NEUE SCHIFFE GESICHTET

AIDAblu + MSC MAGNIFICA


Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Die AIDAblu, das neue Flaggschiff der Rostocker Reederei, lässt Kreuzfahrerherzen höher schlagen.

     


Bis das neue Schiff an der Pier festmachen konnte, bugsierten drei Schlepper die meterdicken Eisschollen, die zwischen Bordwand und Anleger klemmten, immer wieder beiseite. Nach einer halben Stunde legte die AIDAblu endlich an, küsste Hamburg wach und ließ die Herzen höher schlagen. Das galt jedenfalls für die 25 Journalisten und die 2.000 Fachbesucher aus der Reisebranche, die sich an diesem ungemütlichen Februarmorgen bei eisigem Nord-Ost-Wind vor dem Cruise Terminal eingefunden hatten, um das siebte Flaggschiff der „Kussmundflotte” zu besichtigen.
Soeben in den Dienst gestellt, ist die AIDAblu der vierte Kreuzfahrtliner einer neuen Baureihe, die ein Theatrium, das sich über drei Decks erstreckt, in den Mittelpunkt des Schiffes platziert. Tagsüber dient das lichtdurchflutete Zentrum den Passagieren als Flaniermeile und Marktplatz, abends als illuminierte Showbühne für Theatervorstellungen, Musicals, Events und Akrobatik.


Technisch gesehen ist das 352 Millionen Euro teure Passagierschiff auf dem neuesten Stand. Die leisen, hochmodernen Verbrennungsmaschinen mit vermindertem Schadstoffausstoß bringen mehr Leistung bei geringerem Verbrauch. Der unter Wasser liegende Rumpf hat einen speziellen Silikonanstrich erhalten, damit das Schiff so wenig Rost wie möglich ansetzen und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 22 kn noch flotter die Weltmeere durchkreuzen kann. 4 Dieselaggregate á 9000 kW sorgen rund um die Uhr für Energie, und die Wasseraufbereitungsanlage kann täglich bis zu 1.500.000 Liter Trinkwasser erzeugen.


Kreuzfahrer werden an Bord der AIDAblu nach Herzenslust verwöhnt. Orange, Rot, Beige und Braun sind die beherrschenden Farben des neuen Schiffes. Ich fühle mich auf Anhieb wohl und habe Lust, die AIDAblu bis in den letzten Winkel zu erkunden. Alles ist neu, hell und freundlich, das Ambiente stilvoll und stimmig, Material und Verarbeitung hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Das gilt sowohl für die zahlreichen Gesellschaftsräume als auch für die komfortabel eingerichteten Innen- und Außenkabinen mit Teppich, Klimaanlage, Dusche/WC, SAT-TV und Telefon. Erst recht für die großzügig geschnittenen Kabinen mit Balkon und die heißbegehrten 39 Balkonkabinen auf Deck 14 mit direktem Zugang zum 2602 Quadratmeter großen Wellnessbereich „Body & Soul Spa”. Saunalandschaft, Ruhe- und Behandlungs-Räume haben Meerblick und garantieren bei Einlauf in den Hafen eine imposante Aussicht auf die Silhouette der besuchten Stadt. Ein Wohlfühlerlebnis der besonderen Art erleben Passagiere in der 42 Quadratmeter großen rundum verglasten Spa-Deluxe-Suite mit umlaufender Sonnenterrasse und privater „Spa-Butlerin”.


Nach Fitnesstraining, hawaiianischer Tempelmassage und Entspannung unter’m Glasdach der künstlich begrünten Wellness-Oase kommt das vielfältige Speisenangebot in einem der 7 Restaurants wie gerufen. Neu auf Deck 10 ist das Brauhaus, wo gläserne Sudkessel 500 Liter Bier, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot, fassen können. Zu Holzfällersteak, Bratwurst und Leberkäs’ lässt sich der Brauvorgang live mitverfolgen. Am besten gefällt mir das geschmackvoll eingerichtete East Restaurant, das die ganze Bandbreite der asiatischen Küche bereithält. Gegrilltes gibt’s im California Grill, und vor dem Kamin im Buffalo Steak House schmeckt das zarte Filetsteak doppelt so gut. Erfahrene AIDA-Clubschiff-Mitglieder finden – wie auf den Schwesterschiffen – das klassische á la Carte-Restaurant „Rossini”, wo gegen Aufpreis ein Champagnermenü mit sechs Gängen serviert wird. Nicht weniger lecker speist man von den appetitlich arrangierten Buffets im „Bella Donna” und „Markt-Restaurant”. Dort sind Vollpension und Getränke wie Tischwein, Bier und Softdrink zu den Hauptmahlzeiten inklusive. Zahlreiche Cafés, Bars und eine Vinothek auf Deck 9 bilden die Plattform für neue Kontakte und noch mehr Geselligkeit.
 

Auf den Schiffen der AIDA-Flotte geht es bewusst leger und sportlich zu. Die überwiegend jungen und aktiven Passagiere wissen zu schätzen, dass es keine festen Mahlzeiten und keinen Dresscode gibt, wenngleich sich alle zu gegebenem Anlass sehr geschmackvoll kleiden. Auch bei AIDA Cruises sind die Ausflüge zu den faszinierenden Metropolen dieser Welt, geschichtsträchtigen Orten und historischen Stätten das i-Tüpfelchen einer Kreuzfahrt. Panoramafahrten und Sightseeing sind die Klassiker und werden sehr gern gebucht. Immer angesagt sind die Ausritte hoch zu Ross, Tauchgänge, Dschungeltouren, Wüstensafaris, das Canyoning und das Schwimmen mit Delfinen. Langweilig wird es auf keinen Fall. Schon gar nicht an Bord, wo allabendlich phantastische Liveshows und Solisten die Gäste beeindrucken. Einige versuchen ihr Glück im Casino, andere gönnen sich einen Drink mit Blick auf das nächtliche Meer, beleben die super Stimmung in der Disco, oder sind ganz vorne dabei, wenn Poolparties das gesamte Pooldeck in eine vibrierende Tanzfläche verwandeln.

 

Nach der glanzvollen Taufe am 9. Februar 2010 ging es mit der AIDAblu von der Fischauktionshalle in Hamburg auf Jungfernfahrt nach Palma de Mallorca. Mit ein bisschen Glück hätte ich sogar noch eine Balkonkabine für zwei Personen zum Preis von 5.300 Euro buchen können – ohne Flüge, versteht sich, aber inklusive Feuerwerk, Taufzeremonie und -party mit Designerin Jette Joop. Aber leider war ich um Minuten zu spät und musste schweren Herzens auf die Reise in der Premiumklasse und die zahlreichen Promis wie Annette Louisan, Ralf Bauer und Ingo Appelt an Bord verzichten.

www.aida.de

 

Vermessung

71.300 BRZ

Indienststellung

Februar 2010

Werft

Meyer Werft, Papenburg

Länge

252 m

Breite

32,20 m

Anzahl der Decks

15

Tiefgang

7,30 m

Maschinenleistung

gesamt 36.000 kW (48.960 PS)

Antriebsleistung

25.000 kW (34.000 PS)

Geschwindigkeit

22 kn

Passagiere

2192

Anzahl der Passagierkabinen

1096

Anzahl der Außenkabinen (inklusiv 23 Suiten)

722

Anzahl der Innenkabinen

374

Besatzung

607

Sitzplätze Theatrium

1100

Anzahl der Restaurants

7

Anzahl Bars / Lounges

13

Flagge

Italien

Reederei / Veranstalter

AIDA Cruises, Rostock

Sonnendeck

8340 m²

Wellnessbereich Body & Soul Spa

2602 m²

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

AIDAblu Wellness-Oase.

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

AIDAblu Wellness-Pool.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Der zünftige AIDAblu Biergarten ...

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

... und von hier kommt das Bier: Das AIDAblu-eigene Brauhaus.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Das Restaurant Buffalo Steakhouse”.


Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Das „East-Restaurant”.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Eine der AIDAblu SpaSuiten mit Schlaf- ...


Foto: Renato Diekmann, Rellingen

... und Wohnbereich.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Das „Gestühl” im Theatrium ...


Foto: Renato Diekmann, Rellingen

... und der Blick auf die Bühne.


Foto: MSC Kreuzfahrten, München

Kaum war die Champagnerflasche am Rumpf zersplittert, erleuchtete zu Klängen von Rossini ein gigantisches Feuerwerk das Firmament.

     

MSC hatte zum Karneval nach Venedig geladen. Nicht in die italienische Lagunenstadt, sondern in das Venedig Deutschlands, nach Hamburg. Bei eisigen Temperaturen, dafür mit südländischen Temperament und Charme.

 

Deutschland hat sich zum zweitwichtigsten Markt für die italienische Reederei entwickelt. Höchste Zeit also, nach Genua, Rom, Neapel, Dover und Barcelona endlich ein Schiff in einem hiesigen Hafen zu taufen. Prominente Patin war – wie schon sieben Mal vorher – der wohl letzte europäische Superstar, Sophia Loren.

Ungebrochen das Interesse der Pressemeute, chaotisch das Geschiebe und Gedränge, barsch die Security, minutenlanges Blitzlichtgewitter. Sie sei gerne wieder in die Hansestadt gekommen, lässt die zweifache Oscar-Preisträgerin wissen. Im April 1962 begannen hier – mit ihr als Hauptdarstellerin – die Dreharbeiten zur Verfilmung von Jean Paul Sartres Bühnenstück „Die Eingeschlossenen von Altona” und auch ihr letzter Besuch zum Filmfest 2003 sei ihr noch in guter Erinnerung. Das Hamburger Metropolis Kino nimmt die Stippvisite zum Anlass, um fast den ganzen März Loren-Filme wie „Ein besonderer Tag”, „Gestern, heute und morgen”, „Die Frau des Priesters” oder „Die Reise nach Palermo” zu zeigen.

 

fiebern dem Auftritt eines anderen italienischen Sexsymbols entgegen: Eros Ramazzotti begeisterte mit seinen beiden Shows im knapp 1200 Personen fassenden „Royal-Theatre”. Unter dessen strahlendem Sternenhimmel hätte sich auch Sasha gut gemacht – in der auch nicht gerade kleinen „L’Amestita Lounge” traten sich die Anhänger des sympathischen, mit fünf Platin- und Goldalben ausgezeichneten, Sängers gegenseitig auf die Füße.

Desiree Nick outete sich vor laufenden Kameras als bekennender Kreuzfahrtfan, Sky Du Mont testete unter den kritischen Blicken seiner Gattin Mirja die bordeigene Bowlingbahn und Hardy Krüger junior freute sich, endlich mal wieder in seiner Muttersprache italienisch parlieren zu können. Nana Mouskouri bedankte sich in ihrer Eigenschaft als UNESCO-Botschafterin für die von MSC Cruises angestoßene Initiative „Get on board for children” – auf ihren Welthit „Weiße Rosen aus Athen” wartete man allerdings vergebens. Alle Events wurden auf Großbildschirme zwischen Landungsbrücken und Fischauktionshalle übertragen. Tausende Schaulustige

 

konnten so live dabei sein und bewunderten das fulminale Feuerwerk im Anschluss an die Taufzeremonie – eines der prächtigsten, das Hamburg je gesehen hat.

 

des Abends, die MSC MAGNIFICA, komplettiert die Baureihe der MUSICA-Klasse. Wie ihre Vorgängerinnen ist sie fast 294 Meter lang, gut 32 Meter breit, knapp 60 Meter hoch und verfügt über 1259 Kabinen. Das Gros liegt außen und verfügt, wie die 44 Deluxe bzw. acht Familien-Suiten, über eine eigene Veranda. Die Passagiere können den 1160 Quadratmeter großen Wellnessbereich „MSC Aurea Spa”, vier Pools, sechs Jacuzzis, Bowlingbahn, 4D-Kino, fünf Restaurants und siebzehn Bars nutzen. Sportfanatiker dürften sich besonders in „L’Olimpiade” wohl fühlen, sind hier doch echte Memorabilien zu finden: Der Schlitten des italienischen Bobfahrers Simone Bertazzo ebenso wie das Rekordrad von Francesco Moser, der Rennski von Gustav Thönis oder die Rennrodel des Doppelolympiasiegers Armin Zöggler. Der Nachwuchs hat sein Refugium auf Deck 14, mit eigenem Pool, Kinderclub und Video Arcade.

 

MUSICA, ORCHESTRA und POESIA verfügt die „Neue” über einen Magrodome, also ein zu öffnendes Glasdach über einem der Pools. Schade nur, dass ausgerechnet im „La Grotta Azzurra” geraucht werden darf. Wie auch immer – mit diesem „Indoorbereich” sei das Schiff nach Reedereiangaben „hervorragend für den geplanten ganzjährigen Einsatz im Mittelmeer geeignet”. Zukünftiger Basishaften ist Venedig. Von dort geht es im Sommer jede Woche über Bari und Katakolon (unweit dem Geburtsort der Olympischen Spiele) nach Izmir, Istanbul und Dubrovnik. Im Winter 2010/11 ist die MSC MAGNIFICA auf drei verschiedenen, neun- und zwölftägigen Reisen im östlichen Mittelmeer unterwegs und besucht dabei auch Israel und Ägypten.

 

Die Option für zwei weitere Schwesterschiffe wurde zurückgenommen, dafür ein „Letter of indent” für die wesentlich größere MSC FAVOLOSA unterschrieben – baugleich mit MSC FANTASIA und MSC SPLENDIDA.

Wetten, dass auch dann wieder Sophia Loren ihren großen Auftritt haben wird?

Die Landungsbrücken in Hamburg sind voller wartender Sehleute, als die MSC MAGNIFICA einläuft.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Die Bar „L’Olimpiade” mit dem Bob von Olympiateilnehmer Simone Bertazzo.

 

Foto: MSC Kreuzfahrten, München

In der Bibliothek findet sich auch deutschsprachige Literatur.

Foto: MSC Kreuzfahrten, München

Wunderschön, aber leider Raucherzone: La Grotta Azzurra.

 

Foto: MSC Kreuzfahrten, München

Große Bühne für Eros Ramazzotti: Das „Royal Theatre” ...

Foto: MSC Kreuzfahrten, München

Beim Auftritt von Sasha in der „L'Ametista Lounge” wurde es eng.

 

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Der europäische Superstar Sophia Loren war Taufpatin der MAGNIFICA.

Foto: MSC Kreuzfahrten, München

Die beiden Hauptrestaurants: Das L’Edera …

 

Foto: MSC Kreuzfahrten, München

... und das nicht minder geschmackvolle Quattro venti.

Foto: Renato Diekmann, Rellingen

Gelungene Symbiose aus Marmor, Glas und Messing: Das Atrium.