HamburgMagazin

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Foto: André Sambale

Renato Diekmann

Ressortleiter HamburgMagazin

 


 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Der Sänger Gunter Gabriel hat sein rotes Hausboot für alle sichtbar am Lotsekanal in Hamburg Harburg festgemacht.

 

Liebeserklärung an Hamburgs Hafen
Gunter Gabriel, glücklicher Bewohner eines roten Hausbootes am Lotsekanal in Harburg, kann ohne Wasser nicht leben. Für den Country- und Schlagersänger (Hey Boss, ich brauch mehr Geld!) ist Hamburg seine Geliebte: zwischen ihren Schenkeln Norderelbe und Süderelbe fühlt er sich am wohlsten. Auch Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow zieht es einmal täglich an die Elbe, die ihn stets aufs Neue fasziniert. Wenn der Freizeitjogger die riesigen Schiffe und hohen Kräne sieht, ist es um ihn geschehen. Für den Segler und Bootsscheininhaber riecht der Hafen allerdings mehr nach Arbeit als nach Geld, das eher an der Alster spazieren getragen wird. Lotto King Karl und Carsten Pape, die im Stadion des Hamburger Sportvereins (HSV) dem Publikum vor jedem Spiel mächtig mit der Hamburg-Hymne einheizen, bezeichnen darin Hamburg (und seinen Hafen) als ihre Perle – und Zigtausende stimmen dem Gesangsduo aus voller Brust zu. Für Achim Reichel, als Kind direkt hinter der Hafenstraße aufgewachsen, waren Elbtunnel, Freihafen und Fischmarkt alltäglicher Spielplatz, wo Hafenarbeiter und Seeleute mit der Quetsche bei „Onkel Max
in der Kneipe saßen und „La Paloma grölten. Der Sänger und Musiker hat noch das typische Knarren der Pontons im Ohr, wenn diese mit der Flut an den Holzpollern schrammten. Auch Peter Tamm erinnert sich lebhaft an die klassischen Dampfschiffe, die aus fernen Häfen mit exotischen Namen die Elbe herauf geschippert kamen und das Hafenbild bestimmten. Dass der ehemalige Vorstandsprecher der Axel Springer AG dem Hafen und der Seefahrt bis auf den heutigen Tag treu geblieben ist, beweist seine weltweit größte private Sammlung zur Schifffahrts- und Marinegeschichte, die im Internationalen Maritimen Museum im Kaispeicher B täglich zu besichtigen ist. Und Frank Horch, Geschäftsführer von Blohm + Voss International GmbH und Präses der Handelskammer Hamburg, zeigt seinen Gästen besonders gern das Feuerschiff Elbe 3, das älteste fahrbereite Feuerschiff der Welt, auf dem sein Großvater, den er sehr bewundert hat, 25 Jahre lang Bootsmann war. Ihm verdankt Horch seine lebenslange Liebe zu Schifffahrt, Hafen und Wasser.

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Das einzige noch fahrtüchtige Feuerschiff liegt im Museumshafen Hamburg Övelgönne.

 

Foto: Hamburg Hafen-Marketing, Jens Mayer
Der Höhepunkt der Hamburg Cruise Days ist die Auslaufparade der großen Luxusliner und Segelschiffe – im Vordergrund die illuminierte TUI M
EIN SCHIFF.


Weiße Schiffe, blauer Hafen, dicke Luft
Wenn Hamburgs Hafen blau macht, zieht er Besucher magisch an. 60 beleuchtete Objekte und 3500 verlegte Neon-Röhren mit einer Länge zwischen 1,20 bis 1,50 Meter tauchen Elbe, Gebäude, Kräne und Schiffe in ein magisches Licht und verwandeln den Hafen zum Blue Port – das untrügliche Erkennungsmerkmal der Hamburg Cruise Days. Zu diesem Kreuzfahrt-Festival präsentiert sich Hamburg besonders wirkungsvoll als maritime Metropole mit Herz. Damit will die Stadt ihren Stars, den Kreuzfahrtschiffen mit ihren Passagieren, etwas wirklich weltweit Einmaliges bieten, betont Hamburg-Marketing-Chef Thorsten Kausch. Der ganze Hafen wird zu einer riesigen Bühne, die Elbe zum Laufsteg der Luxusliner. Die Bilder der Traumschiff-Parade gehen rund um die Welt. Über 600.000 Besucher bestaunen das Spektakel, das alle zwei Jahre stattfindet, direkt von Elbufer und Hafenkante aus, etwa 47 Millionen Menschen verfolgen es im Fernsehen, und 72 Millionen Menschen informieren sich in Zeitungen, Zeitschriften und Onlineportalen über das maritime Event. Zur Freude der Schaulustigen kamen zu den zahlreichen Booten und Segelschiffen gleich sechs Kreuzfahrer in die Hansestadt ...

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Seit der TV-Serie träumt wohl jeder von einer Kreuzfahrt mit dem Traumschiff MS DEUTSCHLAND – hier bei einer Rundfahrt durch den Hamburger Hafen anlässlich der Hamburg Cruise Days 2010.

 

... Als erster das reparierte Traumschiff DEUTSCHLAND, gefolgt von der 202 Meter langen AIDAaura. Kurze Zeit später lief die smarte COLUMBUS ein, dann der mit der besten Kreuzfahrt-Idee des Jahres ausgezeichnete Rockliner MEIN SCHIFF, dahinter die renovierte ASTOR und das im Februar feierlich getaufte sechste Clubschiff der Kussmundflotte, die AIDAblu.
Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Der Naturschutzbund (NABU) kritisiert die „Cruise Days
als „Alptraum für die Umwelt, meldete kürzlich die Hamburger  Morgenpost. Darin heißt es, das Treffen der Ozeanriesen stelle eine enorme Klimabelastung dar. Ein Kreuzfahrtschiff stoße pro Tag so viel Ruß und Schwefel aus wie 12.000 Autos, bei einzelnen Schadstoffen sogar so viel wie 350.000 Autos. „Solche Werte sind für die Anwohner lebensbedrohlich, für das Weltklima verheerend und daher an Land längst verboten, sagt Alexander Porschke vom Naturschutzbund Hamburg. Statt die Dreckschleudern zu feiern, müssten Hafenstädte wie Hamburg ökologische Anreize bieten und Landstromanschlüsse schaffen. Die Hansestadt Hamburg, von der Brüsseler EU-Kommission zu Europas Umwelt-Hauptstadt (European Green Capitals) gewählt, wird die Kritik nicht gerne hören. Offenbar muss die EU-Verordnung, nach der Schiffe ab dem 1. Januar 2010 während ihrer Liegezeit in europäischen Häfen fünfzehn Mal weniger Schadstoffe in die Luft blasen dürfen als zuvor und der Schwefelanteil des Diesels von 1,5 Prozent auf 0,1 Prozent reduziert werden muss, wirksamer umgesetzt und der Schadstoffanteil noch weiter gedrosselt werden.

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Über 60 Objekte werden an den Hamburg Cruise Days im Hamburger Hafen kunstvoll in Szene gesetzt.


Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Schaulustige Passagiere an Deck der MS Columbus verfolgen die Einfahrt in den Hamburger Hafen.

 

Kids ahoi!
Die NABU-Kritik an den „Cruise Days
hat weder mich noch andere wirklich vom Schiffe schauen abgehalten. Mit einer Einladung in der Hand gehe ich erwartungsfroh an Bord der MS COLUMBUS: Das 144 Meter lange 3-Sterne-plus-Schiff, 1997 in Wismar gebaut, ist überschaubar, gemütlich eingerichtet und gilt als ideales Schiff für Kreuzfahrteinsteiger; es beherbergt maximal 420 Passagiere in 205 Kabinen und veranstaltet nicht nur deutschsprachige Kreuzfahrten für Erwachsene. Die Hamburger Hapag-Lloyd Kreuzfahrten hat ihr Herz für Kinder entdeckt und bietet für die kleinen Passagiere spezielle Bordprogramme und Landgänge. Die Kreuzfahrer von morgen erleben auf See spannende Tage: Malen, Basteln und ein buntes Animationsprogramm mit Kinderdisco und Schiffsralley unter fachkundiger Betreuung lässt keine Langeweile aufkommen. Im Vordergrund steht die Entdeckung des Schiffes. Die „Eroberung der Brücke, die „Erkundung des Maschinenraums und der  Kontakt zu „echten Offizieren oder zu einem „richtigen Koch ist für die Kleinen oft das größte Erlebnis auf ihrer Reise. Von der Küche werden die Kids mit Kindermenüs verwöhnt. Und der Kapitän bittet seine jungen Passagiere eigens zum Captain’s Dinner, bei dem es statt Gourmetküche eher Pasta und Pizza geben wird. Mit den Junior-News haben die Kinder auch ihre eigene Zeitung, in der sie über ihre Abenteuer an Bord berichten. Auf den ausgewählten Familienreisen der COLUMBUS (etwa zu dem Thema Pippi Langstrumpf und die Pracht der Zaren) fahren Kinder bis 15 Jahre in der Kabine der Eltern oder Großeltern kostenlos mit. Neu auf dem Programm für kleine Seefahrer stehen auch Kinder- und Familienausflüge, die in vielen Häfen angeboten und individuell gebucht werden können.

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Leichtmatrose Kümmel bringt die Kinderschar auf der MS COLUMBUS zum Lachen.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Der spiralförmige Marco Polo Tower vor der Hauptverwaltung von Unilever ist derzeit der teuerste Wohnobjekt in Hamburgs HafenCity.

 

Der schiefe Turm von Hamburg
Über 2500 Menschen pilgern täglich an Hamburgs imposantesten Wohnturm vorbei, dem Marco Polo Tower, benannt nach dem venezianischen Seefahrer (1254-1324). Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise wird sich die Investition des siebzehngeschossigen Spiralbaus in Höhe von 45 Millionen Euro gewiss schnell amortisiert haben. Fast 60 Prozent der 58 Appartements mit den umlaufenden, geschwungenen Balkonen sind angeblich schon verkauft. Die Einheiten variieren zwischen 57 und 340 Quadratmeter. Das kleinste Appartement ist für 309.999 Euro zu haben. Das exklusive Penthaus kostet schlappe 4 Millionen Euro. Ohne Einrichtung und Innenausbau, versteht sich. Fürs große Geld gibt es nämlich gerade mal den Rohbau – gewissermaßen ein halbfertiges Wohnobjekt, das aus vier kahlen Wänden, Balkontür und Fenster besteht. Innenwände, Steckdosen, Türen, Dusche und Küche müssen auf eigene Kosten erst noch installiert werden. Die Nutzung der Räume erfolgt in Eigenregie und fordert die Kreativität des Käufers, oder besser gesagt, seines Innenarchitekten und Stardesigners heraus, die sich beim Stylen der Luxuswohnung mal so richtig austoben und obendrein eine goldene Nase verdienen können. „Design Ready
nennen die Bauherren ihr Konzept, das als wegweisendes Vermarktungsmodell in Europa einen neuen Trend setzt und Schule machen könnte. Wer Zeit und Geld hat, sollte die Musterwohnungen in Augenschein nehmen, es sich im 13. Stockwerk auf der mit Rochenhaut überspannten Sitzgruppe gemütlich machen und den atemberaubenden Panoramablick auf Hafen, Elbe und Innenstadt genießen.
 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Die GORCH FOCK ist im Hamburger Hafen stets der Mittelpunkt der Hansestadt und umschwärmt von Besuchern und Schaulustigen.


Das Patenschiff der Bürgerschaft
Er veröffentlichte regelmäßig zahlreiche platt- und hochdeutsche Gedichte und Kurzgeschichten über Seefahrer in lokalen Hamburger Zeitungen. 1913 erschien dann sein erster Roman „Seefahrt in not
, in dem das Leben der Hochseefischer auf Finkenwerder (meiner Ansicht nach etwas zu heldenhaft) dargestellt wird: der Buchhalter der Hamburg-America-Line, Johann Wilhelm Kinau, besser bekannt als Gorch Fock. Nach seinem Pseudonym wurde das bekannte Segelschulschiff der deutschen Marine benannt. Die Dreimastbark GORCH FOCK wurde 1958 auf der Hamburger Werft Blohm + Voss für 8,5 Millionen DM gebaut und zierte bis zur Einführung des Euro stolz die Rückseite eines 10 DM-Scheines. Nach 21 Jahren kehrte das Patenschiff von Senat und Bürgerschaft Anfang August erstmals nach Hamburg zurück: übrigens um 59 Tonnen leichter, die während der 6-monatigen Umbauphase durch neue Materialien an der Takelage und durch den Austausch schwerer Schiffsteile an Rumpf und Kiel „abgespeckt wurden. Der Windjammer mit einer Segelfläche von 2037 Quadratmetern an 23 Segeln ist 89 Meter lang und 12 Meter breit. Neben dem Kapitän zur See, Norbert Schatz, einem Meteorologen, einem Schiffsarzt und 86 Mann Stammbesatzung ist Platz für 222 Männer und Frauen, die als Marine- und Sanitätsoffiziere ausgebildet werden. Pro Jahr absolviert das Segelschulschiff bis zu drei Ausbildungsreisen, die Monate dauern können. Zurzeit steuert das Schiff die wegen ihres stürmischen Wetters bei Seefahrern gefürchtete Südspitze Südamerikas, Kap Hoorn, an. Die GORCH FOCK gehört auch in der Zeit computergesteuerter, hochtechnisierter Schiffe und Systeme bei der Deutschen Marine zum Pflichtprogramm der Offiziers-Ausbildung. Das Schiff setzt nicht nur die alte Tradition deutscher Marinen fort, sondern ist auch als segelnder Botschafter Deutschlands auf allen Weltmeeren erfolgreich unterwegs.

 

Luftbild: Hamburg Hafen-Marketing

Das 366 Meter lange Containerschiff CMA CGM CHRISTOPHE COLOMB wird von zwei Schleppern in den Containerhafen Hamburg Altenwerder bugsiert.

Giganten der Meere
Ob Luxusyacht, Kreuzfahrtschiff, Stückgut- bzw. Massengutfrachter oder Container-Gigant – die Schiffe sind heutzutage nicht nur computergesteuert und mit supermoderner Technik ausgerüstet, sie werden auch von Jahr zu Jahr größer. Unübersehbares Beispiel ist die C
HRISTOPHE COLOMB, das größte Containerschiff, das bislang den Hamburger Hafen angelaufen hat. Es ist ein Frachter der Superlative, vor dem Schlepper und kleine Segelschiffe aussehen wie Spielzeugboote. Ein wahres Kraftpaket, 52 Meter breit, 30 Meter hoch und mit fast 366 Meter lang wie die Elbe in Hamburg breit ist. Angetrieben von dem größten Schiffsmotor der Welt, einer 14 Zylinder-Maschine mit 108.000 PS. Neunzehn Containerschichten können an und unter Deck der CHRISTOPHE COLOMB (Tiefgang 15,50 Meter) übereinander gestapelt werden: insgesamt 13.800 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) – ein weltweit genormtes Maß für Kapazitäten von Containerschiffen und Hafenumschlagsmengen.

Wird dem Hafen das Wasser abgegraben? „Die Ankunft der CMA CGM CHRISTOPHE COLOMB ist nicht nur ein imposantes Ereignis, sondern sie ist auch ein Zeichen für die Attraktivität dieses Hafenstandorts für die Seeschifffahrt. Wir sehen aber auch: Die Containerschiffe werden immer größer. Die CHRISTOPHE COLOMB kann den Hamburger Hafen im Augenblick nur in einem bestimmten Tidefenster anlaufen, innerhalb dessen sie höchstens zu 85 Prozent beladen ist. Das zeigt, dass wir mit der dringend notwendigen Anpassung der Fahrrinne der Elbe auf dem richtigen Weg sind, schlussfolgerte der inzwischen zurückgetretene Senator der Behörde für Wirtschaft und Arbeit, Axel Gedaschko. Es ist dieser Tiefgang, den man an der Elbe so dringend benötigt. Viereinhalb Meter mehr, die es Anfang 2012 nur im neuen JadeWeserPort in Wilhelmshaven geben wird, um den größten Containerschiffen der Welt einen angemessenen Zwischenstopp zu gewährleisten. Mit Fertigstellung steigt der neue Hafen am Jadebusen mit einer Kaimauerlänge von 1,7 Kilometern, die auf mehr als fünf Kilometer erweitert werden könnte, womöglich in die Top-Liga der zehn weltweit größten Häfen auf und könnte Hamburg von Platz 2 der europäischen Häfen verdrängen. Denn im JadeWeserPort können Schiffe mit 18 Metern Tiefgang selbst bei Niedrigwasser anlegen. In Hamburg werden es nach der geplanten Elbvertiefung bei Ebbe höchstens 13,50 Meter sein, betonen Experten. Aber keine Bange! Wilhelmshaven wird Hamburgs Hafen keinesfalls „das Wasser abgraben.