf Safari gehen. Die Provence gilt mit rund 300 Sonnen-tagen pro Jahr als ewig heiße Region, doch gerade an diesem Tag zieht sich der Himmel über uns zusammen. Schade. Unser Fahrer Louis, ein Farmer aus der Region, sieht das aber anders: „Die Camargue bei Regen ist ein Geschenk für die Augen. Durch den einsetzenden Regen bleiben uns an diesem Tag unzählige Mückenstiche erspart. Die Camargue ist eine der letzten europäischen Küstenab-schnitte am Mittelmeer, die nicht durch Hotelburgen zugebaut ist.

 

Tiere der Camargue

Die Fahrt geht vorbei an Reisfeldern und Obstgärten, und dann an Weiden mit Herden von schwarzen Kampfstieren. Diese kommen im Alter von drei Jahren in den Stierkampfarenen bei den Corridas im blutigen Kampf zum Einsatz. Die Tour wird im-mer beschwerlicher um den Etang de Vaccarés, ein 6880 Hektar großes Seengebiet, Rastplatz von tausenden rosafarbenen Flamingos. Erst beim zweiten, näheren Anblick erkennt man, dass es sich um die einzigartigen Wasservögel handelt, die wie Stelzen im Wasser stehen. Als besonderen Höhepunkt des Ausflugs können wir dann eine Gruppe von dunkelhaarigen Guardians, den französischen Cowboys in ihrer landestypischen Tracht, beobachten, die eine Herde der bekannten weißen Camargue-Wildpferde durch spritzendes Wasser treibt. Neben den schwarzen Kampfstieren sind die Pferde das Sinnbild der Camargue. Heute werden die hand-zahmen Tiere, von den Einwohnern auch „Pferde des Meeres genannt, für touristi-sche Zwecke genutzt.

Nach einer holprigen Rückkehr ist die anschließende Massage von Anna aus Linz, die es versteht, die verspannten Muskeln wieder zu aktivieren, ein Wohlgenuss. Die mit „vier Sternen plus eingestuften A-ROSA-Flussreisenschiffe verfügen über den größten Spa-Bereich aller in Dienst befindlichen Flussschiffe. Schoko- oder Lotus-blütenmassage gehören genauso dazu wie Fußreflexzonenmassage oder eine mehrstündige Wellness-Nacht mit geführten Sauna-Gängen und Massagen bei Ker-zenschein. Allein der Ausblick durch die Panoramascheiben der Sauna in Wasser-spiegelhöhe auf die vorbeiziehende Landschaft entlang des Flusses ist einzigartig.

 

Marseille, Metropole am Mittelmeer

Port St. Louis ist noch ein recht junger Ort mit einem wehrhaften Leuchtturm, der frü-her den Schiffen auf der Rhône, die das Salz der Salinen von Giraud abtransportier-ten, den Weg zeigte. Von dem Anleger in Port St. Louis sind es nur noch wenige Kilo-meter zum Mittelmeer, wo man am weißen Sandstrand Gelegenheit zum Baden hat. Von Port St. Louis geht es per Ausflug nach Marseille. Die einst verrufene multikul-turelle Stadt, umgeben von Bergen in einer Bucht, bietet vielerlei Reize. Neben einem Stadtrundgang durch das geschäftige provencalische Markttreiben ist der Besuch der Basilika Notre-Dame de la Garde, gebaut auf einem 162 Meter hohen Kalkfelsen, ein Muss. Vorbei an Industrie- und Hafenanlagen ist die erste Station der Alte Hafen, „Vieux Port. An der Pier verkaufen jeden Morgen die Fischer ihren fangfrischen Fisch sowie Krebs- und Schalentiere, die später auch in der kulinarischen Delikatesse der Stadt, der Bouillabaisse, Verwendung finden werden. Diese aus Marseille stammen-de Suppe wurde früher aus den Fischresten des Markttages und anderen Meeres-tieren zubereitet. Inzwischen findet man auf fast jeder Speisekarte der Stadt dieses Nationalgericht, das heute meist aus frischen Fischen zubereitet wird. Der kulinari-sche Höhepunkt an diesem Abend ist die so genannte Weinwirtschaft. Schaumsüpp-chen von Frühlingszwiebeln mit Räucherlachs, rosa gebratener Kalbsrücken mit grünem Spargel, und dazu edle Weine des Reisegebietes.

 

Kussmaul meets Mittelmeer

Abstecher an die Côte d´Azur mit den pulsierenden Städten Nizza, Cannes und Mona-co – das ist der Höhepunkt der Reise. Die roten Lippen des Flussdampfers schmecken das Salzwasser des Mittelmeeres. Highlights auf nur zwei Quadratkilo-metern, das ist das Fürstentum Monaco: Wachwechsel der bunt uniformierten Solda-ten vor dem Grimaldi-Palast, der Botanische Garten mit der pinkfarbenen Rose „Prin-cesse Grace, der Besuch des Spielkasinos von Monte Carlo und eine Sonderaus-stellung mit den modernsten und komfortabelsten Megayachten der Welt. An diesem Tag liegen im Yachthafen Investitionen in Millionenhöhe, ausgerüstet zum Teil mit bordeigenen Hubschraubern oder U-Booten. Yachten, die auch als Kulisse für den nächsten James-Bond Film dienen könnten. Die Eigner fahren stillvoll im roten italie-nischen Sportwagen vor. Genau so hat man sich das mondäne Leben in diesem Mini-Staat mit Glamour und Publicity vorgestellt.

Nizza, die Perle der Riviera. Das alte Nizza, wo Könige, Zaren, Dichter und Künstler Urlaub machten, lässt mit schmiedeeisernen Balkonen und Fensterläden die Nähe zu Italien ahnen. Olivenöl, Lavendel-Duftkissen oder das Fleur de Sel, das beste Meersalz überhaupt, werden als Souvenirs eingekauft. Neben dem Shopping bleibt aber noch genügend Zeit für ein Besuch des felsigen Strandes und ein Bad im türkis-blauen Wasser, das dieser Küstenregion den Namen gab: „Côte d´Azur. Im 19. Jahr-hundert war Nizza ein beliebtes Winterquartier für Engländer. Noch heute zeugen die großen Hotels und Gärten von diesem Umstand.

Im Hotel Negresco ist die Zeit stehen geblieben. Käme der russische Zar zur Tür he-rein oder Gustave Eiffel, sie würden sich gleich wieder wohlfühlen zwischen kühlem Marmor, schweren Teppichen, tiefen Sesseln und den Klunkern der tonnenschweren Lüster. Formvollendete Höflichkeit, passend zur „Hardware. Wenn der Portier einem scheinbar unsichtbaren Gast die Tür aufhält, dann war’s die Hauskatze. Wenigstens auf einen Kaffee oder einen Aperitif steigt man hier ab. Das Türkis der Côte schim-mert matt durch die Scheiben, der Straßenlärm dringt nur gedämpft herein. Zeit zu gehen. Adieu, Côte d’Azur, unser Rückweg über die Rhône ruft, und das Schiff wartet nicht – auch nicht, wenn man das Gefühl hat, man habe noch ein Jahrhundert Zeit.

 

Infos A-ROSA Flussschiffe

Seit drei Jahren verkehrt die A-ROSA Flussschiff GmbH, eine Tochter der Arkona AG aus Rostock, mit zwei Schiffen auf der Rhône und stellt damit die modernste Fluss-schiffsflotte in Frankreich. Im letzten Jahr verkehrten über 8000 deutsche Passagiere auf den beiden Flussschiffen A-ROSA LUNA und A-ROSA STELLA. Aufgrund der Schleusengröße von nur 12 Metern Breite auf der Rhône mussten die beiden auf der Neptun Werft in Rostock-Warnemünde erbauten Schiffe speziell für dieses Zielgebiet angepasst werden. So sind die im Jahr 2005 abgelieferten Schwesterschiffe im Ver-gleich zu den vier A-ROSA Donauschiffen um drei Meter schmaler. Die verminderte Größe hat aber keinen Einfluss auf die gute Qualität im Vergleich zu den Donau-Schwestern.

In den geräumigen, rund 15 Quadratmeter großen, vollklimatisierten 86 Doppel-Außenkabinen mit Dusche und WC der A-ROSA STELLA, davon allein 57 mit französi-schem Balkon, finden maximal 174 Passagiere Platz. Bis zu 45 Crewmitglieder vom Barkeeper bis zur Kabinenstewardess kümmern sich an Bord um das Wohl der Pas-sagiere. Die deutschsprachige Crew stammt vorwiegend aus Deutschland, Öster-reich und Ungarn, die Schiffsführung ist französisch.

In diesem Jahr beträgt der Reisepreis für eine achttägige Reise auf der Rhône bzw. Saône ab 999 Euro inklusiv Fluganreise mit Lufthansa nach Lyon. Im Reisepreis ist die Vollpension an Bord mit alkoholfreien Tischgetränken, die Nutzung des Spa-Bereichs, Abendunterhaltung und Trinkgeld eingeschlossen.

Anna aus Linz im Spa-Bereich: Schokomassage gefällig?

 

Das Markrestaurant der
A-ROSA STELLA.


Bar und Lounge der A-ROSA STELLA.


Die Aquäduktbrücke Pont du Gard” im südfranzösischen Département Gard.


Weiße Wildpferde der Camargue.


Flamingos im Etang de Vaccarés-Seengebiet.


Sonderausstellung mit den modernsten und komfortabelsten Megayachten der Welt. Die Eigner der Yachten fahren stillvoll im roten italienischen Sportwagen vor.
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Besuch am felsigen Strand von Nizza und ein Bad im türkis-blauen Wasser der Côte d´Azur ...
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Hoteldirektor Gerald Hauswirth aus Wien

 

Kurzportrait Hoteldirektor

Der Österreicher Gerald Hauswirth ist seit zwei Jahren als Hoteldirektor an Bord der A-ROSA STELLA. Der 39-jährige hat schon langjährige Erfahrungen auf den größten Hochseekreuzfahrtschiffen der Welt machen können: Seabourn Cruise Line, Cunards QUEEN MARY 2 oder zuletzt auf der NORWEGIAN SUN der Norwegian Cruise Line sind nur ein paar Stationen in seiner beruflichen Laufbahn. Auf den Flusskreuzfahrtschif-fen wollte er sich neuen Herausforderungen stellen, denn der große Unterschied zwischen den großen Cruiselinern mit bis zu 3000 Passagieren ist auf den Flüssen die für ihn wichtige direkte Nähe zu den Gästen. „Sicherlich habe ich hier mehr Arbeit als auf einem großen Kreuzfahrtschiff, wo ich die Aufgaben nur weiter delegieren musste. Doch hier kann man die anstehenden Probleme sofort direkt umsetzten. Und aufgrund der Schiffsgröße hast du jederzeit den persönlichen Kontakt zu den maximal 174 Gästen, beschreibt Hauswirth im schönsten wienerischen Dialekt den für ihn wesentlichen Unterschied zu den großen Cruiselinern.




Pont d´Avignon und Papstpalast bei Nacht