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Rio de Janeiro
Sie ist fraglos noch immer die Queen unter den
Großstädten Südamerikas, das unverwechselbare südamerikanische Pendant zu
New York auf dem nordamerikani-schen Subkontinent, jene Metropole am Fluss,
der im Januar entdeckt wurde – dem „Rio de Janeiro”.
Wenn ein Lektor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes jüngst sagte „Wenn Sie fünf
südamerikanische Städte kennen, dann kennen Sie auch die sechste, ohne
dagewesen zu sein!”, dann gilt das nicht für
Rio.
Eine Menge Faktoren tragen dazu bei: Die einmalige Lage
mit den vielen Strandbuch-ten zwischen hohen Bergen, der frühe Aufstieg zu
einem auch und gerade in Europa wohlbekannten Eldorado für Party, Sex und
noble Adressen, und schließlich die Pro-minenz, die vielleicht sonst nur von
Monaco in diesem Maße angezogen wurde. Aller-dings sind es in Rio bisweilen
die etwas zwielichtigen Gestalten unter den Reichen und Schönen, die für
Schlagzeilen sorgten: Von Konsul Weyer bis zum Posträuber Ronald Biggs.
Gleichwohl denkt jeder, der den Begriff „Rio” hört (und
sofort weiß, was gemeint ist, obwohl Rio doch nur „Fluss” bedeutet) wohl
zuerst an Copacabana. Und obwohl das wiederum ein ganzer Stadtteil von Rio
ist, denkt man an den Strand, wo in Sichtweite des Zuckerhutes und vor der
Kulisse der Hotelfront an der Avenida Atlantico knackige Popos scheinbar von
drei Schnüren zusammengehalten werden, wo frau mit einer Briefmarke auf dem
Busen ausreichend bekleidet ist. Und wenn sich die im Wasser ablöst, macht
das auch nichts.
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Der Stadtstrand von Cobacabana vor der
Hotelfront an der
Avenida Atlantico.
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Einst – vielleicht noch in den siebziger Jahren – mögen
das die Anziehungspunkte der Copacabana gewesen sein. Inzwischen hat sich
das geändert. Nackte Haut gibt’s an vielen entlegenen Touristenstränden. Die
Stadtstrände von Rio – Ipanema steht da in nichts nach – leben heute von der
Grandezza ihrer Lage. Mitten in der Stadt, wo das Leben pulsiert, sind sie
Anziehungspunkte, wo man schnell einmal vorbeischaut. Hier spielt ein Teil
des gesellschaftlichen Lebens. Wollte man das Niveau mit touristischen
Sternen bewerten, so käme die Copacabana höchstens noch auf gutbürgerliche
drei, Ipanema auf vier, und die Luxustouristen sonnen sich noch etwas weiter
abseits.
Dann ist da noch die sprichwörtliche Kriminalität. Wohl
niemand ist so leichtfertig, Schmuck oder Kamera mitzunehmen an den Strand,
und sie vor herumlungernden Jugendgangs zur Schau zu tragen. Und wer
außerdem darauf verzichtet, seinen Luxus in Form einer Badehose jenseits der
100-Euro-Grenze zur Schau zu tragen und das Boss-Handtuch daheim lässt, wer
– wie die Armen von Rio – seine Lebens-freude aus der Stadt, der Sonne und
dem warmen Wasser schöpft, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Ruhe
gelassen.
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Fawelas nennt man die Elendsviertel von Rio –
hier herrschen eigene Gesetze.
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In einem Reiseführer findet sich die Geschichte eines
Missionars, der sich in die
Fawelas hineinwagte, jene Elendsviertel, die
auch die Polizei nur äußerst ungern betritt, weil sie sich ihre eigenen
Gesetze gemacht haben. Mit seinem dürftigen Portugiesisch entzifferte er den
„Straßennamen” eines abschüssigen Trampelpfades mit „Fünf können sitzen”.
Die Erklärung: Es gibt keine Kanalisation, und die stinkende Kloake im
Rinnstein wird am Fuß des Berges durch eine enge Öffnung unter einer Mauer
abgeleitet. Wenn mehr als fünf Personen an der Straße ihr großes Geschäft
verrichten, verstopft der Durchlass, und der ganze Segen läuft stattdessen
in die unterste Hütte hinein. Vielleicht kann nur diese etwas derbe
Geschichte zeigen, wie groß Rios Arm-Reich-Kontraste sind. Wer wollte da ein
schlechtes Gewissen erwar-ten, wenn der Tourist um seine Kamera erleichtert
wird, deren Verlust ihm – und mag sie noch so teuer gewesen sein – nicht
wirklich weh tut, während eine Familie vom Erlös ein Jahr leben kann? Da
gehört es für die Banden an der Avenida Atlantico fast zum guten Ton, den
sichtbar stinkreichen Geschäftsmann, den Luxustouristen, der die gefüllte
Brieftasche vor sich herträgt, zur Kasse zu bitten: Ausgleichende
Gerech-tigkeit. Betrieben mit dem gleichen Stolz, mit dem sich europäische
Arbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen ihre Ausbeutung auflehnten.
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Der Strand von Ipanema ist in.
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Die andere, die wohlhabende Seite, gibt es freilich nicht
nur unter den Besuchern von Rio. Was wäre die Stadt ohne ihre
Edelsteinhändler! Allen voran der deutsche Jude Hans Stern, der mit Juwelen
ein Vermögen machte, und in seinem 9. Lebensjahr-zehnt noch immer seinen
Weltkonzern von Rio aus steuert. Dicht auf dem Fuße gefolgt von seinem
Konkurrenten, Amsterdam Sauer. Beide bieten den Touristen Rat und Tat an,
wenn es darum geht, Einkaufsmöglichkeiten, touristische Highlights, eine
Unterkunft oder ein Taxi zu bekommen. Oft übernehmen sie sogar die Kosten,
wenn man in seine private Stadtrundfahrt einen Stopp im Edelstein-Center
einplant. Ohne Kaufzwang. PR im besten Sinne: Ich zeige Dir, dass ich Dich
achte, Dir helfe, für Dich da bin – und falls Du Juwelen kaufen willst, dann
kaufst Du sie bei mir.
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Der 400 Meter hohe Zuckerhut, eines der Wahrzeichen Rios.
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Rio – das ist freilich mehr als Kriminalität, Edelsteine
und nackte Haut. Das ist die Fahrt mit der Seilbahn auf den
Zuckerhut, der
grandiose Blick vom Corcovado (und für manchen Touristen die Erkenntnis,
dass die Christusstatue eben nicht auf dem Zuckerhut steht), das ist der
brasilianische Fußball im Maracana-Stadion, das sind die Samba und der
Karneval. Vor allem aber ist Rio mehr als ein großer Vergnügungspark mit
touristischen Sensationen. Die Stadt ist ein ungewöhnlich empfindsames
Sozialsystem, ein Miteinander und Nebeneinander von Klassen, die keine
Berührungspunkte mehr haben, außer jenem, dass sie in der selben Stadt
leben. Dieses System muss man vorsichtig begreifen, wenn man Rio nicht nur
sehen, sondern kennen lernen will.
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Buenos Aires
Die argentinische Hauptstadt, in der dem Namen nach die
Luft so gut sein soll, ist vielleicht die europäischste unter allen
südamerikanischen Städten. Die Einkaufs-meile schmückt sich mit Galerien, die
genauso gut in Neapel stehen könnten, Pracht-straßen und Plätze könnten aus
Paris stammen, das Lebensgefühl aus Madrid oder Barcelona, und die Ordnung
und Sauberkeit – fast – aus Preußen.
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Elegante Shopping-Mall in Buenos Aires.
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Es ist durchaus wahrscheinlich, dass einem das akustische
Wahrzeichen der Stadt, der Tango, bereits am Hafen begegnet. Nicht selten
schallen die verruchten Klänge des einstigen Zuhälter-Tanzes übers Meer dem
Schiff entgegen, und pfenniggroße Stöckelabsätze an sündhaft langen Beinen
knallen mit zackigen Tango-Drehungen treffsicher übers Kopfsteinpflaster.
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Besuch im Stadtteil La Boca ...
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... einer kleinen touristischen Insel in der
großen Stadt Buenos Aires.
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Das gleiche erwartet den Touristen auch in
La Boca, wo er
früher oder später landen wird, einem früheren Hafen- und Rotlichtviertel,
das vor gut zwanzig Jahren aus sei-ner heruntergekommenen Tristesse ausbrach,
als Künstler es in grellbunten Farben bemalten. Puppen und Figuren, die die
Balkone zieren, erinnern noch an jene Zeit, als hier die käufliche Liebe die
einzige lukrative Handelsware war. Heute ist der Tango der Anziehungspunkt
in den vielen Gaststätten. Dabei muss man gar nicht bei den teuflisch gut
gemixten Pina Coladas versacken; gute Tanzpaare bieten ihr Können auf
offener Straße dar. Dass Buenos Aires nicht so harmlos ist, wie es auf den
ersten Blick scheint, zeigt die Tatsache, dass La Boca unter polizeilichem
Protek-torat steht, eine Art „akzeptierter Friedenszone” ist: „No security
beyond this point” warnt ein Schild am Rande der kleinen touristischen Insel
in der großen Stadt.
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Gute Tanzpaare bieten ihr Können
in La Boca auf
offener Straße dar. |
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Noch eine Insel gibt es in Buenos Aires, die sich völlig
unterscheidet vom Angesicht europäischer Städte: Den Friedhof. Er ist eine
Stadt für sich, ein Labyrinth aus Mauso-leen und gemauerten Grabstätten, in
dem man sich hoffnungslos verlaufen kann. Schwarzer und weißer Marmor,
Rosengranit, Gold, Blumen, Statuen – es ist eine seltsame Welt der Toten und
des Totenkults. Wer etwas auf sich hält, hat hier eine Grabstätte. Auch an
weniger Betuchte ist gedacht: In größeren Blöcken werden über- und
nebeneinander liegende Grabkammern angeboten. Sozialer Wohnungsbau im
Jenseits. Wer das Grab von Nationalheldin Evita Perón sucht, braucht sich
nur dem Strom der Masse anzuschließen, der nicht nur aus Touristen besteht.
Noch immer pilgern Verehrer zur Grabstätte der jung verstorbenen
Diktatorengattin, legen Blumen nieder, Ehr- und Dankbekundungen – Don’t cry
for me, Argentina!
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Hier ruht Nationalheldin Evita Perón
im Familiengrab der Duartes. |
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Je weiter die Zeit der Militärdiktatur in die
Vergangenheit rückt, desto mehr rückt der Evita-Kult in den Hintergrund.
1983 gab es unter Alfonsin die erste demokratische Regierung. Argentinien
ist zur Normalität zurückgekehrt. Fast. Denn rund zwanzig Jahre später
brachten die südamerikanischen Wirtschaftsverhältnisse, von denen
Argentinien gebeutelt wurde, die Staatspleite. Dennoch zeigt sich das Land
gerade im Umgang mit den dunklen Punkten seiner Vergangenheit gar nicht südamerika-typisch: Wo in anderen Latino-Staaten der Mantel des Schweigens
Täter und Opfer verhüllt hätte, wurden hier in beispielloser Weise die
Verantwortlichen vor Gericht gestellt – ein gefährliches Spiel in einem
Kontinent, wo Korruption und Faustrecht auch in scheinbar zivilisierten
Staaten einen hohen Stellenwert haben.
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Auf dem Platz des 25. Mai in Buenos Aires.
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Man wird in Buenos Aires kaum einen Argentinier finden,
denn Argentinien ist ein Ein-wanderungsland, und die Menschen bezeichnen sich
selbstverständlich als „Polen”, „Spanier”, nicht wenige als Deutsche. Eine
deutsche Wochenzeitung, Schulen, ein Krankenhaus, deutsche Clubs und Vereine
legen Zeugnis ab vom regen Leben in der deutschstämmigen Gemeinde, die schon
fast eine Enklave ist, vom hinübergeret-teten Nationalbewusstsein – und von
den reichlichen Zuwanderungen ab 1933. Nur, wenn man auf das
Organisations-Chaos trifft, dann weiß man unmissverständlich: Dies ist
Südamerika.
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Gepflegte Parkanlagen gibt es in Montevideo.
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Montevideo
Für das kleine Uruguay ist Montevideo, von dem man –
Lateiner allen voran – den „Berg sehen” kann, eine große Stadt. Verglichen
mit elf Millionen Einwohnern in Bue-nos Aires, das nur einen Steinwurf
entfernt westlich an der Mündung des Rio de la Plata liegt, ist Montevideo
mit 1,5 Millionen Menschen ein Zwerg. Entsprechend gemütlich geht es zu im „Ländle”,
dessen Vergleich mit der Schweiz nicht allzu weit hergeholt ist. Nicht nur
die Landschaft, sondern auch die Beschaulichkeit und ein für Südamerika
hohes Kulturniveau kommen hier zusammen. Zwar sagt eine alte Öster-reicherin,
die hier eine Boutique betreibt: „Aber na, Wien isses net!”, doch kommt
Montevideo dem Lebensgefühl kultivierter Europäer schon sehr nahe. Zumal
alle Fäden in Montevideo zusammenlaufen, denn vergleichbare Großstädte hat
das Land nicht. Montevideo plus Hinterland, und schon ist das Bild von
Uruguay fertig.
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Montevideo kommt dem Lebensgefühl kultivierter
Europäer sehr nahe.
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Fast fertig. Denn so ganz von ungefähr kommt die
Schönheit der Stadt mit ihren so europäisch anmutenden Geschäften, den
Stadtplätzen, wo man flanieren oder unter Bäumen ein Schwätzchen halten und
Kontakte knüpfen kann, nicht. Wie in Buenos Aires findet man viele Deutsche,
und das Schild „Man spricht Deutsch” liegt in jedem zweiten Schaufenster.
Lederwaren, Schmuck, teure Modeartikel, aber auch Kameras, die in
ausgewiesenen Fachgeschäften einen Spottpreis kosten, sieht man in den
Auslagen. Uruguay war stets die erste Adresse für jene, die ihr Glück nicht
in Südamerika suchen wollten, sondern mussten. Diese „Klientel” hat sich
nach 1945 drastisch verändert: Waren es davor die Verfolgten des Dritten
Reiches, wurden nach dessen Zusammenbruch die ehemaligen Peiniger zu
Gejagten. Heute besteht ein erstaunlicher Teil der Bevölkerung aus in
friedlicher Eintracht lebenden Holocaust-Flüchtlingen und Altnazis.
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Grillstation nahe dem Hafen von Montevideo.
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Es waren die Kriege des 20. Jahrhunderts, wo immer sie
auch stattfanden, die Uruguay reich gemacht haben, ihm zu Gediegenheit und
Eleganz verhalfen, die man heute noch spürt. An den Küsten stehen die
feinsten Ferienvillen, die man in Süd-amerika finden kann. Der Reichtum kommt
von den Weiden: Den rund drei Millionen Einwohnern stehen 22 Millionen
Schafe gegenüber. Rinderzucht kam hinzu und machte Uruguay zum ständigen
Lieferanten von Fleisch, Wolle und Leder für Länder, die Krieg führten und
selbst nichts produzieren konnten. So bestehen auch die beliebtesten
Vergnügungen der Touristen darin, schicke Lederklamotten einkaufen zu gehen
und saftige Steaks direkt vom Grill zu futtern – ungeachtet des Mittagessens
an Bord. Ein bisschen Stöbern jenseits der klassischen Landeserzeugnisse
lohnt sich aber auch. Auf der kompakten Einkaufsmeile Montevideos, die nicht
einmal eine Fußgängerzone ist, verstecken sich in kühlen Passagen
Antiquariate und Platten-läden. Bücher von Evita Perón, Tango-CDs und andere
vergleichsweise preiswerte Gebrauchs-Souvenirs entdeckt man oft erst auf den
zweiten Blick.
Inzwischen ist der Export-Überschuss zurückgegangen;
Uruguays Landwirtschaft hat den Anschluss verloren. Allzu leicht war das
Abschöpfen der satten Gewinne und machte unternehmerischem
Investitions-Denken den Garaus. Daher kostet ein Neu-wagen das fünffache
Jahreseinkommen eines Normalverdieners. Entsprechend ist das Straßenbild
geprägt von ratternden Lastwagen, die bei uns schon längst ihren Dienst
quittiert hätten, von rollenden Rostlauben, und manchem Fahrzeug, das
euro-päische Liebhaberherzen höher schlagen lässt.
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Am Hafen von Montevideo: Das ADMIRAL
GRAF SPEE-Denkmal.
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Wie alle südamerikanischen Länder ist auch Uruguay von
einem Nationalstolz ge-prägt, der einem allenthalben begegnet. Zum Teil
gründet er sich noch auf jene besseren Zeiten, aus denen das Wort von der
„Schweiz Südamerikas” stammt, zum anderen Teil auf den Fußball. War es doch
Uruguay, das 1930 die erste Fußballwelt-meisterschaft austrug – und gewann.
Neue Siegerehren kamen 1950, und der Ball-sport hat Uruguays Beine berühmt
gemacht.
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Cartagenas Häuser im Kolonialstil.
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Cartagena
Im Norden Südamerikas und im Süden des Karibischen
Meeres, in Kolumbien liegt die architektonisch vielleicht liebenswerteste
Stadt, die Kreuzfahrer auf ihren Routen ins ferne Südamerika besuchen
können. Und mit Warnungen wird nicht gespart: Bei-nahe könnte man den
Eindruck haben, die Kriminalität sei hier noch zügelloser als ihr Ruf in
Rio. Wer sich in die „richtigen” Viertel verirrt, für den mag das stimmen,
und wer den Eindruck macht, sich ziellos schlendernd seiner Muße hinzugeben,
ist ein willkommenes Opfer. Wer hingegen in verwaschenen Jeans und T-Shirt
zielstrebig durch die Stadt marschiert, die Kamera mit beiden Händen
festhält und die Dollar-scheine unsichtbar lose in der Hosentasche hat,
bietet keine Angriffsfläche. Merke: Kriminelle suchen sich den Weg des
geringsten Widerstandes; das ist ihre Berufs-maxime ...
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Schmuckes Altstadthaus in
Cartagena. |
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Belohnt wird der individuelle Stadtbesuch mit einem
Bummel durch eine koloniale Altstadt, die mit ihren bunt gestrichenen
Häuserfronten, hölzernen Balkonen und den Kuppeln ihrer Kirchen einen
lieblichen, fast verspielten Eindruck macht. Dieser Alt-stadtkern hat nichts
von einer südamerikanischen Großstadt. Vielmehr ist er von kleinen Gassen
mit fliegenden Händlern, winzigen Läden mit Antiquitäten (und dem, was man
dafür hält), mobilen Getränke-, Zigaretten- und Früchteverkäufern,
Lieferan-ten mit Handkarren und knatternden Motorrollern geprägt. Weiten sich
diese Gassen zu einem großen Platz, steht dort garantiert eine Kirche, ist
es ein kleiner Platz, dann stehen um einen Brunnen oder ein Denkmal Bänke im
Kreis unter schattigem Grün, und ein oder zwei Cafés beschallen durch die
zurückgeschobenen Scheiben die Sze-nerie mit unterschiedlicher Musik. Die
Kraftprobe um die leistungsstärkste Stereoan-lage gehört dazu, auch wenn der
Sieger zwischen Latino-Klängen und den neuesten Charts nicht auszumachen
ist. Das Faszinierende: In solchen Cafés sitzen junge, dunkelhaarige Frauen
mit Porsche-Brille und den engsten Jeans ebenso wie lesende alte
Männer, denen der Schweiß die altmodische Hornbrille auf die Nasen-spitze
rutschen lässt, und die gedankenverloren an ihren Hosenträgern spielen.
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Blick in eine
Altstadtgasse in Cartagena. |
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Das internationale Flair, das der große Hafen Cartagenas
als Handelsmetropole ge-bracht hat, dringt durch das schöne Altstadttor nur
bedingt herein in diese Idylle. Hier ist vieles klein, ja, persönlich. Man
wohnt im ersten Stock, tratscht auf der Straße, kauft im Supermarkt um die
Ecke ein und steckt auf dem Weg zum Schneider im Vor-beigehen dem Bettler
etwas zu. Gut integriert in dieses Geschehen ist das deutsch-kolumbianische
Kulturzentrum, dessen Fassade sich von den anderen Häusern nur durch eine
große Flagge in Schwarz-Rot-Gold unterscheidet. Geführt wird die rührige
Institution, die den Kolumbianern Lust aufs ferne Deutschland machen soll,
von einer jungen Rostockerin. Sie gibt auch die Sprachkurse, die den
Besuchern angeboten werden: Deutsch für Kolumbianer, Spanisch für Deutsche.
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Blick durch ein Tor zur Altstadt.
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Letztere Idee ist keine schlechte: Sprachferien in
Cartagena. Die einst wichtigste Hafenstadt Südamerikas hat heute weit mehr
zu bieten als die handelsspezifisch günstige Lage. „Perle der Karibik” wird
sie auch genannt, und ein Blick von der von vielen Touristen besuchten
Festung San Felipe zeigt die von der UNESCO als Welt-kulturerbe
geschützte Altstadt, die Skyline des modernen Cartagena und im Hinter-grund
die Strände, die einen Besuch wert sind. Cartagena hat das Zeug zu einer
Touristenmetropole, und das Kulturinstitut beste Chancen, weit mehr Deutsche
nach Cartagena zu locken, als sich Kolumbianer eine Reise nach Übersee
leisten können.
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