Weit schweift der Blick vom Corcovado über die Buchten von Rio.




Oliver Schmidt




Rio de Janeiro

Sie ist fraglos noch immer die Queen unter den Großstädten Südamerikas, das unverwechselbare südamerikanische Pendant zu New York auf dem nordamerikani-schen Subkontinent, jene Metropole am Fluss, der im Januar entdeckt wurde – dem „Rio de Janeiro. Wenn ein Lektor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes jüngst sagte „Wenn Sie fünf südamerikanische Städte kennen, dann kennen Sie auch die sechste, ohne dagewesen zu sein!, dann gilt das nicht für Rio.

 

Eine Menge Faktoren tragen dazu bei: Die einmalige Lage mit den vielen Strandbuch-ten zwischen hohen Bergen, der frühe Aufstieg zu einem auch und gerade in Europa wohlbekannten Eldorado für Party, Sex und noble Adressen, und schließlich die Pro-minenz, die vielleicht sonst nur von Monaco in diesem Maße angezogen wurde. Aller-dings sind es in Rio bisweilen die etwas zwielichtigen Gestalten unter den Reichen und Schönen, die für Schlagzeilen sorgten: Von Konsul Weyer bis zum Posträuber Ronald Biggs.

 

Gleichwohl denkt jeder, der den Begriff „Rio hört (und sofort weiß, was gemeint ist, obwohl Rio doch nur „Fluss bedeutet) wohl zuerst an Copacabana. Und obwohl das wiederum ein ganzer Stadtteil von Rio ist, denkt man an den Strand, wo in Sichtweite des Zuckerhutes und vor der Kulisse der Hotelfront an der Avenida Atlantico knackige Popos scheinbar von drei Schnüren zusammengehalten werden, wo frau mit einer Briefmarke auf dem Busen ausreichend bekleidet ist. Und wenn sich die im Wasser ablöst, macht das auch nichts.

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Der Stadtstrand von Cobacabana vor der Hotelfront an der Avenida Atlantico.

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Einst – vielleicht noch in den siebziger Jahren – mögen das die Anziehungspunkte der Copacabana gewesen sein. Inzwischen hat sich das geändert. Nackte Haut gibt’s an vielen entlegenen Touristenstränden. Die Stadtstrände von Rio – Ipanema steht da in nichts nach – leben heute von der Grandezza ihrer Lage. Mitten in der Stadt, wo das Leben pulsiert, sind sie Anziehungspunkte, wo man schnell einmal vorbeischaut. Hier spielt ein Teil des gesellschaftlichen Lebens. Wollte man das Niveau mit touristischen Sternen bewerten, so käme die Copacabana höchstens noch auf gutbürgerliche drei, Ipanema auf vier, und die Luxustouristen sonnen sich noch etwas weiter abseits.

 

Dann ist da noch die sprichwörtliche Kriminalität. Wohl niemand ist so leichtfertig, Schmuck oder Kamera mitzunehmen an den Strand, und sie vor herumlungernden Jugendgangs zur Schau zu tragen. Und wer außerdem darauf verzichtet, seinen Luxus in Form einer Badehose jenseits der 100-Euro-Grenze zur Schau zu tragen und das Boss-Handtuch daheim lässt, wer – wie die Armen von Rio – seine Lebens-freude aus der Stadt, der Sonne und dem warmen Wasser schöpft, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Ruhe gelassen.

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Fawelas nennt man die Elendsviertel von Rio – hier herrschen eigene Gesetze.

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In einem Reiseführer findet sich die Geschichte eines Missionars, der sich in die  Fawelas hineinwagte, jene Elendsviertel, die auch die Polizei nur äußerst ungern betritt, weil sie sich ihre eigenen Gesetze gemacht haben. Mit seinem dürftigen Portugiesisch entzifferte er den „Straßennamen eines abschüssigen Trampelpfades mit „Fünf können sitzen. Die Erklärung: Es gibt keine Kanalisation, und die stinkende Kloake im Rinnstein wird am Fuß des Berges durch eine enge Öffnung unter einer Mauer abgeleitet. Wenn mehr als fünf Personen an der Straße ihr großes Geschäft verrichten, verstopft der Durchlass, und der ganze Segen läuft stattdessen in die unterste Hütte hinein. Vielleicht kann nur diese etwas derbe Geschichte zeigen, wie groß Rios Arm-Reich-Kontraste sind. Wer wollte da ein schlechtes Gewissen erwar-ten, wenn der Tourist um seine Kamera erleichtert wird, deren Verlust ihm – und mag sie noch so teuer gewesen sein – nicht wirklich weh tut, während eine Familie vom Erlös ein Jahr leben kann? Da gehört es für die Banden an der Avenida Atlantico fast zum guten Ton, den sichtbar stinkreichen Geschäftsmann, den Luxustouristen, der die gefüllte Brieftasche vor sich herträgt, zur Kasse zu bitten: Ausgleichende Gerech-tigkeit. Betrieben mit dem gleichen Stolz, mit dem sich europäische Arbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen ihre Ausbeutung auflehnten.

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Der Strand von Ipanema ist in.

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Die andere, die wohlhabende Seite, gibt es freilich nicht nur unter den Besuchern von Rio. Was wäre die Stadt ohne ihre Edelsteinhändler! Allen voran der deutsche Jude Hans Stern, der mit Juwelen ein Vermögen machte, und in seinem 9. Lebensjahr-zehnt noch immer seinen Weltkonzern von Rio aus steuert. Dicht auf dem Fuße gefolgt von seinem Konkurrenten, Amsterdam Sauer. Beide bieten den Touristen Rat und Tat an, wenn es darum geht, Einkaufsmöglichkeiten, touristische Highlights, eine Unterkunft oder ein Taxi zu bekommen. Oft übernehmen sie sogar die Kosten, wenn man in seine private Stadtrundfahrt einen Stopp im Edelstein-Center einplant. Ohne Kaufzwang. PR im besten Sinne: Ich zeige Dir, dass ich Dich achte, Dir helfe, für Dich da bin – und falls Du Juwelen kaufen willst, dann kaufst Du sie bei mir.

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Der 400 Meter hohe Zuckerhut, eines der Wahrzeichen Rios.

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Rio – das ist freilich mehr als Kriminalität, Edelsteine und nackte Haut. Das ist die Fahrt mit der Seilbahn auf den Zuckerhut, der grandiose Blick vom Corcovado (und für manchen Touristen die Erkenntnis, dass die Christusstatue eben nicht auf dem Zuckerhut steht), das ist der brasilianische Fußball im Maracana-Stadion, das sind die Samba und der Karneval. Vor allem aber ist Rio mehr als ein großer Vergnügungspark mit touristischen Sensationen. Die Stadt ist ein ungewöhnlich empfindsames Sozialsystem, ein Miteinander und Nebeneinander von Klassen, die keine Berührungspunkte mehr haben, außer jenem, dass sie in der selben Stadt leben. Dieses System muss man vorsichtig begreifen, wenn man Rio nicht nur sehen, sondern kennen lernen will.

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Buenos Aires

Die argentinische Hauptstadt, in der dem Namen nach die Luft so gut sein soll, ist vielleicht die europäischste unter allen südamerikanischen Städten. Die Einkaufs-meile schmückt sich mit Galerien, die genauso gut in Neapel stehen könnten, Pracht-straßen und Plätze könnten aus Paris stammen, das Lebensgefühl aus Madrid oder Barcelona, und die Ordnung und Sauberkeit – fast – aus Preußen.

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Elegante Shopping-Mall in Buenos Aires.

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Es ist durchaus wahrscheinlich, dass einem das akustische Wahrzeichen der Stadt, der Tango, bereits am Hafen begegnet. Nicht selten schallen die verruchten Klänge des einstigen Zuhälter-Tanzes übers Meer dem Schiff entgegen, und pfenniggroße Stöckelabsätze an sündhaft langen Beinen knallen mit zackigen Tango-Drehungen treffsicher übers Kopfsteinpflaster.

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Besuch im Stadtteil La Boca ... 

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... einer kleinen touristischen Insel in der großen Stadt Buenos Aires.

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Das gleiche erwartet den Touristen auch in La Boca, wo er früher oder später landen wird, einem früheren Hafen- und Rotlichtviertel, das vor gut zwanzig Jahren aus sei-ner heruntergekommenen Tristesse ausbrach, als Künstler es in grellbunten Farben bemalten. Puppen und Figuren, die die Balkone zieren, erinnern noch an jene Zeit, als hier die käufliche Liebe die einzige lukrative Handelsware war. Heute ist der Tango der Anziehungspunkt in den vielen Gaststätten. Dabei muss man gar nicht bei den teuflisch gut gemixten Pina Coladas versacken; gute Tanzpaare bieten ihr Können auf offener Straße dar. Dass Buenos Aires nicht so harmlos ist, wie es auf den ersten Blick scheint, zeigt die Tatsache, dass La Boca unter polizeilichem Protek-torat steht, eine Art „akzeptierter Friedenszone ist: „No security beyond this point warnt ein Schild am Rande der kleinen touristischen Insel in der großen Stadt.

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Gute Tanzpaare bieten ihr Können in La Boca auf offener Straße dar.

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Noch eine Insel gibt es in Buenos Aires, die sich völlig unterscheidet vom Angesicht europäischer Städte: Den Friedhof. Er ist eine Stadt für sich, ein Labyrinth aus Mauso-leen und gemauerten Grabstätten, in dem man sich hoffnungslos verlaufen kann. Schwarzer und weißer Marmor, Rosengranit, Gold, Blumen, Statuen – es ist eine seltsame Welt der Toten und des Totenkults. Wer etwas auf sich hält, hat hier eine Grabstätte. Auch an weniger Betuchte ist gedacht: In größeren Blöcken werden über- und nebeneinander liegende Grabkammern angeboten. Sozialer Wohnungsbau im Jenseits. Wer das Grab von Nationalheldin Evita Perón sucht, braucht sich nur dem Strom der Masse anzuschließen, der nicht nur aus Touristen besteht. Noch immer pilgern Verehrer zur Grabstätte der jung verstorbenen Diktatorengattin, legen Blumen nieder, Ehr- und Dankbekundungen – Don’t cry for me, Argentina!

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Hier ruht Nationalheldin Evita Perón im Familiengrab der Duartes.

 

Je weiter die Zeit der Militärdiktatur in die Vergangenheit rückt, desto mehr rückt der Evita-Kult in den Hintergrund. 1983 gab es unter Alfonsin die erste demokratische Regierung. Argentinien ist zur Normalität zurückgekehrt. Fast. Denn rund zwanzig Jahre später brachten die südamerikanischen Wirtschaftsverhältnisse, von denen Argentinien gebeutelt wurde, die Staatspleite. Dennoch zeigt sich das Land gerade im Umgang mit den dunklen Punkten seiner Vergangenheit gar nicht südamerika-typisch: Wo in anderen Latino-Staaten der Mantel des Schweigens Täter und Opfer verhüllt hätte, wurden hier in beispielloser Weise die Verantwortlichen vor Gericht gestellt – ein gefährliches Spiel in einem Kontinent, wo Korruption und Faustrecht auch in scheinbar zivilisierten Staaten einen hohen Stellenwert haben.

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Auf dem Platz des 25. Mai in Buenos Aires.

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Man wird in Buenos Aires kaum einen Argentinier finden, denn Argentinien ist ein Ein-wanderungsland, und die Menschen bezeichnen sich selbstverständlich als „Polen, „Spanier, nicht wenige als Deutsche. Eine deutsche Wochenzeitung, Schulen, ein Krankenhaus, deutsche Clubs und Vereine legen Zeugnis ab vom regen Leben in der deutschstämmigen Gemeinde, die schon fast eine Enklave ist, vom hinübergeret-teten Nationalbewusstsein – und von den reichlichen Zuwanderungen ab 1933. Nur, wenn man auf das Organisations-Chaos trifft, dann weiß man unmissverständlich: Dies ist Südamerika.

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Gepflegte Parkanlagen gibt es in Montevideo.

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Montevideo

Für das kleine Uruguay ist Montevideo, von dem man – Lateiner allen voran – den „Berg sehen kann, eine große Stadt. Verglichen mit elf Millionen Einwohnern in Bue-nos Aires, das nur einen Steinwurf entfernt westlich an der Mündung des Rio de la Plata liegt, ist Montevideo mit 1,5 Millionen Menschen ein Zwerg. Entsprechend gemütlich geht es zu im „Ländle, dessen Vergleich mit der Schweiz nicht allzu weit hergeholt ist. Nicht nur die Landschaft, sondern auch die Beschaulichkeit und ein für Südamerika hohes Kulturniveau kommen hier zusammen. Zwar sagt eine alte Öster-reicherin, die hier eine Boutique betreibt: „Aber na, Wien isses net!, doch kommt Montevideo dem Lebensgefühl kultivierter Europäer schon sehr nahe. Zumal alle Fäden in Montevideo zusammenlaufen, denn vergleichbare Großstädte hat das Land nicht. Montevideo plus Hinterland, und schon ist das Bild von Uruguay fertig.

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Montevideo kommt dem Lebensgefühl kultivierter Europäer sehr nahe.

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Fast fertig. Denn so ganz von ungefähr kommt die Schönheit der Stadt mit ihren so europäisch anmutenden Geschäften, den Stadtplätzen, wo man flanieren oder unter Bäumen ein Schwätzchen halten und Kontakte knüpfen kann, nicht. Wie in Buenos Aires findet man viele Deutsche, und das Schild „Man spricht Deutsch liegt in jedem zweiten Schaufenster. Lederwaren, Schmuck, teure Modeartikel, aber auch Kameras, die in ausgewiesenen Fachgeschäften einen Spottpreis kosten, sieht man in den Auslagen. Uruguay war stets die erste Adresse für jene, die ihr Glück nicht in Südamerika suchen wollten, sondern mussten. Diese „Klientel hat sich nach 1945 drastisch verändert: Waren es davor die Verfolgten des Dritten Reiches, wurden nach dessen Zusammenbruch die ehemaligen Peiniger zu Gejagten. Heute besteht ein erstaunlicher Teil der Bevölkerung aus in friedlicher Eintracht lebenden Holocaust-Flüchtlingen und Altnazis.

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Grillstation nahe dem Hafen von Montevideo.

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Es waren die Kriege des 20. Jahrhunderts, wo immer sie auch stattfanden, die Uruguay reich gemacht haben, ihm zu Gediegenheit und Eleganz verhalfen, die man heute noch spürt. An den Küsten stehen die feinsten Ferienvillen, die man in Süd-amerika finden kann. Der Reichtum kommt von den Weiden: Den rund drei Millionen Einwohnern stehen 22 Millionen Schafe gegenüber. Rinderzucht kam hinzu und machte Uruguay zum ständigen Lieferanten von Fleisch, Wolle und Leder für Länder, die Krieg führten und selbst nichts produzieren konnten. So bestehen auch die beliebtesten Vergnügungen der Touristen darin, schicke Lederklamotten einkaufen zu gehen und saftige Steaks direkt vom Grill zu futtern – ungeachtet des Mittagessens an Bord. Ein bisschen Stöbern jenseits der klassischen Landeserzeugnisse lohnt sich aber auch. Auf der kompakten Einkaufsmeile Montevideos, die nicht einmal eine Fußgängerzone ist, verstecken sich in kühlen Passagen Antiquariate und Platten-läden. Bücher von Evita Perón, Tango-CDs und andere vergleichsweise preiswerte Gebrauchs-Souvenirs entdeckt man oft erst auf den zweiten Blick.

Inzwischen ist der Export-Überschuss zurückgegangen; Uruguays Landwirtschaft hat den Anschluss verloren. Allzu leicht war das Abschöpfen der satten Gewinne und machte unternehmerischem Investitions-Denken den Garaus. Daher kostet ein Neu-wagen das fünffache Jahreseinkommen eines Normalverdieners. Entsprechend ist das Straßenbild geprägt von ratternden Lastwagen, die bei uns schon längst ihren Dienst quittiert hätten, von rollenden Rostlauben, und manchem Fahrzeug, das euro-päische Liebhaberherzen höher schlagen lässt.

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Am Hafen von Montevideo: Das ADMIRAL GRAF SPEE-Denkmal.

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Wie alle südamerikanischen Länder ist auch Uruguay von einem Nationalstolz ge-prägt, der einem allenthalben begegnet. Zum Teil gründet er sich noch auf jene besseren Zeiten, aus denen das Wort von der „Schweiz Südamerikas stammt, zum anderen Teil auf den Fußball. War es doch Uruguay, das 1930 die erste Fußballwelt-meisterschaft austrug – und gewann. Neue Siegerehren kamen 1950, und der Ball-sport hat Uruguays Beine berühmt gemacht.

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Cartagenas Häuser im Kolonialstil.

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Cartagena

Im Norden Südamerikas und im Süden des Karibischen Meeres, in Kolumbien liegt die architektonisch vielleicht liebenswerteste Stadt, die Kreuzfahrer auf ihren Routen ins ferne Südamerika besuchen können. Und mit Warnungen wird nicht gespart: Bei-nahe könnte man den Eindruck haben, die Kriminalität sei hier noch zügelloser als ihr Ruf in Rio. Wer sich in die „richtigen Viertel verirrt, für den mag das stimmen, und wer den Eindruck macht, sich ziellos schlendernd seiner Muße hinzugeben, ist ein willkommenes Opfer. Wer hingegen in verwaschenen Jeans und T-Shirt zielstrebig durch die Stadt marschiert, die Kamera mit beiden Händen festhält und die Dollar-scheine unsichtbar lose in der Hosentasche hat, bietet keine Angriffsfläche. Merke: Kriminelle suchen sich den Weg des geringsten Widerstandes; das ist ihre Berufs-maxime ...

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Schmuckes Altstadthaus in Cartagena.

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Belohnt wird der individuelle Stadtbesuch mit einem Bummel durch eine koloniale Altstadt, die mit ihren bunt gestrichenen Häuserfronten, hölzernen Balkonen und den Kuppeln ihrer Kirchen einen lieblichen, fast verspielten Eindruck macht. Dieser Alt-stadtkern hat nichts von einer südamerikanischen Großstadt. Vielmehr ist er von kleinen Gassen mit fliegenden Händlern, winzigen Läden mit Antiquitäten (und dem, was man dafür hält), mobilen Getränke-, Zigaretten- und Früchteverkäufern, Lieferan-ten mit Handkarren und knatternden Motorrollern geprägt. Weiten sich diese Gassen zu einem großen Platz, steht dort garantiert eine Kirche, ist es ein kleiner Platz, dann stehen um einen Brunnen oder ein Denkmal Bänke im Kreis unter schattigem Grün, und ein oder zwei Cafés beschallen durch die zurückgeschobenen Scheiben die Sze-nerie mit unterschiedlicher Musik. Die Kraftprobe um die leistungsstärkste Stereoan-lage gehört dazu, auch wenn der Sieger zwischen Latino-Klängen und den neuesten Charts nicht auszumachen ist. Das Faszinierende: In solchen Cafés sitzen junge, dunkelhaarige Frauen mit Porsche-Brille und den engsten Jeans ebenso wie lesende alte Männer, denen der Schweiß die altmodische Hornbrille auf die Nasen-spitze rutschen lässt, und die gedankenverloren an ihren Hosenträgern spielen.

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Blick in eine Altstadtgasse in Cartagena.

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Das internationale Flair, das der große Hafen Cartagenas als Handelsmetropole ge-bracht hat, dringt durch das schöne Altstadttor nur bedingt herein in diese Idylle. Hier ist vieles klein, ja, persönlich. Man wohnt im ersten Stock, tratscht auf der Straße, kauft im Supermarkt um die Ecke ein und steckt auf dem Weg zum Schneider im Vor-beigehen dem Bettler etwas zu. Gut integriert in dieses Geschehen ist das deutsch-kolumbianische Kulturzentrum, dessen Fassade sich von den anderen Häusern nur durch eine große Flagge in Schwarz-Rot-Gold unterscheidet. Geführt wird die rührige Institution, die den Kolumbianern Lust aufs ferne Deutschland machen soll, von einer jungen Rostockerin. Sie gibt auch die Sprachkurse, die den Besuchern angeboten werden: Deutsch für Kolumbianer, Spanisch für Deutsche.

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Blick durch ein Tor zur Altstadt.

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Letztere Idee ist keine schlechte: Sprachferien in Cartagena. Die einst wichtigste Hafenstadt Südamerikas hat heute weit mehr zu bieten als die handelsspezifisch günstige Lage. „Perle der Karibik wird sie auch genannt, und ein Blick von der von vielen Touristen besuchten Festung San Felipe zeigt die von der UNESCO als Welt-kulturerbe geschützte Altstadt, die Skyline des modernen Cartagena und im Hinter-grund die Strände, die einen Besuch wert sind. Cartagena hat das Zeug zu einer Touristenmetropole, und das Kulturinstitut beste Chancen, weit mehr Deutsche nach Cartagena zu locken, als sich Kolumbianer eine Reise nach Übersee leisten können.