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Chefreporter Dr. Peer
Schmidt-Walther

Von Vielen, auch von Kolleginnen und Kollegen, werden wir um unseren Job
beneidet, weil uns der Duft der großen, weiten Welt umweht – und weil wir
den, denken sie, auch noch umsonst haben ...
Diese Liste ließe sich um diverse Punkte erweitern. Doch wo Licht ist, gibt
es natürlich auch Schattenseiten.
Wie es meistens so ist, liegen die vordergründig im Bereich des
Finanziellen. Veranstalter bzw. Reedereien –
„Geht es ihnen so schlecht?!”
–
verlangen jetzt sogar Geld für die Mitreise von Multiplikatoren, sprich
Journalisten. Am Ende zahlt man mehr für die Recherche, als man letztendlich
verdient. Abgesehen vom Verdienstausfall während einer langen Abwesenheit
vom häuslichen PC-Schreibtisch. Immerhin waren es in meinem Fall zweieinhalb
Monate – siehe Seite 13 – ohne anderweitige Aufträge. |
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Ein krasses Missverhältnis, das nicht nur unvertretbar ist, sondern auch
davor zurückschrecken lässt, so etwas überhaupt zu machen. Es sei denn, und
das ist die Ausnahme, selbst bei Festangestellten, dass die Redaktion die
Kosten trägt.
Da wird man – wie unlängst ich – zu einer Reise mit zwei Kreuzfahrtschiffen
rund um Südamerika eingeladen (immer nur unter der Voraussetzung, dass
Kabinen frei sind), bis die „Überraschung” kommt. Auf unserer Arbeits-Agenda
haben ein Buch, mehrere Artikel, zwei Image- und mehrere Destinations-Filme
gestanden.
Fast alles ist (bis auf die Filme) mehr oder weniger kostenlose PR für
Reederei und Veranstalter.
Doch dann kommt der Hammer: An Bord wird dem Team dann mitgeteilt,
dass wir Ausflüge aus eigener Tasche bezahlen müssen. Merke: Ohne
Landgänge gibt’s aber keine Beiträge, denn die sind nun mal das Salz in
der Suppe jedes Reiseberichts.
Die Kosten: Zwischen 50 und 100 € pro Exkursion und Kopf. Wer von uns
kann oder will das bezahlen? So üppig sind die Honorare leider nicht. Noch
schlimmer: Schon des Öfteren habe ich jetzt die Frage gehört, ob ich auch
noch ein Honorar haben wolle; dann müsse man leider auf einen Beitrag
verzichten, lautet dann die lakonische Antwort.

Nicht nur als maritim orientierter Reisejournalist – wir alle können ein
Lied davon singen – wird man häufig zum Bittsteller degradiert: kein sehr
motivierendes Gefühl! Ich habe in meiner langjährigen Praxis nur eine
Handvoll Veranstalter / Reedereien erlebt, die alle Kosten aus ihrem Werbeetat
übernommen haben (und das auch noch absetzten konnten!).
Schließlich glaubt man dafür bekannt zu sein, dass unterm Strich ordentliche
Beiträge, Bücher oder Filme herauskommen (leider gibt es in unserer Zunft
auch einige Schmarotzer, die reisen, aber hinterher nichts abliefern:
schwarze Schafe, die jedoch bekannt sein dürften).
Die Frage stellt sich, wie unsere Position gestärkt werden kann. Zumal wir
nur eine relativ eng begrenzte Schar sind, die fachkundig berichten kann,
aber ständig um Anerkennung buhlen muss.
Kürzlich bekamen ein sehr versierter und bekannter Fotokollege und ich den
Auftrag von einem renommierten Verlag, einen großen Bildband über ein
bekanntes deutsches Kreuzfahrtschiff zu erstellen. Die Reederei verlangt
aber, dass wir für die einwöchigen An-Bord-Recherchen glattweg 100 bis
150 € pro Person und Tag bezahlen – haarsträubend! Obwohl Kabinen frei
sind und Essen keine (Kosten-) Rolle spielt.

Man hat den Eindruck, eine Reihe von Unternehmen habe es scheinbar nicht
nötig, dass über sie berichtet wird. Natürlich wollen das auch etliche
nicht, weil sie fürchten, dass Interna nach außen dringen könnten. Bei der
Werft langgeübte Praxis. Da wird ein Kollege sogar per DIN A 4-Porträt in
der Pförtnerloge aufgehängt mit dem fettgedruckten Hinweis:
„Dieser Mann
darf die Werft nicht betreten!” Ja, soweit sind wir schon wieder! Auch wenn
er sich nichts hat zuschulden kommen lassen, sondern nur fachkundig und
weitgehend mit positivem Grundtenor berichtet hat.
Viele Kolleginnen und
Kollegen haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Die sollte man bündeln und darüber
nachdenken, wie wir unsere Rolle optimieren können, auch im Sinne eines
besseren partnerschaftlichen Verständnisses unserer Arbeit. |