Großartige Landschaft auf dem Weg nach Petra




Sigrid Schmidt




7. Juli 2007. Petra, Ausflugsziel vieler Kreuzfahrer, die in Aqaba anlegen, wird in einer weltweiten Umfrage zu einem der „Neuen Sieben Weltwunder gewählt. Die Umfrage wurde von der UNESCO nicht anerkannt, weil eine wissenschaftliche Grundlage fehlt. Wohl aber zeigt sie eindrucksvoll, wie viele Menschen von Petra fasziniert sind und welche tiefen Eindrücke die tiefe Felsenschlucht mit ihren Nabatäer-Höhlen bei den Besuchern hinterlässt.

 

Einstiges Leben in der Stadt

In Petra lebten einst die Nabatäer, über die selbst die Besucher der Stadt meist nicht allzu viel wissen. Wer waren sie? Waren sie nicht Thema in der Schule? Hat man gerade gefehlt oder nicht aufgepasst?

Wer Petra kennen gelernt hat, möchte in seiner Faszination mehr wissen, die Hinter-gründe begreifen, die dieses Volk veranlassten, solch unglaubliche Monumente zu schaffen. Vieles bleibt aber im Dunkeln, denn die Nabatäer haben kaum Aufzeichnun-gen hinterlassen. Es ist nicht einmal sicher, wie die Stadt von ihnen selbst genannt wurde. Man glaubt zu wissen, dass der Name übersetzt „die Bunte oder „die Rote bedeutete, entstanden nach den Farben des Gesteins. 

Ein räuberisches Nomadenvolk waren die Nabatäer und stammten aus Zentralasien. Um 600 v. Chr. verdrängten sie die Edomiter, die in der Gegend um Petra lebten, und wurden sesshaft. Petra lag am Kreuzungspunkt mehrer Karawanenwege und war in unsicheren Zeiten ein sicherer Ort, zugänglich nur durch die Felsenschlucht, den Siq, oder über einen beschwerlichen Bergpfad. Die offenbar sehr geschäftstüchtigen Nabatäer machten Petra zu einem attraktiven Rastplatz für die Karawanen. Sie erhoben Wegezölle und handelten mit den Luxusgütern der damaligen Zeit, die durch die Karawanen in die Stadt kamen.

Die Nabatäer wurden wohlhabend. Sie lebten nicht mehr in Zelten, eine richtige Stadt war entstanden. Sie waren Meister auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft. Durch eine überdachte Rinne leiteten sie einen Gebirgsbach durch den Siq in die Stadt, der die Wasserversorgung in der Trockenzeit sicherte. Sie bauten Wasserspeicher und schufen eine Möglichkeit, den Bach abzuleiten, wenn er in der Regenzeit so viel Wasser führte, dass er zur Gefahr für die Stadt werden konnte. Ihre Toten bestatteten sie in Höhlen, die aus dem Fels herausgehauen und teilweise mit prächtigen Fassa-den versehen wurden.

106 n. Chr. wurden die Nabatäer von den Römern besiegt. Allmählich änderten sich die Karawanenwege, und Petra verlor an Bedeutung. Zwei schwere Erdbeben 363 und 551 n. Chr. zerstörten die Stadt. Nur den Felshöhlen mit ihren großartigen Fassa-den konnten sie nichts anhaben. Die meisten Bewohner verließen die Stadt. Petra geriet in Vergessenheit und wurde erst 1812 wieder entdeckt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgen Ausgrabungen. Nach Schätzungen ist bisher erst ein Prozent der Stadtfläche von Petra ausgegraben.

 

Besuch beim 7. Weltwunder

Der Weg nach Petra hinein führt für die Besucher von heute ebenso wie für die Kara-wanen vergangener Tage durch die Felsenschlucht, den Siq. Die Straße war durch-gehend gepflastert, Teile davon sind heute noch vorhanden. Man wandert auf den Spuren der Karawanen, versucht, sich in die geheimnisvolle orientalische Welt vor zweitausend Jahren zu versetzen. Welche Erleichterung müssen die Karawanenrei-senden empfunden haben, wenn Petra endlich erreicht war! Ein Teil der gefährlichen und anstrengenden Reise durch Hitze, Sand- und Steinwüsten war bewältigt: Eine Ruhepause, genügend frisches Wasser für Mensch und Tier, Unterhaltung im Theater winkten. 

Der Weg durch den Siq hat viele Biegungen und Windungen. Erst nach der letzten Kurve stehen die staunenden Touristen plötzlich vor einem Highlight von Petra, der Fassade des Schatzhauses. Der Name stammt von den Beduinen, die in der Amphore der Fassade einen Schatz vermuteten. Wer hinter der prächtigen Fassade einen ebenso spektakulären Raum erwartet, erlebt eine Enttäuschung. Die große Höhle diente wohl als Begräbnisstätte, ihre Wände sind kahler Sandstein. Mit welchen Mitteln und Werkzeugen dieses Monument geschaffen wurde, bleibt wohl ein Rätsel. Wie bei vielen Nomadenvölkern ist nichts darüber für die Nachwelt festgehal-ten worden, wann, wie und von wem Gebäude und Kunstwerke geschaffen wurden.

Vielleicht ist es gerade die Mystik der Unwissenheit, die die Besucher an diesen Ort fesselt. Touristen stehen auf dem Platz vor dem Schatzhaus, fotografieren, steigen die Stufen hinauf und werfen einen Blick in die Höhle. Zu gern wüsste man, welcher Anblick sich den Reisenden der Karawanen geboten hat, was sich zu ihrer Zeit auf diesem Platz abspielte.

Damit ist Petra jedoch noch nicht zu Ende. Der Weg führt weiter zum Amphitheater, das rund 5000 Besuchern Platz bot. Etwas weiter kommen an der Felswand rechts des Weges die Königsgräber in Sicht, links führt der Weg in die eigentliche Stadt. Dort standen die Wohnhäuser und Tempel, die durch die Erdbeben zerstört wurden. Die Ausgrabungen vermitteln durchaus einen Eindruck davon, wie groß die Stadt zu ihrer Blütezeit war: Sie soll damals etwa 30.000 Einwohner gehabt haben.

Petra ist wohl die größte Touristenattraktion Jordaniens. In den Anfangsjahren des Tourismus’ lebten noch Beduinen, Nachfahren der Nabatäer, in den Höhlen. Die ersten Hotels wurden direkt in der Stadt Petra gebaut. Bausünden, die man später erkannte und restlos wieder beseitigte. Inzwischen hat die jordanische Regierung neue Dörfer außerhalb gebaut und die Beduinen umgesiedelt. Aber einige der Familien leben noch in Petra. Sie haben sich in Gegenden zurückgezogen, wo kaum ein Tourist hinkommt. Sie verzichten auf Elektrizität und fließendes Wasser und ziehen ihre Höhlenbehausungen modernem Wohnkomfort vor.

Die anderen verdienen an ihrem früheren Wohnort jetzt ihren Lebensunterhalt. Sie verkaufen Erfrischungen und Souvenirs, vermieten Reitkamele, bieten Fahrten in Pferdekutschen an oder arbeiten als Fremdenführer und Helfer bei archäologischen Ausgrabungen.

Die jordanische Regierung ist bemüht, den Tourismus anzukurbeln. Die Wahl zum Weltwunder ist dabei ein willkommener Motor. Bislang sind die Besucher von Petra noch überwiegend Tagestouristen. Vielleicht trägt der Erfolg bei der Abstimmung da-zu bei, dass Touristen sich zunehmend einige Tage Zeit nehmen für die Erkundung der Felsenstadt. Zu sehen gibt es wahrlich genug. Gute Hotels gibt es in fußläufiger Entfernung. Einmal in der Woche wird eine Führung bei Nacht angeboten, Petra ist dann mit Kerzen und Fackeln erleuchtet. Dieses besondere Erlebnis bleibt den Tou-risten vorbehalten, die nicht schon am Nachmittag den Heimweg antreten müssen.



Gut erhaltene Fassaden


Gewaltige Steinbrocken bilden die Wände des Siq


Links die Wasserleitung der Nabatäer
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Roter Stein – ein Geschenk der Natur an die Nabatäer

 

Die ersten Felshöhlen auf dem Weg in die Schlucht

 

Die Höhlen dienten einst als Gräber

 

Die gewaltige Schatzhaus-Fassade

 

Erklärungen für die Touristen

 
Wüstenschiffe für fußmüde Wanderer

 

Einige Beduinen leben noch hier

 
Die Beduinen verdienen heute am Souvenir-handel




Wanderung durch die enge Schlucht