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Beinahe-Nachbau der MAJESTY OF THE SEAS |
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In Shorts und T-Shirt werkelt Monsieur Francois
Zanella auf seinem Schiff herum. Es ist Sonntag, und heute kommen viele
Schaulustige. Warum nur? Im Yachthafen von Metz gibt es reichlich teure
Boote und seetüchtige Yachten. Monsieur Zanella hat sich etwas ganz
Besonderes ausgedacht: Elf Jahre lang hat er in seinem Garten an einem
33,50 Meter langen Modell der MAJESTY OF THE
SEAS gebaut. Einem Modell, das natürlich
schwimmfähig ist und ihm eine 160 Quadratmeter große, noble Herberge
bietet, so dass er mit „seiner”
MAJESTY nun auf Saar und Mosel unterwegs
sein kann. Der Medienrummel ist Monsieur Zanella inzwischen lästig. Über dreihundert Mal war er in der Zeitung, wie er leidenschaftslos berichtet. Deswegen hat er auch den Ter-min mit den deutschen Fotografen verschludert. Er war, ganz Franzose, heute eben ein Stündchen eher da. Oder später? Auch egal. Der ehemalige Bergmann und Elektriker wollte
eigentlich die FRANCE nachbauen. Bei einem
Besuch in Bremerhaven während eines Werftaufenthaltes des inzwischen als
NORWAY fahrenden französischen
Nationalstolzes empfand er das Schiff jedoch als verbaut und zu weit
entfernt vom einstigen Original. Er entschied sich für die gerade frisch
in Dienst gestellte MAJESTY OF THE SEAS.
Die Reederei zeigte sich angetan und lud ihn aufs Original ein. Auch die
Werft war stets hilfsbereit. Mehrmals kam ein ganzer Bus mit
Werftarbeitern zu Monsieur Zanella, begutachtete den Bau fachkundig und
gab Ratschläge. Der Rat, die Fenster gerade auszusägen und für die
filigrane Arbeit an der Reling einen Schweiß-Kurs zu belegen, war
offensichtlich nicht dabei. Mit seinem Maßstab 1:8 hatte Zanella zudem die Brückenhöhen auf Saar und Mosel nicht bedacht. Vielleicht war der Vorschlag seiner vorsichtigen Ehefrau, einen kleine- |
ren Maßstab zu wählen, gar nicht so schlecht. „Werftchef” Zanella musste mindes-tens zwei Decks wegmogeln, so dass sein Nachbau heute aussieht wie eine geschrumpfte, plattgeklopfte Version der MAJESTY. Dem Schornstein gab er eine flexible Außenhaut, so dass er ihn für Brückendurchfahrten absenken kann. An warmen Sommertagen drücken sich die Passanten an dem merkwürdigen Schiff, dessen Seitenansicht vom Garagentor für Zanellas Kleinwagen gestört wird, die Nasen platt, und versuchen, einen Blick ins Innere zu erhaschen. Deswegen bietet der Franzose nun für 5 Euro Führungen an. Passagiere befördern darf er nicht, weil er die notwendigen Zertifikate nicht hat. So aber kann er selbst bestimmen, wann er Be-sucher empfangen möchte, und sich vor dem Blick auf ungemachte Betten schützen. Bei der Einrichtung wurde nicht gespart, und mancher Bodenbelag, manche Lampe könnte genauso gut auf der echten MAJESTY liegen bzw. hängen. Nur die Fenster sind merkwürdig klein – rund zwanzig faustgroße Bullaugen überm Bett spenden mattes Licht. Überall dort, wo Originalgröße und 1:8-Reduktion zusammentreffen, wirkt das Schiff ein wenig skurril. Auf die „kleinen Freiheiten”, die er sich bei der Interpretation herausgenommen hat, lässt sich Francois Zanella nicht gerne ansprechen. Nein, seine MAJESTY ist ein Original, nur etwas kleiner. Jedes Deck sei vorhanden, betont er, und hat für weitere Diskussionen keine Zeit. Liegt das vielleicht auch daran, dass er auf Flüssen außer-halb Frankreichs ohne die notwendigen Papiere nicht fahren darf? Als er hört, dass die eifrigen Fragesteller auf der Pier aus Deutschland kommen, hat er endgültig genug: „Ich muss jetzt mittagessen!” ist das letzte, was seine weitgereisten Besucher hören, ehe er die Tür zuknallt. Oliver Schmidt |
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![]() Karges Zubrot für Paulyna: Die orthodoxe Kirche in Piräus |
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Viel zu putzen für Paulyna im orthodoxen Gotteshaus
Ende des Landganges, die Sonne brennt nicht mehr so
heiß wie am Mittag, und der Rückweg zum Schiff fällt nicht schwer. Ein
schöner Landgang, ohne Ausflug. Treffen mit Freunden, Stöbern in den
Buchhandlungen am Hafen, wo man wirklich jedes Buch über Schiffe und die
Seefahrt findet, das man sich vorstellen kann. Am Weg liegt eine
orthodoxe Kirche, deren blitzblankes Kreuz die untergehende Sonne
reflektiert. Rasch die Stufen empor, um noch einen Blick hinein zu
erhaschen. Davor fegt bereits eine alte Frau die Stufen. Ein riesiger silberner Leuchter hängt aus der Kuppel
tief herab. Viel Gold blitzt im Dunkel des Innenraums, an den sich die
Augen erst gewöhnen müssen. Die Kamera „gewöhnt”
sich nicht daran und hat ihre Probleme mit der Finsternis. Im
Hintergrund huscht ein in festliches Schwarz gekleideter Geistlicher
vorbei, Jesuslatschen an den Füßen. Beinahe mit Liebe wienert die Alte,
die inzwischen das Gotteshaus betreten und den Besen weggestellt hat,
mit ihrem Feudel an einem Kandelaber herum. Ob sie böse ist, wenn ich
fotografiere? „Wollan Sie määhr wissan übar die Kircha?” fragt sie mich plötzlich und gibt den Rachenlauten den harten Klang eines russischen Dialekts. „Sie können Deutsch?” frage ich verblüfft. „War ich viela Jahrä verheiratat mit deutschä Mann!” Aha. So ein Zufall. Aus der Ukraine stamme sie, erzählt sie dann, und hakt mich unter. Beim Spa-ziergang durch „ihre” Kirche stellt sie mir alle Heiligen, alle Ikonen einzeln vor, und meine Bibelfestigkeit wird auf eine harte Probe gestellt. Dazwischen erzählt sie die Geschichte ihres Mannes, eines deutschen Soldaten, der mit Alkohol und Frauenge-schichten so gar nicht zwischen die Heiligen passen will. Ob er noch lebe, will ich wissen. Blick zum Himmel, Kreuzzeichen, „Nein!” Um das „Gott sei Dank” mitzukrie-gen muss ich sehr die Ohren spitzen. Leicht hat es Paulyna mit ihrem Deutschen nicht gehabt, und als das Wort „Trunksucht” aus ihrem gewaltigen Kropf hervorgurrt, |
klingt die Krankheit gleich doppelt so gefährlich. „Erzählan Sie mirr. Was machan Sie?” fragt Paulyna. So gehen die Minuten dahin. Wir spazieren eine zweite Runde durch die Kirche, weil sie mir die Absolution für’s Fotografieren erteilt hat. Neben der Reinemachefrau ist sie hier offenbar auch so etwas wie eine graue Eminenz. Dann erwähnt sie ihre Tochter, die hier in Piräus arbeitet, und der sie nach dem Tod ihres Mannes gefolgt ist. Inzwischen ist auch ihr Sohn hier, und sieben Enkel erfreuen sie, wenn sie Zeit hat. „Abarr freuä ich mich, wenn Deutschä komman!” Wir nehmen uns zum Abschied in den Arm, und ein Geldschein wandert in ihre runz-lige Hand und ungesehen weiter in die Kittelschürze. „Laden Sie die Enkel zum Eis-essen ein!” Ich bin schon an der Tür, da höre ich hinter mir das Knarren ihrer ausge-latschten Schuhe. Inzwischen hat sie den Schein bei Licht begutachtet – und hat Tränen in den Augen. „Danke särr, sind Sie guttä Mann, wünschä ich Ihnen ein guttä Frau und vielle Kindärr!” Sie nimmt meine beiden Hände und schenkt mir eine kleine Ikone. Ihr Vertrauen in deutsche Besucher jedenfalls wurde nicht enttäuscht. Sicher-heitshalber schaut sie nochmal in die Schürzentasche, und ungläubig vor sich hin murmelnd wendet sie sich ab. Ich sehe ihr lange nach. Oliver Schmidt |
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„Hallo Johannes, begleiten Sie unseren Bus heute wieder?” Die Passagiere mögen den „langen Hannes” mit seinem bestimmten, aber freundlichen Auftreten. Er gibt ihnen jederzeit das Gefühl, die Exkursion fest im Griff zu haben. Meinen Filius treffe ich zwischen Aqaba und Nizza als
Reiseleiter auf hoher See – wer hätte das gedacht! „Zur See so wie Du –
niemals!”, habe ich
noch seine Worte im Ohr. Jedes Mal, wenn ich wieder von einer
Seereisen-Reportage nach Hause kam, stellte unser Sohn Johannes zwar
höflich Fragen, aber mehr auch nicht. Mittlerweile ist er zu einem
„bekennenden Kreuzfahrer”
geworden, wie er problemlos und freude-strahlend zugibt. Seine Karten
aus aller Welt haben sich schon zu einem bunten Kaleidoskop
zusammengefügt und zieren eine Viertel Küchenwand. Vom Bau ins Hotel Alles fing völlig untypisch – oder doch nicht? – an:
zehn Jahre Schule, Wehrdienst (natürlich, wie „Vaddern”!)
bei der Marine, eine ungeliebte, aber durchaus nützliche handwerkliche
Ausbildung zum Baufacharbeiter – mit „Null Bock auf mehr davon”.
Schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs und Arbeitslosigkeit wechselten ab.
Die Zeit lief dem heute Dreißigjährigen quasi davon. Bis er „den Kanal
gestrichen voll” hatte
von diesem frustrierenden Dasein. Die Bundesagentur für Arbeit kam
gerade zur rechten Zeit. Mit einem verlockenden Angebot für eine
betriebliche Lehre als Hotelkaufmann. Das benachbarte Stralsunder
Steigenberger Hotel „Baltic”
war fortan sein beruflicher Mittelpunkt. Mit „viel Engagement und
schneller Auffassungsgabe”,
so sein späteres Zeugnis, stürzte er sich auf das neue Gebiet. Der in
vielen Tag- und Nachtschichten hart erarbeitete Erfolg blieb nicht aus.
Nach zwei arbeitsintensiven Jahren in allen gastronomischen Sparten, die
„weiß Gott keine Herrenjahre waren”,
erinnert er sich trotzdem gern, wurde er mit gutem Abschlusszeugnis
losgesprochen.
Zur See! Arbeit lag sozusagen auf der Straße. Nur eben nicht
im gelobten Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern. Und wenn, dann zu
miserablen Konditionen. In Hamburg, Osnabrück und Hannover sah das schon
ganz anders aus für ihn. Er überließ uns seine Katze „Bümmi”
zur Pflege und heuerte in den genannten Städten als Kellner an. „Dabei
habe ich 'ne Menge gelernt”,
zog er nach zwei Wanderjahren durch die Repu-blik Bilanz und wollte mehr
(Meer?). Ich hatte gerade eine wunderschöne Ostsee-Filmreise auf der LILI MARLEEN hinter mir, lernte den rührig-quirligen Kreuzfahrtdirektor Andrej Belinskiy kennen und fragte ihn wegen Johannes um Rat. Seine Taten folgten auf dem Fuße: Engagement unse-res Sohnes zunächst als Praktikant, dann, nach Bewährung, als Reiseleiter auf dem schönen Oldtimer. Ostsee- und Norwegen-Reisen standen auf seinem Plan. Alles war Neuland für ihn. Aus jedem Hafen rief er an: „Das isses!”, jubelte er immer wie-der. Bis ihm die Freude verging, weil Holiday Kreuzfahrten in die Insolvenz ging. Doch die arbeitslose Zeit – mit Internetsuche unter www.kreuzfahrtjobs.de – währte zum Glück nicht lange.
Ans Herz gelegt Erwin Flathmann von Transocean Tours suchte einen
Decksteward für die ASTOR. Die Papiere
wanderten alsbald von seinem Bremer Schreibtisch zur Crewing-Agentur auf
Zypern. Banges Warten auf eine Antwort folgte. Bis sich der Holländer
Elian Clauss meldete und Johannes anbot, auf dem Vier-Sterne-Schiff
einzusteigen. Die ASTOR konnte ich ihm guten
Gewissens ans Herz legen.
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Doch am 1. Dezember 2006 war es endlich soweit:
Einsteigen in Nizza – und Auslau-fen zur fünfmonatigen Weltreise. Ein
absoluter Treffer! Wenn auch nicht der Job, „aber Du glaubst gar nicht,
was mir das für einen Spaß gemacht hat”,
sagte er, als wir ihn im Frühjahr 2007 das letzte Stück der Reise von
Aqaba/Jordanien via Ägypten, Suez-kanal, Griechenland und Italien zum
französischen Ausgangshafen begleiteten. Hoteldirektor Wolfgang Ribitsch hatte während der
Weltumrundung ein wachsames Auge – kein Wunder bei dem branchenbekannten
Familiennamen! – auf ihn gewor-fen. „Seine freundliche, aber bestimmte,
diplomatische und konsequente Art”,
so Ribitsch anerkennend, „erleichterte ihm enorm seine nicht einfachen
Aufgaben.”
Wenn ein Passagier zum Beispiel Deckstühle entgegen dem
Bordreglement zu lan-ge belegt hatte, musste er „dank Johannes”
damit rechnen, Bücher oder Handtücher an der Rezeption abzuholen. Diese
Peinlichkeit zog Proteste nach sich, auch wenn manch einer sich
hinterher kleinlaut entschuldigte. Welterfahren Während der Crewshows gab Johannes als Sänger und Gitarrist seine „künstleri-sche Visitenkarte” ab – und hatte auch damit Erfolg. Doch dann wurde er anderswo gebraucht: im Team der
Reiseleitung. Sein offenes, fröhliches und flexibles Auftreten verhalf
ihm in kurzer Zeit bei Gästen und Crew zu Lob und Anerkennung, die ihm
gut tat. Kaum nach Hause gekommen, langweilte er sich fast nur. Ihm fehlte die große ASTOR-Familie. Außerdem stand die Trennung von seiner Freundin bevor. Schon einen Monat früher als geplant wollte der „lange Hannes” daher unbedingt wieder auf „seine” ASTOR. Außerdem brauchte ihn Elian Clauss. Damit war der zweite Kontrakt – diesmal gleich als Reiseleiter – perfekt. „Tja”, lächelt meine Frau Rosemarie ver-ständnisinnig, „da siehst Du's mal wieder: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!” Dr. Peer Schmidt-Walther |
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