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Renato Diekmann
Ressortleiter
HamburgMagazin

Der Sänger Gunter Gabriel hat sein rotes Hausboot für alle sichtbar am
Lotsekanal in Hamburg Harburg festgemacht.
Liebeserklärung an
Hamburgs Hafen
Gunter Gabriel, glücklicher Bewohner eines roten Hausbootes am Lotsekanal in
Harburg, kann ohne Wasser nicht leben. Für den Country- und Schlagersänger
(Hey Boss, ich brauch mehr Geld!) ist Hamburg seine Geliebte: zwischen ihren
Schenkeln Norderelbe und Süderelbe fühlt er sich am wohlsten. Auch
Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow zieht es einmal täglich an die Elbe, die
ihn stets aufs Neue fasziniert. Wenn der Freizeitjogger die riesigen Schiffe
und hohen Kräne sieht, ist es um ihn geschehen. Für den Segler und
Bootsscheininhaber riecht der Hafen allerdings mehr nach Arbeit als nach
Geld, das eher an der Alster spazieren getragen wird. Lotto King Karl und
Carsten Pape, die im Stadion des Hamburger Sportvereins (HSV) dem Publikum
vor jedem Spiel mächtig mit der Hamburg-Hymne einheizen, bezeichnen darin
Hamburg (und seinen Hafen) als ihre Perle – und Zigtausende stimmen dem
Gesangsduo aus voller Brust zu. Für Achim Reichel, als Kind direkt hinter
der Hafenstraße aufgewachsen, waren Elbtunnel, Freihafen und Fischmarkt
alltäglicher Spielplatz, wo Hafenarbeiter und Seeleute mit der Quetsche bei
„Onkel Max”
in der Kneipe saßen und „La Paloma”
grölten. Der Sänger und Musiker hat noch das typische Knarren der Pontons im
Ohr, wenn diese mit der Flut an den Holzpollern schrammten. Auch Peter Tamm
erinnert sich lebhaft an die klassischen Dampfschiffe, die aus fernen Häfen
mit exotischen Namen die Elbe herauf geschippert kamen und das Hafenbild
bestimmten. Dass der ehemalige Vorstandsprecher der Axel Springer AG dem
Hafen und der Seefahrt bis auf den heutigen Tag treu geblieben ist, beweist
seine weltweit größte private Sammlung zur Schifffahrts- und
Marinegeschichte, die im Internationalen Maritimen Museum im Kaispeicher B
täglich zu besichtigen ist. Und Frank Horch, Geschäftsführer von Blohm +
Voss International GmbH und Präses der Handelskammer Hamburg, zeigt seinen
Gästen besonders gern das Feuerschiff Elbe 3, das älteste fahrbereite
Feuerschiff der Welt, auf dem sein Großvater, den er sehr bewundert hat, 25
Jahre lang Bootsmann war. Ihm verdankt Horch seine lebenslange Liebe zu
Schifffahrt, Hafen und Wasser.

Das einzige noch fahrtüchtige Feuerschiff liegt im Museumshafen Hamburg
Övelgönne.

Der Höhepunkt der Hamburg Cruise Days ist die Auslaufparade der großen
Luxusliner und Segelschiffe – im Vordergrund die illuminierte TUI MEIN
SCHIFF.
Weiße Schiffe, blauer Hafen, dicke Luft
Wenn Hamburgs Hafen blau macht, zieht er Besucher magisch an. 60 beleuchtete
Objekte und 3500 verlegte Neon-Röhren mit einer Länge zwischen 1,20 bis 1,50
Meter tauchen Elbe, Gebäude, Kräne und Schiffe in ein magisches Licht und
verwandeln den Hafen zum Blue Port – das untrügliche Erkennungsmerkmal der
Hamburg Cruise Days. Zu diesem Kreuzfahrt-Festival präsentiert sich Hamburg
besonders wirkungsvoll als maritime Metropole mit Herz. Damit will die Stadt
ihren Stars, den Kreuzfahrtschiffen mit ihren Passagieren, etwas wirklich
weltweit Einmaliges bieten, betont Hamburg-Marketing-Chef Thorsten Kausch.
Der ganze Hafen wird zu einer riesigen Bühne, die Elbe zum Laufsteg der
Luxusliner. Die Bilder der Traumschiff-Parade gehen rund um die Welt. Über
600.000 Besucher bestaunen das Spektakel, das alle zwei Jahre stattfindet,
direkt von Elbufer und Hafenkante aus, etwa 47 Millionen Menschen verfolgen
es im Fernsehen, und 72 Millionen Menschen informieren sich in Zeitungen,
Zeitschriften und Onlineportalen über das maritime Event. Zur Freude der
Schaulustigen kamen zu den zahlreichen Booten und Segelschiffen gleich sechs
Kreuzfahrer in die Hansestadt ...

Seit der TV-Serie träumt wohl jeder von einer Kreuzfahrt mit dem Traumschiff
MS DEUTSCHLAND
– hier bei einer Rundfahrt durch den Hamburger Hafen anlässlich der Hamburg
Cruise Days 2010.
... Als erster das reparierte Traumschiff DEUTSCHLAND,
gefolgt von der 202 Meter langen AIDAaura. Kurze Zeit später lief die smarte
COLUMBUS
ein, dann der mit der besten Kreuzfahrt-Idee des Jahres ausgezeichnete
Rockliner MEIN
SCHIFF,
dahinter die renovierte ASTOR
und das im Februar feierlich getaufte sechste Clubschiff der Kussmundflotte,
die AIDAblu.
Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Der Naturschutzbund (NABU)
kritisiert die „Cruise Days”
als „Alptraum für die Umwelt”,
meldete kürzlich die Hamburger Morgenpost. Darin heißt es, das Treffen
der Ozeanriesen stelle eine enorme Klimabelastung dar. Ein Kreuzfahrtschiff
stoße pro Tag so viel Ruß und Schwefel aus wie 12.000 Autos, bei einzelnen
Schadstoffen sogar so viel wie 350.000 Autos. „Solche Werte sind für die
Anwohner lebensbedrohlich, für das Weltklima verheerend und daher an Land
längst verboten”,
sagt Alexander Porschke vom Naturschutzbund Hamburg. Statt die
Dreckschleudern zu feiern, müssten Hafenstädte wie Hamburg ökologische
Anreize bieten und Landstromanschlüsse schaffen. Die Hansestadt Hamburg, von
der Brüsseler EU-Kommission zu Europas Umwelt-Hauptstadt (European Green
Capitals) gewählt, wird die Kritik nicht gerne hören. Offenbar muss die
EU-Verordnung, nach der Schiffe ab dem 1. Januar 2010 während ihrer
Liegezeit in europäischen Häfen fünfzehn Mal weniger Schadstoffe in die Luft
blasen dürfen als zuvor und der Schwefelanteil des Diesels von 1,5 Prozent
auf 0,1 Prozent reduziert werden muss, wirksamer umgesetzt und der
Schadstoffanteil noch weiter gedrosselt werden.

Über 60 Objekte werden an den
Hamburg Cruise Days im Hamburger Hafen kunstvoll in Szene gesetzt. |
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Schaulustige Passagiere an
Deck der MS Columbus verfolgen die Einfahrt in den Hamburger Hafen.
Kids ahoi!
Die NABU-Kritik an den „Cruise Days”
hat weder mich noch andere wirklich vom Schiffe schauen abgehalten. Mit
einer Einladung in der Hand gehe ich erwartungsfroh an Bord der MS COLUMBUS:
Das 144 Meter lange 3-Sterne-plus-Schiff, 1997 in Wismar gebaut, ist
überschaubar, gemütlich eingerichtet und gilt als ideales Schiff für
Kreuzfahrteinsteiger; es beherbergt maximal 420 Passagiere in 205 Kabinen
und veranstaltet nicht nur deutschsprachige Kreuzfahrten für Erwachsene. Die
Hamburger Hapag-Lloyd Kreuzfahrten hat ihr Herz für Kinder entdeckt und
bietet für die kleinen Passagiere spezielle Bordprogramme und Landgänge. Die
Kreuzfahrer von morgen erleben auf See spannende Tage: Malen, Basteln und
ein buntes Animationsprogramm mit Kinderdisco und Schiffsralley unter
fachkundiger Betreuung lässt keine Langeweile aufkommen. Im Vordergrund
steht die Entdeckung des Schiffes. Die „Eroberung der Brücke”,
die „Erkundung des Maschinenraums”
und der Kontakt zu „echten”
Offizieren oder zu einem „richtigen”
Koch ist für die Kleinen oft das größte Erlebnis auf ihrer Reise. Von der
Küche werden die Kids mit Kindermenüs verwöhnt. Und der Kapitän bittet seine
jungen Passagiere eigens zum Captain’s Dinner, bei dem es statt Gourmetküche
eher Pasta und Pizza geben wird. Mit den Junior-News haben die Kinder auch
ihre eigene Zeitung, in der sie über ihre Abenteuer an Bord berichten. Auf
den ausgewählten Familienreisen der COLUMBUS
(etwa zu dem Thema Pippi Langstrumpf und die Pracht der Zaren) fahren Kinder
bis 15 Jahre in der Kabine der Eltern oder Großeltern kostenlos mit. Neu auf
dem Programm für kleine Seefahrer stehen auch Kinder- und Familienausflüge,
die in vielen Häfen angeboten und individuell gebucht werden können.

Leichtmatrose Kümmel bringt
die Kinderschar auf der MS COLUMBUS
zum Lachen.

Der spiralförmige Marco Polo Tower vor der Hauptverwaltung von Unilever ist
derzeit der teuerste Wohnobjekt in Hamburgs HafenCity.
Der schiefe Turm von Hamburg
Über 2500 Menschen pilgern täglich an Hamburgs imposantesten Wohnturm
vorbei, dem Marco Polo Tower, benannt nach dem venezianischen Seefahrer
(1254-1324). Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise wird sich die Investition
des siebzehngeschossigen Spiralbaus in Höhe von 45 Millionen Euro gewiss
schnell amortisiert haben. Fast 60 Prozent der 58 Appartements mit den
umlaufenden, geschwungenen Balkonen sind angeblich schon verkauft. Die
Einheiten variieren zwischen 57 und 340 Quadratmeter. Das kleinste
Appartement ist für 309.999 Euro zu haben. Das exklusive Penthaus kostet
schlappe 4 Millionen Euro. Ohne Einrichtung und Innenausbau, versteht sich.
Fürs große Geld gibt es nämlich gerade mal den Rohbau – gewissermaßen ein
halbfertiges Wohnobjekt, das aus vier kahlen Wänden, Balkontür und Fenster
besteht. Innenwände, Steckdosen, Türen, Dusche und Küche müssen auf eigene
Kosten erst noch installiert werden. Die Nutzung der Räume erfolgt in
Eigenregie und fordert die Kreativität des Käufers, oder besser gesagt,
seines Innenarchitekten und Stardesigners heraus, die sich beim Stylen der
Luxuswohnung mal so richtig austoben und obendrein eine goldene Nase
verdienen können. „Design Ready”
nennen die Bauherren ihr Konzept, das als wegweisendes Vermarktungsmodell in
Europa einen neuen Trend setzt und Schule machen könnte. Wer Zeit und Geld
hat, sollte die Musterwohnungen in Augenschein nehmen, es sich im 13.
Stockwerk auf der mit Rochenhaut überspannten Sitzgruppe gemütlich machen
und den atemberaubenden Panoramablick auf Hafen, Elbe und Innenstadt
genießen.

Die GORCH
FOCK
ist im Hamburger Hafen stets der Mittelpunkt der Hansestadt und umschwärmt
von Besuchern und Schaulustigen.
Das Patenschiff der Bürgerschaft
Er veröffentlichte regelmäßig zahlreiche platt- und hochdeutsche Gedichte
und Kurzgeschichten über Seefahrer in lokalen Hamburger Zeitungen. 1913
erschien dann sein erster Roman „Seefahrt in not”,
in dem das Leben der Hochseefischer auf Finkenwerder (meiner Ansicht nach
etwas zu heldenhaft) dargestellt wird: der Buchhalter der
Hamburg-America-Line, Johann Wilhelm Kinau, besser bekannt als Gorch Fock.
Nach seinem Pseudonym wurde das bekannte Segelschulschiff der deutschen
Marine benannt. Die Dreimastbark GORCH
FOCK
wurde 1958 auf der Hamburger Werft Blohm + Voss für 8,5 Millionen DM gebaut
und zierte bis zur Einführung des Euro stolz die Rückseite eines 10
DM-Scheines. Nach 21 Jahren kehrte das Patenschiff von Senat und
Bürgerschaft Anfang August erstmals nach Hamburg zurück: übrigens um 59
Tonnen leichter, die während der 6-monatigen Umbauphase durch neue
Materialien an der Takelage und durch den Austausch schwerer Schiffsteile an
Rumpf und Kiel „abgespeckt”
wurden. Der Windjammer mit einer Segelfläche von 2037 Quadratmetern an 23
Segeln ist 89 Meter lang und 12 Meter breit. Neben dem Kapitän zur See,
Norbert Schatz, einem Meteorologen, einem Schiffsarzt und 86 Mann
Stammbesatzung ist Platz für 222 Männer und Frauen, die als Marine- und
Sanitätsoffiziere ausgebildet werden. Pro Jahr absolviert das
Segelschulschiff bis zu drei Ausbildungsreisen, die Monate dauern können.
Zurzeit steuert das Schiff die wegen ihres stürmischen Wetters bei
Seefahrern gefürchtete Südspitze Südamerikas, Kap Hoorn, an. Die GORCH
FOCK
gehört auch in der Zeit computergesteuerter, hochtechnisierter Schiffe und
Systeme bei der Deutschen Marine zum Pflichtprogramm der
Offiziers-Ausbildung. Das Schiff setzt nicht nur die alte Tradition
deutscher Marinen fort, sondern ist auch als segelnder Botschafter
Deutschlands auf allen Weltmeeren erfolgreich unterwegs.

Das 366 Meter lange Containerschiff
CMA CGM CHRISTOPHE
COLOMB
wird von zwei Schleppern in den Containerhafen Hamburg Altenwerder bugsiert.
Giganten der Meere
Ob Luxusyacht, Kreuzfahrtschiff, Stückgut- bzw. Massengutfrachter oder
Container-Gigant – die Schiffe sind heutzutage nicht nur computergesteuert
und mit supermoderner Technik ausgerüstet, sie werden auch von Jahr zu Jahr
größer. Unübersehbares Beispiel ist die CHRISTOPHE
COLOMB,
das größte Containerschiff, das bislang den Hamburger Hafen angelaufen hat.
Es ist ein Frachter der Superlative, vor dem Schlepper und kleine
Segelschiffe aussehen wie Spielzeugboote. Ein wahres Kraftpaket, 52 Meter
breit, 30 Meter hoch und mit fast 366 Meter lang wie die Elbe in Hamburg
breit ist. Angetrieben von dem größten Schiffsmotor der Welt, einer 14
Zylinder-Maschine mit 108.000 PS. Neunzehn Containerschichten können an und
unter Deck der CHRISTOPHE
COLOMB
(Tiefgang 15,50 Meter) übereinander gestapelt werden: insgesamt 13.800 TEU (Twenty-foot
Equivalent Unit) – ein weltweit genormtes Maß für Kapazitäten von
Containerschiffen und Hafenumschlagsmengen.
Wird dem Hafen das Wasser abgegraben? „Die
Ankunft der CMA CGM CHRISTOPHE
COLOMB
ist nicht nur ein imposantes Ereignis, sondern sie ist auch ein Zeichen für
die Attraktivität dieses Hafenstandorts für die Seeschifffahrt. Wir sehen
aber auch: Die Containerschiffe werden immer größer. Die CHRISTOPHE
COLOMB
kann den Hamburger Hafen im Augenblick nur in einem bestimmten Tidefenster
anlaufen, innerhalb dessen sie höchstens zu 85 Prozent beladen ist. Das
zeigt, dass wir mit der dringend notwendigen Anpassung der Fahrrinne der
Elbe auf dem richtigen Weg sind”,
schlussfolgerte der inzwischen zurückgetretene Senator der Behörde für
Wirtschaft und Arbeit, Axel Gedaschko. Es ist dieser Tiefgang, den man an
der Elbe so dringend benötigt. Viereinhalb Meter mehr, die es Anfang 2012
nur im neuen JadeWeserPort in Wilhelmshaven geben wird, um den größten
Containerschiffen der Welt einen angemessenen Zwischenstopp zu
gewährleisten. Mit Fertigstellung steigt der neue Hafen am Jadebusen mit
einer Kaimauerlänge von 1,7 Kilometern, die auf mehr als fünf Kilometer
erweitert werden könnte, womöglich in die Top-Liga der zehn weltweit größten
Häfen auf und könnte Hamburg von Platz 2 der europäischen Häfen verdrängen.
Denn im JadeWeserPort können Schiffe mit 18 Metern Tiefgang selbst bei
Niedrigwasser anlegen. In Hamburg werden es nach der geplanten Elbvertiefung
bei Ebbe höchstens 13,50 Meter sein, betonen Experten. Aber keine Bange!
Wilhelmshaven wird Hamburgs Hafen keinesfalls „das Wasser abgraben”. |