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„Bon Bini na Bonaire! Herzlich Willkommen auf Bonaire!” |
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Ivo Menzel |
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Incredible! Unglaublich! Zwei Tage hatte es gedauert, bis der Amtsschimmel in Puer-to Cabello begriffen hatte, dass ich zwar auf dem Luftweg in Venezuela eingereist bin, das Land aber nun auf dem Seeweg verlassen möchte. Und zwar in Richtung der niederländischen Karibikinsel Bonaire. Geduld und eine Handvoll Dollar lösten schließlich das Problem. Ich bekam meinen Ausreisestempel und durfte los. Regenschwer kleben die Wolken an den Gipfeln der dschungelverwucherten Rancho-Grande-Küstenberge. Kein Lüftchen bewegt sich, kein Sonnenstrahl tanzt über das spiegelglatte Meer. Einzig unser Schiffsdiesel wirbelt ein paar Wellen auf. Gemächlich schiebt er die BAVARIA 49 an bunt bemalten Fischerkähnen vorbei aus dem Hafen auf den Golfo Triste zu. „Trauriger Golf”, übersetzt Rogier am Ruder. „Neptun weiß, warum ihm Columbus diesen Namen gegeben hat”. – „Vielleicht war das Wetter damals genauso mies wie heute?” 20
Seemeilen hinter der Kolonialarchitektur des Paseo Malecón kommt Wind auf. Wir
setzen Segel. Das Boot gewinnt Fahrt, Fock und Genua schieben uns mit rund
sieben Knoten übers Wasser. Den Kurs hält der Autopilot. Surrend und schnurrend,
ein williger Sklave des Kreiselkompasses, hält er auf die offene Karibik zu. Mit
den letzten Sonnenstrahlen tauchen die Lichter des Fischerstädtchens
Chichiriviche auf. Hand in Hand mit einem Geschwader pinkfarbener Flamingos
verabschiedet sich Venezuela von uns.
Anderntags morgens um 9 Uhr: Kaum 100 Seemeilen von Puerto Cabello entfernt,
öffnet sich die Tür zu einer anderen Welt. Keiner hier im Bonaire
Immigration-Office ist an meinen Papieren oder gar an einem Stempel
interessiert. Einzig den Namen des Schiffs will der Officer wissen. Flugs trägt
er ihn in die Hafenliste ein.
„Bon
Bini na Bonaire!
Herzlich Willkommen auf Bonaire!”
Mit diesem Sprachgemisch aus Spa-nisch, Englisch, Holländisch, Französisch und
Portugiesisch – amtlich Papiamento
genannt – entlässt er mich in den
südlichsten Zipfel der holländischen Ultraperiphe-rie. Aruba,
Bonaire & Curaçao; die ABCs: 1499 entdeckten die Spanier das Insel-Trio und
rätselten, was sie mit den wasserarmen Karibiksprossen machen sollten. Außer als
Basis für ihre Raubzüge durch die Neue Welt und die Verschleppung der Indianer
in die Goldminen auf Santo Domingo kam ihnen nichts in den Sinn. 1550 notierte
die Chronik die Besiedelung von Bonaire. Zu dem Ur-Dorf Rincon, zwischen Hügeln
und Kakteen geklemmt, gesellte sich eine Mini-Festung unten am Meer. Mit gerade
vier Mini-Kanönchen bestückt, war sie mehr Schein als
– militärisches – Sein. Kreuzte
ein feindliches Schiff auf, verkrümelte sich die Mannschaft und Bonaire hatte
einen neuen Besitzer. Dem freilich erging es kaum anders. Der bunte
Eigner-Reigen nahm seinen Lauf – bis sich
Holland die ABCs endgültig einverleibte. Zu welch nützlichen Inseln wurden die nach Columbus Islas Inutil, unnützen Eilande. Bonaires Brasilholz, massenweise abgeholzt, färbte Stoffe und Uniformen. Seine Aloevera-Pflanzen zu Salben verarbeitet, schützten vor Wund- und Sonnenbrand. Und erst sein Salz! Um es abzubauen, karrte das Windmühlen-Land ganze Schiffsladun-gen schwarzafrikanischer Sklaven nach Rincon. Montag für Montag wurden sie herun-ter in die Salinas getrieben, schufteten täglich 12 Stunden und schliefen in hundehüt-tengroßen Steinhäusern – die jetzt, frisch gestrichen, fotogenes Aushängeschild der Insel sind.
„Bonaire”, doziert Rogier auf unser
Erkundungs-Tour,
„heißt indianisch flaches Land.” Auf dem 120 Meter hohen Sero-Largo-Insel-Everest
präsentiert er mir die Topogra-phie des 280 Quadratkilometer großen Eilands.
„Im Norden”, sagt er,
„liegt der Was-hington Nationalpark. Ein
grandioses Wild-West-Arrangement, nur Steine, Leguane und massenweise Kakteen.
Die übrigens hervorragend schmecken!” Bevor ich die Augen verdrehe, lacht er
und erklärt, dass die kratzbürstigen Dinger natürlich entstachelt und gehäutet
werden, bevor man sie zur Nationalsuppe Sopi Kadushi verkocht. Nächstes Objekt der Betrachtung ist der offene Atlantik. „Dort”, zeigt er gen Osten, „sind karibische Träume nur Schäume. Nichts als wilde Buchten und haushohe Brecher. Dazu ein paar Ziegen, mysteriöse Indianerzeichnungen und riesige, von Zyklopenhand dahingewürfelte Felsklötze.” Der Westen präsentiert sich gefälliger. Direkt vor unserer Nase duselt Kralendijk als pastellfarbenes Holland-Dorf gemütlich vor sich hin. Rund um die 8000-Einwohner-Capitale sprießen schicke Marinas und kleine, aber feine Ferienresorts aus dem Boden. „Die Insel”, so Rogier mit stolzer Brust, „ist nichts für Schicki-Micki-Typen, kein Palmen-Pomp, keine kilometerlangen Traumstrände, aber auch kein kataloges Massenglück. Hier geht`s beschaulich zu. Die Sonne scheint, die Temperatur liegt konstant bei 30º, alle sind gut gelaunt. Sozialprobleme und Tropenkrankheiten kennt man auf Bonaire nicht.” Ein Hort der guten Laune ist Chai im Süden. Auf den ersten Blick nur ein schattiges Plätzchen am Meer, trifft sich das polyglotte Eilandvölkchen hier zum kollektiven Froh-sinn. Ob Alt oder Jung, ob Schwarz oder Weiß, sonntags wird gegrillt, erzählt, getrat-scht, getrunken und zum Rhythmus der Steelbands das Tanzbein geschwungen. Und was passiert mit dem Partymüll? Keine Sorge, auf Bonaire redet man nicht über Um-weltschutz, man praktiziert ihn: Keine Cola- noch Bierdose verschandelt den Strand. Kein souvenirsüchtiger Tauchjünger vergreift sich an den Korallen. Und selbst das Hafenbecken, wo sich zur Hochsaison Kreuzfahrtschiffe die Leine in die Hand geben, sieht aus, als hätte es Meister Proper persönlich auf Hochglanz gebracht. Was
Chai für die gute Laune ist, ist Jibe City für das Surferherz. Jack
– ein Unikum, jenseits der 40, diesseits der 60, vom Typ: Eltern würden
ihre Kinder davor warnen, mit windzerfetztem T-Shirt, 5-Tage-Bart
– managt die Strandbar.
„Jiby City”, preist er den Surf-Spot an,
„ist der genialste Fleck der Welt. Alles
von Hand zusammengebaut. Bis auf die Surfbretter. Die sind absolut top!” Als sozusagen kleine Gefälligkeit drückt
er mir ein Speed-Board in die Hand.
„Viel Spaß”, wünscht er mir ... den ich mit meinen
heimischen Baggersee-Fertigkeiten nicht wirklich
habe. Dafür ist der Wind zu stark
...
„Wenn Du Dir die Fische schon von unten
ansehen willst”, kalauert Rogier ange-sichts meiner
Surfkünste,
„dann aber richtig.” Sagt's, packt mich in den Wagen und
kurvt zurück nach Kralendijk. 20 Minuten später geht’s in voller Tauchausrüstung
in die badenwannenwarme See. Kaum perlen die ersten Bläschen aus dem
Lungen-automaten, zieht Neptun alle Register: Ganze Geschwader von Kaiserfischen
drü-cken sich die Nase an unseren Tauchermasken platt. Engelfisch-Chöre
jubelieren. Barsche, die so groß wie Wale sind. Baracudas, Meeresschildkröten,
Trompeten-fische; Taucherherz: Bonaires wahrer Rummel findet im Rausch der Tiefe
statt!
Tipps für Landgänge, Surf- und Tauchurlaube
Anreise Mit KLM täglich von allen großen deutschen Flughäfen über Amsterdam nach Bonaire. Ab etwa 700 Euro – www.klm.de
Unterkunft Captain Don's Habitat, gehobenes Dive-Resort mit Pool, Terrassen-Restaurant über dem Meer, PADDI-Tauchschule und gutem Dive-Equipment., Doppelzimmer ab 149 US-$, PADI Open Water 364 US-$. – www.habitatdiveresort.com Buddy Dive Resort, geschmackvolle Anlage mit Tauchschule. 1 Woche inklusiv PKW und 6 Bootstauchgängen ab 837 US-$ – www.buddydive.com
Tauchen Mit
rund 80 ufernahen Dive-Spots ist Bonaire ein Tauchparadies. Selbst Anfänger
kommen hier voll auf ihre Kosten.
Jibe City Ocean-Kajaks kosten in Jibe City 35 US-$ pro Tag; Surfbretter sind für zwei Sunden für 30 US-$, für einen Tag für 60 US-$ und pro Woche für 300 US-$ zu haben – www.jibecity.com
Segeln Segeltörns auf einem 112-Passagiere-Viermaster rund um die ABC-Inseln bietet Palmis. 6 Tage inklusiv Flug und Vollpension kosten ab 1956 Euro www.palmis.com Telefon 0351-563920
Informationen Bonaire Web-Site http://www.infobonaire.com/index_deutsch.html |
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Beschauliches Bonaire
Vom Wind verdrehter Dividivi-Baum
Flamingos in einer Lagune
Salzgewinnung 0
Ehemalige Sklavenhütten |
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